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Laufberichte

Lang. Länger. Lausanne

22.10.06

... und „alleweil“ is gut!


Vorab sei erst einmal gesagt, dass sämtliche Profis unter Euch einfach eine andere Seite anklicken sollen! Das was jetzt kommt, ist eher für Fußkranke, distanziert Marathoninteressierte oder als dienliches Werkzeug für Spötter gedacht. Für die letzteren unter euch sei gesagt, dass ihr entweder kopfschüttelnd oder müde grinsend diese Seite schließen werdet.


Schon die Überschrift lässt ahnen, was kommen mag, da doch jeder Läufer mittlerweile weiß, dass auch der Lausanne Marathon nicht mehr als die obligatorischen 42,195 km aufweist. Was soll das „lang oder länger“ heißen?


Na ja: Man/frau kann einen Marathon in einer entsprechend guten Zeit laufen. Unter gut verstehe ich alles zwischen 2:30 und 4:00 Stunden. Man kann aber auch zirka 5 Stunden und 30 Minuten brauchen. Ja Super. Wer läuft einen Marathon in 5 Stunden 30 und schreibt dann auch noch ein Bericht darüber?


Ich muss es einfach loswerden! Wie kann man nur nach etlichen Marathons eine solche Zeit laufen? Ich bin eigentlich sowieso eine miserable Marathonläuferin, laufe seit 2003 „den einen oder anderen Marathon“, und schaffe keine Zeitverbesserung, aber 5 Stunden und 30 Minuten ist wirklich das Allerletzte! Das Hinterletzte sogar!


Eigentlich wollte ich gar nicht mehr laufen. Ich hatte genug für dieses Jahr, Gutes, wie weniger Gutes, viele Trainingskilometer in den Beinen, extrem viel Belastung im Job und zu wenig Ruhephasen.


Aber manchmal muss es offensichtlich sein, dass man Entscheidungen "getroffen bekommt".


Wir waren in Interlaken auf der Läufermesse und im schönen Casino. Bei der Startnummernausgabe hat die Schweizer Post einen Stand aufgebaut, bei dem man sich Startnummern erwürfeln kann. Da mein Mann bereits eine Startnummer für Lausanne von einem Bekannten geschenkt bekommen hatte, ich ihn aber nur als freundliches Frauchen unterstützen wollte, würfelte ich und setzte auf "Lausanne“. Noch heute frage ich mich, warum ich nicht einfach auf einen "Frauenlauf" gesetzt habe. Dort hätte ich dann meine miserable Zeit damit erklären können, dass es mir wichtiger war, ein paar wichtige Frauenthemen mit Läuferinnen zu besprechen.... aber ich setzte auf Lausanne.


Ich schwöre, bei allem was mir wichtig ist, ich habe in meinem Leben noch nie etwas gewonnen, kein Gummibärchen, kein Blumentopf, nichts. Und da plötzlich Lausanne.

 

Die freundliche Assistentin nahm mir das Versprechen ab, in Lausanne auch wirklich zu laufen und ich bestätigte, hocherfreut über meinen ersten Gewinn im Leben.

 

So kommt man also zu einer Startnummer in Lausanne!

 

Alleine die Fahrt dorthin muss kurz beschrieben werden! Wir fahren auf der Autobahn, wie nach Interlaken, über Basel Richtung Bern und müssen auch hier den obligatorischen Zwischenstopp in Kirchberg/Burgdorf einlegen.


Jetzt aufgepasst Mädels: Solche Zwischenstopps sind manchmal wichtig, um mitreden zu können. Sollte nämlich euere bessere Hälfte einmal aus Kirchberg/Burgdorf anrufen und sagen, er komme mit „Wrangler“ nach Hause, so wird es sicherlich nicht in den heiß geliebten Jeans der 70er auftauchen. Wenn er sogar noch erklärt, er würde einen „Hummer“ mitbringen, so vergesst das „kleine Schwarze“ überzuziehen und Kerzenlicht für den Abend zu organisieren.


Wer sich nämlich in Kirchberg/Burgdorf  schlau gemacht hat weiß, dass hier auf der Strecke Basel-Bern ein Zentrum für wirklich große amerikanische Geländewagen vorhanden ist, der jeden Traum eines Mannes, auf Auto bezogen, befriedigt. Hier erfährt Frau, dass der „Wrangler“ ein Fahrzeug ist, bei dem man nicht nur das Dach, sondern in heißen Sommermonaten gleich die Türen, samt Windschutzscheibe abbauen kann. Offen fahren ohne Ende! Damit ist nicht nur die Frisur perdu, sondern auch noch das gesamte Make up! Mein persönlicher Sommertraum!


Der Hummer ist das Fahrzeug, das Schwarzenegger dutzendfach in seiner Garage stehen hat. Und Mädels: lächelt bei der Bemerkung, dass ein „Hummer“jetzt auch straßentauglich für Deutschland gebaut wird. Lächelt und schüttelt dabei kräftig den Kopf.

 

Aber eigentlich wollte ich von Lausanne erzählen.


Die Stadtnummernausgabe ist alleine eine Augenweide, direkt am Hafen, ein weißes Zelt und bunte Luftballons machen den Eintritt über ein Wasserbassin zum reinen Vergnügen. Der einzige "kleine Hemmschuh“ ist das Französisch. Aber selbst wenn man sich etwas verstockt ausdrücken kann, jahrelang nicht mehr gesprochen, dazu aber freundlich lächelt, findet man überall hilfsbereite Kräfte.


Die Marathonmesse ist deshalb interessant, weil man in einer Schlange, wie beim Krämermarkt, an allen Ständen vorbeigeführt wird. Nicht unangenehm, nur außergewöhnlich. Und so blieb ich auch bei einem Stand stehen, der schon am frühen Morgen mit einer Weinprobe aufwartete. Nicht dass ich am Morgen schon Wein getrunken hätte, aber ich fand es außerordentlich und die Laune an diesem Stand war vorzüglich. Im Elsass wird zum dritten Mal eine Alternative zum „Medoc“ Marathon angeboten. Man konnte auch wieder eine Startnummer gewinnen und zu diesem Zeitpunkt habe ich auch noch beim „außerordentlich“ schwierigen Quiz mitgespielt.


Vorgreifend sei gesagt, dass ich mir sicherlich überlegen werde, dort zu laufen. An der Strecke gibt es Wein, Gänsestopfleber und sonstige Köstlichkeiten. Sollte ich mitlaufen, werde ich keinen Wein trinken, mir ist sowieso beim Marathon immer schlecht, aber ich habe dann endlich eine wunderbare Ausrede, warum ich wieder mal so lange für diesen Marathon gebraucht habe. Seht dies als Aufruf für alle miserablen Marathonläufer, die endlich einmal eine glaubwürdige Ausrede brauchen.

 

Aber wir sind immer noch in Lausanne! Wer Lausanne kennt weiß, dass die Stadt über ein paar Hügel gebaut ist und so ist auch der Start ein paar 100 Metern vom Hafen entfernt, wo sich die Parkplätze befinden. Man kann dies durchaus als erste Aufwärmphase betrachten und der Anstieg zum Start ist auch nicht unbedingt unangenehm. Es war wirklich ein wunderschöner Sonntagmorgen, nicht zu kalt, nicht zu heiß, schönes Läuferklima, der Zeppelin über uns. Traum-Start!


Die ersten km gehen bergab, durch gepflegt grüne Wohngegenden, kleine Dörfer, bald sieht man den See, freundliche Menschen am Rand, die auch am Morgen schon an mit weißen Tischdecken gedeckten Tischen Weine verkosten.


Bei den ersten Kilometern habe ich mir noch nicht überlegt, ob ich mich dazu gesellen sollte, das sollte sich aber schlagartig ändern. Bereits bei km 15 waren meine Beine so schwer, dass ich mir schwerlich vorstellen konnte, den Marathon durchzulaufen. Die Strecke ist nicht wirklich flach, nicht wirklich hügelig, leichte Anstiege, leichtes Abfallen und wunderschön!

 

Mein Mann, der munter neben mir lief, erzählte mir auf den gesamten Kilometern, wie schön das doch heute hier sei, wie das Wetter so angenehm ist, dass man von Glück reden kann, hier laufen zu dürfen und und und. Ich konnte von Glück sagen, dass er mich nicht noch ausrechnen lies, wann uns bei diesem Rundkurs die ersten Läufer entgegenkommen. Wenn er noch besser drauf ist, erzählt er von fetten Rindsbratwürsten (habe ich seit 10 Jahren nicht mehr gegessen), die er am Ziel in sich reinstopfen wird und diese längst verdaut hat, wenn ich ankomme! Gedanklich bat ich ihn, doch zu schweigen, nur gedanklich. Wenn ich ihn nämlich darum bitte, ist er immer latent beleidigt.


Ich wurde immer schweigsamer, und bat letztendlich bei zirka km 18 doch darum, alleine weiter zu laufen. Wenn man vorhat, sich nur noch durchzuschlagen, schleppt man sich lieber alleine und bremst nicht noch seinen Genossen aus.

 

Also schleppte ich mich mal wieder durch diese wunderschöne Landschaft, unter der herbstlichen prallen Sonne, am See entlang. Man/frau kann den Lausanne Marathon als wunderschönen Lauf unterschreiben. Überall war Live-Musik, Menschen saßen am Straßenrand, die einem immer und immer wieder Mut zu sprachen. Einziger persönlicher Ansatzpunkt für Kritik: Viel zu wenig „Dixies“. Das sei nur am Rande erwähnt.

 

Da ich mal wieder so langsam unterwegs war, mit meinen schweren Beinen, hatte ich später eine wirklich bereite Straße, nahe am See, mit ein paar Fahrradfahren und ein paar verstreuten fußlahmen Marathonis alleine.


Und das erste Mal wurde ich sogar von einer Straßenkehrmaschine überholt, die Gott sei Dank mit ihrer Geräuschkulisse und Stinkerei nach wenigen Metern abbog! Lacht nur, ...sie wird von einer Straßenkehrmaschine überholt... nicht der Besenmann, eine ganze Maschine...

 

Leider konnte ich trotz meiner Schneckengeschwindigkeit nichts gegen die Übelkeit tun und musste sogar mehrere Auszeiten nehmen, um den Kreislauf wieder zu stabilisieren.


Aber ich bin durchlaufen: Ich wollte ans Ziel.

 

Und dieses Ziel ist auch wirklich sensationell! Man läuft eine breite Straße entlang, gesäumt von jubelnden Menschen. Hier sei angemerkt, dass die sicherlich nicht mir applaudiert haben, sondern den Halbmarathonis, die mich längst eingeholt hatten.


Die Spötter unter euch können sich jetzt vergnüglich auf die Schenkel schlagen!

 

Und die ganze Stadt war ein Fest. Ich habe so etwas noch niemals bei einem Marathon erlebt, dass ganze Straßenzüge voller Menschen sind, die alle mit den Marathonins feiern und sich freuen. Aber das Wetter war auch sensationell an diesem späten Oktobersonntag.

 

Nun ist (m)ein langer Lauf, zeitlich gesehen, zu Ende gegangen. Aber eine Traumstrecke, die wirklich zu empfehlen ist.


Fraglich ist nur, welche Konsequenzen man aus diesem „langer Lauf“ zieht?! Wahrscheinlich muss man ausgeruhter in einem solchen Lauf gehen, insbesondere wenn man schon Einiges hinter sich gebracht hat im Jahr, nicht so intensiv trainieren kann, wie man das gerne wollte. Auf jeden Fall bin ich aus diesen Lauf nicht mit dem Gefühl gegangen, ich werde nie mehr einen Marathon laufen, sondern ich habe mir vorgenommen, im Winter anders zu trainieren. Als Feierabend-Läuferin werde ich weiter probieren, effektiver zu trainieren. Wie immer!

 

Und nächstes Jahr, wenn ich den "Alternativ-Medoc“ Marathon im Elsass laufe, schiebe ich meine miese Zeit auf meine Alkoholisierung! Mit der Anmerkung: Training im Winter war eigentlich gut!

 

Informationen: Lausanne Marathon
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