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Tief „Günter“

 

„Günter, aufstehen – Marathon!“ Mit diesen Worten weckt mich meine Frau und hat sich damit an diesem Tag zum ersten Mal unbeliebt gemacht. Nicht weil sie mich weckt, auch nicht weil sie mich an den Marathon erinnert. Nein, das Wort Günter ist der Auslöser meines frühmorgendlichen Ärgers. Denn sofort fällt mir ein: „Günter“ heißt dieses Tiefdruckgebiet, dass uns heute die Freude am Marathon mit Regen und Schnee vermasseln will. Wie nur kann man ein so fieses Tief nach so einem netten Menschen wie mich benennen?

Gemeinsam mit Andreas Gäbler fahre ich Richtung Berlin. Genauer gesagt, Andreas fährt, ich sitze nur dabei. Und das fast drei Stunden, bis wir Marienwerder erreichen, die kleine Gemeinde nördlich von Berlin.

Andreas war hier schon zweimal am Start, kennt sich also aus, weiß wo er parken kann. Denkt er sich so. Aber in diesem Jahr ist das etwas anders geregelt. Schon am Ortsrand ist ein Parkplatz eingerichtet. Ein kleiner Bus bringt die Läufer in den Ort. Und von da aus müssen sie die für normale Menschen unglaubliche Entfernung von 500 Metern zu Fuß zurücklegen. Wie gesagt, für normale Menschen, Marathonläufern kann man so etwas zumuten…

Heute ist wieder mal das Trio Chaoso am Start, das aus Andreas, meiner Wenigkeit und dem Berliner Dieter Fromme besteht. Wir beiden Sachsen haben uns von der Bezeichnung „Naturmarathon“ locken lassen. Dieter nicht, der läuft weil wir laufen. Mit Wald kann man den nicht locken.

Die Strecke besteht aus einem 10,5 Kilometer Rundkurs, komplett verkehrsfrei, 60 Prozent feste Wege, 40 Prozent Asphalt.

Es gibt Kinderläufe, einen Schnupperlauf für Erwachsene, den Viertelmarathon, den Halbmarathon und den richtigen Marathon. Und dann gibt es auch noch einen Dreiviertelmarathon. Mein Gott, was ist denn das? Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes, denke ich mir so. Spreche es aber zum Glück nicht aus. Denn wer in den Ergebnislisten nachschaut wird feststellen, dass 109 Läufer beim Marathon finishen, beim Dreiviertelmarathon 115!  

 
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Was die Organisation an Start und Ziel betrifft, Umkleide, Duschen usw. - das kann man getrost vergessen. Ich meine, da brauche ich nicht drüber zu schreiben, das ist alles im grünen Bereich. Auch meine Nachmeldung ist schnell erledigt.

Der Marathonstart erfolgt 10.10 Uhr. Kaum gestartet, laufen wir auch schon im Wald. Und damit kann ich eigentlich die Streckenbeschreibung beenden. Wald, nichts als Wald. Ein See noch, ein Stück entlang des Finow-Kanals. Zur Streckenbeschreibung genügt eigentlich das Wort, das der Veranstaltung den Namen gegeben hat: Naturmarathon! Er findet in diesem Jahr bereits zum 11. Mal statt.

Der vollständige Name der Veranstaltung lautet baff-Naturmarathon. Baff ist ein Erlebnisbad in Eberswalde. Da seid ihr baff – was ich alles so weiß…

Ach so, Günter muss ich noch erwähnen. Günter, das fiese Tief, ist gar nicht so fies, hat ein Herz für Marathonläufer. Kein Regen, kein Schnee – da haben sich die Wetterfrösche wohl etwas geirrt. Wenn man die Laufkleidung einiger Läufer betrachtet, könnte man sogar annehmen, es ist Frühling. Kurze Hosen, ärmelloses Shirt. Soll ich euch mal was verraten? Das verwirrt mich etwas - ich habe die langen Unterhosen an. Und finde das sogar richtig…

 
© marathon4you.de 40 Bilder

Es gibt zwei offizielle Verpflegungsstellen, eine im Start-Zielbereich, eine nach etwa 5 Kilometern. Beide gut bestückt, alles da, was Läufer so mögen. Und so fällt es mir gegenüber den Helfern, die dort ihre Freizeit opfern, wirklich schwer, eine besonders hervorzuheben. Eine dritte, eine inoffizielle Verpflegungsstelle.

Gelegen an der Gaststätte „Schleusengraf“, ist die anders. Die Gaststätte hat im Winterhalbjahr geschlossen und da ist es den Wirtsleuten, der Familie Käferstein, wohl langweilig. Marathon laufen wollen sie aber nicht und so haben sie sich gesagt: Da stellen wir den Läufern wenigstens was zu trinken hin und bewirten sie. Ein Hinweisschild stellt die Läufer vor die schwere Entscheidung: Schmerz oder Bier! So manch einer greift wirklich zum Bier. Aber ich glaube, der Schmerz kommt trotzdem. Den kann auch der lustige Gitarrenspieler nicht wegsingen.

Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich sagen: Liebe Berliner, schwingt euch im Sommer aufs Fahrrad und bedankt euch mit einem Bier (aber dann bitte bezahlen!) für diese Unterstützung vom „Schleusengraf“. Ich würde das machen, aber von Sachsen aus ist es etwas weit. 

In der ersten Runde treffe ich an dieser Verpflegungsstelle auf die Startnummer 58. Komisch, denke ich, was macht der hier? Sieht wie ein richtiger Läufer aus und gurkt wie ich am Ende des Läuferfeldes herum. Aber vielleicht hat er im Winter auch nur viel zu wenig trainiert  - wie ich.

Er erzählt mir, er nutze diesen Lauf nur zur Vorbereitung. Die Zeit sei ihm nicht so wichtig. Er will lieber etwas weiter laufen. Komisch, denke ich, ein Marathon ist doch eigentlich immer 42 Kilometer lang. Na gut, für ihn nicht, er will anschließend noch nach Hause laufen, nach Berlin. Eins ist mir schon klar - das Nachbardorf ist das nicht…

Wir laufen ein kurzes Stück gemeinsam und er erzählt mir, dass er für den Madeira-Ultra-Trail trainiert. Den kenne ich gar nicht – eine Bildungslücke! Es ist einer der spektakulärsten Ultratrailläufe der Welt, findet am 12. April statt. Und die Startnummer 58 ist für den 115-Kilometer-Kanten angemeldet. Da hat er sich ja was vorgenommen.

Wir trennen uns in Marienwerder, dort, wo der Naturmarathon mal nicht Naturmarathon ist. Durch den Ort führt die Strecke 500 Meter in einer Richtung, dann geht es auf der gleichen Straße zurück. Gefällt mir. Das ist so eine breite Straße, wie Straßen in Brandenburg nun mal sind - mit Gras am Rand. So was haben wir in Sachsen nicht!

Nun komme ich zu etwas Unangenehmen – zu meiner Leistung. Ende meiner dritten Runde überholt mich Andreas Gäbler. Während ich noch einmal in den Wald muss, hat er es geschafft, in 3:53:51 überquert er die Ziellinie. Und er sieht sogar noch gut aus. Na ja, der hat aber auch im Winter ordentlich trainiert, sich gesund ernährt und einige Kilo abgenommen. Wenn ich in Betracht ziehe, dass ich dies alles nicht getan habe, geht meine Zielzeit von 5:21:52 in Ordnung…

In der letzten Runde komme ich mir etwas einsam vor. Aber was ist schöner, als die Ruhe des Waldes zu genießen? Wenn Dieter das endlich einsehen würde, hätte er sich mehr Zeit gelassen und im Ziel nicht eine halbe Stunde auf mich warten müssen...

Dann sind wir auf der Heimfahrt, kurz vor Prenden. Weiß der Teufel, wo das Dorf liegt. Das muss man auch nicht kennen. Aber der Läufer, der da einsam und verlassen am Straßenrand unterwegs ist, der kommt mir bekannt vor. Es ist die Nr. 58 auf dem Heimweg…

Am nächsten Tag erreicht mich eine E-Mail mit folgendem Wortlaut: Hallo Günter, hier ist die Startnummer 58. Bin insgesamt 80,6 Kilometer gelaufen und mit einer kleinen Ehrenschleife am Liepnitzsee gut in Berlin angekommen. Der Marathon war eine gelungene Veranstaltung.

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Viel Erfolg in Madeira – du hast es dir verdient -  Nummer 58! Man darf ihn aber auch Ralf Welzel nennen, oder Karower Schneckenchef. 


 
Sieger Marathon Männer

1.  Pick, Dominik                                LG Nord Berlin                     2:41:24
2.  Wießner, Enrico                             FH Runners Berlin               2:52:56
3.  Höhne, Peter                                  Petersberg                             2:56:37


Sieger Marathon Frauen

1.  Rolle, Particia                               LG Nord Berlin                     3:26:51
2.  Lemme, Bärbel                             Möllner SV                           3:28:51
3.  Seidel, Grit                                   LG Nord Berlin                    3:53:51  

 

Informationen: Naturmarathon
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