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Warum ist es am Rhein so schön?

 

Sentimentalität. Im ersten Moment, fast wie eine Flaschenpost aus längst vergangener Zeit. Erinnerungen an einen Schulausflug, wenn auch nur flüchtige. Die Schultische standen in Reihen mit dem Blick zur Tafel. Mädchen saßen neben Mädchen und Jungen neben Jungen. Im Zeugnis gab es noch Noten für Schönschrift und Betragen. Wohin der Schulausflug gehen sollte, entschied allein der Lehrer. Mein Lehrer, im Rollkragen, Cordjacke und schütterem Haar, war eine Respektsperson.

Der Heimatkundeunterricht führte an den Rhein, schließlich handelt es sich um Deutschlands ältestes Reisegebiet. Kaum eine Schulklasse, die in den 70er Jahren nicht auf dem Rheinschiff den spannenden Geschichten der Loreley lauschte. Ausgestiegen ist man am Deutschen Eck, dann wurde gewandert, den Rest habe ich vergessen und verdrängt, weil spießig und langweilig.

 

Warum aber ist es am Rhein so schön?

 


1950/60 fuhr man nicht in den Urlaub, sondern vergnügte sich am Rhein. Engländer verbrachten ihre Hochzeitsreise gerne hier. Später änderte sich der Trend. Es kamen meist nur noch dickbäuchige Kegelbrüder und ältere Damen mit nach 4711 duftendem silberblauem Haar für die Kaffeefahrt. Der Wandel von verstaubter Rheinromantik mit Eckes Edelkirsch zum Pauschalurlaub und Sangria am Ballermann. Da kann es schon mal passieren, das man im weit entfernten Myanmar auf das Flusskreuzschiff "MS Road to Mandalay", welches in den sechziger Jahren für die Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt gebaut wurde, statt den Rhein, den Ayeyarwady River befährt.


 
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Rheintourismus im 21. Jahrhundert sieht anders aus. Die Berge rechts- und linksrheinisch sind ein Outdoor-Paradies für Wanderer, Kletterer und Mountainbiker, mit dem Renn- oder Tourenrad können die Rhein-Radwege befahren werden. Andere zieht es magisch zur schönen Blonden: Die Loreley-Festivalbühne auf dem Felsplateau lockt Massen an. Der Mittelrhein Marathon gilt als eine der größten Sportveranstaltungen in der Region und wenn im August der längste Schiffskorso Europas den Rhein befährt, werden eine halbe Million Menschen über den „Rhein im Flammen“ staunen – all das verkauft sich hervorragend.

 

Der Rhein fließt, wir starten gegen den Strom

 
Da steh ich also wieder, viele, viele Jahre später am Castellum apud confluentes (Kastell an den Zusammenfließenden). Damit ist der Zusammenfluss von Rhein und Mosel gemeint. Und aus Confluentes Coblenz wurde später Koblenz. Das habe ich nicht von meinem damaligen Lehrer, sondern aus Wikipedia. Wie ein riesiger Tortenaufsatz in exponierter Lage ragt Kaiser Wilhelm I arrogant den Läufern hoch zu Ross entgegen. Überheblich schaut er nicht auf das Fußvolk, sondern rüber zur anderen Rheinseite, zur Festung Ehrenbreitstein. 

Läufer am Ufer blicken ins Wasser. Schlammfarben strömt der Rhein seit 800 000 Jahren dahin und trennt das rheinische Schiefergebirge. 65 Stromkilometer von Rüdesheim mit dem Flusskilometer 526 bis nach Koblenz mit dem Kilometer 593 führt das Obere Mittelrheintal. Die Kilometersteine am Rhein weisen nicht nur den Kapitänen den Weg, auch für uns sind sie hin und wieder gut sichtbar. Mit seinen 67 Kilometern macht das Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ zwar nur rund fünf Prozent des 1320 Kilometer langen Stroms von den Alpen bis zur Nordsee aus – es wird aber nicht selten als das Filetstück des gesamten Rheintals bezeichnet. Nur noch wenige Minuten bis zum Start.


 
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Etwa 250 Marathonläuferinnen und Mitläufer stehen bereit – hier am historischen „Deutschen Eck“. Damit ist keine typisch deutsche Gaststätte mit Schnitzelkultur gemeint (die es dort auch gibt), sondern eine kleine und bereits im 13. Jahrhundert künstlich aufgeschüttete Landspitze. Das Deutsche Eck gilt als das Wahrzeichen der Stadt Koblenz.

 

Koblenz-Rheinkilometer 593

 
Es ist 8:30 Uhr der Startschuss bei Rheinkilometer 593 ist gefallen. Keine halbe Minute später bin ich unter dem über fünf Meter hohen Start-Tor hindurchgelaufen und jetzt geht’s auf die Stecke Rheinaufwärts Richtung Boppard durch das Welterbetal. Vor einem Jahr stemmten sich die Sportler tapfer gegen Kälte, Regen und Wind. Heute ist dies ein Start, wie er besser nicht sein kann. Den Flaggen der sechzehn Bundesländer fehlt zum Wehen der Wind.

Schon die Römer erkannten vor 2000 Jahren den günstigen strategischen Ausgangspunkt des „Deutschen Ecks“. Zu meiner Schulzeit gab es das Reiterstandbild nicht. Vielleicht hatte der Kaiser besseres vor? Jetzt jedenfalls ist der Kaiser wieder da und noch etwas ist hinzugekommen. Drei Stücke der Berliner Mauer stehen hinter dem Monument, als Denkmal der Deutschen Einheit.


 
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Während die einen den Fluss mit dem Passagierschiff befahren, aus- und einsteigen, wo sie wollen, an Deck die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen, erobern wir die Flusslandschaft zu Fuß. Dabei laufen wir auf großen Teilen der  „Via Romana“ oder „Route Napoleon“, die heute weniger romantische und viel befahrene Bundesstraße 9. Diese ist für den Straßenverkehr bis spät in den Nachmittag gesperrt, sodass ein Weiterkommen jetzt nur noch zu Fuß, auf Skatern, mit dem Schiff auf der wichtigsten Schifffahrtsstraße, oder mit dem Zug auf der befahrensten Bahnlinie Deutschlands möglich ist.  


 
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Das Motto des Mittelrhein Marathons lautet: «Gib deinen Sinnen freien Lauf!». Das Motto ist gut. Also nehme ich mir genau das auch vor. Bereits zum zehnten Mal organisiert Stefan Uedelhoven die Zug- und Bremsläufer hier beim Mittelrhein Marathon. Meine Idee ist, mich so um den 4:15-Stunden-Pacemaker rumzutreiben. Jedoch hat nicht jeder die notwendige Rennintelligenz und obwohl ich es besser weiß, nämlich dass sich das Tempo noch böse rächen könnte – um es gleich vorweg zu nehmen, das tat es dann auch – schließe ich mich dennoch dem 4-Stunden-Pacer Dirk Pretoius an.

Die Stimmung in Dirks Sonntagsausflüglerkleingruppe ist locker und das motiviert. Ich kategorisiere den Lauf unter die Rubik „Bräunungslauf“, denn Schatten gibt es auf der kompletten Strecke so gut wie keinen.  Ohne es außerordentlich zu spüren, sind wir plappernd und lachend bei Kilometer fünf an der Königsbacher Privatbrauerei angelangt. Auf ihrer Homepage wirbt diese mit einer gastronomischen Erlebniswelt mit unverwechselbarem Ambiente und kulinarischen Genüssen. Vor dem verschlossenen Tor der Brauerei ist die erste Verpflegung aufgebaut. Hier erschöpfen sich die kulinarischen Genüsse bei Bananen, Iso und Wasser. Schnell einen Becher im Vorbeilaufen geschnappt und den Gruppenanschluss halten.


 
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Auf der rechten Hangseite versteckt und doch gut sichtbar das weiße Schloss Stolzenfels. Koblenz schenkte 1823 dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm die einstige Burgruinen-Immobilie, aus der erst nach vielen Jahren der Verpuppung ein Schloss entstand.

 

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Informationen: Mittelrhein-Marathon
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