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Laufberichte

Auf Nero’s Spuren

 

Alle Wege führen nach Rom. Das ist das  Motto des Jubiläums-Marathons in der italienischen Hauptstadt. Das war schon immer so, denn Rom war ein Weltreich und die Wege, bzw. die Straßen die die Römer anlegten, führten alle zum Zentrum der Macht nach Rom.

Im Hier und Jetzt benutzt man den Flieger und ist bequem in knapp 2 Stunden dort. Ich bin mit meiner Frau bereits am Freitag angereist und nach dem kurzen Check In im Hotel Pace Helvetica, das in unmittelbare Nähe zum Start und Zielbereich liegt, geht es nachmittags direkt zu einer Stadtrundfahrt, um einen ersten Eindruck von der Stadt und der Strecke zu gewinnen.

Dann die Marathonmesse, die im Messegelände von Rom außerhalb im Stadtteil EUR ist. Am Samstag ist hier die Hölle los, da zusammen mit dem Funlauf über 30.000 Teilnehmer erwartet werden. Am Freitag ist alles sehr übersichtlich und stressfrei. Die Messe mit der Startunterlagenausgabe ist die Kopie  eines  IKEA-Ladens: Man wird zwangsläufig auf markierten Wegen an allen Ständen vorbeigeleitet. Selbst für einen Schnelldurchlauf braucht man mehr als eine Stunde.

Endlich habe ich meine Startnummer, das schöne Rennshirt von New Balance und einen attraktiven Rucksack, ebenfalls von NB. Die Pasta soll man sich wohl selber machen, denn im Rucksack sind auch 500 g Nudeln. Wir gehen abends mit unserer kleinen Laufgruppe trotzdem  zu einem gemeinsamen Abendessen und Erfahrungsaustausch. Nach einer kurzen Nacht geht es dann am Samstag direkt zu einer Stadterkundung per pedes, denn Rom erlebt man am besten zu Fuß. Schwerpunkt legen wir auf die Sehenswürdigkeiten, die wir beim Lauf nicht sehen werden, wie z.B. das Pantheon und den Trevi Brunnen. Danach natürlich wieder lecker Essen. Zum Glück gibt es im ganzen Hotel keine Waage!

 

 
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Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Es ist Marathon und endlich auch etwas wärmer.  16 Grad sollen es werden. Vom Hotel zum Start sind es normal nur  400 Meter, heute sind es  jedoch fast 4 km, denn das Sicherheitskonzept sieht vor, dass man den  Startbereich beim Konstantinbogen nur erreicht, nachdem man das  komplette Forum Roman umrundet hat.

Der Konstantinbogen wurde 315 geweiht. An diesem Tag feierte Konstantin den Beginn seines zehnten Regierungsjahres, wie uns der Tour Guide erzählt. Auftraggeber für das Werk war der Senat. Der Bogen wurde an prominenter Stelle errichtet: Er überspannt in unmittelbarer Nähe des Kolosseums die Via Triumphalis, die sich nur wenige Meter nach dem Bogen mit der Via Sacra verbindet. Diesen Weg schlugen traditionell alle Triumphatoren ein, wenn sie vom Circus Maximus kommend den Palatin umrundeten, um dann über die Via Sacra und das Forum zum Kapitol zu gelangen.

Genau diesem Weg folgen auch wir. Am Bogen haben wir dann natürlich auch den tollen Blick auf das Kolosseum, dessen Detailbesichtigung ich für  Dienstag geplant habe. Hier schon mal die Kerndaten: Der Name des Kolosseum war ursprünglich kein Hinweis auf die gewaltigen Ausmaße des Gebäudes. Amphitheatrum Flavium (der Name des Herrschergeschlechtes), so der eigentliche Name, wurde erst später so genannt, weil es sich neben einer von Nero aufgestellten Kolossalstatue befand, die fast ebenso hoch gewesen sein soll, wie das Amphitheater.

Nach nur 5 Jahren Bauzeit wurde das Kolosseum noch zu Lebzeiten Vespasians eingeweiht, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt war: das dritte und vierte Stockwerk fehlten noch. 80 n. Chr. feierte Vespasians Sohn und Nachfolger Titus ein zweites, prunkvolles Einweihungsfest, das 100 Tage dauerte und 5000 Tieren das Leben gekostet haben soll. Doch erst Domitian, der Bruder des Titus, vollendete das Bauwerk; zu seiner Zeit wurden die unterirdischen Stockwerke angelegt. Bis dahin wurden neben den Tierjagden auch nachgestellte Seeschlachten, bei denen die Arena komplett unter Wasser gesetzt werden musste, vorgeführt. Mit 527 Metern Umfang und einer Höhe von 54 Metern ist das Kolosseum das größte Amphitheater dieser Art. Mindestens 60.000 Zuschauer fanden darin Platz.

Zehntausende Sklaven stellten den ellipsenförmigen Bau (Achsenlänge 188 zu 156 Meter) unter Verwendung von ca. 100.000 Kubikmetern Travertiner Marmor und (nur!) 300 Tonnen Eisen fertig. Dabei wurden die Blöcke nicht vermauert, sondern lediglich durch Eisenkrampen verklammert. Es ist für mich ein wahres Wunder, dass heute noch so viel davon erhalten ist. Ein Erbeben hatte einen Teil des Kolosseums nach einigen Hundert Jahren einstürzen lassen und danach wurde es als Steinbruch für andere Gebäude verwendet.

Aber genug davon, heute geht es um den Lauf, oder genauer gesagt um eine 42 km lange Stadtbesichtigung auf Nero’s Spuren, dessen kolossale Statue es leider nicht mehr gibt.

Am Konstatin Bogen gibt man seinen Kleiderbeute ab und hat dann Zugang zu den Startblocks. Neben der Startnummer hat man als zusätzliche Identifikation noch ein Armband in der Farbe des jeweiligen Startblocks bekommen. Die Sicherheitsstufe ist hoch,  überall sieht man neben den üblichen  Polizisten und Carabinieri auch schwer bewaffnete Soldaten.

 

 
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Die der Straße, auf der wir uns hier befinden, ist eigentlich ein kultureller Affront, denn sie wurde auf Geheiß von Benito Mussolini kurz vor dem 2. Weltkrieg als Paradestraße mitten durch die Ausgrabungsstätte des Forum Romanum gebaut. Früher Paraden, heute Marathon. So ändern sich die Zeiten – zum Glück.

Aufgrund meiner aktuellen Laufzeiten habe ich ein schwarzes Band, was mich als einen Teilnehmer der dritten und damit letzten Starterwelle kennzeichnete. Mein Start ist für 8.51 Uhr  geplant. Kein Witz, so steht es in der Ausschreibung. Natürlich laufe ich erst um 9 Uhr über die Startlinie und damit fast eine halbe Stunde hinter der Elite. Ich bin ja schließlich auch zum Genießen hier und nicht zum „Rennen“.

Also Startaufstellung mitten im Forum Romanum. Das war über 1000 Jahre das Zentrum der politischen Macht mit vielen bedeutenden Gebäuden, gelegen zwischen den Hügeln Palatin und Capitol. Es war einst Sumpfgelände, das erst mit dem Bau der Cloaca Maxima trocken gelegt wurde. Das war im 6. Jahrhundert vor Christus. Ganz verschiedene Bauten finden Platz auf dem Forum. Einer der ersten Tempel war der für den Gott Saturn. In ihm wurde aber nicht nur der Gott verehrt, sondern auch der römische Staatsschatz aufbewahrt. Reste von ihm sind heute noch zusehen, genau wie von dem Tempel der Castor und Pollux. Nichts mehr übrig blieb vom Tempel des Janus. Sehr bedeutsam war auch der Tempel der Vestalinnen. Gleich daneben lag das Haus der Vestalinnen, in dem die Priesterinnen lebten und ausgebildet wurden und 35 Jahre Keuschheit schwören mussten.

Ich könnte hier eigentlich noch stundenlang unseren Stadtführer zitieren, aber fahrt doch einfach mal selber hin. Es ist beeindruckend. Ich hoffe die Fotos geben das wider.

 

 
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Doch nun zum Lauf. Schon nach 400 Metern erreichen wir das Denkmal der Italienischen Republik, das von Vittorio Emanuele errichtet wurde, aber nicht von den Römern geliebt wird, da es angeblich nicht an diesen Ort passt. Es hat Namen wie Schreibmaschine, Geburtstagstorte oder Schwiegermutter‘ s Gebiss erhalten. Touristen, wie ich, sind jedoch von der Architektur begeistert. Weitere 200 Meter weiter erreichen wir den Hügel, auf dem das heutige Rathaus steht. Auf der von Bernini angelegten Treppe steht heute eine große Militärkapelle. Kleiner Tipp von mir: Oben links neben dem Rathaus, etwas versteckt, steht das berühmte Denkmal, das die Wölfin zeigt, wie sie Romulus und Remus säugt. Die Zwillinge gelten als Gründer  Roms.

Weitere 400 Meter weiter erreichen wir das Marcellus-Theater, das unter den Kaisern  Cesar und Augustus  erbaut wurde und Marco Claudio Marcello, dem verstorbenen Neffen von Augustus und Sohnes seiner Schwester Octavia, der als Thronfolger bestimmt war, gewidmet wurde.

Beeindruckend ist die Höhe des Gebäudes. Von den ehemals 32 m stehen noch Wände von 20 m Höhe. Wahrscheinlich fanden ca. 15.000 Zuschauer im Marcellus-Theater Platz. Im Mittelalter wurde das Teatro Marcello als Festung ausgebaut und später siedelten sich Verkaufsstände an, die Bogengänge wurden zu Wohnungen und Geschäftsräumen ausgebaut. Noch vor einigen Jahren soll im oberen Stockwerk, das heute exklusive Wohnung beherbergt, Sofia Loren gewohnt haben.

Erst 1 km geschafft - und schon so viel gesehen.  Und weiter geht es an kleinen Tempeln vorbei zum Circus Maximus. Vielen „Älteren“ bekannt aus den Ben Hur Filmen. Hier wurden im antiken Rom die Wagenrennen durchgeführt. Diese Wagenrennen (ludi circenses) im Circus Maximus waren öffentliche Veranstaltungen, die im Rahmen von Feierlichkeiten und zumeist auf Staatskosten veranstaltet wurden. Zu Zeiten der römischen Republik bestand ein tagfüllendes Programm aus 12 Rennen. In der Kaiserzeit wurde diese Zahl auf 24 erhöht. Zu diesen Anlässen wurden Bildnisse der Götter in silbernen und elfenbeinernen Wagen, die in der aedes Tensarum auf dem Kapitol aufbewahrt wurden, in einer Prozession in den Circus gebracht.

 

 
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Ich habe hier mal ein paar Runden gedreht und circa 7 Minuten pro Runde benötigt. Beim Marathon laufen wir jedoch außen vorbei. Bei dieser Gelegenheit: In Rom läuft man natürlich auch auf Straßen, die die Römer eigentlich zum Truppen- und Waren-Transport erfunden haben. Was damals extrem fortschrittlich war, ist für Läufer etwas schwierig. Wir reden von Kopfsteinpflaster,  mit dem man es Rom Marathon im Überfluss zu tun hat.  Also nicht unbedingt nur nach den Sehenswürdigkeiten schauen, sondern ab und zu auch nach unten, denn da gibt es auch jede Menge Schlaglöcher.

Weiter geht es, die Highlights kommen ja noch. Zum Beispiel die Die Cestius-Pyramide, genauer „Pyramide des Caius Cestius“. Sie ist das Grabmal des römischen Prätors und Volkstribuns Gaius Cestius Epulo. Die Cestius-Pyramide steht in exponierter Lage an der Via Ostiensis, einer der belebtesten Straßen Roms, die zum Hafen in Ostia führte. Ab 271 wurde die Pyramide in die Stadtmauer Kaiser Aurelians (die Aurelianische Mauer) einbezogen. Neben ihr öffnete sich die Porta Ostiensis, heute Porta San Paolo, mit ihren Zinnen, neben der ebenfalls wieder eine Militärkapelle spielt.

Kurz danach überqueren wir auf einer modernen Brücke den Tiber und erreichen weitere Paläste und Tempel. Die alle 5 km platzierten Verpflegungsstände verfügen über ausreichend Getränke, die bei der Hitze von nun fast 25 Grad auch reißenden Absatz finden. Wir laufen entlang des Tibers, vorbei an der Tiberinsel mit dem altehrwürdigen Spital.  Der Sage nach war hier eine aus Griechenland importierte heilige Schlange aus dem Schiff gesprungen und hatte sich an Land um einen Stab gewickelt (= Äskulapstab). Daher wurde dort dann auch ein Spital gebaut.  Was man nicht so alles lernt. Dann erreichen wir das jüdische Viertel mit der größten Synagoge in Rom. Leider auch dem Standort des jüdischen Ghettos während des 2. Weltkrieges. Kurz danach erreicht das Feld die Engelsburg.

Die Engelsburg (italienisch Castel Sant’Angelo) wurde ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) und seine Nachfolger errichtet und später von verschiedenen Päpsten zur Kastellburg umgebaut. Ab 1901 wurde das Gebäude nicht mehr als Burg verwendet. Vorangegangen war der Bau der heutigen Engelsbrücke als Pons Aelius Hadrianus im Jahre 133. Ab dem 10. Jahrhundert war die Engelsburg im Besitz der Päpste und diente als Zufluchtsort bei Gefahr. 1084 verschanzte sich hier Papst Gregor VII. vor Kaiser Heinrich IV. Der 1277 unter Papst Nikolaus III. erbaute etwa 800 m lange Gang ist ein oberirdischer, in die Mauer integrierter Verbindungsgang zum Apostolischen Palast in der Vatikanstadt. Während der großen Plünderung Roms (der „Sacco di Roma“) durch die Truppen von Kaiser Karl V. diente er Papst Clemens VII. als Fluchtweg vor den Soldaten des Kaisers. Danach verschanzte er sich für einen Monat in der Burg. Ebenso floh Pius VII. vor Napoleon Bonaparte. 1561 wurde Kardinal Carlo Carafa in der Engelsburg durch Erdrosseln hingerichtet. Bekannt ist vielen diese Burg auch aus dem Film Illuminati. Die Besichtigung der Burg ist für Marathonis samt Begleitperson übrigens kostenlos möglich. Mit den Startunterlagen bekommt man eine „Art Card“, mit der man einige Museen besuchen kann.

 

 
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Doch weiter geht es zum aus meiner Sicht absoluten Höhepunkt der Strecke: dem Petersdom und dem Vatikan. Auch hier habe ich eine Führung mitgemacht. Wenn  ich auch nur einen Teil des Vortrages unserer Führerin Maria Helena widergeben würde, müsstet ihr noch 10 Seiten mehr lesen. Sie ist nicht nur Führerin, sondern auch Architektin, genau wie Martin aus unserer Laufgruppe.

Danach noch schnell ein Foto von einem Wachsoldaten der Schweizer Garde, die den Vatikan bewacht. Unzählige Denkmäler und historische Gebäude folgen. Darunter vor allem die Piazza Navona, einer der schönsten Plätze in ganz Italien.

 

 
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Dann ist irgendwann die Zielgerade mit Blick auf das Kolosseum erreicht. Der Marathon ist geschafft. Aber zum Glück sind unsere Tage in Rom noch nicht zu Ende. Es folgen weitere Besichtigungen mit Eindrücken für’s Leben.  Rom ist wahrlich eine Reise wert und alle Wege führen dort hin!

 

 

 
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