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Laufberichte

Inselkinds Midwintermarathon

01.02.09

Ohne viel Wind aufzuwerfen, begeben Rudi und Inselkind sich ins niederländische Apeldoorn. Der Midwintermarathon soll beider 13. sein. Reale Zielzeiten: Rudi unter 4h30min, Inselkind unter 4h. Trotzdem schwingt nervöser Aberglauben mit. Ihm wird abends zuvor mit einer ordentlichen Portion Nudeln und Beruhigungsbier getrotzt.

Am 1. Februar 2009 fällt leichter Schneegraupel nieder. Pendelbusse fahren ins Zentrum. Holländische Fachwerkhäuser in engen Straßen stehen zu modernen Kunstgroßbauten an den Hauptstraßen im Kontrast. Und Holländer fahren auch im Winter viel Rad. Bei leichtem Frost pfeift ordentlicher Wind. Läuferschar drückt sich in wärmende Anmeldehalle des Theaters und Kongresszentrums Orpheus.

Niederländische Ausschreibungen werden gesichtet. Afstanden steht auffordernd überall. Inselkind lernt, Afstanden bedeutet Aufstellung oder Strecken. In Apeldoorn: 1km für Kinder, die Aventus Acht, der Hollander Techniek Mini-Marathon über 18,5km, die Helicon Asselronde über 27,5km und der Central Beheer Achmea Marathon.

 
Viele Räder vor dem Orpheus
© marathon4you.de 4 Bilder

Multikulturelle Hautfarben und Gesichtszüge – ehemalige Kolonialmacht offen und tolerant. Niederländer und Belgier, ebenso Tschechen, Polen und natürlich gestandene Deutsche vom Marathonclub 100. 7 208 Teilnehmer aus 22 Nationen und 4 Kontinenten reichen sich in Apeldoorn die Hand. Wie Sprachen sind auch Kälteempfindlichkeiten verschieden. Einige tragen kurze Shorts und T-Shirts, andere vermummen sich in Fleece, Wolle und Müllsack aus Plastik.  

 
Afstanden vor de Grote Kerk
© marathon4you.de 3 Bilder

Erst kurz vor 12 Uhr geht’s raus. Rudi winterfest in Oranje, Inselkind windgeschützt in Himmelblau. Afstanden 27, 5km und Marathon gemeinsam - zwischen Sicherheitszäunen auf der Loolaan, imposante Grote Kerk im Rücken. Auch Läufer fühlen sich groß: Anfeuerung von Trommlern und Publikum verführt wie Kälte und breite Straße zu schnellem Start. Aus dem Zentrum läuft es in Parks und Vorstadt. Kaum merklich steigt die Strecke an. Neben 5km Schild digitale Zeitanzeige: 28.30min ist Inselkind unterwegs, Rudi nur wenig länger.

 
Auf der Lolaan
© marathon4you.de 10 Bilder

Plötzlich nebenan auf zweigeteilter Straße Läufer. Die Aventus Acht, 15 Minuten später gestartet, aber nicht schneller unterwegs- es werden die hinteren sein. Die Acht drehen scharf rechts ab und von vorn streifen Mini-Marathonis den Weg. 18,5km Läufer, um 11.30 Uhr gestartet, nähern sich bereits dem Ziel. Holländisch clever: Jede Afstanden kommt mit der anderen in blickenden Kontakt.  

Die 27,5km Helicon Asselroundeläufer tragen gelbe Startnummern, die Central Beheer Achmea Marathonis orange. Inselkind schielt auf selbige von Nebenfrau und Nebenmann. Zeitvertreib dienende Laufcharakterstudie. Jüngere und Ältere beiden Geschlechts. Jüngere tragen mehr gelb, ältere mehr orange Nummern.

Auf Asphalt durch Wald läuft es überwiegend weiter leicht bergan, bei km 10 vorläufiger Höhepunkt: 80 Meter, 20 Meter waren es am Start. Willkommen alle 5km Verpflegung. Junge Frauen preisen lauthals eiskaltes Sportgetränk und heißen Tee in jeweils halbvollen Bechern. Zusammengekippt wird ein Becher voll und bekömmlich. Bananenscheiben stehen zur Selbstbedienung bereit. Wieder digitale Zeit: 57min. Inselkind ist beständig unterwegs und liegt im Soll. Rudi läuft eine Minute hinter Inselkind und ist damit etwas zu schnell.

Weiter Blick in Asselheide. Sie ist der bei Lüneburg nicht unähnlich: Spärlicher Baumbewuchs, dunkelrotbraunes Heidekraut, gelbwelkes Gras. Sanft läuft es Asselheide hinab, der Ort Mariahoeve wird durchquert. Heidefuhrwerke stehen selbst im Winter abfahrbereit, Pferdedunst zieht durch Läufernasen. Sonntagsausflügler flegeln sich in Cafe, nehmen kaum Notiz von Läuferschar. Diese biegt in Assel, den einzigen Naturweg heute. Er ist festgefroren. Dazu frontale steife Brise. Inselkind erschauert, heftet sich an Ferse von jungem Mann mit gelber Nummer. Überholen älteres Paar – gleiches Outfit, gleicher Schritt, gleicher Teint, gleiche Mimik. Laufen seit Jahren zusammen, erheischen wohlgefällige Achtung.

15km in 1h25min. Inselkind rechnet. Wenn 30km in 2h50min erreicht, müsste Zielzeit zu schaffen sein. Afstanden wieder mehr durch Wald und bergan. Zum Amersfoortseweg auf gerader Hauptstraße, Autoverkehr von vorn. Attraktive Frauen in aufgereihter Läuferschar stimulieren. Inselkind forciert leicht und kontaktiert überholend Frauen und Männergruppe, orange Nummern.

Rechts aus dem Wald das Führungsfahrzeug mit digitaler Zeitanzeige auf dem Dach. Dahinter auf dem Radweg einsam führend Isaiah Kipkemei Kosgei aus Kenia, nach fast 35km und 1h53min. Inselkind hat erst 20 km. Die Halbmarathonmarke passiert es in 1h59min. Von den erreichten 90 Höhenmetern führt Afstanden jetzt beständig nach Apeldoorn hinab. Einiges an Anfeuerung in der Stadt: „Gut zo!“ An Kreuzungen ältere Herren in Warnwesten, erwidern freundlich den winkenden Gruß. Vor ihrem Ziel überrunden Heißsporne aus Polen und Tschechien das Feld. Auch einige der 27,5km Läufer geben im Finish begriffen Gas. Während sie links auf die Loolaan biegen, werden Marathonis rechts auf abschließende 15km Runde geschickt.

Inselkind tut weiterlaufen nicht weh. Doch Rudi steigt hier gut 20 Minuten später aus, widersteht zermürbt der lockenden Zielnähe nicht. Inselkind orientiert sich an jungen Mann, der schlaksig wirkend aber beständig läuft. Überholen einige Mitläufer, die bereits zu knappern haben. Afstanden führt wieder bergan. Die 30km Marke lässt verdächtig lange auf sich warten. Nach 2h47min ist sie erreicht. Nette Holländerin fragt Inselkind was nach „Foto mit die Uhr?“ Inselkind lässt sich von ihr mit seinem Apparat fotografieren.

Auf recht steil ansteigender Passage wird nach 32km über Zwischenzeit nehmende Matte gelaufen. Und plötzlich befällt Inselkind Müdigkeit. Es greift zu als Notration dienenden Energieriegel in der Tasche. Hernach überholt es Frau mit ergrautem Haar. Dann zum zweiten Mal auf der Höhe von 90 Metern willkommene Verpflegung. Die 35km Marke unter 3h15min. 7km bergab müssen in 45 Minuten zu schaffen sein. Doch Inselkind fühlt sich ausgelaugt. Das Blut weicht aus den Armen. Die Hände in den zu dünnen Handschuhen tun weh. Inselkind streift mühselig die Jackenärmel darüber. Auch die vorderen Oberschenkel streiken schmerzerfüllt. „Lauf, mein Freund“, ruft Inselkind in Gedanken dem davonziehenden schlaksigen Mann zu, der scheinbar ohne Mühe läuft. Das zurufende „Gut zo!“ der Posten muntert Inselkind nicht mehr auf. Dazu wird jetzt jeder Kilometer angezeigt. „Was denn, erst 36km, noch 6!?“

Inselkind beißt sich auf die Lippen und läuft, irgendwie. Den 13. Marathon finishen, den ersten im Ausland - das nimmt ihm keiner. An diesen Gedanken klammern, alle anderen verdrängen. Und irgendwann in Apeldoorn die 40km Marke. Scharfe Linkskurve, ebenes Terrain. Nach 41km tapsige Schritte hinter Inselkind. Hören sich an, als will forsche Gruppe Inselkind überrollen. Vielleicht die Männer von km 20? Inselkind bäumt sich kurz dagegen, doch dann gibt es nach. Erstaunen, als die grauhaarige Frau von km 32 überholt. Sie legt ein Finish hin und Inselkind macht schlapp? Hinter ihr biegt Inselkind auf die gerade breite Loolaan. Noch 700 Meter, das Ziel ist in Sicht, holländische Moderation feuert über Lautsprecher an. Ob verpönt oder nicht, Inselkind mobilisiert irgendwoher Kraft und setzt zum Finish an. Die Frau und einige Mitläufer überholt es mit stampfendem Schritt. Dann die Zielzeit. Na bitte, 3h51min.

Medaillen um den Hals und in wärmende Decken gehüllt reicht Inselkind der Grauhaarigen anerkennend die Hand. „Wie geht es dir?“, fragt sie besorgt. „Gut.“ Inselkind winkt bereits lässig ab. „Wirklich?“, fragte sie zurück. Inselkind sieht wohl alles andere als gut aus. Doch im Marathonziel fühlt wohl jeder etwas gutes, egal wie schlecht es einem unterwegs auch ging. „Wie hat es dir gefallen?“, fragt sie weiter. Fazit Inselkind: „Organisation warm und herzlich, Lauf kalt und hart.“ Sie nickt wissentlich. Für sie war das der 45. Marathon. Inselkind hat den 13. abgehakt und blickt nach vorn.

Marathon Mannen

1. Isaiah Kipkemei Kosgei Kenia 2:20:29
2.  Pavel Brydl Praag (CZE) 2:28:09
3.  Jaroslaw Janicki Gryfino (POL) 2:28:32

Marathon Vrouwen

1.  Petra Kaminkova Praag (CZE) 2:46:34
2.  Gyte Norgiliene Litouwen 3:15:55
3.  Sybille Möllensiep Marl (GER) 3:20:27

Zeitnahme:

Real-Time Champion-Chip

Startgeld:

bis 31.12. 30 Euro, Medaille und Finish-Funktionshirt inbegriffen

Internet:

http://www.midwintermarathon.nl auch auf Deutsch, Onlinemeldung, Nachmeldung am Veranstaltungstag möglich

Teilnehmer:

Teilnehmerrekord: 7 208, davon 508 Marathon (64 W, 444 M)

Strecke:

Asphalt, leicht selektiert, zwei Runden - erst 27km, dann 15km

Stimmung:

Mittelprächtig aber herzlich, gute Organisation, viele Helfer 

 

Informationen: Midwinter Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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