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Laufberichte

Wo bitte ist Muttenz?

04.05.14
Autor: Jan Kunz

Diese Frage werden sich vermutlich viele Leser stellen, wenn sie auf der Marathon4you-Webseite über den Link zum Muttenz Marathon stolpern. Diese Frage ist leicht beantwortet, denn Muttenz ist ein Vorort von Basel, auch wenn die Einwohner nicht müde werden zu betonen, dass Muttenz nach wie vor eine eigenständige Gemeinde ist.

Wer genauer wissen will, wie es zum kleinsten Marathon der Schweiz gekommen ist und welche Idee dahinter steckt, dem sei als Lektüre die früheren Berichte von Daniel Steiner zu empfohlen, die er für die ersten vier Austragungen dieses Marathons geschrieben hat.

Der Muttenz Marathon (MuMa) hat schon gleich bei der ersten Austragung im Jahr 2009 mein Interesse geweckt, denn damals wohnte ich in Basel und die Idee von einem Marathon mit nur 7 Teilnehmern fand ich schon seinerzeit sehr interessant. Ein Marathon - reduziert auf das absolute Minimum ohne großes Brimborium, 42.2 Kilometer  und sonst nichts, das ist etwas für Laufpuristen. Leider kam es für mich damals zu einer Terminkollision mit dem Hamburg Marathon. Der fand nur wenig später statt und war mein auserkorener Frühjahrsmarathon. Zwei Marathons in so kurzer Zeit war mir zu viel und somit konzentrierte ich mich auf Hamburg, wo ich dann auch meine Bestzeit lief. Dass das mein letzter Marathon für ziemlich genau fünf Jahre werden sollte, wusste ich damals allerdings  nicht.

Im Jahr 2013 fiel der MuMa aus und ich war besorgt, dass ich meine Chance verpasst hatte und nach vier Austragungen Schluss mit Muttenz wäre. Im Herbst 2013 wurde aber bekannt, dass der Muttenz Marathon nach der einjährigen Pause im Jahr 2014 wieder stattfinden sollte. Und so schloss sich der Kreis für mich. Ich erkor den MuMa kurzerhand zum ersten Marathon, den ich nach meiner fünfjährigen Pause wieder laufen wollte.

Er erfüllte ein paar Kriterien, die ich für den Wiedereinstieg ins "Marathongeschäft" unbedingt vorgegeben hatte. Es sollte ein Marathon in der Nähe meines Wohnortes sein - das erfüllte er mit rund 10 Kilometer Entfernung perfekt. Eine langsame Strecke sollte es sein, denn ich wollte bei meinem ersten Marathon nach der Pause nicht eine Bestzeit von früher im Hinterkopf haben (die ich sowieso nicht schaffen konnte). Das erfüllte der MuMa mit rund 650 Höhenmetern ebenfalls. Und ich wollte einen einfachen Marathon ohne großes Drumherum. Einen Lauf, bei dem man sein eigenes Tempo rennen könnte und von nichts und Niemanden abgelenkt würde. Kurzum, ein Marathon ohne Druck!
Außerdem hatte ich so viel Gutes gehört von dieser Veranstaltung und dann war da ja noch die Neugier auf den kleinsten Marathon der Schweiz. So stand ich also am letzten Samstag im April mit rund 80 anderen Läufern an der Startlinie direkt vor der Dorfkirche in Muttenz.

Rund ein Drittel der Starter wollten die zwei Drittel Runde laufen. Eine Streckenlänge, die selten angeboten wird, die ich aber durchaus attraktiv finde.

Die letzten Minuten vor dem Start zeigten dann auch gleich einen Vorteil des kleinen Marathons gegenüber den Megaveranstaltungen mit zigtausenden Teilnehmern. Zehn Minuten vor dem Start musste ich noch einmal zur Toilette, diese befand ich keine 30 Meter vom Start entfernt. Dort war niemand und ich hatte freie Box-Auswahl. Die ausgewählte Toilette war dann auch noch sauber und geruchsfrei, was ich so auch noch nie erlebt hatte bei einer Laufveranstaltung.

Im Startbereich gab kein Gedränge, keine Hektik, alle standen ganz ruhig - aber trotzdem nervös- vor dem Startbogen und man konnte sich noch mit den Zuschauern unterhalten. Kein Krach, laute Musik oder ähnliches. Einfach ein Speaker, der uns Glück wünschte und von zehn auf null zählte und schon waren wir auf der Strecke.

Diese hatte ich bereits im Vorfeld, verteilt auf zwei Longjogs, inspiziert, was sich später im Rennen als sehr gute Idee herausstellte. Denn bei diesem anspruchsvollen Kurs half die Streckenkenntnis bei der Renneinteilung enorm.

Ein weiterer Vorteil der MuMa-Strecke zeigte sich direkt nach dem Startschuss. Ich konnte vom ersten Meter an mein eigenes Tempo rennen. Kein Getrampel und Gestolpere - einfach rennen – so muss das sein.

Nach rund zwei Kilometern überquerten wir an der schönen, gedeckten Holzbrücke den kleinen Fluss Birs. Direkt nach der Brücke und einem scharfen Rechtsknick, war mit dem Asphalt unter unseren Füssen erst einmal Schluss. Wir liefen nun auf einem schmalen Trail in einem Wäldchen am Fluss entlang.

Die Temperaturen waren mit rund 16 Grad ideal und die Sonne blieb hinter den Wolken verborgen. Jetzt war ich über meine Trailschuhe froh, für die ich mich nach langem Abwägen entschieden hatte. Der größte Teil der Strecke ist nicht asphaltiert und so hatte ich beschlossen, dass diese Schuhwahl auf die ganze Strecke gesehen, die bessere sein würde.
Ein umgestürzter Baum stellte die einzige Herausforderung an die Konzentration dar. So früh im Rennen war diese kein Problem und die Baumhürde wurde einfach übersprungen. Kaum aus dem kleinen Wäldchen heraus, kam auf der linken Seite das Fußballstadion vom FC Basel in Sicht. Wenn dort ein Heimspiel stattfindet ist der Teufel los, aber heute war niemand zu sehen.

Die nächsten zwei Kilometer ging es auf einer Wiese immer dem Fluss entlang. Obwohl es dort verhältnismäßig eben war, musste man schauen wo man hinrennt, denn es gab immer wieder Bodenunebenheiten und kleine Löcher. Mein Führungsfahrrad oder Velo, wie es in der Schweiz heißt, räumte mir den Weg frei und so interessierte sich zum Glück keiner der Frühsport treibenden Hunde für mich.

Am Ende der Wiesenstrecke ging es in auf einen kleinen, schmalen, betonierten Uferweg. Laut Murphys Gesetzen stehen Hindernisse immer an der engsten Stelle, so auch in diesem Fall. Und zwar in der Form einer älterem Dame mit ihren zwei Hunden.

Mein Vorfahrer konnte sie nicht schnell genug darüber informieren, dass nun eine Horde Läufer des Weges kommen würden.  Und so konnte sie nur einen ihrer zwei Hunde zur Seite ziehen. Der Zweite (ich glaube, es war ein Dackel) wurde deshalb genauso behandelt wie 2Kilometer zuvor der umgestürzte Baumstamm - er wurde übersprungen. Dies blieb zum Glück das einzige Hindernis auf der ganzen Strecke und so konnte ich mich schnell wieder aufs Laufen konzentrieren.

Kurz danach kamen wir zur Birsmündung, und somit zur  Stelle, an der sie in den Rhein fließt. Da die Streckenführung nun vorsah, dass wir diesen hochlaufen sollten, mussten wir scharf rechts über die neue Fußgängerbrücke abbiegen und zum Birsköpfli laufen. Das ist eine große Wiese, die im Sommer als Badewiese genutzt wird und dann mit Leuten vollgepackt ist. An diesem trüben Samstagmorgen wollte jedoch niemand im Rhein schwimmen gehen und somit war die Wiese menschenleer.

Wir überholten ein paar Jogger, die waren so nett und feuerten uns an. An der Birsfelder-Schleuse war zwar kein Schiff zu sehen, dafür der erste Verpflegungsposten.

Ein kurzes „Hallo“ an die Helfer und ein Stopp für einen halben Becher Wasser und schon ging es weiter. Auch dies ist der Vorteil einer kleinen Veranstaltung - es gibt kein Gedränge an den Verpflegungsposten - auch nicht im hinteren Teil des Feldes.

Danach ging es direkt zum Rhein und die Strecke führte am Ufer flussaufwärts durch den Industriehafen von Basel. Es war angenehm ruhig am Fluss und ich genoss meinen Lauf in vollen Zügen.
Als am Boden die 10 Kilometer angeschrieben waren, stoppte ich zum zweiten Mal die Zeit. Ich traute meinen Augen kaum, als da eine siebenunddreißiger Zeit stand - das war schneller als geplant. Aber da es sich locker anfühlte und ich ja bewusst nach Gefühl laufen wollte, beschloss ich, dass alles in Ordnung wäre. Außerdem war mir klar, dass ich später jedes Zeitpolster brauchen könnte, denn ich wollte versuchen, unter der magischen 3-Stunden Marke zu bleiben.

Der Streckenrekord war zu diesem Zeitpunkt bei 3:06h und mir war bewusst, dass es nicht leicht würde, das zu schaffen. Hatte ich am Anfang nicht geschrieben, ich wollte den Muttenz Marathon ohne Druck laufen? Da muss ich jetzt kurz ausholen.

Bei der Anmeldung für den MuMa sollte man seine Marathonbestzeit angeben. Und meine war am Ende von allen gemeldeten Startern die Schnellste. Also wurde ich als Favorit auserkoren – das Argument, dass ich 5 Jahre keinen Marathon gelaufen war und zwei Jahre komplett mit dem Laufen ausgesetzt hatte, ließ man nicht gelt. Von verschiedenen Seiten wurde mir eingeredet, dass ich doch probieren könnte, den Streckenrekord zu unterbieten. Was dann auch irgendwie gleich den Sieg mit einschloss.

Ich gab nach und versprach, es zumindest zu probieren. Somit hatte mich meine Vergangenheit eingeholt und der Druck stand zu guter Letzt doch noch vor der Tür. Es war eigentlich nicht das, was ich mir unter einem lockeren Marathonwiedereinstieg erhofft hatte.

Doch weiter zum Rennen und zu der Strecke - denn nach dem Hafen folgte einer der schönsten Abschnitte. Diesen Trail bin ich früher oft gerannt und kenne ihn deshalb sehr gut. Ein schmaler Weg mit vielen Wurzeln, der sich kurvig, mit immer leichtem Auf und Ab am Rheinufer entlang schlängelt. Wer hier Zeit hat, kann eine tolle Aussicht über den Fluss genießen. Wer allerdings schnell rennt, sollte auf seine Füsse aufpassen, denn die Strecke ist anspruchsvoll und sollte konzentriert angegangen werden.

Wenn beim MuMa immer die Rede davon ist, dass die erste Runde flach wäre, so ist das relativ zu betrachten. Denn im Gegensatz zu Runde zwei und drei ist es natürlich flach, absolut betrachtet allerdings nicht. Bei einem Citymarathon würden die nun folgenden Abschnitte sicherlich wegen ihrer Steigungen eine Erwähnung finden. Denn wer am Rheinufer entlang rennt, muss irgendwann auch wieder hoch und genau das war auf Höhe Schweizerhalle der Fall. Zwei scharfe Rechtskurven und ein rund 150 Meter langer Anstieg brachten die Läufer über die große Straße ins Industriegebiet Schweizerhalle. Wenn der Trail zuvor einer der schönsten Abschnitte der Strecke war, so war die so ziemlich das Gegenteil.

Aber irgendwie hatte dieser Kontrast auch etwas für sich und machte mir nichts aus. Zumal nun der längste asphaltierte Abschnitt folgte und nicht mehr ganz so viel Konzentration nötig war wie noch zuvor. Kurz nach dem Verpflegungsposten kam eine kleine aber fiese Rampe, welche zur Fußgängerbrücke über die Autobahn führte. Auch diese war nicht flach und das anschließende Stück ebenfalls nicht. So viel also zum Thema flache erste Runde, dachte ich mir.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Beine aber noch frisch und ich konnte trotz der vielen Ecken und Rampen weiterhin das Tempo hoch halten. Die Stahlbrücke über die Bahnlinie war mit ihren zahlreichen Stufen dann aber der erste echte Tempobrecher.

Von dort ging es wieder zurück in Richtung Muttenz und wenig später konnte ich zu meiner Linken, weit über mir, den steilsten Anstieg des Tages sehen. Da dieser erst bei KM 39 kommen sollte, wollte ich mich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht damit beschäftigen.

Am Ortseingang von Muttenz gab es dann die erste Überraschung, denn dort wartete ein Vereinskollege mit einer mobilen Speakeranlage und sorgte für Stimmung. Er war der erste "echte" Zuschauer seit dem Start und ich freute mich über seine Anfeuerungsrufe.  
Läufer, die beim Marathon Zuschauer brauchen, sind beim MuMa definitiv nicht am richtigen Ort. Wer in Muttenz dabei ist, muss das einsame Laufen gewöhnt sein oder es trainieren wollen. Kurz danach war mit dem Dorfplatz und der Kirche unser Ausgangspunkt erreicht und die erste Runde somit vorbei. Nach rund 17 Kilometern ging es fast wie beim Boxen in die zweite Runde, allerdings ohne Gong. Und es gab keine Pause - dafür aber Motivation, denn meine Familie und ein paar Freunde waren dort und feuerten mich an. Wieder so ein Vorteil des kleinen Marathons - man verpasst hier mit Sicherheit nicht seine Supporter. Jemanden zu übersehen oder zu überhören, ist praktisch ausgeschlossen.

Wir waren zunächst auf der gleichen Strecke der ersten Runde, nach rund 500 Metern wurde aber links abgebogen. Und das war gleichbedeutend mit der ersten langen Steigung des Tages. Nun zahlte sich die Streckenkenntnis aus, denn und ich wusste, dass es sehr lange bergauf gehen würde. Ich versuchte ein gleichmäßiges Tempo zu finden, was nach dem extremen Tempowechsel gar nicht so leicht war. Oben auf den Hügeln konnte ich zum ersten Mal die tolle Aussicht rund um Muttenz genießen und war froh, dass die sich die Sonne noch nicht zeigte.

Wenig später kam im Wald die Halbmarathonmarke, welche ich bei 1:27 passierte. Schon da war mir klar, dass die 3 Stundenmarke eine hohe Hürde sein würde. Den Anstieg zur Schönmatt, einem Ausflugsrestaurant, kannte ich noch von früher, als ich oft mit dem Mountainbike diesen Weg gefahren war. Ich war froh als ich oben ankam, passierte den Bergpreis und freute mich sehr über den Verpflegungsposten.
Ich bewunderte die schönen Obstbäume in voller Blüte und freute mich über die Tatsache, dass es nun länger bergab gehen würde. Auf schönen Waldwegen war es teilweise steil und erst kurz vor dem Egglisgraben, einem weiteren Ausflugsrestaurant, ging es wieder leicht bergan.

Ein Schild, das mit KM 37 beschriftet war, kam in Sicht. Leider war dies für Runde drei gedacht, wir waren jetzt erst bei Kilometer 25. Den Gedanken an die noch ausstehenden 17 Kilometer schob ich schnell beiseite.

Am Egglisgraben wartete zu meinem Erstaunen wieder Lucas mit dem Ghettoblaster auf die Läufer und feuerte uns abermals kräftig an. Nach einem kurzen Getränkestopp ging es um die nächste Linkskurve und somit auch wieder bergab in Richtung Muttenz.

Doch anstatt den direkten Weg hinunter ins Dorf zu nehmen, führte die Strecke in einem weiten Bogen durch die Weinberge. Erst danach ging es zurück zum Dorfplatz und Runde drei stand auf dem Programm.

In der Zwischenzeit war es zwölf Uhr mittags und es hatte mehr Zuschauer vor Ort. Ich sah ein paar bekannte Gesichter und freute mich über die moralische Unterstützung vom Streckenrand. An der Verpflegung beschränkte ich mich auf einen Becher isotonisches Getränk und rannte sofort wieder meinem Führungsvelo hinterher, hinein in Runde drei.

Die ersten beiden Kilometer waren identisch mit denen aus Runde eins und ich wünschte mir noch einmal so lockere Beine wie zwei Stunden zuvor an der gleichen Stelle.

Wir liefen wieder bis zur Birs, bogen dieses Mal aber nach links ab und liefen das linke Flussufer hinauf. Wenig später stand der nächste lange Anstieg bevor. Ich merkte schnell, dass ich das hohe Tempo am Berg nicht mehr rennen konnte und beschloss einfach ein Tempo zu laufen, das sich noch mit den müder werdenden Beinen vereinbaren ließ.

Die nächsten Kilometer zogen sich ziemlich und nun wünschte ich mir zum ersten Mal die Zuschauermassen eines Berlin Marathons an den Streckenrand. Die hätten mich sicherlich hochgepusht. Aber im Wald war ich alleine unterwegs und so musste ich mich anderweitig motivieren. Ich versuchte an die immer noch mögliche 3 Stunden Marke zu denken und versuchte in den flacheren Abschnitten etwas schneller zu rennen. Aber der dauernde Tempowechsel auf den bereits absolvierten 35 Kilometern war hart und so richtig wollte das nicht mehr funktionieren.
Bei der 35er Marke stoppte ich wieder einmal die Zeit ab und nun war klar, dass es sehr eng würde für die drei Stunden, denn noch stand der Hammeranstieg bei der Burg auf dem Programm. Daran versuchte ich aber nicht zu denken.

Die tolle Aussicht sorgte für Ablenkung und auf der anderen Talseite konnte ich Läufer in den Weinbergen sehen, welche noch in Runde zwei unterwegs waren. Auch konnte ich von diesem Punkt den größten Teil der noch verbleibenden Kilometer sehen und leider auch die beiden Anstiege, welche noch vor mir lagen.

Der erste der Beiden kam sogleich und wenig später waren wir wieder auf vertrautem Gelände, nämlich dem Abschnitt, den wir schon in Runde zwei gelaufen waren. Dieses Mal stimmte das Schild mit den 37 Kilometer und ich war froh, dass nur noch 5 Kilometer zu laufen waren.

Wieder ging es zum Egglisgraben, wo nach wie vor Lucas mit dem Ghettoblaster alles gab. Dieses Mal verzichtete ich auf die Bewirtung und rannte direkt in das Gefälle. Wie wünschte ich mir, noch so rennen zu dürfen wie in Runde zwei, nämlich bergab nach Muttenz. Doch Streckenchef hatte anderes vor. Die Läufern in Runde zwei liefen bergab, während ich nach rechts abbog, was mit dem nächsten Anstieg verbunden war.

Gerne hätte ich an diesem Anstieg mehr gepusht - dann hätte es aber mich aus den Puschen gehauen. So also ging es irgendwie den Hügel hinauf mit schweren Beinen, die einfach nicht mehr schneller rennen wollten. Kaum oben angekommen, ging es noch einmal steil bergab durch zwei Serpentinen, nur um dann vor den steilsten 150 Metern der ganzen Strecke zu stehen. Das war der Punkt, den ich in Runde eins weit oberhalb gesehen hatte, der Punkt, von dem ich wusste, wie steil er sein würde. Ich hatte ihn ja vor zwei Wochen besichtigt. Selbst mit frischen Beinen war er anstrengend.

Irgendwie konnte ich trotz allem noch hinaufrennen obwohl es weder schnell war noch elegant. Für die Burg oben auf der Kuppe hatte ich keinen Blick mehr und so rannte ich einfach in den Waldweg hinein, der steil nach unten führte und mir noch einmal alle Konzentration abverlangte. Dort gab es viele Wurzeln und Steine und auch ein tolles Schild, auf dem KM 40 stand. Ich stoppte meine Zeit auf der Uhr ab und wusste, dass die verbleibenden Minuten nicht mehr reichen würden für eine Zeit unter 3 Stunden. Denn am Ende der steilen Bergabstrecke stand nach einer scharfen Linkskurve noch mal ein halber Kilometer Anstieg auf dem Streckenplan und die mussten erst einmal bewältigt werden.

In den Weinbergen kam dann das erlösende Schild „KM41“, welches bei jedem Marathoni noch einmal Reserven freisetzt. Der letzte Kilometer vor der erlösenden Ziellinie. Von nun an ging es tatsächlich bergab in Richtung Ziel, ohne weitere Gegensteigungen. Meine Oberschenkel platzten zwar fast - aber ich lief endlich wieder schnell. Kurz vor dem Ziel, schon mit Blick auf die Dorfkirche, ertönten deren Glocken und teilten mir mit, dass es nun 13 Uhr sei. Somit hatte ich das Rennen gegen die Uhr und die 3-Stundenmarke verloren.

Nach 3:01:15 überquerte ich trotzdem glücklich die Ziellinie. Ich hatte es versucht und immerhin den bestehenden Streckenrekord um 5 Minuten unterboten und meinen ersten Marathon gewonnen.

Im Ziel konnte ich dann auch gleich den nächsten Vorteil einer kleinen Veranstaltung ausnutzen, denn ich konnte alle Freunde und Bekannten gleich finden, bekam ohne Probleme Getränke und etwas zu Essen. Das Allerbeste aber war eine Liege mit dazugehöriger Massage. Daran könnte ich mich gewöhnen.
Ansonsten kann ich diesen Marathon allen Laufpuristen nur wärmstens empfehlen. Alle Beteiligten sind super engagiert und es hat richtig Spaß gemacht, diesen Marathon zu laufen. Für das Wetter können die Veranstalter natürlich nichts, aber auch das war perfekt. Das Glück ist mit den Tüchtigen, ist man versucht zu sagen.

 

Informationen: Muttenz-Marathon
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