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26.2 miles through the streets of London

 

Wichtige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. 13 Monate weit in meinem Fall. Es war wieder einmal Zeit für einen ganz großen Marathon. Lange her, dass ich zuletzt in London war, da dachte ich noch nicht an Marathons. Schließlich sind wir neun Personen, die sich auf den Weg machen, fünf davon werden laufen. Vier Tage sind nicht viel für London, einer Stadt mit ebenso vielen Einwohnern wie ganz Österreich, aber besser als gar nichts.

Schon am Freitag holen wir die Startunterlagen weit draußen im Osten der Stadt. Mit der DockLandRail keine Hexerei. Der Andrang wird locker bewältigt, bereits seit Mittwoch kann man sich die Startnummer abholen. Die Einheimischen sind ersucht worden, dies bis Donnerstag zu erledigen, denn am Wochenende würden die Gäste aus Übersee kommen.

Ein riesiger roter Teppich ist ausgerollt. Mit ausgesuchter Freundlichkeit werden wir begrüßt.  Wir werden gefragt, ob das denn der erste London-Marathon wäre, der wievielte insgesamt und dass man für Startblock 5 schon ein guter Läufer sein müsse. Sie selber hätte schon elf Marathons gemacht. Alles, was in den Startinformationen zu lesen ist, teilt uns die Lady auch mündlich mit. Man gibt uns echt das Gefühl, willkommen zu sein. Nicht anders der Herr, der hernach den Zeitnehmungschip ausfolgt, „Welcome to London”,  Man bedankt sich, dass wir heuer mitlaufen wollen und wünscht uns „a great race“.  Dann verschwindet der Chip in dem Kuvert mit der Startnummer und wird von ihm verschlossen, damit ja nichts raus fallen kann. Mit einem Lächeln bekomme ich das Kuvert ausgehändigt, verbunden mit dem Wunsch, mich nächstes Jahr wieder zu sehen. So eine Charme-Offensive!

 
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Auf der Marathonmesse ist viel Betrieb, aber nicht zuviel, nirgendwo Hektik. Besonders groß ist der adidas-Stand. Adidas ist einer der Hauptsponsoren des London-Marathons. Eine Reihe von Organisationen versuchen Spenden für ihre Anliegen aufzutreiben. Kein Krebs, der nicht bekämpft wird, ebenso Forschungen an Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerose und vielen anderen schlimmen Krankheiten. Einer wird mit Kühlschrank am Rücken laufen, um aufzufallen und Krebs-Forschungsgelder aufzutreiben. Der Kühlschrank sieht verdammt schwer aus. 70 kostümierte Läufer sollen am Start sein, so viele Anträge sind bei Guinness für einen offiziellen Weltrekordversuch eingelangt. Die schnellste Telefonzelle, die schnellste Toilette, als Baby, als Killerwal, als Nashorn, als Elmo in pinkem Fell und was weiß ich noch alles. Einer wird einen Tiger mit sich rumschleppen, andere nur extremes Übergewicht. Bei einem Zielschluss erst nach 8 Stunden kann man sich einiges zumuten.

Der Samstag gehört dem Sightseeing, am Sonntag gibt es im Hotel Frühstück ab halb sechs morgens. Hier scheinen nur Marathonis mit Anhang zu logieren. Pünktlich um 7 Uhr starten die Busse nach Greenwich. Gut 40min dauert die Fahrt, ich bekomme richtig Respekt vor dieser Distanz, das müssen wir alles zurück laufen! Das nicht einmal auf direktem Weg, denn es sind einige Schleifen eingebaut, besonders in den Docklands.

Für die Busse wurde eine Aluminiumstraße ausgelegt, damit diese nicht in der weitläufigen Wiese des Greenwich Parks versinken. Kalt und windig ist es, als wir aussteigen, aber auch sonnig, Haube und Handschuhe kann ich gut vertragen.  3 Ballons in Zeppelinform markieren die drei verschiedenfarbigen Startzonen. Nur wer die richtige Startnummer hat, kommt rein, mehrere Leute kontrollieren das. Insgesamt sind 7.000 solcher Helfer im Einsatz.

 
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Noch mehr als 2 Stunden bis zum Start. Es gibt Zelte, in denen ist man vor dem Wind geschützt, hier wird schon eifrig eingesalbt. Auf den LKWs Leute, die schon auf die Kleiderbeutel warten, aber noch ist es zu kalt um sich umzuziehen. Ein Platzsprecher unterhält uns, dazu eine Videowall, die ständig Informationen zum Marathon liefert. Schnell füllt sich dieses Areal.

Norbert (AK-70) ist etwas angespannt, es soll heute sein letzter Marathon werden. Eigentlich hätte der vor einem Jahr in Boston stattfinden sollen. Aber da wurde er, wie viele andere auch, wegen des Bombenschlags von zwei Psychopathen eine Meile vor dem Ziel abgefangen. Die prachtvolle Medaille und eine Urkunde wurden ihm hinterher zugesandt.

Auf der Videowall wird der Start der Handbiker gezeigt, um 9 Uhr schließlich wird der Start des IPC World Cup übertragen. Unter den körperbehinderten Teilnehmern fällt Richard Whitehead auf, er läuft ohne Beine. So wie O. Pistorius der „Bladerunner“, der nun abseits der Laufbahn Schlagzeilen macht.

Eine halbe Stunde vor dem Start ist es spürbar wärmer geworden, Zeit den Kleiderbeutel los zu werden. Die Läufer kommen von überall her, die meisten vermitteln das schon mit ihrem Shirt. Oft steht drauf, wer drin steckt, denn die Startnummern in London verraten keine Namen. In der Startaufstellung lerne ich Heiko kenne. Er ist in etwa in meiner Gewichtsklasse, diese wird ja beim Steamtown Marathon in Scranton (PA) berücksichtigt, nicht uninteressant für unsereins.

 
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10 Uhr und Start, wir setzen uns in Bewegung, erst langsam gehend, dann immer schneller. Wir laufen bereits, als wir zur Startlinie kommen. Zuseher auf Tribünen feuern uns an. Bei wunderbarem Sonnenschein nehmen Zigtausende LäuferInnen die Marathondistanz in Angriff. Johlende Zuschauer stehen Spalier und feuern uns an.

Kurz vor der ersten Meile erkenne ich Paul aus Berlin, wir kennen uns vom Marrakesch-Marathon 2013, in Sachen Marathon ist er weltweit unterwegs. Von links stoßen die grünfarbigen Startnummern zu uns. In dem dichten Läuferfeld sieht man nicht viel vom Boden vor sich. Helfer warnen vor den Bodenschwellen, gleich mehrere mit „Beware Humps“-Schildern stehen da. Ich suche mir Verkehrsinseln und ähnliches, um bei meinen Fotostopps nicht über den Haufen gerannt zu werden. Fast ländlich ist es hier, fern der Innenstadt, kurz nach Meile 2 dann eine Gefällestrecke. Einer läuft mit Kettenhemd! Neben mir zwei stämmige Italiener, die eine Art Schreigesang anstimmen, das Publikum brüllt zurück, es ist Ohren betäubend.

Kurz vor Meile 3 biegen die roten Startnummern ein, ab jetzt laufen alle gemeinsam. Nun gibt es die ersten Trinkflaschen, die bald zu Tausenden am Boden liegen und weggekickt werden, absichtlich oder unabsichtlich. Nur ja nicht drauf steigen, die sind rutschig! Runter bis an die Themse und dann stromaufwärts, wir brauchen alle vier Fahrspuren. Von hinten höre ich ein Rattern, ein Rollstuhlfahrer kämpft sich gut hörbar durch das Läuferfeld.

 
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Unter reger Anteilnahme der Anwohner bin ich nach knapp einer Stunde beim Greenwich Naval College, nach Plänen von Sir Christopher Wren im 17. und 18. Jahrhundert erbaut, wie St. Paul’s Cathedral auch. Im früheren Speisesaal, der Painted Hall, war 1805 Admiral Nelson aufgebahrt, bevor sein Leichnam die Themse rauf nach St. Paul’s gebracht wurde. Die Deckenbemalung gilt als „Must See“ und Meisterwerk der Barockmalerei Englands. Hier überqueren wir den Nullmeridian, Zentrum der weltweiten Zeitmessung sowie der Koordinatenberechnung der Erde. Das wurde 1884 in der Int. Meridiankonferenz so festgelegt.

Wir laufen rechts um das College und gelangen zum 3-Master Cutty Sark ganz nahe an der Themse, den wir fast zur Gänze umrunden. Die Cutty Sark aus Schottland war eines der schnellsten Segelschiffe Mitte des 19. Jahrhunderts, hat eine bewegte Geschichte hinter sich und ist heute, frisch renoviert nach einem Großbrand, ein Marinemuseum.

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