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Laufberichte

Königlicher Kurzurlaub

22.07.07

Diesen Sommer fahre ich nicht in den Urlaub. Als Ersatz hatte ich mir den Zermatt Marathon  eingeplant, den ich nicht gegen eine Woche Mallorca getauscht hätte. Leider war dieser Tag schnell vorbei und die imposante, majestätische Kulisse, vor welcher der Lauf stattfand, prägte sich so ein, dass ich Lust auf mehr bekam.
Da passte es geradezu ideal, dass am 22. Juli in Füssen der 7. König-Ludwig –Marathon stattfand. Die Zerrung im Wadenansatz, die mich den Berg hinauf begleitet hatte, war abgeklungen; die Schonung – nur ein Trainingsrun und drei lockere Footings – hat alles wieder ins Lot gebracht.

Am Samstagabend setzte ich mich in unsere Familienkutsche - nachdem ich die Sitze ausgebaut und eine Matratze hineingepackt hatte – und machte mich auf den Weg ins Allgäu.

Kaum war ich abgefahren, befand ich mich im Schritttempo auf dem Weg durch eine Wasserwand. War dies die Anreise zu einem Tauchgang oder zu einer Laufveranstaltung? Unterwegs keimte mit abnehmender Regenmenge die Hoffnung auf eine reguläre Durchführung des Laufes, bevor kurz vor Ankunft meine Vorstellungen wieder weggespült wurden.

Nach meiner Ankunft beim Sportstudio Füssen, beruhigte sich nicht nur das Wetter. Ich konnte einen Augenschein nehmen, wo ich mich am Sonntagmorgen um 06.00 Uhr zur Nachmeldung einzufinden habe und parkte dann nebenan vor einem Elektronik-Fachgeschäft, vor welchem schon zahlreiche Motorhomes und Camper standen. Mit der Nachtruhe wollte es nicht so klappen. Als die italienischen Nachbarn sich endlich in die Kojen warfen, dröhnte von weit her der stampfende Beat einer Diskothek. Als die dort endlich den Stecker zogen, wurde der Parkplatz zu einer Szenerie, die einer Talkshow im Privaten locker das Wasser hätte reichen können, und ich konnte mitverfolgen, wie ein leicht verzweifelter junger Mann nicht verstehen konnte, dass seine Herzdame nicht über den Beziehungsknatsch reden wollte, jetzt, wo er doch endlich dazu bereit gewesen wäre. Die Müdigkeit war dann doch stärker und ich verpasste die weitere Entwicklung dieser Beziehungskiste.

Dass noch etwas anderes den Bach runter gehen könnte, befürchtete ich, als mich wenig später ein leichtes Pochen weckte, welches nach kurzer Zeit von einem Klopfen abgelöst wurde, bevor es sich in ein gleichmäßiges Trommeln verwandelte. Ich fragte mich um 04.00 Uhr, wie um alles in der Welt ich auf die Idee gekommen war, an diesen Marathon zu fahren, dazu noch bei diesen trüben Wettervorhersagen…?

Der prasselnde Regen versetzte mich für eine gute Stunde nochmals in einen Dämmerschlaf, bevor ich mich in die Laufklamotten warf und zur Nachmeldung und Morgentoilette ins Sportstudio ging. Anschließend fuhr ich die kurze Strecke Richtung Innenstadt, wo es um diese Uhrzeit sogar noch gebührenfreie Parkplätze gab.

Nachdem ich meinen Bauch innen mit Power-Porridge ausgekleidet und außen mit der Startnummer geschmückt hatte, konnte ich mich zum Startgebiet begeben. Die Dixi-Klos, welche irgendwo in den Startunterlagen erwähnt waren, konnte ich beim besten Willen nicht finden, daran hätte sich auch dann nichts geändert, wenn die Brille, an welcher Fielmann gerade werkelt, schon letzte Woche ausgeliefert worden wäre. Nicht ein neuer Sehkraftverstärker hätte mein Problem gelöst, sondern ein Quäntchen Ortskenntnis. So mutierte meine Suche nach einem Klo zu einer ungewollten Aufwärmrunde, welche mir gleichzeitig einen mentalen Vorteil verschaffte: Ich sah, dass mit Rollerqualitäten auf dem letzten Kilometer noch ein schöner Schlussspurt möglich war. Klo fand ich keines, aber um diese Uhrzeit machte mir auch noch kein Hund den Baumstamm am Waldrand streitig…

Meine kleine ungeplante Exkursion hatte die Nebenwirkung, dass sich schon das gesamte Läuferfeld in den Startblock eingereiht hatte und mir einen Platz ziemlich weit hinten übrig ließ. „Kein Problem“, dachte ich, „schließlich laufen wir mit einem Transponder, der die Nettozeit misst“. „Trugschluss“, merkte ich, als ich beim Überqueren der Startlinie keine Zeitmesseinrichtung ausmachen konnte, mir die Uhr aber deutlich anzeigte, dass ich schon fast eine Minute vergeigt hatte. Was soll’s? Immerhin hat es zeitgleich mit dem Startschuss zu regnen aufgehört, das war mir wichtiger.

Ich suchte mein Tempo und den Anschluss an die Läufer zu finden, die ungefähr mein Tempo liefen. Mein Gefühl sagte mir, dass bei diesen mittlerweile idealen Wetterverhältnissen – und wenn mein Wadenmuskel mitspielt – ein Zeit von unter 3:40’ im Bereich des Möglichen liegt. Nach wenigen Kilometern schloss ich zu einer Gruppe um einen Pacemaker (über dessen Einsatz ich nicht unterrichtet war) auf, die die 3:30’ anstrebte. Bestaunt von wiederkäuenden und muhenden Zuschauern liefen wir die Schleife um den Hopfensee und versuchten, den zahlreichen Pfützen auf dem Naturweg auszuweichen. Der gute König Ludwig hätte Freude gehabt an den künstlerischen Balletteinlagen, die beim Überhüpfen dieser Wasserlöcher geboten wurden. In dieser Gruppe hätten wir uns dafür auch Noten gegeben, was wir aber in Anbetracht der Tatsache, dass sie uns nicht als Zeitbonifikation angerechnet würden, bleiben ließen.

Mit der Zeit war mir diese Gruppe einen Tick zu langsam. Ich kenne mich mittlerweile gut genug um zu wissen, dass ich in der ersten Hälfte optimiert laufen muss und nichts verschenken darf, weil ich auf dem letzten Viertel so oder so müde Muskeln habe und langsamer werde.  Und weil der Streckenabschnitt dafür geeignet war, zog ich ein bisschen an. Mittlerweile war die Laufrichtung so, dass das Schloss Neuschwanstein in der Ferne zu sehen war. Mit der Schleife dem Foggensee entlang dauerte es aber nochmals zehn Kilometer, bis ich zum ersten Mal in meinem Leben dieses Kunstwerk von nahe sah.

Als dann auch Hohenschwangau dem Blick entschwand, führte die Strecke auf lauschigen Wegen auf die letzten 10 Kilometer. Hier gab es da und dort auch Zuschauer die nicht muhten und wiederkäuten.

Im Schlussanstieg schloss die 3.30’er-Gruppe wieder zu mir auf und zog an mir vorbei. Da ich Dussel mit einer Fehlmanipulation meine Uhr gestoppt hatte und die Uhrzeit ohne Brille nicht lesen konnte (im Stoppuhr-Modus ist die Uhrzeit nur in Miniaturziffern dargestellt), wusste ich nicht genau, wie ich zeitlich unterwegs war. Immerhin hatte ich die Hoffnung, dass der Anführer dieser Gruppe die Sache mit der angepeilten Schlusszeit im Griff hat, und freute mich, dass ich die angestrebte Zeit erreichen und vermutlich sogar meine zweitbeste Zeit laufen würde. Das Überholmanöver der anderen gab mir nochmals Schub. Auch wenn ich nicht mehr ganz mithalten konnte, so behielt ich die anderen Läufer noch eine Weile im Blickfeld und wusste dann, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis ich zum Ziel rollen kann.

Beim Einbiegen in die Zielgasse, wo die letzten 200 m zu bewältigen waren, wurde ich noch richtig angefeuert. Mein Schlussspurt wurde noch etwas schneller, als ich die Uhr über dem Zielbogen lesen konnte und ich realisierte, dass ich es auf dem letzten Drücker nicht nur zu meiner zweitbesten Zeit schaffen, sondern sogar die ominöse Grenze von 3:30’ unterbieten kann.
Auf dem Finisherfoto erkennt man meinen entsprechend freudigen Gesichtsausdruck. Und die Rangliste hat mir heute recht gegeben. Als hundertster Teilnehmer überhaupt habe ich die Ziellinie in genau 3:29’58’’ überquert. Knapp, aber es hat gereicht – das war schon beim Abi so…

Da der Hauptharst der Läuferinnen und Läufer nach mir ins Ziel kam, konnte ich nach dem Duschen den Massagedienst ohne lange Wartezeit in Anspruch nehmen, was die Regeneration so positiv beeinflusste, dass ich es mir nicht nehmen ließ, heute Abend am Lauftreff teilzunehmen und Fragen nach meinem geistigen Zustand zu beantworten. („Danke der Nachfrage, es geht mir nach zwei Marathons innerhalb von fünfzehn Tagen prima...!“)

Die Nudeln, die uns nach dem Lauf noch angeboten wurden, waren von irgendwelchen gastronomischen Sternen zwar ein Stück entfernt, immerhin verhinderten sie, dass ich nur noch Sterne sah. Ich konnte also verpflegt, geduscht und massiert die Heimreise antreten und bei Sonnenschein die schöne Allgäuer Landschaft genießen.

Es war eine weitere Rate eines wirklich schönen Sommerurlaubs…

 

Informationen: Königsschlösser-Romantikmarathon
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