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Laufberichte

Sport und Romantik

 

Ich müsste einmal zählen, wie oft ich schon in Füssen beim Marathon teilgenommen habe. Ich denke, das sechste Mal wird es sein.

Die 13. Ausgabe steht in diesem Jahr an. Denkt nicht an die Zahl als (Un-)Glücksbringer, sondern genießt den Marathonsonntag, für den Petrus allerbestes Wetter mitbringen wird. Keinerlei Gewitterneigung, kein Tief weit und breit, nur superstabiles Wetter. Und gegen die Hitze nimmt man dann das Tempo heraus, nutzt die V-Stellen besser, schraubt seine Zeit nach unten und wird zum Genussläufer.

 

Vor dem Start

 

Wer allerdings der Vortag verbringt so wie ich, ist selber schuld, braucht es nicht anders oder ist vielleicht schmerzfrei. Denn ein Cousin hat am Marathonsonntag Geburtstag und feiert hinein. Was für mich bedeutet, nach Mitternacht anstoßen, vorher den Ranzen vollhauen, der eine oder andere Kurze, gut zwei Stunden Fahrt und wenn man eine gute Stunde vor dem Start um 07.30 Uhr vor Ort sein will, bleiben drei Stunden unruhige Schnarcherei übrig. Zumindest verschläft es sich da nicht.

 
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Die Startzeit wird sicher den einen oder anderen aufstoßen, aber im Sommer bedeutet jedes Stündchen, das wir eher auf die Strecke gehen, eine Stunde weniger Hitze erleiden. Somit haben die Hitzebestimmungen der Leichtathletikverbände schon Sinn. Es ist eine Empfehlung, die Langstrecken spätestens bis 08.00 Uhr starten zu lassen.

Das Start- und Zielgelände wurde bereits vor längerer Zeit auf den kostenpflichtigen Morisse-Parkplatz an der Kemptener Straße unweit der Innenstadt verlegt. Parkplätze sind genug vorhanden, das Festzelt mit der Anmeldung und einer kleinen Läufermesse ist daneben. Die Kleiderablage sowie die Massagen werden hier eingerichtet.

Meine Unterlagen bekomme ich in Sekundenschnelle. Startnummer, weißes Funktionsshirt, ein wenig Werbung und ein Essensgutschein, den man noch am Renntag einlösen kann, sind in der Starttüte beisammen. Wobei man als Starttüte nicht irgendeine Plastiktüte verwendet, sondern gleich für die Stadt und Region wirbt. 

Seit einigen Jahren findet jetzt hier das Füssener Laufwochenende statt. Am Samstag gibt es Halbmarathon, Citylauf über zehn Kilometer sowie einen Kinderlauf. Rund 1500 Meldungen zu den verschiedenen Distanzen verzeichnet das Sportstudio Füssen mit seinem Chef Herbert Hiemer. Der Marathon bringt natürlich das stärkste Feld an den Start.

Zögerlich begeben sich die Läufer in den Startbereich. Die Teilnehmer der Deaflympics werden vorgestellt und kommen so natürlich in den Focus der Pressefritzen (wie bei mir). Es sollen da auch einige Kenianer dabei sein, die eine 2.12 als PB aufbieten. Ich bin schon gespannt, mit welcher Zeit der Sieg heute an den Mann und an die Frau gehen wird.

 

Erste Kilometer in Füssen

 

In den letzten Minuten erhalten wir vom Moderator Tipps, wie wir mit der Hitze umgehen sollen. Auch Marco Diehl, der Dauerstarter auf hohem Niveau mit vielen Zeiten um die 2.40 Stunden, appelliert für ein ausgiebiges Trinken und für eine Kühlung des Kopfes mit Wasser. Dann sucht man noch einen Vertreter aus der politischen Schiene für den Startschuss. Doch keiner ist anwesend, es ist ja auch für diese Spezies noch ein wenig früh. Man ruft nach dem Herbert Hiemer, der im Sprint (vielleicht sein einziges Läufchen heute) an die Startlinie kommt, die Pistole ergreift und uns auf die Sekunde pünktlich um halb acht auf die Strecke schießt.

 
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Nach etwa zehn Sekunden bin ich über die Startlinie hinweg und freue mich auf ein Lauferlebnis erster Güte im Ostallgäu. Die Stadt Füssen hat heute rund 15000 Einwohner, sie liegt auf 808 Meter Seehöhe und ist damit Bayerns höchstgelegene Stadt. Wenn wir das eigenartige Stadtwappen anschauen, in Gold mit drei Füssen, kann man eine Linie zum früheren Namen Foetibus, dem römischen Militärlager an dieser Stelle, verfolgen. Der Ort lag strategisch und wirtschaftlich günstig an der Via Claudia Augusta, der Römerstraße von Augsburg nach Norditalien.

Wir rennen wenige Augenblicke in der Altstadt und biegen dann auf die breite Augsburger Straße ein, die für uns vollständig gesperrt ist. Das Hohe Schloss über der Altstadt wurde zum Ende des 15 Jahrhunderts von den Augsburger Fürstbischöfen erbaut. Untergebracht sind heute dort eine Filiale der Bayerischen Staatsgemäldesammlung sowie die Städtische Gemäldegalerie. Sehenswert ist auch die Kassettendecke des Rittersaals. Ein Besuch würde lohnen. Während wir im Stadtbereich noch viel Schatten haben, liegt das Hohe Schloss bereits im gleißenden Licht.

Natürlich habe ich mir wieder einen Plan ausgedacht, wie ich den Marathonlauf „lebendig“ gestalte. Wie in den letzten Jahren geben einige Zeitläufer den Zeittakt im Bereich von 3.30 Stunden bis 4.30 Stunden vor. Und da Streckenbilder mit Aktiven interessanter sind, schließe ich mich dem Günther Weitzer an, der eine möglichst große Mannschaft in 3.45 Stunden ins Ziel bringen will. Wenn mir das im Fortgang zu schnell oder zu langsam wird, kann ich mich abhängen lassen oder nach vorne abhauen.

Schon fast am Stadtrand ist die Feldkirche St. Ulrich und Afra linkerhand zu sehen. Das Gotteshaus wurde 1724/1725 erbaut. Ein paar Meter später rennen wir in Sichtweite zu Herberts Arbeitsstätte, dem Füssener Sportstudio vorbei. In den Anfangsjahren wurde hier das Rennen mit Ausgabe der Nummern und Siegerehrung organisiert. Später wich man wegen der beengten Verhältnisse zur Morisse an der Altstadt aus. 

Am Kreisverkehr verlassen wir die Bundesstraße 16 nach links, die Landstraße führt nach Hopfen am See. Wir werden auf den parallelen Radweg eingewiesen. Das Feld hat sich schon ein wenig sortiert, die Breite des Asphaltweges reicht vollkommen. Bei Eschach verlassen wir  den Radweg, es geht kurzzeitig bergab hinunter in die Wiesen.

 

Rund um den Hopfensee

 

An der ersten V-Stelle wird schon eifrig nach Wasser und Iso gegriffen. Alle vier bis fünf Kilometer können wir uns versorgen. Später stehen Bananen, Riegel und Cola im Angebot. Auch sind in der zweiten Hälfte dazwischen zusätzliche Wasserstellen eingerichtet. Verdursten und Verhungern braucht da keiner. Die ersten Läufer schöpfen an der Wasserwanne schon mit den Händen oder mit der Mütze das Wasser. Abkühlung! Und damit die Helfer ihre Stimmen schonen, haben diese Schilder umhängen. Dass mir da ja keiner diese mit Herr Iso oder Frau Wasser anredet.

 
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Der befestigte Wanderweg rund um den Hopfensee ist nicht ganz eben, denn einige Bodenwurzeln und Steine stellen eine Stolperstelle dar und sorgen für etwas Trailcharakter. Knapp sieben Kilometer misst der Umfang des Hopfensees, der mit zehn Metern Wassertiefe relativ flach ist. Entstanden ist er während der Würmeiszeit durch den Lechtalgletscher. Während das Südufer verschilft ist, ist der nordöstliche Teil voll erschlossen.

Bei meinem letzten Start vor drei Jahren war der Wasserstand des Sees gering höher, was für eine Überschwemmung des Uferrundweges an einigen Stellen sorgte. Heute ist der Untergrund fest und trocken. Nur wer vielleicht für ein kleines Geschäft in die Wiese tritt oder im Schilf verschwindet, könnte sich nasse Füße holen.

Kilometer 10. Hopfen am See, der Ort gehört zu Füssen. Touristen und Urlauber prägen den Luft- und Kneippkurort. Einige davon machen gerade ihre Schwimmübungen im warmen Wasser des Hopfensees. Bereits 1172 wurde der Ort als „de Hophen“ urkundlich erwähnt. Die Gruppe der Alphornbläser hat gerade Pause eingelegt, aber schon ein paar Augenblicke später höre ich sie wieder beim Musizieren.

Wir laufen im Uferbereich des Sees durch Fischerbichl und münden dann später wieder auf den vorher schon belaufenen Uferweg. Bei der weiteren Schleife durch Wiesen holen wir Kilometer, denn am Ende geht es nicht mehr Richtung Mitter- und Alatsee wie vor Jahren. Der Rückweg nach Füssen ist zuerst ansteigend bis zur Landstraße und dann gefällig bis zum Füssener Stadtrand.

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Informationen: Königsschlösser-Romantikmarathon
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