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Laufberichte

Leipziger Allerlei

19.04.09

Wieder einmal ein Doppeldecker. Doch dieses Mal ist es hart, denn am Kyffhäuser habe ich aufgrund der schwierigen Bedingungen Körner gelassen. Sportliches, Kulturelles, Geschichtliches habe ich dennoch parat. Ein richtiges Leipziger Allerlei halt.

Gerade rechtzeitig komme ich zur Nudelparty. Die findet in der Ernst-Grube-Halle der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig statt. Und in der Halle ist auch noch Platz für eine kleine Marathonmesse. Morgen wird hier dann das Kleiderdepot eingerichtet.

Ähnlich wie am Kyffhäuser sind viele Helfer bei der Startnummernausgabe anwesend. Es geht sehr schnell und ich habe meine Startnummer gleich in der Hand. Wer will, kann seinen ChampionChip ebenfalls noch kontrollieren lassen.

So international wie noch nie wird sich der morgige Lauf präsentieren. Läufer aus 60 Ländern haben sich eingefunden, darunter Sportler aus dem anderen Ende der Welt wie Neuseeland, Chile oder Nepal. Aufgrund der zahlreichen Nachmeldungen wird von einer Gesamtteilnehmerzahl von über 7000 gerechnet.

 
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Von einer Anreise mit dem Auto rät man eher ab, denn am Marathonsonntag sind aufgrund der Sperrungen umfangreiche Umleitungen eingerichtet. Von der Stadtmitte, wo ich mich in der Nähe des Hauptbahnhofs einquartiere, ist das Sportforum (Start und Zielgelände) in einem 20minütigen Spaziergang erreichbar. Und wer schlecht zu Fuß ist, ja, der kann die Straßenbahn nehmen.

Was ist denn alles geboten? Nun, neben der klassischen Strecke sind Läufe über die Halbmarathondistanz, zehn und vier Kilometer möglich. Auch für Walker, Inliner und Rollstuhlfahrer ist das Sporteln möglich. Die Startzeiten sind dann so gestaffelt, dass man sich nicht in die Quere kommt.

Das Startgeld beginnt von fünf EUR für die Kurzstrecke bei Voranmeldung und endet bei 50 EUR für den Langen bei Meldung am Starttag. Dafür erhält man die üblichen Leistungen, eine Medaille, Getränkegutscheine und Nudelbon für den Samstag, sowie die Urkunde aus dem www. Veranstaltungsshirts können preiswert erworben werden. Das heurige ist ein richtiger „Eye Catcher“, Ein Künstler hat es entworfen.

Am Wettkampftag ist es sehr kühl, als ich mich auf den Weg zum Sportforum aufmache. Aber, und das stimmt mich positiv, die Wolkendecke bekommt schon Lücken. Es wird ein strahlend schöner Tag werden. Es hat zwar jetzt wohl knapp zehn Grad, aber der „Wetterhahn“ prognostiziert bis 18 Grad. Kurze Laufklamotten, die Entscheidung ist einfach und deutlich.

Als um 09.40 Uhr die Skater und kurz danach die wenigen Rollstuhlfahrer auf die Strecke gehen, scheint bereits die Sonne. Wir stellen uns auf dem Sportforum auf, in Laufrichtung Zentralstadion. In diese Richtung werden wir die wenigen fehlenden Meter zur vollen Marathondistanz laufen.

 
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Pünktlich um 10.00 Uhr fällt dann der Startschuss zum 33. Leipzig Marathon. Nach den üblichen Fotos mache ich mich dann auch auf den Weg. Aber die Füße maulen gewaltig. Aber was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. Das wird sich schon auf den ersten Kilometern einrenken, da bin ich mir sicher.

Nach der Wende in Höhe des Stadions sehe ich einen Pacemaker. Von der Sorte hat der Veranstalter ein paar organisiert, damit die Läufer ihre Zeiten bringen können. Ich schaue und sehe entsetzt, das ist der für die vier Stunden. So langsam wollte ich nun auch wieder nicht. Also vorbei.

Vor mir eine Läuferin, ich lese auf ihrem Rücken „Mit Taktgefühl ins Ziel“. Ja sie ist vom Gewandhausorchester. Viele Zuschauer applaudieren, als das große Marathonfeld links auf die Jahnallee abbiegt. Es geht Richtung Hauptbahnhof, von da her bin ich in der Frühe gekommen. Links sehen wir das schön restaurierte Palais am Waldplatz. Wir müssen ein wenig aufpassen, nicht dass wir in die Straßenbahnschienen treten.

Dann biegt unser Kurs in die Elsterstraße ein. Die hat Namen nicht vom Diebstahlsvogel, sondern vom Gewässer, das in die Saale einmündet.

Kilometerschild zwei: Hier hat jemand kurz nach der Markierung achtlos sein verdautes Frühstück hingeworfen. Und die Vögel sind auch noch nicht gekommen, um das wegzupicken. Ist wohl zu viel Unruhe hier. Und ich komme so, danke dem Verursacher, zu meiner Überschrift: Leipziger Allerlei.

Kurz danach sehen wir das Neue Rathaus mit seinem 114 Meter hohen Rathausturm. 600 Räume hat das Gebäude. Ein paar Meter weiter das Gewandhaus. Mit dem Begriff können wohl nicht viele was anfangen, aber der Klassikliebhaber kennt das Gewandhausorchester unter Kurt Masur. Der war einer der Initiatoren bei den Montagsdemonstrationen im Oktober 1989.

Immer wieder werden wir unterhalten. Zwar nicht so ausgiebig wie in Freiburg, aber es sind rund 10 Bands, die hauptsächlich Schlaginstrumente und Trommeln bearbeiten. Ich komme mit Thomas Wennig ins Reden. Auch er hat zusammen mit Claudia Weber den gestrigen Kyffhäuser hinter sich gebracht und gleich noch den heutigen Lauf drangehängt. Und von mindestens einen weiteren Doppeldecker-Kandidaten berichtet er.

 
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Ein Wort zu den Zuschauern: Wir finden hier zwar nicht die Massen wie in Berlin oder Hamburg, aber es ist doch erstaunlich, dass so viele sich gerade an den Kreuzungen oder bei den Musikdarbietungen eingefunden haben. Auch in den Grünanlagen oder bei den Biergärten sehe ich viele Neugierige.

Es rechts auf den Grimmaischen Steinweg, dann auf die Prager Straße, auf der wir jetzt einige Kilometer in südwestlicher Richtung belaufen. Es dauert nicht lange, dann sehe ich das doppelte M, das Wahrzeichen der Alten Messe. Übrigens gilt die Leipziger Messe als eine der ältesten Messeplätze der Welt. Bereits ab 1190 wurden Ostermärkte und Michaelismärkte hier abgehalten. Die Leipziger Buchmesse und die Automobil International sind heute die wichtigsten Messen in der Messestadt Leipzig.

Lang nachdenken brauche ich jetzt nicht, denn das nächste Bauwerk erhebt sich über den ergrünten Bäumen, das Völkerschlachtdenkmal. Das erinnert an die Völkerschlacht im Jahr 1813. Die verbündeten Preußen, Schweden, Österreicher und Russen brachten Napoleons Truppen die entscheidende Niederlage bei, die schließlich zur Verbannung des kleinen Feldherrn auf die Insel Elba führte.

Von hinten kommt eine Frau herangelaufen, das Gesicht kenne ich aus dem Weidatal. Ja, mit der Frauke bin ich 2008 gemeinsam ins Ziel gelaufen. Heute ist für sie die Generalprobe für den Rennsteiglauf in drei Wochen. Sie schickt mich dann weiter nach vorne.

Connewitzer Straße, links ist das Bruno-Plache-Stadion zu sehen. Die Sportstätte hat seine eigene Geschichte, denn 1922 war es mit 40000 Plätzen das größte vereinseigene Stadion in Deutschland. Da fällt mir wieder ein saublöder Spruch ein: „Lieber ein Stehplatz im Stadion als ein Sitzplatz in Stadelheim“.

Kilometer 10: Die Zeit wird genommen und Zeit für eine Verpflegung ist auch. Es gibt Wasser, Iso, Tee und Obst. Nicht nur ich greife gern zu. Ab jetzt finden wir alle 2,5 Kilometer Getränke.

Wieder eine Trommlergruppe. Die Drummed Boxes machen mächtig Dampf und hauen mit ihren Händen auf ihre Instrumente ein. Auf der Richard-Lehmann-Straße ist ein etwa 500 Meter langer Wendepunkt eingebaut. Ab den Wendepunkt wird die Laufrichtung gedreht, es geht jetzt Richtung Westen.

Schleußiger Weg, wir laufen wieder durchs Grüne. Eine Brücke überquert die Elster. Ich sehe schon einzelne Leute beim Picknicken in der Sonne sitzen. Eine kleine Gruppe hat sich vor ihrer Garage zum Frühstück niedergelassen, mit einem 5-Liter-Fass Bier. Ich glaube, ich kehre dann in der zweiten Runde ein...

Am Ende der Antonienstraße wechseln wir die Laufrichtung, es geht nordwärts auf der Erich-Zeigner-Allee. Mir fällt das riesengroße Panometer auf, ein ehemaliger Gastankbehälter der Stadtwerke.

Es dauert nicht mehr lange, dann kommt schon Kilometer 20, wir überqueren das Elsterbecken und sind schon auf der Jahnallee. Jetzt herrscht hier richtiger Rummel, denn die Zuschauer bilden für uns Marathonis eine kaum einen Meter breite Gasse und treiben uns mit Applaus weiter. Runde eins ist geschafft.

Auf in die zweite Hälfte. Ich kann vor mir eine Gruppe erkennen. Und nach wenigen Metern realisiere ich, dass es die 3.30er Gruppe mit ihrem Zeitläufer ist. Ich stelle mir die Frage, dranbleiben oder vorbeiziehen. Und entscheide mich für letzteres, da mein Gangwerk mittlerweile rund läuft.

Seit ein paar Kilometer ist ein Läufer aus Treis bei Marburg an meiner Seite. Wir unterhalten uns und kommen unter anderen auf die Laufveranstaltung in Staufenberg zu sprechen. Der Treiser ist mit ein paar Vereinskollegen hierher gekommen.

Kilometer 30. Ich merke, dass langsam meine Beine schwer werden. Irgendwie wird es schon weitergehen. Der Treiser Laufkollege läuft nach vorne.

Noch fünf Kilometer. Ich bleibe bereits an jeder V-Stelle stehen und verpflege ausgiebig. Mir ist die Zeit mittlerweile wurscht geworden. Die gesellige Runde mit dem Bierfass hat letzteres geleert und sich verzogen. Ich bleibe somit auf dem Trockenen sitzen. Weiter.

 
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Letzte V-Stelle. Hier registriere ich nicht, dass in meinem Delirium der Zeitläufer vorbei, auf und davon ist. Aber den letzten Kilometer reiße ich noch auf der linken A-Backe herunter. Ich finde sogar noch Zeit und Muße, im Zielkanal stehenzubleiben und die davonspringende 10-Kilometer-Meute abzulichten.

Im Ziel bin ich dann glücklich, denn wieder habe ich einen Doppeldecker hinter mich gebracht. Ein guter Test für einen 100er, der nach meinen Plan in Ulm stattfinden soll.

Im Verpflegungsbereich halte ich es wie der Engel Aloisius: „Wann kriag i amoi wos zum Trinka.“ Tee, Iso und Wasser ist genug da, auch Rosinen und Bananen. Freibier hätt ich gewollt, aber den Schleim „den kennts selba saufa.“ So sagte auch der Münchener im Himmel, als sie ihm Manna kredenzen wollten. Ja, der Haferschleim ist halt was für Insider.

Duschen können wir in den Kabinen der Grube-Halle. Vor der Halle können wir dann ausgiebig verpflegen. Sehr schön und unterhaltsam sind die beiden Moderatoren, die bis zum letzten Sportler die Zuschauer unterhalten.

Fazit für mich: Leipzig ist eine (Marathon-)Reise wert. Man soll halt ein wenig mehr Zeit mitbringen als ich. Es wären noch einige Sachen zu besichtigen. Wer jetzt Lust und Laune auf die Messestadt und Marathonlaufen bekommt, der sollte sich den 25.04.2010 reservieren. Denn da ist der 34. Leipzig Marathon.

 

Informationen: Leipzig Marathon
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