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Laufberichte

Stormy Frankfurt

 

Ich weiß nicht mehr, wann ich zum letzten Mal in Frankfurt an den Start gegangen bin. Eine Nachschau bei meinen gesammelten Werken bringt mir den Nachweis. Es war 2001, damals habe ich bei den Deutschen Marathonmeisterschaften mitgemacht. Drei Stunden und eine Sekunde (netto) bin ich gerannt. Wäre es nicht etwas schneller gegangen? Damals vielleicht, heute nicht. Ich gehe als laufender Reporter an den Start.

Ich reise per Bahn an. In Frankfurt  kannst du mit dem Rhein-Main-Verbund alle Ziele schnell ohne Auto erreichen. Am Starttag ist die Benutzung der Öffentlichen sogar mit Meldebestätigung oder Startnummer für die An- und Abreise kostenlos. Die Messe selbst ist vom Hauptbahnhof in einem zehnminütigen Fußmarsch schnell erreichbar.

In der Messehalle 1 auf der Ebene 2 ist die Ausgabe der Startunterlagen. Die Nummer wird inklusive Namen frisch ausgedruckt. Die Startertüte enthält neben zwei Getränken einige andere nützliche Sachen (u. a. ein Buff mit dem Aufdruck des Titelsponsors). Solange der (limitierte) Vorrat reicht, bekommen die Läufer noch das druckfrische MARATHON JAHRBUCH 2018, das in limitierter Stückzahl wieder pünktlich zum Frankfurt Marathon erscheint. Wer leer ausgeht, kann es sich im Online-Shop von Marathon4you bestellen.

Am Freitag ist der Andrang auf der  Marathonmall noch übersichtlich. Du kannst gemütlich durch die Gänge schlendern und vielleicht das eine oder andere Schnäppchen erwerben. Und gegen den Durst gibt es beim Krombacher Weizen und Pils auf 0,0 Promille-Basis kostenlos. So ein Service.


Der Brezellauf und Pastaparty am Samstag


Fest eingeplant habe ich den Brezellauf, der am Vortag des großen Marathons stattfindet. Gesponsert wird der 5 km lange Lauf von dem führenden Laufreiseanbieter interAir. Um 10.00 Uhr geht es da los, es gibt keine Zeitnahme und keine Wertung. Aufgerufen sind dazu alle, die vor dem großen Rennen noch ein wenig die Füße bewegen wollen.

 

 
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Vor der Messehalle 1 moderiert VanMan Jochen Heringhaus. Gerade  interviewt er Herbert Steffny und Norbert Wilhelmi macht seine Fotos.  Jochen appelliert an die Teilnehmer, das moderate Tempo mitzugehen und nicht vor der Führungsriege zu laufen, es sollen ja alle wieder gemeinsam hier ankommen. Kurz vor zehn Uhr stellen wir uns auf, und nach einem kurzen Herunterzählen machen wir uns auf den Weg, der uns rund um die Messe, den Hauptbahnhof und auf die andere Mainseite führt.

Im Ziel gibt es für die Teilnehmer die originelle Brezel-Medaille und zum zweiten Frühstück echte Brez’n und Getränke, inklusive dem schon erwähnten Krombacher.

Am Nachmittag geht es schnurstracks zur Festhalle, wo am nächsten Tag der Zieleinlauf sein wird. Dort kann man gleich drei Getränkemarken einlösen. Im Forum gibt es Nudelgerichte der Fattoria La Vialla, die auch ein teurer Nobel-Italiener nicht besser zubereitet. Begleitet wird das alles mit einer Bühnen-Show statt, die sich gewaschen hat. Es werden Prominente interviewt, Tipps zum Marathon gegeben und Show-Acts  präsentiert.

Später mache ich meine Abschlussrunde auf der Marathonmall. Beim Asics-Stand gibt gerade Dieter Baumann seine Tipps zum Besten. Erst zwei Tage zuvor präsentierte Dieter einen Comedyabend in Ingolstadt unter dem Motto „Dieter Baumann, die Götter und Olympia“. Ich muss sagen, sehr kurzweilig und unterhaltsam.


Vor dem Start

 

Genauso wie man im Herbst die Gartenmöbel zurück ins Haus gestellt, wird am Frankfurter Marathon-Wochenende  die Uhr zurückgestellt. Man kann also eine Stunde länger schlafen. Kurz nach 07.00 Uhr schaue ich aus dem Fenster, die Straße ist nur leicht nass und Wind ist kaum ein Thema. Bis ich mich auf den Weg zum Startgelände mache, hat sich das aber gründlich verändert. Das kann ja was werden.

Die Kleiderabgabe ist im 1. Stock der Messehalle, die Umkleiden und Duschen im Erdgeschoss. Viele der Läufer warten jetzt noch im Warmen, denn im Freien bleibt es windig. Die schätzungsweise 20000 Sportler, die sich im Bereich der Messe aufhalten, sind diszipliniert. Es wird kaum gedrängelt. Lediglich bei den WCs warten lange Schlangen, während die Dixies vor der Festhalle kaum frequentiert sind.

 

 
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Die sechs Startblöcke liegen im Bereich der Ludwig-Erhard-Anlage. Die Zugänge der schnellen Läufer werden akkurat kontrolliert. Weiter hinten geht es lockerer zur Sache. Der Startblock 5, zu dem ich zugeteilt wurde, beinhaltet Läufer mit einer Laufzeit von 3.45 bis 4.00 Stunden. Die „Vier“ ist heute wieder mein anvisiertes Ziel, aber viele Fotos vom Geschehen auf und an der Strecke sind
mir wichtiger.

Im Block stehen Helene aus Röthenbach und Hélène aus Straßbourg beieinander. Etwas unruhig sind sie, weil sie „ihren“ Pacemaker noch nicht gesichtet haben. Diese werden in Frankfurt für Zeiten von 2.59 bis 5.29 Stunden, die meisten im 15minütigen Abstand, aufgeboten Da sollten  Bestzeiten durchaus möglich sein. Die Temperaturen sind ideal, wenn nur der Wind nicht wäre.

Vom eigentlichen Start der ersten Welle (Blöcke eins bis drei) um 10.00 Uhr bekommen wir kaum etwas mit. Es dauert fast zehn Minuten, bis sich unser Block nach vorne bewegt. Um 10.10 Uhr darf dann die zweite Welle auf die Strecke gehen. Es dauert dann nochmals einige Minuten, bis ich endlich das Starttor sehe. Piep, und auf geht’s.

 

Erste Kilometer

 

Über uns sehen wir den Hammering Man, ein Werk des US-Amerikaners Jonathan Borofsky. Ein Symbol für die Arbeit und für die Solidarität aller arbeitenden Menschen. 1991 wurde das Werk vor dem Messeturm aufgestellt. Hoffentlich sehen wir seinen Bruder nicht, der sich irgendwie bei Kilometer 35 gern blicken lässt und uns mit dem Hammer eine mitgibt. Die Stimmung unter den Läufern ist super. Für viele Teilnehmer ist es der Jahreshöhepunkt, schließlich ist der Frankfurt Marathon als schnell, bestens organisiert und stimmungsvoll bekannt. Auch für mich als Vielstarter ist der Frankfurt Marathon ein besonderer Lauf, auf den ich mich freue.

 

 
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Wir laufen die Friedrich-Ebert-Anlage entlang bis zum Platz der Republik, wo wir dann in das Bahnhofsviertel einbiegen. Jeder Kilometer ist deutlich angezeigt, aber viele Markierungen werden mir entgehen. Es sind für mich schlicht zu viele Eindrücke.

Auf der Mainzer Straße kommen uns auf der anderen Seite schon die deutlich schnelleren Läufer entgegen, darunter auch die Pacer für 3.15 Stunden. Ein großes „Pack“ hängt dahinter. Ja, der Kurs ist perfekt, anfangs geht es jedoch kreuz und quer durch die Innenstadt und am Ende auch. Da sieht man sich durchaus mehrmals.

Die Grünflächen der Taunus- und Gallusanlage umlaufen wir entgegen der Uhrzeigerrichtung, sehen das Museum für Moderne Kunst 2 und den Main Tower, eines der vielen Hochhäuser der Mainstadt. Mit 200 Meter (mit Mast 240 Meter) Höhe ist er das vierthöchste Hochhaus in Deutschland. Bürogebäude, ein Rundfunkstudio und eine öffentliche Aussichtsplattform sind da drin. 2000 Menschen arbeiten in dem Gebäude.

Etwa bei Kilometer drei verengt sich die Straße und eine tiefe Wasserlache zwingt uns nach links. Nur einer hat keine Angst vor nassen Schuhen - ein Barfußläufer läuft mitten durch. Der Platz der Republik gehört hr1 („hr1, das ist meins“). Die Musik ist laut, die Moderatoren zeigen uns das Victory. Weiter.

Zurück auf der Friedrich-Ebert-Anlage (jetzt auf der anderen Seite) baut sich der Messeturm immer mehr auf. 256 Meter Höhe und 4000 Arbeitsplätze sind beeindruckend. 500 Millionen D-Mark betrugen die Baukosten schon damals (1988 bis 1990). Heute gehört er der US-amerikanischen Gesellschaft Blackstone Group.

Auf der anderen Seite der Ebert-Anlage startet gerade der Staffelmarathon mit über 1700 Teams (a vier Läufer) in den Wertungen Männer, Frauen und Mixed.

Unser Kurs dreht nun nach Norden in die Senckenberganlage, linkerhand liegt das Senckenberg Museum, wo man viel über Naturkunde (Biologie, Geologie) erfahren kann. Kilometer fünf passiere ich nach 30 Minuten Laufzeit. Links und rechts können wir uns an den Getränketischen bedienen. Es gibt Mineralwasser, Isogetränke und warmen Tee. Später werden noch Riegel, Gel, Cola und Bananen gereicht. Die V-Stellen sind nach dem internationalen Standard platziert, also alle fünf Kilometer und dazwischen gibt es weitere Wasserstellen. Normalerweise braucht man da selber nichts mitnehmen.

Bereits auf den ersten Kilometern haben uns Trommlergruppen, Sambabands und tausende Zuschauer unterhalten und angefeuert. Das wird so weitergehen, über 50 Stimmungsnester sind angekündigt.

Eine edle Absteige ist der Frankfurter Hof, Flaggschiff der Steigenberger Hotels. Vor 150 Jahren wurde das Gebäude durch Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli erbaut. Heute kann man sich in eines der 261 Zimmer oder 42 Suiten des 5-Sterne-Tempel einmieten. Die Zimmerpreise sage ich jetzt einmal nicht. Neugierige können ja recherchieren. Über die Bockenheimer Landstraße erreichen wir die Alte Oper (Kilometer sechs). Hier werden wir noch zwei Mal vorbeikommen. Dieter Baumann wird von hier für das Hessische Fernsehen live kommentieren. Bis 14.00 Uhr wird übertragen.

Dann laufen wir durch eines von vielen Werbetoren. Das Zillertal aus Tirol wirbt um Gäste für den beginnenden Wintersport. In Sölden startet ja just an diesem Wochenende der alpine Weltcup-Auftakt. Kurz danach passieren wir die Hauptwache, links liegend. Das ehemalige Wachgebäude wurde 1730 vom Stadtbaumeister Johann Jakob Samhaimer erbaut. Es diente auch als Gefängnis, heute ist darunter eine U-Bahnstation und oberirdisch ein Cafe. Auf der anderen Seite sehen wir die Katharinenkirche (im barocken Stil in der Jahren 1678 bis 1681 errichtet). Das evangelische Gotteshaus gehört der Stadt Frankfurt, die dadurch zum Unterhalt verpflichtet ist. Bei der Galeria Kaufhof hat man ein Spendentor mit einer Zeitmatte aufgebaut. Wer da durchläuft, spendet ein paar Euro für den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Viele Läufer laufen durch und geben etwas für den guten Zweck.

 

Innenstadt, zweiter Teil

 

Die Große Eschenheimer Straße führt uns direkt auf den Eschenheimer Turm zu. Das war eines der Stadttore der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Frankfurt. Der Turm wurde anfangs des 15. Jahrhunderts errichtet, er ist fast noch im Originalzustand. Henninger Bräu hat den Turm in ihr Logo übernommen. Die traditionsreiche hessische Brauerei wurde  mittlerweile von der sächsischen  Radeberger Gruppe aufgekauft.

 

 
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Nach wenigen Minuten kommen wir über die Fressgass (Große Bockenheimer Straße) erneut zur Alten Oper. Schon um das Jahr 1900 gab es hier zwischen Opernplatz und Börsenstraß viele Metzgereien, Bäckereien,  Delikatessengeschäfte und Speiselokale. Daher der Name.

Der Kurs dreht nun nach Norden auf der Reuterstraße. Kurz nach Kilometer zehn wenden wir, es geht erneut in die City. 60 Minuten bin ich jetzt unterwegs und  muss Fahrt aufnehmen, will ich unter vier Stunden bleiben. An der V-Stelle herrscht reger Betrieb, aber die Helfer haben die Situation mit viel Manpower unter Kontrolle. Ich schnappe mit einen Becher warmen Tee und weiter geht’s, ääh läuft's. Die Bedingungen sind gut: zehn Grad, kühl und feucht. Bestzeitenwetter, wenn der Wind halt nicht wäre. Aber dennoch sind viele Leute an der Strecke. Es gibt zwar immer wieder kurze Stücke, wo kaum einer steht, aber dann geht’s wieder  rund.

Eschenheimer Landstraße, Eschenheimer Turm (jetzt zum zweiten Mal!), stellenweise hat der Wind das Laub an der Straßenseite angehäuft. Auf der anderen Seite sehen wir kurzzeitig unsere Verfolger, die liegen 3,5 Kilometer zurück. Seit geraumer Zeit fällt mir ein Läufer auf, scheinbar einer aus der Karnevalfraktion. Patrick, ein Niederländer, ist als Köln-Botschafter unterwegs.

Auf der Kurt-Schumacher-Straße laufen wir dann in Richtung Main. Zuvor darf ich mir noch eine Frotzelei von einem weiteren Barfußläufer anhören. Ob ich denn verschlafen hätte, oder warum sonst ich von hinten komme. Der Pumuckl macht seinem Namen als Spaßvogel im Feld alle Ehre. Die Staffelläufer werden jetzt von der Strecke nach links geleitet und übergeben ihre Aufgabe an frische Kräfte. Die Übergabe ist so gut organisiert, dass wir ungestört weiterlaufen können.

 

„Dribb de Bach“  und „Hibb de Bach“

 

Wir laufen auf die Rampe der Alten Brücke zu. Es gibt Nachweise, dass an dieser Stelle bereits im Jahr 1222 eine Brücke gegeben hat. Den Main konnte man hier in einer Furt aber schon wesentlich früher überqueren. Hochwasser und Eisgänge haben dem Werk immer wieder zugesetzt und auch zerstört. In den 60er Jahren wurde schließlich die Brücke in der heutigen Form erbaut. Ein großer Teil des Verkehrs zwischen der City und dem Frankfurter Süden wird darüber abgewickelt.

Man hat hier einen wunderbaren Blick auf die Hochhaussilhouette der Großstadt. Ich verlangsame mein Tempo und will viele Bilder sammeln, das Panorama ist großartig und so etwas wie das Wahrzeichen des Frankfurter Marathons. Auf der Maininsel steht die Kunstinsel Portikus, eine Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst. Der Eintritt ist frei, für uns leider jetzt nicht ganz passend.

 

 
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Unser Kurs wendet sich nach Westen. Wir sehen nach wenigen Metern den Eisernen Steg, eine Fußgängerbrücke, die 1868 erbaut wurde. Gestern haben wir hier den Main im Rahmen des Brezellaufes überquert.

Sehenswürdigkeiten gibt es in Sachsenhausen auch, wie das Museum für Angewandte Kunst oder das Museum der Weltkulturen auf dem Schaumainkai. Wisst ihr auch, dass Sachsenhausen, das nie als Gemeinde selbständig waren, auch „Dribb de Bach“ (drüben vom Bach) genannt wird? Die Jenseitigen sind entsprechend „Hibb de Bach“.

„Uff du Babbsack, de Schobbe wartet“, lese ich auf einem Transparent eines „Adabei“, der noch auf seinen Schützling wartet. Man merkt’s, das Szeneviertel in Sachsenhausen mit vielen kleinen Kneipen, wo der Schobbe oder ein Meter Bier serviert wird, liegt unweit der Alten Brücke in der Klappergasse.

Kilometer 15, ich bin nun 1.26 Stunden unterwegs, habe mein Tempo leicht steigern können. Auf der Kennedyallee verlassen wir später Sachsenhausen. Mit den Mädels der Cheerforce Koblenz schäkere ich einen Moment herum.

 

Niederrad

 

Kurzzeitig laufen wir durch das Grüne und kommen an der Galopprennbahn vorbei. Ha, das wäre etwas, wenn wir einmal auf die Rennbahn dürften. Aber wahrscheinlich kann man auf Läufer keine lohnenden Wetteinsätze tätigen. Gut 8000 Einwohner hat der Stadtteil Niederrad, der als „Rode“ in uralten Dokumenten erwähnt wird. Der Frankfurter Stadtwald liegt im Osten und Süden des Ortes, die grüne Lunge von Mainhattan. Über die Bruchfelder Straße erreichen wir die Ortsmitte mit der katholischen St. Jakobus-Kirche, wo wieder viele Zuschauer stehen. Die Gruppe Bloco Baiano sorgt für Stimmung. Wir unterqueren eine Eisenbahnlinie und anschließend die Autobahn 5 und erreichen den Stadtteil Goldstein.

 

 
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Goldstein, Schwanheim

 

Kati Schramm macht sich bemerkbar, ich habe sie bei einem Überholmanöver nicht gesehen. Kein Wunder bei den vielen Läufern. Goldstein gehört heute zum Stadtteil Schwanheim. Das frühere Hofgut Goldstein war im 13. Jahrhundert ein befestigter Sitz eines einheimischen Geschlechtes. Nach mehrmaligen Verkäufen des Gutes gelangte das Gelände 1909 in Besitz der Stadt Frankfurt, es entstand in Folge eine Stadtrandsiedlung.

Kilometer 20, eine groß angelegte V-Stelle, ich bin nun 1.55 Stunden unterwegs und bin auf einem guten Weg, mein Zeitziel zu packen. Bei der Halbmarathon-Marke steht eine Uhr, die zeigt mir 2.12.30 Stunden. Zehn Minuten Zeitverzug durch die Verzögerung der zweiten Welle in der Startzeit plus der Anmarsch zur Startlinie. Ich bin auf der ersten Hälfte nun knapp zwei Stunden „on the way“.

 

 
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21000 Einwohner zählt der Stadtteil Schwanheim, wo zuerst fast zwei Kilometer auf der Straße „Zur Frankenfurt“ laufen. Später rennen wir ins Zentrum um die evangelische Martinuskirche, wo ein Marathonfest gefeiert wird. 1910 wurde der Bau im neoromanischen Stil begonnen, sie wurde nach dem Reformator Martin Luther benannt.

Nur zwei Minuten später passieren wir die katholische St. Mauritius-Kirche, dann nähern wir uns der Schwanheimer Brücke. Zuerst laufen wird unter der Brücke durch und holen uns notwendige Höhenmeter auf der Brückenrampe. Das 429 Meter lange Bauwerk verbindet als Bundesstraße 40 Nied und Höchst mit Schwanheim. Kilometer 24, es geht zum zweiten Mal über den Main, wieder nach Norden. Gerne bläst hier der Wind, jetzt geht es grad so.

 

Nied, Höchst

 

Mittlerweile müssten die Sieger des Frankfurt Marathons im Ziel sein, vor uns  liegen jedoch noch 17 Kilometer. Auch bei der Tränke bei Kilometer 25 habe ich nichts zu bemängeln. Die Helfer sind weiterhin eifrig bei ihrer Arbeit.

5000 Einwohner hat Nied. Der Name kommt von „Nitha“ und steht in Verbindung mit dem Fluss Nidda, der hier in der Nähe in den Main mündet. Wir laufen an der St. Markus-Kirche vorbei. Dann führt der Kurs über die Nidda zu einem Begegnungsabschnitt und dann nach Höchst. Am 17.05.1981 begann hier die Geschichte des Frankfurt Marathons. Es wurde in Höchst gestartet. Den ersten Lauf gewann der schwedische Dauerläufer Kjell-Eric Stahl (2.13 Stunden) und die Deutsche Doris Schlosser (2.47).

 

 
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16000 Einwohner hat Höchst, eine alte Stadt mit Stadtrecht aus 1355. Der Name des Ortes wurde erst durch das Unternehmen Hoechst AG weltweit bekannt. Die Firma wurde 2003 durch Aventis (später Sanofi-Aventis) übernommen.

Hier drehen wir im Ortskern eine Schleife von einem guten Kilometer auf der Bolongarostraße und der Kasinostraße. Der Ortskern liegt noch einige Schritte weiter westlich, wir drehen ein. Die Stimmung ist weiterhin prächtig, die Leute feiern Marathon und wir sind die Hauptdarsteller, auch wenn die wirklich schnellen Läufer längst durch sind. Mit „Run Happy“ so hat eine Läuferin ihre Unterschenkel beschriftet. Ja, das stimmt, wir fühlen uns glücklich.

 

Die "Mainzer"

 

Ich laufe auf zwei starke Lauffreunde aus Oberfranken auf. Frank und Rüdiger Burger vom Team Icehouse sind heute barfuß unterwegs. Die Teilnehmer am diesjährigen Spartathlon sind weiterhin am Trainieren und wollen gut über den Winter kommen. „Nein, es ist keine verlorene Wette“, versichern sie mir, „es ist eine einmalige Aktion“.

Mit dem 30. Kilometer sind wir auf der Mainzer Straße, ein Streckenteil, auf dem schon viele Rennen entschieden wurden. Einerseits hat man schon 30 km in den Beinen, andererseits ist das hier eine Kilometer lange Allee durch wenig attraktives Umfeld, ohne Richtungswechsel, dafür windanfällig. Eine echte Prüfung für Psyche und Körper. Wir haben heute Dusel, der Wind kommt von hinten und schiebt. Außerdem ist die berüchtigte „Mainzer“ heute mit 14 Bands zur Partymeile umfunktioniert. Das zieht natürlich auch viele Zuseher an. Langweilig wird es einem nicht. Aber gekämpft muss werden. Ohne dass ich schneller werde,  bin ich nun laufend am Überholen. Ich kontrolliere meine Zeit, bin nun 2.57 Stunden unterwegs, es bleibt spannend.

 

 
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Letzte Kilometer

 

Kilometer 35, die Europaallee führt uns ins Europaviertel, das neue innerstädtische Viertel, das auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes erbaut wurde. 2006 wurde mit dem Bau begonnen, mir ist das Gelände (wie vieles andere auch) unbekannt. Große Wohnblöcke, noch größere Hotels liegen links und rechts unseres Kurses. An der Skyline Plaza (einem Einkaufszentrum) biegen wir rechts ab, geradeaus wäre die Messe mit dem Ziel in der Festhalle. Aber es fehlen noch sechs Kilometer. Blöd. VanMan Jochen kündigt mich an. Das motiviert.

Wir tangieren nochmals die Mainzer Straße, allerdings nur ein kurzes Stück und dann laufen wir wieder in die Innenstadt. Zwei Mädels, man sieht die 35 gelaufenen Kilometer nicht an, jubeln bei meiner Fotoaktion. Anna und Alexandra werde ich im Ziel genauso jubelnd sehen, da bin ich mir sicher.

 

 
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Die Kilometer werden nun auch bei mir zäh, aber sie werden immer weniger. Lobenswert die Helfer an den V-Stellen. Die halten durch und sind weiter eifrig bei der Sache. Wir sehen nochmals den Eschenheimer Turm und passieren bei Kilometer 40 zum letzten Mal die Alte Oper, die 1880 mit Mozarts „Don Giovanni“ eröffnet wurde. „Dem wahren schönen Guten“ steht auf der Gebäudefrontseite, das kann ich auch auf den Frankfurt Marathon übertragen. Ich bin zwar noch nicht im Ziel, zwei Kilometer fehlen mir noch, ich bin jedoch schon jetzt begeistert von der Atmosphäre und der Stimmung an der Strecke, von den Helfern, der Streckenführung  - einfach von allem. Wirklich super!

Wir laufen nun fast auf der Diretissima Richtung Ziel, zuerst noch auf der Taunusanlage, dann auf der Mainzer Straße. Den letzten Schwung holen wir uns auf der Friedrich-Ebert-Anlage. Noch ein Kilometer,  dann das Finale Grandiosa.  Wir biegen auf den Vorplatz der Festhalle ein und es geht durch das Tor in das Innere. Jubel, bunte Lichter, Applaus, ich verzögere, will noch einige Bilder von den Finishern machen. Auch für ein Selfie mit einem Cheerleadergirl muss die Zeit noch reichen. Dann geht es auf dem roten Teppich unter dem Zielbanner hindurch. So muss ein Citymarathon sein, Genuss hoch drei!

 

 

Die Festhalle

 

Ich verbleibe noch ein paar Minuten im Zielbereich und mache mich erst danach auf den Weg ins Forum. Eine Treppe geht es hinunter und dann hinaus auf den Vorplatz zwischen Halle 3 und 5. Dort erhalten wir die Medaille und danach die Verpflegung. Wer möchte, holt sich einen Plastikumhang. Warme Suppe, Tee, Hefezopf, Obst und Bier, so lob ich's mir. Perfekt.

Erst später kontrolliere ich meine Zeit. Netto 3.59.39, Maßarbeit. Die Vereinskollegen Thomas Christeiner und Stefan Heckl sind auch hochzufrieden, der eine mit Bestzeit in 3.08 Stunden und der andere mit einem Happy End nach einer verkorksten Laufsaison. 11146 Marathonis im Ziel, 7500 Staffelläufer, zusammen mit den Brezzellauf, den Kinderläufen machen über 26000 Aktive beim Frankfurt Marathon mit. Gut gemacht, Jo Schindler. Dank an Dich und Dein Team. Ich komme gerne wieder nach Frankfurt. Vielleicht mit Joe, der mit der Gastronomie entlang  der Strecke bestens vertraut ist.

 

 
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Ergebnisse

 

Männer

1. Shura Kitala Tola, ETH, 2.05.50
2. Kelkile Gezahegn Woldaegary, ETH, 2.06.56
3. Getu Feleke Zegeye, ETH, 2.07.46

Frauen

1. Vivian Jepkemoi Cheruiyot, KEN, 2.23.35
2. Yebrgual Melese Arage, ETH, 2.24.30
3. Meskerem, Assefa Wondimagegn, ETH, 2.24.38

 

Deutsche Meisterschaft


Männer

1. Arne Gabius, TherapieReha Bottwartal, 2.09.59
2. Jonas Koller, LG Telis Finanz Regensburg, 2.16.03
3. Frank Schauer, Tangermünde Elbdeichmarathon, 2.16.30

Frauen

1. Katharina Heinig, LG Eintracht Frankfurt, 2.29.29
2. Fate Tola, LG Braunschweig, 2.30.12
3. Laura Hottenrott, GSV Eintracht Baunatal, 2.34.43

 

Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
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