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Laufberichte

Im Galopp grenzenlos im Rodachtal unterwegs

03.10.08

Bayern und Thüringen - da wächst zusammen, was zusammen gehört!

Wo läuft man denn mit Sinn und Ziel am Tag der Deutschen Einheit? In Mühlhausen oder in Bad Rodach! Nachdem 2007 der Einheitslauf in Mühlhausen auf dem Plan stand, schau ich heute in Bad Rodach vorbei. Was ich da in meinem Galopp so erlebt habe, erfahrt Ihr in folgendem Bericht.

„Da Du schon in Mühlhausen warst, habe ich Dich für den Feiertag in Bad Rodach angemeldet,“ mailt mir Klaus im Vorfeld. In der Frühe des Wettkampftages reise ich in die Region bei Coburg. Die Anreise ist dahin nun sehr bequem geworden, denn die A 73 ist nun seit rund vier Wochen zwischen Nürnberg und Suhl komplett befahrbar. Ja, kurz vor der Eröffnung des Abschnittes Lichtenfels – Coburg durfte ich mit rund 200 Läufern noch beim HighwayRun den Asphalt testen.

Gut 90 Minuten vor dem Start erreiche ich dann Bad Rodach. Der Wettkampfanfahrt ist zwar nicht ausgeschildert, aber ich halte mich an Schilder der Therme und des Medical Parks und komme so an einen großen Parkplatz, wo schon Feuerwehrmänner die Einweisung vornehmen.

Ich finde es für eine gute Idee, immer am 03. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, die Wiedervereinigung auf sportlichem Weg zu feiern. Wenn das noch im Gebiet diesseits und jenseits des früheren Eisernen Vorhanges ist, umso besser. Die Wiedervereinigung vom 03.10.1990 ist nun heute „volljährig“ geworden.

 
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Beim Festakt zur 10jährigen Wiedervereinigung feierte man in Sesslach einen Supermarathon über 47 Kilometer. Da war ich seinerzeit vor Ort, habe am Lauf teilgenommen und kenne noch die Strecke ein wenig aus der Erinnerung. Größtenteils verlief sie damals im Tal der Rodach und der Kreck, zwei kleinen Gewässern. Es sind nur wenige Hügel zu erklimmen.

Am Gelände des Medical Parks herrscht schon eifriger Betrieb, so höre ich bereits eine Sambaband beim Trommeln. Das ist doch gleich das richtige Warming-Up für die 400 Teilnehmer. Die können wählen zwischen dem Einzelmarathon, einem Staffelmarathon mit vier Teilnehmern und dem Halbmarathon. Für die Halbmarathonis wird noch ein Bus eingesetzt, der diese an ihren Startort Autenhausen bringt. Die Staffeln müssen dieses selbst organisieren.

Was können wir für die moderate Startgebühr (25 EUR für Marathonis) erwarten? Nun, die Gegenleistung ist riesig. Neben der üblichen Wettkampfinfrastrukur erhalten wir ein weisses Funktionsshirt in guter Qualität, Online-Urkunde und Gutscheine für Trinken und Essen nach dem Rennen. Wir dürfen in den Wellnessbereich des Medical Parks (Schwimmbad, Sauna etc.) und bekommen auch noch einen Gutschein für die Therme Bad Rodach. Die Sieger erhalten Pokale und Medaillen.

Was ist für die Zuschauer geboten? Die Initiative Rodachtal e.V. als Veranstalter hat eine Modenschau sowie eine Führung durch den Medical Park organisiert. Für musikalische Unterhaltung durch die Tanzgruppe „Dancing Forever“ sowie durch die Stadtkapelle Bad Rodach ist gesorgt. Für die Informationen aus dem Wettkampfgeschehen sorgen dann einige Radfahrer, die entsprechend mit dem Zielbereich „verkabelt“ sind. Für die kleinen Zuschauer warten Hüpfburg und verschiedene Spiele.

Die Zeit bis zum Start verläuft wie immer rasend schnell. Vinodkumar Shrinivas aus Regensburg spricht mich an. Er hat sich mein Gesicht vom Panoramamarathon in Sonthofen gemerkt. Heute wird er als Gesamtsechster in 2.56.34 Stunden deutlich die Drei-Stunden-Marke unterbieten. Erster Bürgermeister der Stadt Rodach, Gerold Strobel spricht ein paar Begrüßungsworte und ruft uns dann an die Startlinie.

Es ist zwar jetzt mit neun, zehn Grad relativ kühl und bedeckt. Am Himmel kann man schon wenige Lücken erkennen. Ich wäre ja froh, wenn es wenigstens von oben dicht bleiben würde. Der Wetterbericht hat für das nördliche Franken gar nicht mal so schlecht gemeldet.

 
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Der Startschuss erfolgt und gut 100 Sportler machen sich auf den langen Weg. Zuerst führt uns die Strecke gut 500 Meter auf der Klinikzufahrt bergab. Die Spitze drückt schon gehörig auf’s Tempo. Ich mache ein, zwei Bilder und sehe schon die Radler am Ende des Feldes. Es geht nur ganz kurz nach Bad Rodach, eine Stadt mit 6500 Einwohnern, hinein, dann verlassen wir nach dem Durchlaufen des Kurgebietes am Thermalbad schon wieder den Ort. Eine Hand voll Kinder und Jugendlicher stehen mit Ratschen am Rand und sorgen für Anfeuerung. Ja, viele Zuschauer dürfen wir hier nicht erwartet. In den vielen Ortschaften werden jedoch immer wieder Leute zu sehen sein.

Außerhalb der Ortschaften sind zwar die öffentlichen Straßen nicht gesperrt, jedoch weisen Schilder auf die Veranstaltung hin. Der öffentliche Verkehr wird zudem auf 50 km/h begrenzt. Viel Verkehr ist an diesem Feiertag am Vormittag eh nicht zu erwarten. Wir werden immer wieder aufgefordert, links zu laufen. Eine Renneinteilung ist leicht, da jeder Kilometer ausgeschildert ist. Zehn Verpflegungsstellen, zum Ende hin in einem geringeren Abstand, sind mit Wasser, Iso, Haferschleim und Obst bestückt.

In Rudelsdorf, die letzte fränkische Gemeinde, stehen einige Zuschauer am Rand. Wir verlassen wieder den Ort. Vor uns sehe ich den 450 Meter hohen Straufhain. Darauf befinden sich die Reste der Burg Strauf. Die Burg hatte im 13. Jahrhundert einen größeren Einfluss als die Coburger oder Heldburger Veste. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zerstört. Ja, und da die Reste der Burg im Sperrstreifen der DDR lagen, ist sie in dieser Zeit regelrecht von der Natur in Beschlag genommen worden. Man muss schon genau hinschauen, um die Ruine zu erkennen. Ein Kreis aus Thüringer und Bayern kümmert sich mittlerweile um Erhaltung und Präsentation. Das erkenne ich an den zahlreichen Wegmarkierungen, die darauf hinweisen.

 
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Wir überschreiten die frühere Grenze, die kaum mehr zu erkennen ist. Der früherer Kolonnenweg aus Beton ist heute ein Forstweg geworden. Fünf Kilometer haben wir schon zurückgelegt. Es geht in den Mischwald des Straufhains. Mit rund 20, 30 Höhenmetern ist einer der wenigen Anstiege nun auf befestigten Forstweg gut zu belaufen. Die erste V-Stelle ist gleich erreicht. Während nur wenige Staffelläufer verpflegen, greift das Marathonfeld schon zu.

In Seidingstadt steht die Polizei bereit und sperrt kurzerhand für uns die Straße. Der Kurs dreht jetzt Richtung Süden. Auf dem Weg zum Wechselpunkt Völkershausen fällt mir ein Staffelläufer der Running Stones aus Coburg auf. Er hat jetzt nur mehr wenige Meter, bevor er seine Aufgabe an den Nachfolgenden übergeben kann. Der Wechselpunkt ist schon einen Kilometer vorher angekündigt. Ich verpflege kurz und mache mich dann auf den Weg nach Heldburg auf.

Unsere Laufstrecke ist mittlerweile wieder guter Asphalt ohne Steigungen. Von weither sehe ich bereits die Heldburg grüßen. Sie befindet sich auf einem Felsen oberhalb des Ortes Heldburg. 1317 wurde die Burg bereits erstmals erwähnt. Sie hatte u.a. die Aufgabe als „Fränkische Leuchte“ vor Gefahren zu warnen. Später verfiel die Anlage. Steine von ihr sollen gar zur Pflasterung der Straßen in Heldburg verwendet worden sein. Zu DDR-Zeiten wurde sie als Kinderheim genutzt. Ein Brand brachte dann großen Schaden. Heute finden da Ausstellungen, Konzerte und Burgfeste statt.

Wir laufen am ehemaligen Bahnhof Heldburg vorbei, der 1833 erbaut wurde. Für den Herrn Herzog wurde seinerzeit sogar ein Separee eingebaut. Der Fahrbetrieb wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben, heute sind Gästeinformation, Bibliothek und Heimatmuseum in dem schönen Fachwerkgebäude untergebracht.

Wir durchlaufen Einöd und Lindenau. Ich laufe immer wieder aufgrund meiner Fotostopps auf einen jugendlichen Staffelläufer des SV Ahlstädt auf. Der macht sich jedoch dann nach vorne auf und davon, da in Autenhausen sein Wechselpartner wartet. Kurz zuvor haben wir die Landesgrenze wieder überschritten.

In Autenhausen dominiert die Kirche das Ortsbild. Der heilige Waschtl (Sebastian) ist der Kirchenpatron. Bereits im 9. Jahrhundert wird das Gotteshaus erwähnt. Ich überquere die Kreck und
sehe dann vor mir den Wechselpunkt für die Staffeln und die V-Stelle. Hier starten die Halbmarathonis, die natürlich schon längst davon sind, denn ihr Start war bereits vor mehr als 90 Minuten. Vielleicht sehe ich noch das Ende des Halbmarathonfeldes.

Unser weiterer Weg führt wieder durch kleine fränkische Ortschaften wie Gemünda und Dietersdorf. Beizeiten weisen Plakate auf die anstehende Kirchweihzeit hin. Kärwa sagt man hier dazu. Ein fränkischer Spruch sagt:

„Die Kärwa is kumma, die Kärwa is dou!
Die Alten die brumma, die Junga san frou.“

Und die dicken Enten und Gänse haben da nichts mehr zu lachen, denn bei ihnen geht es dann sprichwörtlich um Kopf und Kragen. In Gehegsmühle verlassen wir wieder Bayern. Mittlerweile lasse ich die Kamera im Sack, mir macht das Rennen Spass, da ich immer wieder Marathonis einsammeln kann.

In Ummerstadt, der 30. Kilometer liegt hinter mir, wechseln abermals die Staffeln. Der Ort ist mit 530 Einwohnern eine der kleinsten Städte in Deutschland. Schön anzusehen ist die Altstadt, die über ein geschlossenes Fachwerkensemble verfügt. Um 12.50 Uhr werfe ich einen Blick auf das Rathaus, da könnte ich jetzt einkehren. Unser Weg geht jedoch 50 Meter vorher links weg.

Aber nach ein paar Metern sehe ich den Wechselbereich, der hier vor der Stadtkirche „St. Bartholomäus“ eingerichtet ist. Das Kirchenhaus hat eine ebenfalls lange Geschichte. Ich verpflege und dann geht es weiter. Wir durchlaufen Bad Colburg, das durch das Thermalbad und die Kurklinik bekannt ist.

 
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Die Wüstung Billmuthausen wurde in den 70er Jahren geschliffen, hier war ja wieder die Grenze zum „kapitalistischen Erzfeind“. Der Ort mit weniger als 100 Einwohnern wurde damals schrittweise dem Boden gleichgemacht. So wurde einzelne Häuser abgerissen, Familien zwangsausgesiedelt, die Dorfkirche bei Nacht abgerissen. Erhalten geblieben ist der Friedhof und ein Transformatorenturm. 2004 wurde ein Gedenkkapelle gebaut.

Kilometer 38. Ich erkenne vor mir die Polizei, davor zwei Radler. Das Ende des Halbmarathonfeldes. Die treiben die Schlussläuferin vor sich her, so schätze ich die Situation ein. Es geht nach Gauerstadt hinein. Rechterhand sehe ich die evangelische Pfarrkirche. Mittlerweile deutet mein Zeiteisen auf eine schnelle Zeit hin. Es kann sogar noch eine 3.15 Stunden gehen. Also Gas und Endspurt.

Kilometer 40: Ich duelliere mich mit einem Coburger Staffelläufer, den ich dann aber ziehen lassen muss. Bei der letzen V-Stelle würde ich nur auf einen Schluck Bier einkehren, aber mangels Gerstensaft geht es im Galopp weiter.

Kilometer 41. Das wird der längste, denn nicht nur 195 Meter mehr, sondern auch die ansteigende Zufahrt zum Medical Park wartet. Ich kämpfe mich durch und kann sogar noch einen Marathoni überholen. Im Ziel ist dann die Strecke und auch ich geschafft.

Ja, und mit 3.15.43 Stunden schaffe ich sogar mein bestes diesjähriges Ergebnis. Gesamtrang 18, in der Klasse M40 Fünfter, passt schon. Im Ziel warten Tee, Iso, Wasser und Obst auf die Läufer. Die Stadtkapelle Rodach spielt mittlerweile auf.

Für die Regeneration stehen Wellnessbereich und Sauna bereit. Das nütze ich, da ich ja morgen in Lengenfeld noch mal ran muss. Auch der Horst Preisler, wer kennt den nicht, ist da am Start. Nach der Siegerehrung mache ich mich auf in die Jugendherberge Schöneck, die nur wenige Kilometer von Lengenfeld entfernt ist.

Teilnehmer:
400 Läufer, davon 62 Marathonis und 138 „Halbe“.

Streckenbeschreibung:
Rundkurs, durch viele Orte entlang der Rodach und der Kreck. Geschätzt weniger als 100 Höhenmeter. Schneller Kurs.

Zeitnahme:
ChampionChip.

Auszeichnung:
Urkunde Online. Medaillen/Pokale für die Gesamtsieger und Klassensieger. Funktionsshirt für alle.

Drumherum:
Wellnessbereich/Sauna im MedicalPark. Parkmöglichkeiten in der Nähe genügend vorhanden. Massagemöglichkeit.

Verpflegung:
10 Getränkestellen alle vier, fünf Kilometer mit Wasser, Iso, Tee, Haferschleim, Riegel und Obst. Am Ziel für die Teilnehmer Gutscheine an der Startnummer für Suppe und Getränk

Zuschauer:
Wenig Zuschauer, Stimmung an den Wechselpunkten und im Ziel.

Gewinner Männer:
1. Norbert Stadter (TS Herzogenaurach) 2.41.50
2. Daniel Karl (SV Bergdorf Höhn) 2.50.59,
3. Peter Sommer (TDM Franken) 2.54.35.

Frauen:
1. Karin Lederer (BSG Sulzbach-Rosenberg) 3.35.45
2. Christiane Schöller (VfB Humbrechtshausen) 3.47.41,
3. Barbara Schumm (TV 1848 Coburg) 3.48.39.

 

 

Informationen: Medical Park Marathon
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