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Laufberichte

Fast zu schön, um wahr zu sein

22.08.15

Magic Moments

 

Die Feierlichkeiten zur Erstbesteigung des Matterhorns vor 150 Jahren neigen sich langsam dem Ende zu, aber noch steht Zermatt im Zeichen dieses Ereignisses und kann viele Aktivitäten hierzu bieten. Nutznießer davon sind auch alle Teilnehmer der Matterhorn Ultraks. So gibt es heuer erstmals auch eine Medaille für alle Finisher, die dem Jubiläum gewidmet ist.

Ganz am Ende von Zermatt liegt unser Hotel, der Anmarsch mit Gepäck ist etwas beschwerlich, es geht leicht bergauf – natürlich lassen Jan und ich uns nicht mit einem der Elektrokarren chauffieren. Belohnt werden wir mit einem grandiosen Blick vom Balkon unseres Zimmers auf das Matterhorn. Ein optimaler Standort, um eine der großen Attraktionen zum Jubiläum zu bewundern: Die Lichtershow auf den Gipfel des „Hore“.

Seit dem 14. Juli, dem Datum der Erstbesteigung, lässt man das Matterhorn in der Nacht funkeln. 50 Lampen sind entlang des Hörnligrats positioniert, die die Route der Erstbesteiger von 1865 aufzeigt. Die Illumination kann man bis Ende September jede Nacht drei Mal sehen und dauert etwa 11 Minuten. 49 Lampen zünden sich aufsteigend an, bis die Lichterkette am Gipfel ist. An der Absturzstelle etwas unterhalb leuchtet eine rote Lampe. Wir haben Glück, keine Wolke trübt die beeindruckende Show.

 
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Die Matterhorn Ultraks-Serie setzt sich aus den Disziplinen Tourenskilaufen und Trailrunning zusammen, sie werden aber unabhängig voneinander durchgeführt. In ungeraden Jahren werden im Winter drei höchst anspruchsvolle Tourenskirennen durchgeführt, für Trailrunner werden jährlich sogar vier Streckenlängen angeboten. Eine Kombi-Wertung gibt es aber nicht, obwohl ja gerade bei den Spitzenleuten einige beide Sportarten betreiben.

Als Meister beider Disziplinen ist sicherlich Kilian Jornet zu bezeichnen und den braucht man wahrscheinlich niemanden mehr vorstellen. Die Berge sind eigentlich in fast allen Disziplinen sein Spielplatz. Im Winter 2004 ging sein Stern auf, da durfte er als Junior bei der Weltmeisterschaft im Skibergsteigen mitlaufen und schlug auf Anhieb die ganze Weltelite. Als Sieger des Debüt-Rennens 2013 auf der 46K-Trailstrecke steht er natürlich auch in den Siegerlisten und auf dem wunderschönen Siegerpokal der Matterhorn Ultraks, den im Übrigen niemand mit nach Hause nehmen darf. Der bleibt in Händen der Veranstalter, nur die Siegernamen werden eingraviert. Den Speedrekord auf das Matterhorn, allerdings von Italien aus, hält der Teufelskerl auch, in 1 Stunde und 53 Minuten erkletterte er den Gipfel.

An diesem Wochenende ist glücklicherweise kein Schnee zu erwarten, vielmehr wird uns Sonne satt vorhergesagt. Unter vier tollen Strecken kann man wählen. Als Einstieg eignet sich der 16K mit ca. 17 km Länge und 1100 Höhenmetern. Hier dürfen Jugendliche bereits ab 16 Jahren daran teilnehmen. Deutlich heftiger wird es beim 30K. Bei einer Länge von etwa 31,5 km sind schon 1950 hm zu absolvieren. Die Königsstrecke ist der 46K mit etwa 48 Kilometern und 3600 Höhenmetern. Selbstverständlich sind bei allen drei Trails die Höhenunterschiede immer im Auf- und Abstieg zu bewältigen. Seit seiner Premiere zählt der 46K auch zur Skyrunner World Series.

Als Neuheit steht der VZR (Vertical Zermatt-Rothorn) im Programm, ein richtiges Vertical Race mit 9,7 km Länge und 1500 hm, bei dem es ausschließlich bergauf auf das Rothorn geht. Während die drei Trailrennen boomen und allesamt Zuwachsraten von etwa 40 % aufweisen können, tut sich der reine Berglauf schwer und muss als Nachfolger des letztjährigen 2VK auf den Gornergrat, Einbußen hinnehmen. So bekommt er auch nur diese einmalige Möglichkeit, sich zu bewähren und wird 2016 durch ein neues Format ersetzt.

Einige werden sich jetzt fragen, warum die offiziellen Strecken-Bezeichnungen anders lauten als die gemessenen Distanzen? Das liegt an unterschiedlichen Messungen. So kamen mit drei verschiedenen GPS-Systemen auch unterschiedliche Streckenlängen und Höhenmeterangaben heraus, diese sind auch in der Ausschreibung veröffentlicht. So variieren z.B. beim 46K die vermessenen Streckenlängen zwischen 46,75 bis 48,4 km und die Höhenmetermessungen von 3450 – 3660 m. Ich richte mich somit auf einen Mittelweg ein: 48 Kilometer und 3600 Höhenmeter.

In der Triftbachhalle können wir unsere Startunterlagen empfangen, sie liegt nur ein paar Meter entfernt vom Zermatter Kirchplatz, wo Start- und Ziel sind und die Rennen auch auf einer Großbildleinwand per Live-Übertragung verfolgt werden können. Der Andrang von heuer über 2.000 Angemeldeten löst bei der Abholung keine größeren Probleme auf, im Nu ist das Starterpaket mit Startnummer und Chip und einem Teilnehmergeschenk ausgehändigt. Zudem befinden sich in der Halle auch noch Dusch- und Massagemöglichkeit nach den Rennen. An unseren Startnummern befindet sich ein Bon, mit welchem wir nach Zieleinlauf noch mit Pasta, Salat und Getränken, ebenfalls hier in der Halle, versorgt werden. Zudem zwei 50 %ige Ermäßigungs-Gutscheine für die Bergbahnen ringsum für Begleiter. Teilnehmer können die Bahnen mit der Startnummer am Samstag gratis benutzen.

 
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Höchster Punkt Gornergrat


Alle Distanzen haben unterschiedliche Startzeiten. Die ersten, die heute ran dürfen, sind die Teilnehmer am 46K. Um 7:30 Uhr geht es für uns los. Um spätestens 19:00 Uhr sollten wir hier wieder eintreffen, besagt das Zeitlimit. Mit Alphornklängen werden wir am Kirchplatz empfangen. Daneben, in der berühmten Fußgängerzone der Bahnhofstraße, erfolgt der Start mit ganz anderen Klängen, mit Countdown und Gedonner eines Shuttle-Starts werden wir auf die Reise geschickt. Die Temperaturen sind bei diesem Sommer fast noch als frisch zu bezeichnen, um die 10 Grad wird es haben.

Das Mitnehmen von Wärmebekleidung überlässt man im Übrigen jedem selber, es ist keine Pflicht-Ausrüstung vom Veranstalter vorgeschrieben. Uns wird nur empfohlen, den Wetterbericht zu studieren, um den meteorologischen Gegebenheiten entsprechend an den Start zu gehen. Ich habe damit eh nie ein Problem, trotz stabiler Wettervorhersage mit viel Sonne und null Regenwahrscheinlichkeit, bin ich bestens ausgerüstet. Ich gebe aber gerne zu, die lange Hose ist heute im Koffer verblieben, die Temperaturen sollen in der Sonne noch locker 20 Grad erreichen. Ohne Rucksack oder Gürteltasche ist aber eigentlich kaum einer am Start, die meisten sind vernünftig genug.

Unmittelbar nach dem Startbogen biegen wir nach links ab, an der Dorfkirche vorbei. Nur wenige Meter kann man als flach zum gemütlichen Einrollen hernehmen. In nördlicher Richtung verlassen wir bereits leicht ansteigend Zermatt. Nach zwei Kilometern wechseln wir vom bequemen Fahrweg auf einen  steilen Single-Trail in den Wald. Bei fast 1400 Läuferbeinen gibt  das gezwungenermaßen einen ersten kleinen Stau.

Nach den ersten kräftigen Höhenmetern sorgt eine etwa 2 km lange, fast ebene Passage auf herrlich weichem Waldboden an einem Hang entlang für ein zügiges Lauftempo. Das Feld hat sich nach etwa 4 Kilometern deutlich entzerrt und ich kann mein eigenes Tempo angenehm laufen. Ein steil abfallender Felsenbalkon bremst uns kurzzeitig ein. Von der anderen Talseite grüßt, bereits im grellen Sonnenlicht stehend, das Matterhorn herüber.

Nach 6 km erreichen wir das Alpgebiet Sunnegga auf einer Höhe von über 2200 m. Die erste von vier Verpflegungsstationen bietet die Möglichkeit eines reichhaltigen zweiten Frühstücks. Zur Auswahl stehen u.a. Tee, Bouillon, Cola, diverse Obstsorten und Riegel.

 
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Bis hierher folgen alle Rennen der gleichen Route, das Vertical Race VZR führt ab hier direttissima hinauf zum Rothorn. Für alle drei Traildistanzen geht es nach rechts, unterhalb der Liftanlagen, hinunter zum Leisee. Der Weg wird auch beim Gornergrat Zermatt Marathon passiert. Für uns geht es aber am See nach rechts noch weiter bergab. Durch den kleinen Weiler Eggen und das Alphüttendorf Findeln laufen wir abwärts ins Findelbachtal, direkt mit Blick auf den majestätischen Star im wolkenlosen blauen Himmel.

Am Wegesrand der wunderschönen schwarzgebrannten Holzhäuser haben Einwohner eine private kleine Wasserstelle für uns errichtet. Ich muss sagen, ich bin bereits schwer aus dem Häuschen, ob dieser traumhaft schönen Aussichten, Wege und Pfade. Weder technisch zu schwer, noch zu leicht, einfach zum Genießen. Fast zu schön, um wahr zu sein.

Nach überqueren des Findelbachs ist unser kurzer Abwärtsdrang beendet. Über 1100 Höhenmeter im Aufstieg liegen jetzt vor uns. Nach einigen Aufstiegsmetern noch im Wald erfolgt die Streckentrennung von 16K und 30K, für die Teilnehmer geht es auf direktem Weg zur Riffelalp, während der 46K die Gipfelschleife über den Gornergrat einlegt.

Steil zieht der Kurs nach oben, erst ab Mitte flacht der Anstieg immer wieder etwas ab. Dabei passieren wir einige kleine Seen. Die Trails sind alle hervorragend zu begehen, einzig einige Rinnsale können für nasse Füße sorgen. Etwa zwei Kilometer vor dem Gipfel bekommen wir unser Zwischenziel, das Gebäude mit den markanten Türmen der beiden Observatorien auf dem felsigen Gornergrat zu sehen. Aber die Strecke führt nicht auf direktem Wege zur Gipfelstation. Auf einer Schotterpiste laufen wir mit nur mäßiger Steigung in einer Schleife von hinten über den Gornergrat zu den Aufbauten an.

Ein unglaublich großartiges Panorama wird uns auf über 3100 m geboten. Zur Linken, unter und neben uns fließen die Eisströme von Gorner-, Monte Rosa-, Grenz-, Schwärze-, und Breithorngletscher ein. Weit oben thront das Monte Rosa Massiv und die Spitze des „Hore“ dient als Kimme zum Anvisieren unserer Wasserstelle an der Gornergrat-Station. 29 Viertausender, die rund um Zermatt Spalier stehen, sind zum Greifen nah. Skyrunning bekommt hier eine neue Dimension.

 
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Genau 14,6 km sagt uns das Schild vor dem aufgeblasenen Zielbogen am höchsten Punkt der gesamten Strecke. Fast 2000 Höhenmeter sind geschafft, mit meiner Durchgangszeit von 3:15 Stunden bin ich sehr zufrieden. Wasser, Iso, Bouillon und Cola stehen an der Wasserstation im Angebot, letzteres hat aber fast Gletschertemperatur und ich steige schnell auf eine warme Bouillon um.


Der lange Abstieg bis Furi


Der Touristenstrom vor dem Kulmhotel und der Gornergratstation hält sich noch in Grenzen, so können wir ganz ordentlich dieses beliebte Ausflugsziel verlassen. Unsere Laufstrecke ist gut markiert, so gibt es keine Probleme. Viele Ausflügler spenden uns auch anerkennend Beifall. Besonders die Japanischen fallen mir irgendwie auf, sie feuern uns besonders enthusiastisch an. Ein langer Abstieg bis nach Furi liegt jetzt vor uns. Vom Gipfel geht es anfangs steil bergab, allerdings kann man zwischen den Felsen immer wieder schön durchwedeln und weiche Spuren zwischen den Felsen finden.

Nach etwa einem Kilometer passieren wir den Riffelsee. Teilweise schön weich und etwas matschig führt der Trail direkt neben dem Ufer entlang. Im See spiegelt sich die Ostwand des Matterhorns, es ist unglaublich schön. Das begehrte Fotomotiv lasse ich mir natürlich auch nicht entgehen. Auf diesem etwas flacheren Abschnitt kommen wir noch an einem weiteren kleinen See unterhalb des Riffelhorns vorbei.

Etwa auf halber Strecke bis zum ersten Zeitlimit an der Riffelalp durchqueren wir die Riffelberg-Station mit dem berühmten Riffelhaus von 1853. In 300 Meter Entfernung vom Hotel ist die Bühne für die Aufführung von „The Matterhorn Story“ errichtet. Hier wird die Geschichte der Erstbesteigung des Matterhorns anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums noch bis zum 29. August im Freilichttheater jeweils von Mittwoch bis Samstag zweimal täglich aufgeführt. Bei jedem Wetter.

Nach dem Durchlauf wird es wieder deftig steil, auf direkten Weg geht es runter zur Riffelalp. In einer weiten Schleife führt die Riffelbergbahn rechts von uns hinauf zur Station, wir nehmen den direkten Weg. Trotz allem sind auch diese steilen Bergpfade meist hervorragend zu laufen. Ich bin wirklich begeistert. Zu steile Geröllabschnitte behagen mir nämlich überhaupt nicht. Beeindruckend ist der weite Ausblick bis hinunter ins Tal nach Zermatt.

Kurz vor der Riffelalp führen alle drei Trails wieder zusammen. Wer bis 13:00 Uhr hier nicht eintrifft, hat Pech. Um 1:20 h kann ich das Zeitlimit von 5:30 Stunden beim 46K unterbieten und bin mehr als zufrieden damit. Bis jetzt läuft alles nach Plan. An der Station ist ein richtiger Zuschauer Hotspot, viele Unterstützer der Läufer haben sich eingefunden. Die Alphornbläser von heute Morgen sind auch vor Ort und geben ihr Bestes.

 
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Mit den Teilnehmern des 30K geht es vorerst mäßig steigend weiter. Lange dauert der Erholungs-Abschnitt aber nicht, dann geht es hinunter in die Gornerschlucht. Der Abstieg ist der technisch schwierigste der gesamten Strecke. Hier können auch einmal die Hände zum Absteigen benützt werden.

An der Gornera entlang, die aus dem Schmelzwasser des Gornergletscher, dem zweitgrößten Gletscher der Alpen entspringt, führt uns ein Schotterweg zu einer Hängebrücke, die in 90 m Höhe über die Gornerschlucht führt. Trittgitter führen auf der 100 m langen Stahlseil-Hängebrücke auf die andere Talseite. Die Überquerung ist zwar gefahrlos, aber es wackelt schon etwas und manch einer benötigt vielleicht etwas Mut und eine Prise Schwindelfreiheit. Laufen ist hier von der Rennleitung ausdrücklich verboten. Der Blick hinunter ins tosende Wasser der Gornera zeigt, wie die Elemente hier mit gewaltigen Kräften wirken.


Zeitlimit Schwarzsee


In Furi ist der lange Abstieg vom Gornergrat herunter endgültig beendet. Ein paar Meter weiter unten liegt die Einstiegsstelle zu den Gondeln der Matterhornbahn. Ganz bequem könnte man jetzt nach oben zur Schwarzsee-Station gelangen. Wir haben es aber nicht anders gewollt und machen uns per pedes auf den weiteren Weg. Zum Trödeln bleibt auch wenig Zeit, das nächste Zeitlimit wartet. Mittlerweile ist es sehr warm geworden, eine kleine Erfrischungsstation mit Wasser kommt gerade rechtzeitig. Ich vergesse auch nicht, meine Wasserflasche aufzufüllen, das könnte bei den hohen Temperaturen noch wichtig werden.

 
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Durch einen Bergwald mit Lärchen und Arven geht es wieder aufwärts. Ein Schild mit Aufschrift Schwarzsee lässt mich unvorsichtig werden  und ich übersehe glatt die Markierungsfähnchen, die nach links weiterführen. Etwa zweihundert Meter höher kann ich Pfiffe hören, ein Mitläufer pfeift mich zurück. Puuh, Schwein gehabt, ich wäre sicher noch einige Zeit aufgestiegen.

In Serpentinen führt der Pfad steil hinauf. Ich bin immer noch gut drauf, kann beim Aufstieg viele Trailer überholen, was mir platzierungsmäßig zwar egal ist, aber im Hinblick auf das Zeitlimit doch wichtig sein kann. Die Hälfte der etwa 4 km und 700 Höhenmeter langen Besteigung ist im schattigen Wald zurückzulegen, dann geht es in die pralle Sonne bis Schwarzsee auf 2600 m Höhe.

Schwarzsee nennt sich der Bergrücken hier, dessen Namensgeber der gleichnamige kleine Bergsee ist, der etwas tiefer liegt. Schwarzsee ist aber zugleich auch ein Ausgangspunkt zur Besteigung des Matterhorns sowie von Wanderungen zur Hörnlihütte, die von hier in etwa 2 Stunden erreichbar ist. Von der Wanderung bis zum Einstieg über den Hörnligrat erzähle ich euch noch was am Ende meines Berichts. Jan und ich haben die Tour noch gestern unternommen und waren schwer begeistert.

 
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Die Zeitbarriere in Schwarzsee liegt beim 46K bei 7:00 Stunden, um 14:30 Uhr darf man die Station nur mehr mit der Gondelbahn verlassen. Der Abschnitt von der Riffelalp herüber hat sich, wie von mir vermutet, deutlich länger hingezogen. Ich habe trotz allem noch ein Zeitpolster von fast 45 Minuten. Für den Rest der Strecke bleibt jetzt genügend Zeit. Um 19 Uhr wird das Ziel in Zermatt geschlossen. Ich genehmige mir eine 10-minütige Pause, um mich ausreichend mit Getränken zu versorgen und zu verpflegen und seine Majestät zu bewundern. Näher kommen wir heute an seinen markanten Gipfelgrat nicht mehr heran.


Aug in Aug mit der Matterhorn-Nordwand


Am Schwarzsee vorbei führt uns ein Schotterweg etwa einen Kilometer abwärts, bevor es wieder auf die geliebten Trails geht. Etwa 400 hm verlieren wir auf dem 3 km langen Abschnitt am Fuße der Matterhorn-Nordwand runter über die Bergwiesen der Stafelalp. Nach Überquerung des Zmuttbaches erfolgt die Trennung von den 30K-Läufern.

Für uns geht es nach links im Hochtal weiter. Nur kurz kann man sich bei mäßiger Steigung erholen, dann geht es wieder ans Eingemachte. Ab Arben Wasserfall sind teilweise Anstiege mit 25% zu meistern. Dafür gibt es wieder grandiose Ausblicke. Der Arbenbachfall stürzt sich direkt neben uns von einem Felskopf der Seitenmoräne des ehemaligen Zmutt-Gletschers in die Tiefe.

Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt die Matterhorn-Nordwand direkt über uns. Der Blickwinkel ist komplett anders als vom Schwarzsee aus. Von rechts kann man jetzt sehr schön den Aufstieg über den Zmuttgrat sehen. Viele Matterhornkenner bezeichnen ihn als den schönsten Aufstieg auf die Granitpyramide.

In Blickrichtung unseres steilen Aufstiegs liegt das Ober Gabelhorn, ebenfalls über 4000 m hoch. Die 600 Höhenmeter Aufstieg führen einige an ihre Grenzen. Fast oben, kann ich Jan ein Stück vor mir ausmachen und bald auch einholen. Gemeinsam bestreiten wir den Höhenweg auf dem Aussichtsbalkon der Höhbalmen auf durchschnittlich etwa 2700 m Höhe. Das Panorama ist wieder phantastisch. Eine Aussicht der Superlative auf die zahlreichen 4000er Gipfel und natürlich immer wieder ein Blick auf diese dramatische Nordwand.

Unterhalb des Unteren Gabelhorn geht es meist ganz leicht fallend über Geländeeinschnitte, Rinnsale mit glasklarem Wasser und an Steilwiesen entlang, immer auf traumhaften Bergpfaden. Es ist hier unglaublich schön zu laufen, ohne größere technische Herausforderungen. Ja, was soll ich sagen: Fast zu schön, um wahr zu sein.

 
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Der Abstieg hinunter zum Berghotel Trift erfordert wieder alle Aufmerksamkeit. Die 300 hm Abstieg sind supersteil, in Serpentinen geht es in ganz engen Trampelpfaden runter. Die letzte Verpflegungsstelle vor dem Gasthof ist gut sortiert und so genehmige ich mir wieder 5 Minuten Pause. Jan hat mir beim Abstieg zwei Minuten abgenommen und macht sich schon vom Acker, als ich an der Station eintreffe. Etwa 40 km sind hier absolviert.


Das Finale


Ein letzter, etwa eineinhalb Kilometer langgezogener, aber nicht sonderlich steiler Anstieg mit ca. 200 hm führt uns zu unserem Finale: Den freien Fall hinunter nach Zermatt. Nein, ganz so schlimm ist es nicht  …zumindest anfangs. Nach Durchquerung einiger Lawinen-Schutzzäune traversieren wir in langen Schleifen am Hang entlang über schöne Bergwiesen. Man kann hier noch ganz ordentlich laufen. Als ich aber doch einmal um eine Ecke fast ins Stolpern komme, schrecke ich gleich eine ganze Horde von Schwarznasenschafen auf. Die Bergrasse enthält 50 Prozent weniger Fett als die Schafe aus dem Tal. Von Ende Mai bis September werden sie ihrem Schicksal überlassen, nur einmal pro Woche schaut der Züchter nach dem Rechten.

Je weiter es hinab geht, umso schwieriger und steiler wird es. Meine Oberschenkel brennen gehörig und ich muss immer mal etwas Tempo rausnehmen, auch weil es mir manchmal zu gefährlich wird. Auf den letzten Metern möchte ich keinen Absturz mehr riskieren. Jan macht das weniger aus, bergab ist er in seinem Element und brettert immer voll hinunter.  So kann er noch einige Minuten Abstand zwischen uns legen.
Etwas oberhalb der Zermatt Marathon-Strecke treffen wir im Ort ein. So geht es auch erst kurz vor dem Kirchplatz ins Zentrum zum Zieleinlauf. Die letzten zweihundert Meter führen vor vielen Zuschauern durch die Fußgängerzone ins Ziel, wo mir die schöne Medaille überreicht wird. Mit 10:21 Stunden bin ich mehr als zufrieden, da bleibt zum Cut-Off noch über eine Stunde Luft. Für alle Finisher gibt es anschließend noch ein tolles Shirt, für die Mädels in Türkis und für die Jungs in Grau. In der Triftbachhalle können wir uns noch mit leckerer Pasta und Salat stärken.

 
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Für mich waren die Matterhorn Ultraks heute mit eines der schönsten Trailrennen, das ich bisher bestreiten durfte und da kommen mittlerweile schon ein paar zusammen. Das bezieht sich noch nicht einmal zwingend auf die sowieso ohne Einschränkung traumhafte Umgebung. In erster Linie haben mich die Trails schwer begeistert. Ein Single-Trail-Anteil von vielleicht 90 % ist kaum zu übertreffen, dazu auf Pfaden und Wegen, die meist hervorragend zu laufen sind, ohne zu große technische Hürden aufzuwerfen. Da muss ich hier wohl wieder einmal vorbeischauen.


Matterhorn Hörnligrat

 

Wer in Zermatt ist, sollte mindestens einmal den Hörnliweg zum wichtigsten und historischen Punkt am Fuß des Matterhorns erwandern. Von diesem Weg starteten die Erstbesteiger am 14. Juli 1865, um das Matterhorn zu erobern. Ich bin sofort fasziniert, als ich davon lese und nachdem Jan und ich eh bereits früh genug anreisen, liegt nichts näher, als diese Wanderung in Angriff zu nehmen. Mit der Gondelbahn fährt man bis Schwarzsee. Von dort sind 4,3 km und 740 Höhenmeter zu meistern und natürlich wieder zurück.

Als schwierig ist die Wanderung eingestuft, aber es gibt eigentlich keine halsbrecherischen und ausgesetzten Stellen zu überwinden. Für alle Teilnehmer bei den Matterhorn Ultraks dürfte die Tour ohne größeren Probleme zu meistern sein.
An der Hörnlihütte, die ganz neu gebaut und heuer wieder eröffnet wurde, lässt sich das Matterhorn spüren, anfassen und erleben. Mächtig und respekteinflößend thront es über der Hütte. Von hier aus führt die meistgegangene Kletterroute über den Hörnligrat auf den Gipfel. Bis zu 130 Gipfelstürmer können in der neugebauten Hütte übernachten, bevor sie in aller Herrgottsfrühe mit Stirnlampen ihren Aufstieg beginnen.

 
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Bis zu 3.000 Bergsteiger versuchen jede Saison den Gipfel zu bezwingen, an Spitzentagen über 100. 70 % davon wählen die einfachste und bekannteste Route über den Hörnligrat. Pro Saison müssen ungefähr 80 Rettungseinsätze per Helikopter durchgeführt werden. Seit der Erstbesteigung verging kein Jahr ohne tödliches Unglück. Pro Jahr verunglücken acht bis zehn Menschen tödlich, das summiert sich auf mittlerweile über 500 Todesfälle. Einige davon sind unten im Bergsteiger-Friedhof von Zermatt begraben.

Etwa 200 Meter kann man nach der Hütte noch weitergehen, dann ist für Trailrunner, Touristen und Wanderer Ende. Der Einstieg zum Hörnligrat ist nur mehr mit Seil und Kletterausrüstung zu meistern. Ich bin fast geneigt zu sagen: Gott sei Dank. Hier ist Geschichte geschrieben worden, man fühlt irgendwie diesen magischen Ort. In der Wand hängen Gedenktafeln und eine Madonna, die die Bergsteiger beschützen soll.

 
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Ach so, von noch etwas bin ich in diesen Tagen restlos begeistert: Von meinem Equipment, genauer gesagt von meinem neuen Trailschuh, dem Runnegade von Asics. Ich werde ja oft gefragt, mit welchen Schuhen ich in den Bergen unterwegs bin. Der Runnegade, obwohl er vom Hersteller nicht unbedingt für einen Ultratrail empfohlen wird, ist ein absolut geiler Schuh, perfekt geeignet für hiesige Verhältnisse.
Aufgrund der Wärme kam viel Wasser von den Bergen und obwohl ich richtig eingetaucht bin, bekam ich nie nasse Füße. Auf den Trails fühlte ich mich sicher, der Runnegade hat einen Super Grip. Wie gesagt, ich bin wirklich begeistert.

 

Informationen: Matterhorn Ultraks
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