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Marrakech Marathon: 1001 Nacht in 2 Tagen

25.01.09

Wer weiß, dass man für ganz billiges Geld nach Marrakesch fliegen kann? Marrakesch! Das liegt in Afrika! 12 € oder so, Wahnsinn. Sabine weiß so was, sie findet es auf ihren abendlichen Expeditionen  durch die blühende Billigflieger-Landschaft. Ryanair, Germanwings, Easyjet und Co.

An einem ruhigen Dienstagabend, sie hatte es sich gerade bei Musik (laut) und einer Flasche Bier vorm PC gemütlich gemacht (erinnert stark an die Hörfunkklamotte von SWR 3: Frau Doktor Marianne 014),  als plötzlich ein Ryanair-Newsletter in ihr E-mail-Postfach flog : 1 Million Flüge zu 0 € + ein paar Gebühren oder so.

Sowas läßt Sabine immer schlagartig betriebsam werden. Kurz gucken wo, wann welcher Marathon in der fernen Welt sein könnte. Aha,  Januar - Marrakesch! Gleich buchen, erstmal  Hinflug, heim kommen wir schon irgendwie. Kurzer Anruf: „Matthias (das bin ich), nimm dir am 24.Januar mal nix vor. Da ist Marathon in Marrakesch, ich habe schon Flüge (hin) für uns. Du MUSST aber nicht mit?!“ So geht’s immer.

Aber natürlich muss ich mit, was denn sonst? Das ist doch einer der Hauptantriebsgründe, mich marathonmäßig zu bewegen. Klar,  so’n bissel sportlichen Ehrgeiz habe ich schon. Ab und zu mal rennen so flott es geht, gehört schon noch dazu. Aber die Teilnahmen an Marathons in aller Herren Länder und dabei die selbigen auch ein wenig kennen lernen, das ist doch das Salz in der Suppe.  In der Saure-Gurken-Zeit nimmt man auch schon mal einen Wald- und Wiesen-Mara mit. So Sachen wie Aegidienberg, Kevelaer oder, ich gestehe, man  quält sich an Heiligabend  5 Mal den steilen, eisigen Bärenfels hoch. Ich hatte halt nix zu tun, der Weihnachtsbaum stand schon, Geschenke waren verpackt und „Wir warten aufs Christkind“ im Fernsehen interessiert mich nicht wirklich.

Aber : Eigentlich bin ich für die großen, die fernen Marathons auf der Welt. So denke ich manchmal in kurzen, mutigen, mich selbst überschätzenden Momenten. Frei nach dem Motto: Wer nicht träumt, lebt nicht. Oder so ...

Kehren wir zurück zu Frau Doktor Sabine 014. Marrakesch stand schon vor 2 Jahren auf ihrem/unserem Plan. Der Flug wurde seinerzeit leider gecancelt. Doch diesmal nicht, das schworen wir uns. Ganze 2 Tage hatten wir Zeit, nee sogar fast 3, da wird sich doch wohl noch was finden lassen. Rückflug, Rückfahrt, Schiff, Auto, Zug oder so. Wird schon. Hauptsache Montagnachmittag wieder daheim und das Ganze billig und gut.

Und es fand sich was: Marrakesch – London – Dortmund. Flugzeug, kein  Schiff.  Suuuuper -  hach, was freuten wir uns.

Samstagmorgen gings dann schließlich los. Unser Flieger in Hahn startete pünktlich. Knackevoll die Butze, eng wie immer in diesen Plastikfliegern, kein freier Zusatzplatz zum gemütlichen Ausstrecken. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Menschen im Januar nach Marrakesch zieht. Egal, Augen zu und durch.

Afrika - das versprach Sonne, Sommer, Wärme. Ich hatte mir extra ne neue Badehose gekauft, zuhause einmal kurz die Sonnenbank gegönnt, damit ich nicht sofort einen Sonnenbrand bekomme und hatte mir vorgenommen, in den 2 Tagen knackebraun zu werden. Ein Superhotel hatte ich persönlich ausgesucht und es diesmal nicht dem Zufall (also Sabine) überlassen. Großer Pool, gute Betten, gutes Essen (das einzige Hotel, welches bei Hotelbewertungen nicht durch Durchfall-Epidemien negativ auffiel), nichts würde schiefgehen.

Als wir dann nach knappen aber harten 4 Stunden landeten, waren wir von der Kleidung der „Eingeborenen“ doch etwas überrascht: Sie unterschied sich kaum von der unseren im winterlichen Deutschland – dicke Jacken, Schal etc. Gefühlte 5 – 8 Grad,  wolkig. Na, wird schon noch.

 
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Wir freuten uns, verließen das Flughafengebäude und suchten ein Taxi. Diverse gelbliche Autos hielten auch an der Straße, überwiegend Mercedes Benz 240 D, eine S-Klasse sogar. Okay, alle schätzungsweise Baujahr 1979-1981, auch ein Fiat Panda Baujahr 1975. Als die Taxifahrer, die alle gelangweilt in einer Gruppe standen, uns Touris entdeckten, gab’s ein übles Handgemenge, das fast in eine Keilerei ausartete. Es ging wohl darum, wer uns fahren durfte. Es gewann der mit dem Fiat Panda ....

Neidisch auf die etwas komfortableren Mercedesse blickend stiegen wir ein. Der letzte Fahrgast muss ein Kamel gewesen sein, oder ein Ziegenbock oder das Schaf, dessen Fell das spartanische Armaturenbrett unseres fröhlichen Taxifahrers zierte. Jedenfalls stank es erbärmlich.

Unser Taxifahrer war nett, schwafelte irgendwas von 20 € und legte mit seinem Gefährt los. Dem Motorengeräusch nach zu urteilen, lief die Karre nur auf 2, maximal 2 ½ Pötten (Zylindern). Aber sie sprang sofort an und fuhr. Während der Fahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von Marrakesch und seinen Bewohnern und deren Fortbewegungsmittel: Esel, Fahrräder, Mofas (besetzt mit bis zu 4 Menschen) und Taxis (petit und grande - unsers war petit).

Wir erreichten dankbar unser Hotel, zahlten die 20 € (die Rückfahrt mit einem auf 5 Pötten laufenden S-Klasse-Mercedes kostete nur 10 € - Gauner!) und freuten uns auf unser Zimmer.  Immer noch keine Sonne, Mist. Es sollte auch nix mehr werden mir Baden und so. Also begaben wir uns nach einem wirklich guten Mittagessen auf Stadtbesichtigung.

Die Startunterlagen sollte es am Platz des 16. November geben. Erwartet hatten wir eine Messe wie in Berlin – Sabine wollte sich ein paar neue Laufschuhe kaufen. Doch stattdessen gab’s drei lustige Zeltchen, wo wir von einer extra, ihr Mittagessen unterbrechenden, gut englisch sprechenden Dame unsere Startnummern und zwei T-Shirts in XL ausgehändigt bekamen. Frohgemut traten wir von hieraus den kurzen Marsch zum Platz der Gehänkten, Geköpften oder was-weiß- ich, vorbei an der großen berühmten Koutubia –Moschee, von deren Turm uns auch gleich der Muezzin lautstark begrüßte. Noch ein Tipp für alle, die mal nach Marakesch wollen: Man brauch keinen Wecker! Pünktlich um 5 in der Früh weckt einem der freundliche Muezzin, oder besser gesagt, mehrere, alle, so ungefähr hundert ..

 
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Am berüchtigten Platz angekommen, erwartete uns all das ,was wir in anderen Berichten hierüber schon erfahren hatten: Schlangenbeschwörer, die für jedes Foto Geld haben wollten, Geschichtenerzähler, Obst und Gewürzhändler und der Eingang zu den Souks. Unwillkürlich wurden wir davon angezogen, bestaunten die engen, mit Waren angefüllten Gassen, Händler und Handwerker, mittelalterlich gekleideten Menschen, die greifbare Armut, aber auch die Unbeschwertheit, Ausweglosigkeit, Männer, verschleierte Frauen, Kinder - schmutzig,  Alte – gebückt, blind, tiefe Furchen im Gesicht. Alles war, als sei die Zeit vor Hunderten von Jahren stehen geblieben. Je tiefer wir in die Altstadt vordrangen, umso dunkler wurden die Gassen und ärmlicher die Straßen. Nach zwei Stunden hatten wir uns in dem Irrgarten hoffnungslos verirrt.

Wir fühlten uns wie Hänsel und Gretel und erwarteten den bösen Wolf, der uns in die nächstbeste dunkle Ecke zerrt. Schließlich kamen wir an eine Lichtung und trafen auf ein „Petit Taxi“, das uns aus dem Dickicht befreite. Puuuh, darauf ne gute Flasche Wein in unserm herrlichen Hotel. Das war Abenteuer genug.

Am nächsten Tag dann der Marathon. Start war um 8.30 Uhr an der Ave de Mohammed VI. Das Wetter schien sich zu bessern, es gab Sonne. Bekannte Gesichter trafen wir auch: Wolfgang Schwabe, Herbert und Hans, die wir in Dubai kennengelernt hatten und Dietmar, der sogar aus unserer Heimat stammt, rein urlaubstechnisch hier war und nur zufällig vom Lauf erfahren hatte. Er lief dann den Semi-Marathon. Die Zeit spielte diesmal keine Rolle, ich wollte viel sehen von Land und Leuten und Fotos schießen.

 
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Die Strecke? Hotel- und Armenviertel, Vorstadtgefilde, Palmgärten, Golfplätze. Anfangs alles ohne Verkehr, später mit Verkehr. Teilweise sogar mit Gegenverkehr und am Schluss musste man sogar Slalom laufen um die von wild trillerenden Polizisten angehaltenen Autos und Mopeds, die sich an Kreuzungen regelmäßig stauten. Bemerkenswert: Die vielen Kinder. Kinder über Kinder am Straßenrand, arme aber glückliche Kinder. so schien es. Ob sie eine  Zukunft haben? Sie hatten ihren Spaß an den Läufern, keine Wasserflasche blieb lange liegen.  Und am Schluss bekamen wir  noch eine Abkühlung von oben. Ein wenig regnete es, doch das tat der Sache keinen Abbruch.

 
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Im Ziel nur glückliche Gesichter: Das hatte sich gelohnt, wieder ein exotischen Marathon gefinisht. Mit Kamelen, Schlangenbeschwörern, Eseltreibern, verschleierten Frauen, fröhlichen Kindern, stoischen Moped- und freundlichen Taxifahrern als Zaungäste. 

 
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Einer von letzteren brachte uns wieder ins Hotel. Wieder eine haarsträubende Fahrt, untermalt mit arabischer lauter Musik und vielen Fast-Unfällen. Jede noch so kleine Lücke im Verkehr wird genützt , um hineinzuschlüpfen. Außenspiegel sind an den Autos daher eher selten. Aber man sieht kaum Beulen, keine Unfälle. Irgendwie klappt’s immer. Auch ohne Regeln, oder vielleicht gerade deswegen.

Mittagessen im Hotel, entspannen, Abendessen, guter Wein, keinerlei Magen- oder Durchfallprobleme, Herz was willst du mehr.

Alle unsere Flüge am nächsten Tag waren pünktlich. Sabine hatte recht: ALLES WIRD GUT.  Marrakesch in 2 Tagen? Null Problemo und allemal eine Reise wert. „Bis bald“, wie Frau Doktor 014 zu sagen pflegt.

 

Informationen: Marrakech Marathon
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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