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Laufberichte

Kultlauf im vorderen Westerwald

07.08.16

Fotos Karl-Heinz Rochlitz und Klaus Klein

 

Es gibt viele Gründe, die einen Lauf zum „Kultlauf“ werden lassen. Beim Malberglauf ist es ganz klar, was ihn vor allem dazu macht: Es ist das besondere Bemühen der Veranstalter um M4Y-Urgestein Wolfgang Bernath, das eine ganz besondere Atmosphäre für diesen Berglauf im vorderen Westerwald schafft, angefangen bei guten Infos vor dem Lauf und endend nach dem „Lauf mit Alpinfeeling“ mittels eines schönen Ausklangs an der Gipfelhütte auf dem Malberg.

Der Malberglauf im vorderen Westerwald, zwölf Straßenkilometer östlich von Linz am Mittelrhein, ist zwar nur kurz – gerade einmal sechs Kilometer –, führt aber 370 Meter hinauf sowie 100 Meter hinab. Neben eher breiteren Wegen im dichten, steilen Wald bietet er einige sehr schöne Trailabschnitte und im Finale eine weite Aussicht. In diesem Jahr gab es wenige Tage vor dem Lauf ausgiebigen Landregen: Nicht nur der Parkplatz auf der Wiese kurz vor dem Malberggipfel, sondern auch die Laufstrecke soll deshalb tüchtig durchgeweicht sein, heißt es in den letzten Informationen per Mail an die Teilnehmer. Einen richtigen Trailläufer schreckt das natürlich nicht, sondern es ist eher ein zusätzlicher Anreiz. Und so gibt es trotz der Ferienzeit regelmäßig 300 Teilnehmer und in diesem Jahr mit 328 Läufern und zusätzlichen 22 Walkern sogar die bislang zweithöchste Teilnehmerzahl.

 

 
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Von Bonn aus ist es für mich in der Ferienzeit eher eine gemütliche Anfahrt: Wenn man erst einmal aus Bonn heraus ist, geht es ohne Staus am rechten Rheinufer nach Linz, das eine schöne Altstadt besitzt, und dann steil hinauf in den Westerwald; kurzzeitig gibt es bei der Auffahrt in den Westerwald sogar einen spektakulären Rückblick hinüber auf die linke Rheinseite. Unten im Tal überquerte einst die Brücke von Remagen den Rhein, und dass sie durch deutschen Widerstand nicht zerstört wurde, sondern noch tagelang dem Übertritt der Amerikaner auf die rechte Rheinseite diente, hat das Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland erheblich beschleunigt und möglicherweise den Abwurf der ersten Atombombe auf Berlin verhindert. Am nächsten Tag, dem 6. August, wird in Hiroshima an diese 71. Wiederkehr dieses katastrophalen Kriegsereignisses erinnert.

Der Höhenunterschied von Linz am Rhein ist also beträchtlich, der Malberg immerhin 373 Meter hoch. Gleichwohl ist der Berg mit dem kleinen Ort Hähnen bis auf Gipfelhöhe besiedelt, und auch in den Hochlagen gibt es noch Wiesen und Felder. Zum Wiedtal hin mit den Orten Hausen und Niederbreitbach gibt es hingegen steil abfallende Waldhänge, in denen der Malberglauf seine Höhenmeter sammelt. Interessant ist der Ablauf des Laufereignisses: Man fährt mit dem Auto bis kurz vor den Malberggipfel, parkt dort am besten auf einer dafür freigegebenen Wiese und geht dann kurz durch den Wald über einen kleineren Parkplatz – der gleich noch als Buswendeplatz dient – zur Malberghütte.

Wer sich hier rechtzeitig seine Startnummer abholt, sollte sich auch noch etwas umschauen: Direkt links neben dem Weg, aber nur von wenig oberhalb sichtbar gibt es einen Steilabfall und an seinem Fuß einen kleinen See. Der Malberg besteht als einstiger Vulkan aus Basalt, der bis vor einigen Jahrzehnten abgebaut wurde, so dass die Kraterfüllung heute weitgehend verschwunden und so wirklich eine Art „Krater“ entstanden ist. Ein Ausflug hier herauf würde sich also auch mal lohnen, wenn man nicht – wie ich zum dritten Mal in Folge – am Malberglauf teilnimmt.

 

 
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Wer einmal am Malberglauf teilnimmt, kommt gern immer wieder. Und so trifft man viele bekannte Gesichter. Klaus, ebenfalls M4Y-Berichterstatter, ist heute sogar gekommen, obwohl er wegen des SwissAlpine am vergangenen Wochenende heute gar nicht läuft, sondern mich nur beim Fotografieren unterstützt. Auch zwei „Nordseeläufer“ sind angereist, Verena aus Köln und Karl-Heinz, der sogar die weite Fahrt von Breckerfeld bei Hagen auf sich genommen hat: Der Ruf des Malberglaufs geht inzwischen weit über das nähere Umfeld hinaus. Und dann treffe ich auch noch Thomas, Sport- und Biologielehrer aus Bonn, mit dem ich vor drei Jahren eine Laufgruppe an seiner Schule initiiert hatte. Er läuft zum ersten Mal am Malberg und kommt später noch nicht einmal fünf Minuten nach dem Sieger ins Ziel. Trotz seiner Fitness bringt er „als Neuling“ den Charakter des Malberglaufs nach dem Rennen gut auf den Punkt – „kurz, aber sehr, sehr hart“.

Der Auftakt zum Lauf ist allerdings noch keineswegs hart, sondern ein tolles Angebot des Veranstalters: Eine Stunde oder noch einmal eine halbe Stunde vor dem Start kann man sich per Bus hinunter zum Start in Hausen an der Wied fahren lassen. Nachdem ich es mir in den beiden ersten Jahren solchermaßen bequem gemacht habe, reizt mich dieses Mal die schönere Variante: Am Auto unterhalb des Gipfels lauffertig machen und dann erst auf der Zufahrtsstraße, kurz darauf aber auf der Laufstrecke zum Start hinunter laufen und gehen. Man muss dabei beileibe nicht die komplette Laufstrecke bewältigen, sondern geht in der ersten Kehre einfach geradeaus weiter und gelangt mit der halben Wegstrecke – rund drei Kilometer – zum Start unten im Tal. Und hat dafür heute den Vorteil, das Wegstück, vor dem gleich am Start Wolfgang als Organisator warnen wird, schon zu kennen.

Durch Forstarbeiten, vor allem aber durch reichlich Regen in den letzten Tagen ist der Weg auf dem letzten Kilometer für 300 Meter extrem nass und rutschig. Bei der Ankündigung des letzten Kilometers bis zum Ziel, wo der Abstieg geradeaus weiterführt, ist aber schon wieder fester Grund – ein schöner Trail – erreicht. Ich bin abwärts auch nicht allein unterwegs, viele Läufer nutzen den Abstieg, um sich warmzumachen, zumal man so auch schon den ersten Laufkilometer im Tal kennenlernt. Der Blick auf Hausen mit seiner schönen Lage im Wiedtal und der schöne Ort lassen sich noch in Ruhe genießen: Wenn wir gleich hier entgegengesetzt hinauf laufen, haben wir kaum noch Zeit für den Rückblick auf Ort und Landschaft.

Der Start erfolgt etwas außerhalb von Hausen in der Wiedaue: Ein schönes Bild bietet sich hier mit den sich einlaufenden Teilnehmern, während sich am Start bereits eine Läuferschar versammelt. Auch mir tut nach dem Bergablaufen flaches Einlaufen noch gut, ehe ich zum Start gehe. Wolfgang sorgt hier auf einfachste Weise für Musik und Stimmung und ein letztes Briefing – eine Warnung vor der sehr nassen Waldpassage kurz vor dem Ziel, das die Bergabläufer bereits kennen.

Noch fünf Minuten bis zum Start, zwei, eine .... und schon geht es los. Der Weg zwischen den Weidezäunen – der linke steht sogar unter Strom – ist nicht breit, so dass sich das Feld rasch auseinanderzieht: Die Spitzenläufer legen gleich ein Höllentempo vor: Denn kaum habe ich im Dorf die ersten Höhenmeter überwunden, sehe ich die Spitze des Feldes schon oben am Waldrand! Die Masse der Läufer ist deutlich langsamer, aber – was überrascht – fast jeder läuft, obwohl es auch im Dorf schon ordentlich bergauf geht: Aber da in diesem Jahr wieder zahlreiche Zuschauer an der Strecke stehen, wäre es doch ein wenig peinlich, schon hier kräftesparend zu gehen. Damit warten wir, bis der befestigte Weg in den Wiesenweg übergeht. Und hier sollten wir durchaus auch die Ohren spitzen: Denn der Veranstalter sorgt mit einer Waldhorn-Musikgruppe für einen stimmungsvollen Auftakt. Klasse!

Thomas, der später nur wenig hinter den Spitzenläufern ins Ziel läuft, berichtet mir später, dass er gerade diesen ersten Aufstieg als sehr hart empfunden hat, auch wenn man ihn nach genau einem Kilometer vom Start schon geschafft hat. Was dann folgt, ist ein Abwärtslauf auf einem schönen Waldweg oberhalb des Wiedtals: Tatsächlich büßen wir fast sämtliche Höhenmeter, die wir gerade hinauf gelaufen sind, wieder ein. Fast zwei Kilometer geht es nie steil, sondern immer bequem bergab. Den „Wendepunkt“, nur noch wenig oberhalb des Flusses Wied, markieren zwei Streckenposten mit zwei großen Kuhglocken.

 

 
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Das ist genau der Sound, den wir hier brauchen! Denn nun beginnt der längste Aufstieg des Laufs für gut 1,3 Kilometer. Und hier zeigt sich, wer ein Bergläufer ist:, denn die Steigung ist vorläufig so moderat, dass man sie auch als langsamerer Läufer noch sehr gut laufen kann. Ebenso geschickt ist es aber auch, wenn man nach einer Wegversteilung zumindest zeitweise geht; günstig, wenn man beides im kurzen Wechsel schafft, weil man sich so beim Gehen vom Laufen und beim Laufen vom Gehen entspannen kann. Ein Blick nach vorn zeigt: Ein ordentliches Stück voraus folgt eine Kehre, dann geht es nach rechts im steilen Hang bergauf. Selbst für kurze Gespräche bleibt aber noch Zeit. Ein M70-Läufer im Monschau-Marathon-Shirt von 2015 berichtet, nicht mehr in Monschau laufen zu wollen, weil dort jetzt aus seiner Sicht zu viele Wege ausgebaut seien – ihm seien natürliche Wege lieber. Und vor drei, vier Jahren sei er noch in 38 Minuten auf den Malberg gelaufen – heute braucht er schließlich 50 Minuten, was für einen M70 aber immer noch ein sehr respektable Leistung ist.

Nach der Kehre gibt es zwei Steilstücke: Im zweiten erfreut uns ein Schild mit der Botschaft, dass es gleich wieder bergab gehe. Ob das jetzt die Läufer freut? Auch wenn so wieder Höhenmeter verloren gehen, stört mich das nicht: Denn zum einen sind es nicht viele Meter, und zum anderen ist so mit einem gemütlichen Laufschritt wieder Entspannung angesagt. Der Wechsel von Auf und Ab ist gerade bei Mittelgebirgsläufen, nicht nur über die „Sprintdistanz“ wie hier, sondern auch bei weitaus längeren Distanzen, überaus angenehm, so dass ein solcher Lauf weit weniger belastet als ähnlich lange, aber schneller gelaufene Asphaltkilometer bei Cityläufen. „Berglauf macht Spaß“ hat unten ein Schild verkündet. Genau, und gesünder ist er auch, weil nicht es nicht nur auf die Zeit, sondern auch auf das Spiel, vielleicht auch auf das Beherrschen des Geländes ankommt. Und solche Läufe fallen umso leichter, wenn man sie zum wiederholten Mal läuft, weil man sich mit der entsprechenden Streckenkenntnis seine Kräfte viel besser einteilen kann. Vielleicht gibt es auch deshalb bei solchen Läufen so viele Wiederholer. Für mich ist der dritte Malberglauf in diesem Jahr fast wie ein „Spiel mit dem Berg“, und trotz Fotografierens bin ich in diesem Jahr über drei Minuten schneller im Ziel.

Noch geht es aber 400 Meter leicht bergab: Der Veranstalter hat zwar nicht die Viertelkilometer wie beim Jungfraumarathon markiert, aber er gibt immer wieder auf Schildern gute Infos. Und so steht kurz hinter der nächsten Kehre, von der ab es nur noch auf Trails aufwärts geht, ein weiteres Schild: „Nur noch 1 km!“. Abgesehen von dem schlammigen Abschnitt, auf den sogar ein entsprechender Smiley hinweist, ist das eigentlich schade, denn der Trail hat so schöne Abschnitte, dass der Malberg ruhig zwei-, dreihundert Höhenmeter höher sein dürfte ... Leider ist er das nicht: Wir überqueren also die Zufahrtsstraße, überwinden noch einige Treppenstufen und erreichen die frühere Skipiste kurz anderthalb der Gipfelhütte, die wir zunächst flach überqueren. Die Sonne ist inzwischen herausgekommen – eine grandiose Stimmung! –, und die drei Alphornbläser im Gipfelhang sorgen schon seit Minuten für eine tolle Atmosphäre, so dass es nur einen Wermutstropfen gibt: Eine kurze Wende mit Steilanstieg nach links, und dann spurte ich unter dem Beifall der Zuschauer ins Ziel. Schade – denn schon ist der Lauf zu Ende! Wolfgang, mach den Malberg endlich höher – ich will länger laufen!

Den größten Durst stillen, ein paar Fotos von den Läufern hinter mir und vor allem von den Alphornbläsern, dann ein kurzes Auslaufen zum Auto auf der anderen Seite des Berges. Die Dusche unten im Schwimmbad im Tal, zu der man mit Startnummer freien Zutritt hätte, brauche ich nicht, sondern nur trockene Kleidung zum Wechseln. Dann geht es zurück zur Gipfelhütte, wo ich mir einen Rindfleischburger der Hüttenküche – „das Rind hat sich ganz bestimmt nur vegan ernährt!“ – und, unwiderstehlich für mich, eine Donauwelle zu Kaffee und Bier gönne.

Die Siegerehrung mit Auszeichnung auch der drei Ersten in allen Altersklassen folgt. Das Siegerpodium vor den Bergen des vorderen Westerwaldes mit der warmen Abendsonne bietet einen tollen und stimmungsvollen Ausklang. Und übrigens: Wer den Malberglauf in diesem Jahr verpasst hat, kann gleichwohl eine ähnlich tolle Organisation des Veranstalters schon bald wieder erleben – am 3. Oktober beim Staffelmarathon (auch für Einzelläufer) im nahen Waldbreitbach. Die Fahrt in den vorderen Westerwald lohnt sich!

Malberglauf 2016:
350 Finisher: 328 Läufer und 22 Walker

Sieger:
1. Christian Schneider, M30, LAZ Puma Rhein-Sieg, 24:11
2. Christian Schmitz, M30, LG Maifeld-Pellenz, 24:52
3. Tim Dally, M30, TuS Deuz, 25:18

Siegerinnen:
1. Adele Blaise-Sohnius, W30, LAZ Puma Rhein-Sieg, 28:24
2. Franzi Maschke, W20, LAZ Puma Rhein-Sieg, 30:48
3. Lisa Heimann, W20, ohne Verein, 31:07

Walker:
Schnellster Walker – schneller als 48 Läufer – Hajo Siewer, M60, Skiklub Olpe, 44:35
auch dabei: Helmut Urbach (M70), siebenmaliger Biel100-Sieger, walkend, 59:33

 

Informationen: Malberglauf
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