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Laufberichte

An der Wiege Hessens

 

Stadt und Lauf haben Tradition. Marburg war schon im 13. Jahrhundert bedeutend, auch durch die Heilige Elisabeth von Thüringen, die hier verstarb. Zu ihrer Zeit war Marburg zeitweise die Landesresidenz Hessens und bildete die Keimzelle des heutigen Bundelandes. Im Mittelalter wurde über ihrem Grab die Elisabethkirche errichtet und Marburg dadurch zu einer der wichtigsten Pilgerstätten in Deutschlands.

Phillipp I. von Hessen machte dem allerdings bereits im 16. Jahrhundert ein Ende. Als Anhänger der Reformation hielt er nicht viel von Heiligenverehrung. Wie zum Ausgleich gründete er in dieser Zeit die Marburger Universität, die heute noch die Bedeutung Marburgs prägt und die älteste in evangelischer Tradition ist.

 
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Doch zurück zum Lauf. Die Veranstaltung findet heuer bereits zum 24. Mal statt und hat sich längst etabliert. Sogar Deutsche Meisterschaften über 50 KM wurden hier schon ausgetragen und auch der aktuelle Deutsche Rekord über diese Strecke wurde 2011 hier aufgestellt. 

Um Streß zu vermeiden, reise ich mit meiner Fmilie bereits am Freitag an. Am späten Nachmittag kann ich, ohne warten zu müßen, meine Nachmeldung abgeben und bekomme meine Startnummer. Auf dem Weg zurück zum Auto begegnen wir Peter Seifert, der den oben genannten Rekord hält. Kurz nach seinem Rekordlauf wurde er Opfer eines Autounfalls und lag zeitweise im Koma. Morgen wagt er sich an die 10 KM. Dass er überhaupt wieder laufen kann, grenzt an ein Wunder. Was es ihm bedeutet, kann ich nur erahnen. Auch ich kann mir ein Leben ohne Laufen nicht vorstellen, deshalb freue ich mich, morgen mit ihm auf die Strecke zu gehen. Begleitet wird Peter an diesem Wochenende vom MDR, der eine Dokumentation über ihn dreht, die am 27.04.2016 ausgestrahlt wird.

 
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Apropos Deutsche Meisterschaft: Die DM über 50 km wird am kommenden Wochenende in Berlin ausgetragen. Die Teilnehmerzahl über die Königsstrecke an der Lahn leidet darunter. Trotzdem kann in Marburg wieder ein Melderekord gefeiert werden. Möglich wird dies durch die alternativ angebotenen Strecken wie 10 km, Halbmarathon, Marathon und erstmals die 30 km. Gerade die 30 km bieten sich zu so einem frühen Zeitpunkt im Jahr als langer Trainingslauf für weitere Marathonabenteuer an. Insgesamt sind 934 Läuferinnen und Läufer gemeldet.

Um Marburg ein wenig näher kennen zu lernen, nutzen wir den frühen Freitagabend. Im Licht der Laternen glänzt die mittelalterliche Altstadt prachtvoll. Den reizvollen Blick auf die alten Fachwerkhäuser werden wir morgen nicht haben, denn die Strecke führt fast ausschließlich entlang der Lahn. Vielleicht komme ich ja am 1. Juli zurück nach Marburg, denn dann findet der Nachtmarathon statt. Und der wird genau hier gestartet.

Wegen der angenehmen Startzeit von 10.00 Uhr erreiche ich das Organisationszentrum am Georg-Gassmann-Stadion am Samstagmorgen vollkommen entspannt und ausgeruht. An der Startnummernausgabe ist viel Betrieb, auch wegen vieler  Nachmeldungen. Eine halbe Stunde vor dem Start scheinen aber die wenigsten allerdings Lust zu verspüren, sich zur Laufstrecke an der Lahn zu begeben. Die angesagten Temperaturen entsprechen mit etwas über dem Gefrierpunkt der Jahreszeit und ermuntern kaum, die 500 Meter zum Start an der Lahn vorzeitig in Angriff zu nehmen, obwohl es herrlichen Sonnenschein gibt. 

 
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Im Start- und Zielbereich versammelr sich dann doch rechtzeitig eine große Läuferschar. Der Moderator begrüßt besonders Peter Seifert. Die Menge applaudiert. Feuerspucker führen ihre Künste vor und lassen die kühlen Temperaturen vergessen. Da kann ich mich ja auch schon mal meiner Jacke entledigen, denn der Startschuß steht kurz bevor. Ich schaffe es aber noch, mich von Silke und Nikita gebührend zu verabschieden. Eigentlich hätte ich mir damit noch Zeit lassen können, denn das große Läuferfeld braucht seine Zeit, um auf die Strecke zu kommen. 

Es sind 4 Runden zu laufen, wobei auf der letzten Runde noch eine 2 km-Pendelstrecke dazukommt, damit die exakte Marathondistanz erreicht wird. 

Auf dem Fahrradweg zieht sich das Feld schnell auseinander. Nach knapp einem KM hinter der ersten Unterführung ist die Spitze am Horizont kaum noch zu erkennen und das, obwohl der Blick bis etwa KM 2,5 jetzt frei über Feld und Flur reicht. Hier knickt die Strecke nach links ab, um jenseits der B3 in einem Kreis endlang im Uhrzeigersinn wieder zu dieser zurück zu kommen. Auf diesem Streckenabschnitt passieren wir die erste Verpflegungsstelle, die mich aber noch nicht weiter interresiert. Lieber den Lauffluß beibehalten, so gut es geht. 

Kurz vor KM 6 liegt die B3 bereits hinter uns. Hinter der Unterführung nach links erwartet uns die stärkste Steigung des Tages, soweit man auf dieser ansonsten sehr flachen Strecke überhaupt davon reden kann. Anschließend geht es in einer großen Rechtskurve erstmals nach Gisselberg. Wenige Meter weiter wartet bereits die zweite Verpflegungsstation. Jetzt ist mein Interesse schon größer, zumal es hier alles gibt, was das Läuferherz begehrt. Neben Bananen, Keksen, Powergels, Bretzeln, Käsestangen sowie Tee, Iso, Wasser Cola kann man für die nächste Runde sogar schon ein Bier ordern. Was für ein Service, für die moderate Startgebühr. 

Wir sind in dieser Runde ziemlich schnell unterwegs,  denn noch sind wir mit den 10 KM-Läufern zusammen, die mehr als ein Drittel der Läuferschar stellen. Da heißt es, mit dem Strom schwimmen. Das klappt den Rest der Runde auch recht gut, denn von Gisselberg geht es schnurgerade nach Norden. Erst kurz vor Beendigung der ersten Runde biegen wir auf die nächste Brücke an der Lahn ab und haben anschließend den Zielbogen wieder erreicht.

 
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Kurz erfrischt an der Verpflegungsstation geht es jetzt ruhiger weiter. Mittlerweile hat sich Ines Dirk und mir angeschlossen. Es ist gut, dass jetzt deutlich weniger Läufer auf der Piste sind. So kann man gemütlich zu dritt oder zu viert nebeneinander her traben, ohne jemanden zu behindern. Dirk quasselt fast ununterbrochen, aber das hat er mir bereits vorher angedroht. Trotzdem schaffen es auch Ines und ich, hin und wieder zu Wort zu kommen. Kurz vor KM 11 feuert uns die wahrscheinlich jüngste Zuschauerin aus ihrem Kinderwagen an. „Warum sitzt du denn im Schatten, genieße doch die Sonne“, meint Dirk. Uns gefällt das Wetter sehr, die Sonne wärmt jetzt deutlich spürbar und ermuntert zu flottem Lauf und manchmal muss mich Dirk bremsen. Als mein persönlicher Bremsläufer hat er sich das bestellte Bier in Gisselberg redlich verdient.  Es liegen ja auch schon liegen 20 km hinter uns. 

Ines bleibt erst einmal zurück, während Dirk und ich im bisherigen Tempo weiter laufen. Nach knapp 2 Stunden überqueren wird die Halbmarathonmarke. Dirk ist sich sehr sicher, dass wir es heute locker unter 4 Stunden schaffen werden. Bei mir kommen da schon erste Zweifel auf. Obwohl, durch unsere Unterhaltung neige ich immer noch zu höherem Tempo und Dirk muss mich bremsen. Vielleicht geht ja doch noch was, denn die nächsten Kilometer fallen mir noch immer leicht. An den Verpflegungspunkten bekomme ich via Cola weiteren Schub. 

Schon laufen wir hinter Gisselberg in Richtung Marburg zurück. Die hier fast gerade nach Norden führende Strecke gereicht mir jetzt allerdings nicht mehr zum Vorteil, denn der Wind aus der gleichen Richtung hat zugenommen. Quatschen geht aber noch, das hält meine Motivation derweil noch hoch.

Km 28 ist erreicht, am Ufer der Lahn warten bereits Nikita und Silke. Das obligatorische „wie geht´s“ kann ich jetzt nur noch nur mit „bescheiden“ beantworten. Jetzt muss Dirk mich ziehen. Ohne ihn würde ich bestimmt die ersten Gehpausen einlegen. Die anschließende Verpflegungsstation nutze ich entsprechend ausgiebig und Dirk verschwindet langsam in der Ferne. 

Auch die nächsten 2,5 KM komme ich nicht richtig in Schwung. Dann unterlaufe ich zum vorletzen Mal die B3 und nach einem Schwenk nach Norden habe ich wieder deutlichen  Gegenwind. Gut, dass kurz vor derVerpflegungsstation in Marburg-Cappel Ines wieder auf mich aufläuft. Ihrem gleichmäßigen, ruhigen Lauf kann ich mich gut anschließen und so nehmen wir die kommenden Kilometer gemeinsam unter die Füße. Das angenehme Gespräch lenkt zusätzlich ab und nach der der letzten Erfrischung in Gisselburg geht es letztmals zurück nach Norden. 

Der Wind hat weiter aufgefrischt und bläßt uns direkt entgegen. Zu viel für mich, so daß ich Ines nach etwas mehr als 38 km ziehen lassen muss. Auf den  letzten Kilometern wechseln bei mir Laufen und Gehen. Von hinten kommen vereinzelt Läufer, deren Tempo mir wie von einem anderen Stern vorkommt. Den Versuch, mich dranzuhängen, wage ich nicht. 

Weit ist es ja nicht mehr und schon habe ich die Lahn ein letztes Mal überquert, nur noch einmal rechts herum und ich darf die Brücke unterquerend der Lahn ein wenig weiter nach Norden folgen, um die 42,2 KM voll zu bekommen. Hier ist es nun ziemlich einsam. Erst auf der abschließenden Begegnungsstrecke kommt mir Ines entgegen. Sie liegt  etwa einen KM vor mir. 

 

 

Nach der Wende dauert es erst noch ein wenig, bis mir der erste Läufer entgegen kommt. Einen weiteren Platz verlieren werde ich jetzt wohl nicht mehr. Ich muß nur zusehen, am Laufen zu bleiben. Habe ich überhaupt noch Lust dazu? Ich unterquere die Lahnbrücke und sehe den Zielbogen im strahlenden Sonnenschein. Die letzten Meter muß man doch genießen. Aber im Ziel warten bereits Horst, Dirk, Nikita und Silke und feuern mich an. Was bleibt mir da anderes übrig, als einen Zielsprint zu versuchen. So erreiche ich das Ziel wenigstens laufend und vor allem glücklich.

Eine weitere schöne Marathonerfahrung liegt hinter mir, wobei mir gerade heute wieder bewußt wird, dass dies nicht selbstverständlich ist. Denn ich denke noch einmal an Peter, der seinen Lauf 10 KM heute nach etwas mehr als einer Stunde erfolgreich beendet hat. 

 
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Siegerliste

 

Marathon

Männer

1 Thorsten Herrig    Ajax Marburg 2:50:31    
2 Frank Hardenack    Neuenkleusheim    2:53:45        
3 Patrick Vandebeek Al Bertem - Knoet 2:57:26    

Frauen
1 Petra Tamme    *Gießen    3:47:10    
2 Susanne Hein    LG Kindelsberg Kreuztal     3:47:37    
3 Ewa Szczeblewski kassel 4:02:06    

82 Finisher

 

50 km

Männer

1 Kay-Uwe Müller TSG Schwäbisch Hall    3:13:27    
2 Christoph Lux    TG Viktoria Augsburg 3:19:39        
3 Frank Wiegand    Passtschon98 3:29:21        


Frauen

1 Branka Hajek    LAZ Salamander Ludwigsburg 3:46:24    
2 Jane Skov    *Esbjerg 4:17:40        
3 Renate Seidel    *Eppstein 4:19:38    

134 Finisher

 

Informationen: Lahntallauf
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