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Mit 1.000 km-Läufer beim Marathon in Nürnberg

24.04.05

Stefan Schubart wollte in 14 Tagen 1000km in Süddeutschland laufen, ein Benefizlauf zugunsten . von 3 Kinderhilfsorganisationen. Professionell organisiert, sollte der uniVersa-Nürberg-Marathon krönender Abschluss seiner Tour werden. Es kommt anders. Am Samstag bei seiner Ankunft in Nürnberg fehlten ihm noch 100 km, um die Tausend voll zu machen. Der hat Schmerzen und glaubt nicht, dass er den Marathon in der vorgegebenen Zeit schafft. Eine Möglichkeit wäre, vorzeitig mit den Halbmarathonläufern zu starten und dann auf die Marathonstrecke wechseln. Die Organisatoren lehnen dies ab.

 

Also wird umdisponiert. Stefan entscheidet sich für den Halbmarathon und läuft zuvor schon mal 22 Kilometer. Vor dem Start treffe ich ihn. Ich bin enttäuscht über die Programmänderung, denn ich hatte mich darauf gefreut, mit ihm zusammen einen langsamen Marathon zu laufen. Ob er sich die ganze Tour denn so schmerzhaft vorgestellt habe, möchte ich von ihm wissen. „Nein“ ist seine knappe und präzise Antwort. 70 Kilometer war seine längste Laufstrecke, bevor er sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat.

 

Zusammen mit seiner Begleiterin Yvonne macht er sich auf den Halbmarathon. Ich habe noch eine halbe Stunde Zeit und halte auch ohne Stefan an meinem Plan „langsamer Marathon“ fest. Start ist vor der ehemaligen Haupttribüne des Reichsparteitagsgeländes, Startschuß, das Feld setzt sich zügig in Bewegung. Nach wenigen Minuten sind alle Läufer auf der Strecke.

 

Zunächst geht’s um den Ortsteil Langwasser herum, die Straßen sind halbseitig gesperrt, es ist genügend Platz zum Laufen da. Die erste Wasserstation bei km 4,5. Zum meinem Erstaunen: kohlesäurehaltiges Wasser! Die ersten der insgesamt 24 Bands und Musikgruppen am Straßenrand werden passiert. Ein Schlenker um das Frankenzentrum herum, dann an der Messe vorbei die Münchner Straße entlang bis zur Bayernstraße. Es geht am am Volksfestplatz und an der Kongresshalle vorbei die breite Straße entlang und bei km 15 befindet man sich wieder an der Arena. Dort laufen mittlerweile die ersten Halbmarathonis mit ihren Medallien herum, wir haben noch 2/3 vor uns. In der Hans-Kalb-Straße kommen mir dann Stefan und Yvonne entgegen, der Stefan läuft noch ganz schön locker, dafür dass er annähernd 1000 km in den Beinen hat! Wir winken uns zu und schon geht’s weiter.

 

„1000% besser als beim letzten Mal“, sagt die Läuferin neben mir, auf die Stimmung hier angesprochen. Am Clubgelände vorbei geht’s jetzt die Regensburger Straße entlang Richtung Innenstadt. Ich fange schon mal das Rechnen an: um pünktlich um 15 Uhr im Stadion einzulaufen, kann ich mir ein Tempo von 10 Minuten pro KM leisten. Das beruhigt ungemein. Vor der Ostendstraße begleitet mich ein Polizist ein Stück des Weges. Wir unterhalten uns sehr nett miteinander, laufen am längsten Anfeuerungsplakat der Welt vorbei (was man aus Tapete alles machen kann!) ich reduziere mein Tempo. Es müssten eigentlich gleich die führenden Marathonis entgegenkommen. Das wäre mir ein paar Fotos wert, stehen bleiben möchte ich jedoch nicht und laufe weiter. Ich höre noch das Hupkonzert hinter mir, als die Elite kommt. Knapp verpasst. Die Minute hätte ich warten können.

 

Ich lasse Patricia vorbeiziehen, sie läuft ihren ersten Marathon, ist super gut gelaunt, hoffentlich bleibt sie das auch bis ins Ziel. Eine Runde um Sankt Jobst und dann geht es am Wöhrder See entlang Richtung Innenstadt. Mittlerweile laufe ich alleine am Ende des Feldes. Der Besenwagen hält diskret Abstand, ich liege auch noch über 20 Minuten unter der Zeit und nutze das voll aus.

Ich laufe auf die Streckenposten zu, bedanke mich bei ihnen für das lange Warten und mit den Worten: „Nach mir kommt keiner mehr, ihr könnt jetzt gehen“ verabschiede ich mich. Leider kann ich in der Altstadt keine Läuferfotos machen, es sind einfach keine mehr da. Zuschauer sind noch genügend an der Strecke und die auf der Gegenfahrbahn wartenden Autofahrer animiere ich dazu, mich durch Hupen zu unterstützen. Über die Kaiserstraße geht es an der Lorenzkirche vorbei Richtung Weißer Turm, hier ist noch richtig was los. Dann geht’s durch die Breite Gasse, das hätte ja wirklich nicht sein müssen.

 

Was ich jetzt erlebe ist der Traum aller Läufer: Alleine auf gesperrten Straßen durch die Stadt laufen! Zeit hab ich noch genug, ein Streckenposten verunsichert mich kurz mit dem Hinweis um halb drei sei Zielschluß. Sofort versichere ich mich beim Besenwagen zurück: Alles ok, um 15.00 Uhr ist Schicht. Stellenweise ist es schon recht schwül, das Thermometer an der uniVersa- Zentrale am Rathenauplatz zeigt 20 Grad. In der Sebalder Altstadt feuert mich ein entgegen kommender Fahrradfahrer an. Ich erkenne ihn nicht gleich, dann aber doch: es ist Robert Wimmer im Badwater-Finishershirt, Sieger des Transeuropalaufes. Seine Tocher schläft im Kindersitz. Er begleitet mich kurz und mit den Worten „Du bist eine Bank“ lässt er mich ziehen.

 

Ja, Punktlandung zum Zielschluß heißt heute die Devise. Nochmal um St. Jobst herum, einmal links einmal rechts und den bekannten Weg wieder zurück zum Frankenstadion. Ich hätte mir gerne eine abwechslungsreichere Strecke gewünscht. Am Horizont vor mir sehe ich langsam den vorletzen Läufer auftauchen, am Ostring überhole ich ihn, motiviere ihn noch mitzulaufen, aber Mike schaut schon ziemlich k.o. aus. Ich muss ihn zurücklassen, möchte ich nicht vor verschlossenen Toren stehen. Die letzten Marathon-Zuschauer werden von den ersten Fußball- Fans abgelöst, die zum Heimspiel des Clubs gegen Gladbach pilgern. Auch die Gladbach-Fans feuern mich feste an. Danke Jungs, heute Abend werdet ihr trotzdem verlieren (stellt sich später als Irrtum heraus).


Da bin ich auch schon am Stadion, fehlende Meter werden noch auf einer Pendelstrecke absolviert. Jetzt kommt ein Ordner und meldet: „Zielschluß ist, wenn der letzte im Ziel ist.“ Mein Ziel vor Augen, bleib ich erst mal stehen und warte auf Mike. Ich lasse ihn überholen und treibe ihn die letzen Meter ins Stadion. Mit Begeisterung werden wir von den letzten verbleibenden Helfern gefeiert. Medaillen werden umgehängt und das Finisher-Shirt nehmen wir in Empfang. Der TAO-Zielbogen fällt unmittelbar nach unserer Ankunft.

 

2637 erreichten heute vor mir das Ziel, 1143 davon auf der 42km Strecke. Der Schnellste war der Vorjahressieger Hannes Schmidt, diesmal in 2:38, er fing noch im Stadion in einem packenden Finale den bislang führenden ab.

 

Und Stefan? Er lief vor gut besetzten Tribünen ins Stadion und holt die fehlenden Kilometer am Montag nach. Herzlichen Glückwunsch, Stefan. Du bist ein Super-Ultraläufer.

 


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