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Laufberichte

Marathonfest in Leipzig

 

Leider ist es noch immer nicht der Marathon, weshalb  Leipzig zurzeit in aller Munde ist. Vielmehr sind es die Fußballer, die die Sportsgemüter erregen.  Dabei geht es allerdings nicht immer um die attraktive und erfolgreiche Art und Weise, wie Leipzigs Kicker mit dem Ball umgehen und die Bundesliga aufmischen, sondern darum, wer sie dafür bezahlt.  Ziemlich scheinheilig das Getue. Welcher Bundesligaclub hängt nicht am Tropf irgendwelcher Sponsoren?

Aber das ist nicht unser Thema. Ich komme nur darauf, weil hier an der Red Bull Arena, Heimat des RB  Leipzig, der Start zu einem der traditionsreichsten und ältesten Marathonläufe der Welt ist. Ja, wir sprechen vom Leipzig Marathon.

Wenn man es genau nimmt, fand in Leipzig am 5. September  1897 der insgesamt dritte Marathon weltweit statt. Zuvor gab es 1896 anlässlich der ersten Olympischen Spiele den Lauf von Marathon nach Athen und ein Jahr später den ersten Marathon in Boston.  Im Gegensatz zum Marathon in Athen und dem in Boston gehört Leipzig aber offenbar nicht zu  den must-have von Sammlern und Jägern.  Stattdessen kämpft man Jahr für Jahr um jeden Teilnehmer und kann sich nur dank des „Halben“ und des 10ers über Wasser halten. Mit der Qualität des Laufevents hat das allerdings nichts zu tun.  Das sei den Veranstaltern als Trost in fetter Schrift ins Gästebuch geschrieben.

Vielleicht hat das unbefriedigende Interesse ein wenig damit zu tun, dass die „Wessis“  noch immer nicht so richtig im „Osten“ angekommen sind. Jeder kann sich diesbezüglich ja mal selber testen und versuchen, die Neuen Bundesländer und ihre Hauptstädte aufzuzählen.

Ja, Leipzig liegt in Sachsen. Nein, es ist nicht die Hauptstadt. Allerdings ist Leipzig mit ungefähr 560.000 Einwohnern die größte Stadt im Freistaat und zu DDR-Zeiten das Industrie- und Handelszentrum schlechthin. Alleine im Bezirk Leipzig  wurden fast 10 % der Industrieproduktion erbracht und die Leipziger Messe war so etwas wie das Schaufenster der DDR.

Mutige Leipziger Bürgerinnen und Bürger waren es, die 1989 mit den Montagsdemonstrationen im Umfeld der Nikolaikirche den entscheidenden Impuls zur Wende gaben, ohne die es das wiedervereinte Deutschland vielleicht nicht geben würde.

 

 
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Schon einmal wurde in Leipzig Weltgeschichte geschrieben.  Damals, am 16.-19. Oktober 1813 wurden bei der Völkerschlacht  92.000 Soldaten getötet oder verwundet, als Russland, Preußen, Österreich und Schweden erfolgreich gegen die Truppen Napoleons kämpften. 100 Jahre später wurde das Völkerschlachtdenkmal  an der Stelle fertiggestellt, an der es die heftigsten Kämpfe gab.
Die Laufstrecke führt unmittelbar am Völkerschlachtdenkmal vorbei. Kurz zuvor passiert man das alte Messegelände mit dem weltberühmten doppelten „M“ (=Mustermesse), das bis heute das Logo der Leipziger Messe ist.

Insgesamt liegen die optischen Leckerbissen des 21km-Kurses wohl eindeutig auf der ersten Hälfte.  Schon bald nach dem Start ist der markante, 114 Meter hohe Turm des Neuen Rathauses zu sehen. Er steht als höchster Rathausturm der Welt im Guinnessbuch des Rekorde. Rekordverdächtig sind auch die 600 Räume, mit denen das Leipziger Stadtparlament zu den weltweit größten Rathausgebäuden zählt. Die Pläne dazu stammen von Prof. Hugo Licht, der einen damals schon deutschlandweit ausgeschrieben Wettbewerb gewonnen hatte. 1899 wurde mit dem Bau begonnen, seit 1905 wird es als Rathaus genutzt.

Ein paar hundert Meter weiter kommt schon das Gewandhaus. Jeder hat schon einmal davon gehört – aber mal ehrlich, wer kann was damit anfangen? Seit dem Mittelalter versteht man unter einem Gewandhaus Messe- oder Lagerhallen, in denen „gewendete“ (gefaltene) Tücher gelagert und in Zuschnitten verkauft wurden. Gewandhäuser gibt es deshalb in vielen Städten, z.B. auch in Zwickau oder Braunschweig.

 

 
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Das Leipziger Gewandhaus ist aber kein historischer Prachtbau, sondern zumindest äußerlich eher ein unansehnlicher Betonklotz  aus DDR-Zeiten (1977). Das ursprüngliche Gewandhaus wurde 1498 tatsächlich als Lagerhaus in der Altstadt errichtet, 1781 teilweise zu einem Konzerthaus umgebaut und erlebte Uraufführungen von Beethoven, Schumann, Schubert, Wagner und Brahms.

Dass es das neue Gewandhaus gibt, ist maßgeblich Kurt Masur zu verdanken, der das Gewandhausorchester 1970 bis 1997 leitete und mit ihm Weltruhm erlangte. Kurt Masur war es auch, der bei den bereits erwähnten Montagsdemonstrationen 100.000 Leipziger zur Gewaltfreiheit aufrief.

Links sieht man das Krochhochhaus, das 1927 als erstes Hochhaus in Leipzig in Stahlbetonbauweise errichtet wurde. Vielen Bürgern war das Monstrum zu hoch, sodass nach heftigen Protesten die oberen 4 Stockwerke zunächst nur als Attrappen errichtet wurden, um die Auswirkungen auf das Stadtbild zu beurteilen. Für Marathonis von besonderer Bedeutung ist die Glocke auf dem Dach, weil sie von zwei Hammermännern geschlagen wird. Von ihnen droht (wenn überhaupt) erst auf der zweiten Runde Gefahr.

Es folgen Messe und Völkerschlachtdenkmal. Unspektakulärer aber keineswegs uninteressant geht es weiter. Fast nur wenn man darauf vorbereitet ist, sieht man links das Bruno-Plache-Stadion. Auch das „Bruno“, wie das Stadion von den Fans genannt wird, hat seine Geschichte. 1922 erbaut, war es mit einem Fassungsvermögen von 40.000 Zuschauern das größte vereinseigene Stadion Deutschlands. Die 1932 erbaute Holztribüne ist noch fast original erhalten und Beispiel für die Tribünenbauweise der damaligen Zeit. Noch heute trägt der 1.FC Leipzig seine Heimspiele im jetzt 15.600 Zuschauer fassenden Stadion aus.

Dass Leipzig auch eine moderne Stadt ist, spürt  und sieht man, wenn man in die Südvorstadt kommt. Dort wurde auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes die Media City errichtet. Ein großer Gebäudekomplex mit zig Firmen aus der Film-, TV- und IT-Branche und Fernsehstudios grenzt an die Zentrale des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Von hier kommen u. a. die beliebte Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft“ und die Talk-Show „Riverboat“.

 

 
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Sobald man schließlich in die Jahnallee einbiegt, erkennt man links das Stadion und kann wenig später in die zweite Runde starten.  Aber Vorsicht, der Marathoni muss sich in Leipzig nicht vor der Einsamkeit fürchten.  Im Gegenteil. Für die langsameren Läuferinnen und Läufer geht es jetzt so richtig los. Um 12.45 (also 2.45 Stunden nach dem Marathon) werden der  Halbmarathon und eine weitere Stunde später (13.45 Uhr) der 10km-Lauf gestartet. Die Stimmung auf und an der Strecke erreicht dann erst ihren Höhepunkt.

Derweil ist es herrlich zu erleben, wie tausende Zuschauer im Zielraum unterhalten und über den Rennverlauf informiert werden und wie man dem Finale entgegenfiebert. Meist kennt man Siegerinnen und Sieger, sie kommen aus der Stadt oder aus Region. Diesmal hat allerdings ein Pole die Nase vorn. Dafür gibt es ein komplett Sächsischen Frauen-Podest.

 

 

Leider ist dieses Jahr verletzungsbedingt kein M4Y-Läufer auf der Strecke. In 10 Jahren ist das erst einmal passiert. Der Leipzig Marathon steht bei unseren laufenden Reportern hoch im Kurs.

 

Marathonsieger

 

Männer


1. Bartosz Olszewski    Polen    2:27:08    
2. Maik Willbrandt    BMW SC DHfK Leipzig    2:29:02    
3. Piotr Mierzejewski    Yulo Run Team Siedlce 2:36:53

Frauen

1. Juliane Meyer    BMW SC DHfK Leipzig    2:58:00    
2. Laura Clart    SC DHfK Leipzig    3:03:21    
3. Janine Molnar    Dresden    3:08:15

 

 

Informationen: Leipzig Marathon
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