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Laufberichte

Marathon vignoble a la Lausanne

30.10.11

“Hauptstadt des Weltsports” - wenn es diesen Titel zu vergeben gälte: Lausanne wäre wohl ein heißer Aspirant. Nicht dass in Lausanne übermäßig viel Sport von Weltgeltung betrieben würde: Aber von hier zieht insbesondere der mächtige Funktionärsclan des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seine Strippen.

Auch andere Sportweltverbände haben Lausanne als ihren Sitz auserkoren, etwa die Volleyball-, Baseball-, Tischtennis- und Hockeyspieler oder die Schwimmer, Ringer, Fechter und Reiter, und das sind noch nicht alle. Was aber auch nicht weiter wundert: In der properen, wunderschön am Nordufer des Genfer Sees in viel Grün und sanfte Hügel eingebetteten Stadt lässt es sich trefflich residieren.

Was aber nicht heißen soll, Lausanne wäre nur ein Dorado für Passivsportler. Nein: Lausanne rühmt sich auch, Ausrichter des ältesten noch existierenden Schweizer Städtemarathons zu sein. Er besteht seit 1993, heuer steht damit die 19. Austragung an, was beachtlich, aber noch nicht wirklich beeindruckend ist, wenn man etwa die über 50-jährige Tradition eines Bieler 100ers gegenüber stellt. Auch die Einordnung als “Stadtmarathon” ist zumindest diskussionswürdig. Denn wenn man sich den Streckenverlauf anschaut, dann stellt man fest, dass zwar Start und Ziel in Lausanne liegen, dieser dazwischen aber primär landschaftlich geprägt ist. Was aber die Attraktivität des Kurses keineswegs schmälert, ganz im Gegenteil. Aber dazu noch später.

Fakt ist jedenfalls auch, dass Lausanne im Ranking der Schweizer City-Marathons nach Zürich und Luzern die Nummer drei ist und mit den sonstigen Laufstrecken, insbesondere dem Viertel- und dem Halbmarathon, mittlerweile über 10.000 Teilnehmer anzieht. Genau 11.453 sind für 2011 gemeldet. Und das ist nun wirklich beeindruckend, umso mehr, als am gleichen Tag auch in Luzern Marathon-Großkampftag ist.

 

Expo am See

 

Geschmack beweist der Veranstalter bei der Wahl der Location für die Marathonmesse. Diese findet in exponierter Lage auf der Place de la Navigation, direkt am Ufer des Genfersee, französich Lac Leman genannt, statt. Der ist, wer hätte das gedacht, mit 581 qkm immerhin der größte mitteleuropäische See, größer als der Bodensee und sehr viel größer als etwa der Gardasse oder der Lago Maggiore. Ein mächtiges Zelt ist hier aufgebaut, dessen zentraler Teil der Ausgabe der Startunterlagen vorbehalten ist. Zumindest am frühen Samstag Nachmittag geht es hier noch sehr gemütlich zu, sodass das Heer von Helfern nicht wirklich gefordert ist. Trotzdem müssen die drei netten älteren Damen an meinem Schalter schon zusammen helfen, um meine Nummer zu finden. In den Gängen um die Nummernausgabe herum drängen sich die Stände der Laufmesse mit kleinem, aber feinem Angebot.

 
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Lange bleibe ich nicht. Denn zugegebenermaßen: Außerhalb des Zelts ist es einfach noch viel schöner: Eine Armada von Yachten schaukelt hier im stillen Wasser, Möwen krächzen um die Wette, der See glänzt in der Herbstsonne. Am fernen jenseitigen Ufer, schon in Frankreich, erhebt sich die Gipfelkette der Savoyer Alpen als markante Linie aus den über dem See hängenden Hochnebelschwaden - ein unwirkliches, stimmungsvolles Bild. Einige prächtige Hotelpaläste aus dem 19. Jh., etwa das Chateau d’Ouchy und das Beau-Rivage, umgeben von herbstlich eingefärbten Parkanlagen, folgen gleich nebenan. In den Straßencafes und -lokalen entlang der Uferpromenade frönen die Gäste dem gepflegten Nichtstun. Nichts läge eigentlich näher, als hier den vormarathonischen Tag ganz entspannt “abzuhängen”.

 
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Und doch: Ich überwinde den inneren Schweinehund und kann es nur jedem Lausanne-Novizen empfehlen, zumindest zu einem Sightseeing-Minimalprogramm zu starten. Wer beim Blick auf das äußerst hügelige Stadtbild erst einmal denkt “ohne mich” - ist doch für eine empfindsame marathonische Seele vor einem Lauf äußerste Schonung angesagt - dem sage ich: Kein Problem. Denn direkt beim Hotel du Lac hinter dem Expo-Zelt ist die Metrostation der Linie 2. Und die trägt einen ober- und unterirdisch in Minuten hinauf ins Herz der Altstadt (Station Place de la Riponne).

Es macht Spaß, hier durch die krummen, alten Gassen zu bummeln, sich vom bunten Treiben und dem französischen Charme des alten Lausanne  gefangen nehmen zu lassen. Unbedingt sollte man von hier aus der historischen, überdachten Holztreppe (Escaliers du Marche) bis zur mächtigen Kathedrale Notre Dame (immerhin die größte der Schweiz) auf der Hügelspitze folgen. Der gotische Prachtbau und der Panoramablick über Lausanne sind dieses kleine Kraftopfer allemal wert. Zur Belohnung kann man sich auf dem Rückweg eine heiße Schokolade im urigen Cafe “Le Barbare” gönnen - man kann es nicht verfehlen.

Von 16 bis 20 Uhr wird zur Pasta-Party geladen. Auch hier zeigt der Veranstalter Kreativität: Denn sie findet auf einem Schiff, genauer gesagt dem Ausflugsdampfer  “Le Lausanne” am Kai der Anlegestelle Ouchy statt. Carboloading mit Seeblick - das hat was. Und wenn die Nudeln mit Sauce nach Wahl auch noch schmecken, dann fühlt man sich richtig gut eingestimmt auf das morgendliche Laufabenteuer.

Nebenbei kann man gleich das nahe Zielareal, direkt am See und unterhalb des Parks des Musee Olympique gelegen, inspizieren. Man sieht: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Zahllose Zelte, Pavillons, Buden, Luftbögen, Lautsprecher sind errichtet, dazu Tribünen, Absperrungen, Fahnen, Banner, Ballons, ein langer roter Teppich vor dem Zielbogen, alles eingebettet in ein landschaftliches Idyll. Ich bin beeindruckt - und hoffe, dass ich das auch nach 42 km noch würdigen kann.

 
 

Informationen: Lausanne Marathon
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