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Laufberichte

Heimkehr zum Deutschen Eck

02.06.12

Fotos Marathonmesse: Christian Lehnert

Ich geb’s ja zu: Bei meiner zweiten Teilnahme vor zwei Jahren hatte ich eine ganze Reihe von Kritikpunkten aus- und die auch deutlich gemacht. So ein Heimmarathon liegt einem doch ganz besonders am Herzen, insbesondere mir als gebürtigem Koblenzer, auch wenn es mich mittlerweile in den rheinischen Westerwald verschlagen hat. Alte Liebe rostet bekanntlich nicht.

Da vier Augen besser sehen als zwei, habe ich mich mal wieder mit Markus verabredet und ein paar Waldbreitbacher Lauftreffler komplettieren unsere Delegation. Erfreut nehme ich zur Kenntnis, daß für die Läufer nach den durch die Bundesgartenschau 2011 verursachten Einschränkungen die Marathonmesse zwar nicht gerade ins Herz der Stadt, aber zumindest wieder an den Rand der Innenstadt gewandert ist.

 
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Das kurfürstliche Schloß, Residenz des letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus bis uns die Franzosen beglückten, bietet einen stilvollen, repräsentativen und großzügigen Rahmen. Dennoch plädiere ich unverändert für das Bonner Vorbild: ein großes Zelt in die zentrale Innenstadt (Plan, Münzplatz) gestellt und kein Kowelenzer kann sich herausreden, vom Marathon im Vorfeld nichts mitbekommen zu haben.

Auch an den Startzeiten hat man erfolgreich geschraubt und gegenüber 2010 viel verbessert: Um 17.40 Uhr gestartet, wird die Halbmarathonmarke im schönen Boppard von der Masse der Teilnehmer kurz vor dem dortigen Start des Halbmarathons um 19.45 Uhr passiert. Vorteil: Stimmung ohne Ende, so habe ich es das erste Mal 2007 erlebt. Und 2010 bitter vermißt. Darauf freuen wir uns schon auf der Hinfahrt mit einem der Sonderzüge vom Koblenzer Hauptbahnhof, zu dem uns ein Shuttlebus „für umme“ von einem der vielen zentralen P & R-Parkplätze gebracht hat. Wenn man so gemütlich aus dem Zugfenster schauend gute 40 km an sich vorbeiziehen läßt, bekommt man schon mal den ersten großen Respekt vor der Strecke. Wenn ich daran denke, daß man bei den ersten Malen noch morgens bei großer Hitze gestartet ist!

In Oberwesel angekommen – im vergangenen Jahr ging es baustellenbedingt in Boppard, dem originären HM-Startplatz, los-, müßten wir eigentlich noch einige Minuten zum Start marschieren. Sonderbarerweise befindet sich der Startbogen aber fast parallel zum Bahnhof und wir beschließen daher, zunächst die Starts der vielen Skater auf einer Brücke über die B 9 hautnah mitzuerleben. Kaum sind die Skater (unter anderem erfolgt ein Weltrekordversuch im Rückwärtsfahren) durch, fällt der Bogen in sich zusammen. Aha, man verlegt den Start für uns Läufer in den bekannten Bereich am Ochsenturm. Der Grund liegt vermutlich darin, daß das Skaterziel nicht direkt am Deutschen Eck liegt, sondern vorher im Bereich des Schlosses, um denen die letzten Kurven und die schlecht zu befahrende Rheinpromenade zu ersparen. Und die fehlenden Meter muß man eben beim Start hereinholen.

 
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Auf der gesperrten B 9, die wir heute größtenteils entlang von Vater Rhein auf dem Weg nach Koblenz belaufen werden, nehmen wir Aufstellung und ich freue mich, ein paar Minuten mit dem Chef des Mittelrhein-Marathon, Hans-Dieter Gassen, plaudern zu können. Er ist mein ehemaliger Bataillonskommandeur und pensionierter (vergleichsweise) Regierungspräsident. Ich bewerte ihm gegenüber meine mehrjährigen Eindrücke als Läufer und er beklagt sich ein wenig über das mangelnde Miteinander der Anliegergemeinden bzw. –städte mit den Organisatoren. So glänzt z. B. der Bürgermeister von Oberwesel durch Abwesenheit und für diverse Genehmigungen halten alle Kommunen tapfer die Hand auf, anstatt gemeinsam etwas für das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal zu tun.

Die Stadt Oberwesel besticht unverändert durch die im Oberen Mittelrheintal umfangreichsten Reste eines Stadtmauerrings mit 16 Wehrtürmen, der über längere Strecken begehbar ist, seine Kirchen und schöne alte Häuser. Die Liebfrauenkirche hat eine besondere Bedeutung für Koblenz: Sie beherbergt die älteste Darstellung der Stadt. Schön, daß eine Wasserstelle schon vor dem Start aktiv ist. Sollte es jemals optimale Laufbedingungen gegeben haben, dann heute: knappe 20 ° und viel Sonne sind für mich absolute Wohlfühlbedingungen und bei Verpflegungsstellen wie Sand am Meer braucht wirklich niemand etwas mitzuführen.

 
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Nach dem pünktlichen Startschuß traben wir gemütlich los, heute soll es für uns definitiv keinen Streß geben. Markus ist vor zwei Wochen in Felix Austria noch über drüber gelaufen und meine vergleichsweise flotten Marathons auf Föhr und in Hannover brauchen keine Drittauflage. Obwohl, so ganz langsam darf man auch nicht machen, denn nach glatt fünf Stunden muß man am Ziel sein, sonst ist finito. Christian, unser Dritter im Bunde über die Volldistanz, ist nach sechs Jahren Marathonpause als Diabetiker besonders auf der Hut. Ausgerüstet mit einer Insulinpumpe, die ihm alle drei Minuten eine Mikrodosis verpaßt, hat er die für ihn notwendigen Getränke (Kohlehydrate) am Gürtel dabei und beabsichtigt, an den Verpflegungsstellen vom Angebot nur Wasser zu trinken.

Schon nach 3 km sind wir bei einer der Hauptattraktionen der Strecke angekommen: Die Loreley, der sagenumwobene, 132 m hohe Schieferfelsen, ist erreicht. Auf ihm saß angeblich eine Nixe, die mit ihrem schönen Gesang und mit dem Kämmen ihres langen goldenen Haars den Schiffern zum Verhängnis wurde, weil sie in der gefährlichen Strömung nicht mehr auf den Kurs achteten und mit ihren Fahrzeugen an den Felsenriffen zerschellten. Von ihm selbst hat man einen wunderbaren Blick auf unsere Laufstrecke; der Rheinsteig-Erlebnislauf, von dem ich schon mehrfach berichtet habe, führt dort oben vorbei.

Wir passieren die schönen Burgen Katz und Rheinfels, die zu kurtrierischen Zeiten einen wirksamen Zollriegel bildeten. Von St. Goar blicke ich auf das gegenüberliegende St. Goarshausen. In Hirzenach erfolgt der erste Staffelwechsel, aufgrund unseres relativ gemütlichen Tempos bekommen wir von den (natürlich schnelleren) Staffeln aber nur wenig mit. Stefan, der Pacer für 4:00, sprüht vor guter Laune, obwohl er im vergangenen Jahr unseren Anton als 3:45er über 42 km ertragen mußte. Der nämlich schrie die ganze Zeit nach richtigem Bier – kein Pils, kein Kölsch, kein Alt – und bekam auch an der Königsbacher Brauerei nichts, dazu jedoch später noch mehr. Anton, Du hast einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wurdest vermißt!

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Informationen: Mittelrhein-Marathon
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