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Laufberichte

Projekt erfolgreich abgeschlossen

 

Mittags waren Mike und ich auf der Arlbergpasshöhe, 1.800m. Der Wind hat ganz ordentlich geblasen, kalt war es aber nicht. Wenig später besuchten wir das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz, vor 3 Wochen um die „Hilti Art Foundation“ erweitert. Viele Werke namhafter Künstler werden da gezeigt. Es ist schon beachtlich, was man mit Bohrmaschinen an Geld verdienen kann. Dem „Kulturjahr Liechtenstein 2015“ haben wir es zu verdanken, dass viele Skulpturen im Freien ausgestellt sind. Uns gefällt es in Vaduz ausgesprochen gut.

Seit 23. Januar 1719 gibt es Liechtenstein. Kaiser Karl VI vereinigte zwei Gebiete, Vaduz und Schellenberg, zum Fürstentum. Regiert wurde das neue Fürstentum damals von Feldkirch aus, der Nachbarstadt in Vorarlberg. Ich kenne nun ein Palais Liechtenstein in Feldkirch, ein Palais Liechtenstein in Prag und eines in Wien. Weiß jemand, wie viele Palais Liechtenstein es in Summe gibt? 

Die Startnummern für den LGT-Alpin holen wir Freitag am Abend im obersten Stockwerk der Herbert-Ospelt-Anstalt im Norden des Landes ab. Erwartet habe ich mir ein Sportzentrum, tatsächlich werden hier in großem Stil Fleisch- und Wurstspezialitäten hergestellt sowie Tiernahrung und diese u. a. hier ab Werk verkauft.

 
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Im Alpenhotel Malbun auf 1.600m beziehen wir Quartier. Dieses Hotel steht unmittelbar an der Ziellinie. Morgens beim Frühstück fallen mir die vielen sehr, sehr schlanken Läufer und Läuferinnen auf. Allesamt ganz weit entfernt von meiner Gewichtsklasse. Hätte ich nicht schon ein paar Bergmarathons hinter mir, spätestens jetzt käme ich ins Grübeln.

Die meisten Teilnehmer übernehmen ihre Startnummer erst am Samstag, dem Renntag. Vom Zielort Malbun fahren Busse zum Start runter ins Tal, Parkplätze sind dort genügend vorhanden. Der stürmische Wind in der vergangen Nacht ist vergessen, noch ist es bewölkt.

Hände schütteln mit Pierre Convert samt Entourage, der seine Marathons oft filmend und kostümiert absolviert, heute ist er auf ernsthaft unterwegs. Hannes Kranixfeld treffe ich wieder, der hat schon da und dort einen Marathon gewonnen. Dieses Wochenende macht er drei Marathons in drei Ländern an drei Tagen, gestern ist er in Biel gelaufen, morgen läuft er im Donautal. Habe d’Ehre!

 
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Countdown zum Start, um 09h00 geht es bei Sonnenschein los. Bruttozeitnehmung, denn am Start gibt es keine Zeitkontrolle. Erst einmal geht es schnurgerade und flach los, nach anderthalb km in rechtem Winkel rechts weg, zwischen Feldern durch direkt auf den Rhein zu (440m). Da biegt die Strecke links ab, Bäume und Sträucher spenden Schatten. Bei km5 die erste Labe und dann geht es rauf auf den Damm, wir sehen den Rhein. Das linke Ufer gehört zur Schweiz, wir laufen am rechten Ufer nach Süden auf Vaduz zu. Ein angenehm kühler Wind weht. Monika freut sich auf die Berge, das Laufen in der Ebene ist ihre Sache nicht. Die Strecke führt uns am Rheintalstadion vorbei. Morgen werden da die Nationalmannschaften von Liechtenstein und Moldawien ein EM-Qualifikationsmatch austragen. Heute wird da trainiert.

Wir laufen runter vom Damm und haben nun hoch über uns das Fürstenschloss im Blickfeld. Die Geschwindigkeitskontrolle zeigt abwechselnd 11 km/h und ein Smiley.

Dann geht es ein paar Treppen rauf, die nächste Labestelle und 10km sind geschafft. 58min bis hierher. Wer da schon länger als 70min unterwegs ist, für den ist das Rennen hier zu Ende. In der Fuzo laufen wir am Landesmuseum vorbei, da ist gerade eine Marilyn-Monroe-Ausstellung. Unmittelbar daran das Post- und Briefmarkenmuseum und gleich vis-à-vis das gestern von uns besichtigte Kunstmuseum mit der Hilti Art Foundation.

 
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Nun unter dem blauen Mizuno-Bogen durch, wo wir eifrig angefeuert werden. Dann geht es gleich zackig bergwärts. Ein paar Hektar Weingärten hat Liechtenstein auch. Die Menge ist bescheiden, die Qualität der Weine soll ganz ausgezeichnet sein. Bevor man vergebens zum fürstlichen Schloss rauf steigt, wird man hier informiert, dass eine Besichtigung des Schlosses nicht möglich ist. Der Fürst wohnt da nämlich mit seiner Familie.

Einen Weinberg und das Rheintal überblickend, vor uns das Rote Haus mit angebautem 4-geschossigem Wohnturm, keine schlechte Lage. Wir gewinnen an Höhe, erst noch an Wohnhäusern vorbei, dann in Serpentinen durch den Wald. Bei km12 ist man am fürstlichen Schloss (576m), hier geht es einmal ein Stück flach dahin. Schon jetzt ist mir klar, dass Liechtenstein auch groß genug wäre für einen flachen Marathon. Ich habe nachgelesen, das Land ist knapp 25km lang, das reicht allemal. Da ich in jedem Nachbarland Österreichs einen Marathon gelaufen sein will, und es in Liechtenstein meines Wissens nur diesen einen im Jahr gibt, bin ich nun hier.

 
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Erst auf befestigter Straße, geht es in Folge wieder durch den Wald rauf. Kaum jemand spricht, die Luft wird zum Atmen gebraucht. Aus dem Wald raus, km14, bekommt man eine Idee von dem, was da noch kommt. Man muss nur den Hang raufschauen.

Zwischen einem Höhenprofil ansehen und dieses dann auch laufen, ist doch ein gewaltiger Unterschied. Dass ich heute nicht der Frischeste bin, habe ich schon gestern befürchtet und heute Morgen zur Kenntnis genommen. Aus lauter Übermut habe ich die Tage nach dem Winterthur-Marathon viel zu viel trainiert, immerhin hatte ich Spaß dabei.

Längst wandern hier alle, laufen tut keiner mehr. Seine Kräfte einteilen ist gefragt. Die üppig bestückten Labestellen werden gerne genommen. Schon bald gibt es Coca-Cola, Power-Riegel, Energie-Beutelchen, Obst, Wasser und Sponser-Iso. Hin und wieder schlage ich nach einer Bremse in den Kniekehlen, drei erwische ich. Joachim spricht mich an, das M4Y-Shirt fällt auf!

Ich sehe runter ins Rheintal, ein toller Anblick! Diese Höhendifferenz haben wir alle per pedes bewältigt!  Mei, san mia guat!  Dabei ist das noch lange nicht alles.

Zwischen km18 und km19 können sich unsere Waden erholen, da geht es flach dahin. Dann wird es wieder ernst, die Almhütten werden mehr, einige der Bergwiesen sind frisch gemäht, andere stehen noch in voller Blüte. Jaroslav ist meine Gewichtsklasse. Etwa 100kg? „105, meine Frau kocht wie eine Weltmeisterin“, erklärt er mir. 

 
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Bei km21 laufe ich an Andrea vorbei, wir sind 3 Stunden auf der Strecke. Andrea (Chefin des Zermatt Marathon) ist die 6-Std-Zugläuferin. Es geht rauf bis 1.539m. Noch vor km22 geht es auf losem Untergrund steil bergab, und schmal, da vergeht mir das Knipsen. Dann wird es flacher und breiter, hier kann ich gut laufen. HaWe kann es noch besser und überholt mich da. Sein gelbes Shirt kündet vom nächsten PUM (= Piesberg-Ultra-Marathon) im April 2016.

Unter uns liegen in herrlichem smaragdgrün zwei kleine Seen. Wir nähern uns Steg, 25km, auf 1.303m. Ich fülle meine Flasche auf. Dann ist da das Ziel des „Halbmarathon Plus“ sowie Staffelwechsel (LGT-Staffel 25+17). Für Marathonstarter, die erst nach 4 Stunden hier eintreffen, ist das Rennen in Steg zu Ende. Vreni kommt nun hier vorbei. 15x steht auf ihrem Shirt. Wenn eine diese Strecke kennt, dann Vreni.

 
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Nach einem kleinen Hügel geht es auf einer Forststraße in leichtem Anstieg weiter. Erst einmal an einer Kuhherde vorbei, das Gebimmel der Kuhglocken hat etwas Friedliches. Die Drehkreuze, damit die Kühe auf ihren Weiden bleiben, wurden für die Läufer entfernt. So muss man sich nicht durchschlängeln.

An der linken Straßenseite geht es bald hunderte Meter nahezu senkrecht runter, ich halte mich rechts. Ein wunderschönes Bergpanorama tut sich auf. Ein frischer Staffelläufer überholt mich, und ist bald entschwunden. Dann habe ich die Strecke weitgehend für mich alleine. Ein Geländewagen mit „Samariter“-Aufschrift kommt mir entgegen, er ist im Einsatz. 

Vor km31 stärke ich mich an einer gut sortierten Labestelle, 2km geht es leicht ansteigend weiter. Wolken ziehen am Himmel, so scheint manchmal die Sonne, dann ist es wieder bewölkt, ein ziemlich ideales Wetter haben wir heute.

Dann wird es steil, aber so richtig! Unter Ausnutzung der Latschen-Wurzeln als Trittstufen geht es nun 2km lang stetig hoch, die Enziane am Wegesrand werden immer mehr, die Trollblumen auch. Es freut mich, dann auf einer Forststraße vier Damen bei einem Versorgungsposten anzutreffen, eine Oase!  Mit Cola stärke ich mich. „Bis zum höchsten Punkt sind es noch 700m!“ Na, das ist doch eine Ansage.

Links die Berggrate markieren die Grenze zu Österreich. Kurz vorm Kulminationspunkt liegt in einem Kar sogar noch etwas Schnee. Das gelbe 15x-Shirt unmittelbar vor mir, komme ich zum Sassförkle auf 1.771m. Die Besatzung des Versorgungspostens da hat frischen Wind und einen ganz fantastischen 360°-Blick. Außerdem alles Mögliche zu essen und zu trinken, bis hin zur salzhaltigen Bouillon.

 
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Ich trabe die Bergstraße runter, bei km35 geht es auf einen Weg. Ein Pärchen in orangen Sicherheitswesten zeigt mir den Weg. Wenig später, an einem kleinen malerischen See, haben die Fotografen von Alphafoto Position bezogen. Dieser See scheint auch ein beliebtes Familienausflugsziel zu sein. Ein paar Kinder lauern hinter einer Info-Tafel, versuchen mich zu erschrecken und haben große Freude daran.

Man hat nun einen schönen Blick in das Hochtal, in dem Malbun liegt und Höbi, den Zielsprecher, höre ich schon. Ab und zu kann ich verstehen, was er sagt. „… aus Deutschland“, fügt er den Finisher-Namen meist an. Bis er mich ankündigt, wird es noch dauern, ich bin seit 5h33min unterwegs. Mit dem Gehör mehr im Tal als mit der Aufmerksamkeit auf dem Bergweg vor mir, komme ich runterlaufend zu Fall.

Ich habe das linke Bein eine Spur zu wenig hoch gehoben, so ist mein Schuh an einem Stein hängen geblieben. Schlagartig verkrampfen beide Waden. Um diese zu dehnen, hilft der Yoga-Hund. Da ich eh schon am Bauch liege, ist das eine gute Ausgangsposition. Es klappt ganz gut. Als ich wieder stehe, ein kurzer Check: Alle Schäden auf der linken Seite: Handfläche, Ellbogen und Unterschenkel bluten etwas, kaum mehr als ein paar Kratzer. Schulter etwas abgeschürft, blutet aber nicht. Die Hüfte schmerzt, das wird blaue Flecken geben, mehr aber auch nicht.

Am wichtigsten: Kopf, Knie und Knöchel unversehrt, mein Brustkorb hebt und senkt sich ohne zu schmerzen. Also weiter, ich habe noch 6km vor mir und soeben ein paar Minuten liegen lassen. 

Garmin zerkratzt, läuft aber auch weiter. Unbeschadet hat die Kamera, weil in der rechten Hand, meine Brez`n überstanden. Jaroslav überholt mich, nach km37 gibt es in Malbun an der Kapelle wieder eine Stärkung. Diese Labestelle ist geschätzt 50m vom Ziel entfernt und doch sind noch mehr als 4km zu laufen.  Der nächste Anstieg steht bevor, km38, dann wieder Single-Trail.

Um meine Zeit kümmere ich mich nun gar nicht mehr. Ich bin froh, den Sturz ohne bleibende Schäden überstanden zu haben, meine Blessuren werden bald verheilt sein. Auf den letzten Kilometer hat man von allen Seiten einen Blick auf Malbun. Nach km39 kommt noch einiges an Höhenmetern dazu. Einer ist schneller, den lasse ich vorbei. Ein anderer winkt mich vorbei. Ab km40 geht es nicht mehr bergauf, weitgehend flach bis km41 und dann runter in den Ort, die letzten 400m auf Asphalt.

Mike erwartet mich vor der Ziellinie, der ist schon seit 2 Stunden geduscht. Er wird froh sein, dass sein Chauffeur doch noch ins Ziel kommt. Anerkennende Zurufe und Applaus aus dem Alpenhotel-Gastgarten begleiten mich die letzten Meter, und durch!

Im Nu demontiert mir ein Mädchen den Zeitnehmungschip von der Startnummer, ich trinke ein paar Schluck. Dann darf ich mir mein Finisher-Shirt aussuchen, auf das ich wirklich stolz bin. Das habe ich mir schwer verdient. Dazu bekomme ich das in der Ausschreibung angekündigte Überraschungsgeschenk. Wie sich herausstellt, ist es eine blaue Kristallkuh mit Kristallkuhglocke von Swarovski, sehr originell. Damit hat meine Frau sicher mehr Freude als mit meiner x-ten Finishermedaille.

Ein Projekt habe ich heute abgeschlossen: In allen acht österreichischen Nachbarländern bin ich nun mindestens einmal einen Marathon gelaufen.

Im Duschzelt mache ich mich wieder salonfähig, hinterher versorgt ein Samariter fachkundig meinen Ellbogen. Alles ist wunderbar.

 

Startgeld: EURO 75,-

Brutto-Zeitnehmung mit Chip in Startnummer, sehr gut ausgestattete Versorgungsstellen, ausgesprochen schöner, anspruchsvoller Streckenverlauf, Höhenmeter genug:  1.870m rauf, 720m runter, Finishershirt und
anstatt einer Medaille eine Swarovski-Kristallkuh

 

Marathonsieger

 

Männer

1. Frick Gerd, Italien                       3:10.44,5
2. Birchmeier Ralf, Buchs SG                 3:12.14,3 
3. Aemisegger Arnold, FL-Triesenberg         3:14.21,0

Frauen

1. Camboulives Aline, F-St Jorioz            3:28.22,6
2. Nunige Jasmin, Davos Platz                3:34.01,7 
3. Staicu Simona, H-Mogyoród                 3:45.39,3  

427 Finisher

 

 

 

Informationen: LGT Alpin Marathon Liechtenstein
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