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Laufberichte

Geschichte und Geschichten

25.02.12

Es ist schon erstaunlich, wie die Zeit vergeht und was sich in der Zwischenzeit alles ändert, was aber auch Bestand hat. Ich erinnere mich zum Beispiel noch ganz gut an die ersten Marathons entlang der Kieler Förde. Damals kam Veranstalter Karl-Gustav (genannt: K-G) Nyström per Stena-Fähre aus Göteborg angereist, um direkt vom Stena-Kai aus mit je einem Pendelstück gen Norden und gen Süden die ersten „Schweden-Marathons“ in Kiel zu veranstalten. Damals waren wir deutschen Laufteilnehmer eindeutig in der Minderheit.

In den ersten Jahren fand dieser Marathon stets Anfang Februar statt, nämlich am Tag nach dem Midwinter Marathon von Apeldoorn, also gleichzeitig mit dem in Bad Füssing. Ich weiß noch, wie ich einmal samstags in Apeldoorn auf der zweiten kürzeren Schleife böse einbrach, deutlich über vier Stunden ins Ziel kam, und dann am Sonntag in Kiel wieder sauber „sub 4“ blieb. Eine Zeitlang gab es den Schweden-Marathon dann sogar als Doppeldecker, also mit je einem Lauf am Samstag und Sonntag.

Damals gab es auch Geschichten, dass manche schwedische Läufer schon auf dem Hinweg per Schiff reichlich steuerfreie Spirituosen als „Frostschutz“ oder Mutmacher eingesetzt hatten und nach dem Lauf nahtlos dazu übergingen, den erfolgreichen Lauf zu feiern oder den verkorksten Lauf in weiterem Alkohol zu ertränken. Manchen sollten auch das ganze Wochenende nicht nüchtern gewesen sein… Selbst wenn einige dieser Geschichten wahr gewesen sein sollten, so hat  sich die Geschichte wenigstens in diesem Punkt radikal geändert.

Später holte K-G, der bis dato die gesamte Veranstaltungsausrüstung per Schiff mitbrachte, den Kieler Lauftreff „Powerschnecken“ mit ins Boot, wobei die Kieler zunächst nur die Helferrolle übernahmen, sich dann aber schnell als Verein und kurz danach als Co-Veranstalter bzw. als alleiniger Veranstalter etablierten.
Für beide Seiten – den „famila Kiel Marathon“ und die „LG POWER-Schnecken Kiel e.V.“ – war dies zweifelsfrei eine sehr glückliche, symbiotische Beziehung. Erst durch sie konnte sich der Lauf zu dem entwickeln, was er heute ist: ein Klassiker mit 10-km-, Halbmarathon- und Marathon-Distanz, inzwischen seit vielen, vielen Jahren stets am letzten Februar-Samstag, der vielen norddeutschen wie skandinavischen Läufern als erster Formtest in der noch jungen Saison dient und häufig schon lange vor dem offiziellen Meldeschluss ausgebucht ist. Nach wie vor stellen die Schweden die größte ausländische Gruppe. So kamen 2012 allein 95 Teilnehmer über die schwedische Laufreisegruppe „Marathonguiderna“ nach Kiel.

Die Laufstrecke, die in den Anfangsjahren unter K-G nach Süden um die Hörn (= das Förde-Ende) herum und ein Stück das Ostufer der Förde entlang zog und deren nördlicher Wendepunkt auch schon mal weiter entfernt von der Förde lag, bekam mit den Jahren zwar einen neuen Start-/Ziel-Punkt (vorher war es der Stena-Anleger, jetzt rund einen Kilometer weiter nördlich der Cruise Terminal Ostseekai), hat sich ansonsten aber nicht weiter verändert bzw. auch nicht verändern können: Sie führt ganz einfach immer so dicht wie nur möglich entlang des Westufers der Kieler Förde, entlang der verschiedenen Fährterminals, am Aquarium mit dem außen vorgelagerten Seehund-Becken, am Stützpunkt der Wasserschutzpolizei, an Ministerien, dem Landtag Schleswig-Holsteins vorbei zum Sanitätsbereichskommando, biegt auf Höhe des Marinehafens leicht landeinwärts, umrundet mit einer minimalen Steigung den inzwischen zum Museum umgestalteten Flandern-Bunker und führt nach dieser Wendeschleife (bei km 4-5) wieder auf gleicher Route zurück…

Unterwegs haben die Läufer dreimal Gelegenheit, an den sehr aufmerksam betreuten Verpflegungspunkten nachzutanken. Man merkt den gastgebenden Powerschnecken ihre Routine – immerhin war es heuer bereits der 18. famila Kiel Marathon (!) – an: Jedes Detail zeichnet sich durch unaufgeregte Zweckmäßigkeit aus. Nichts wirkt übertrieben. Dafür sich die Helfer, selbst wohl alle ebenfalls aktive Läufer, sehr freundlich und voll bei der Sache.

Da dieser Lauf – neben einigen von weiter her angereisten Tagesgästen – von „Wiederholungstätern“ lebt, kennt man sich inzwischen. Und ansonsten sorgen die Vornamen unten auf den Startnummern dafür, dass man sich rasch kennen lernt…

 
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Nachdem ich 2010 keinen Startplatz mehr bekam und 2011 in Bad Salzuflen lief, war 2012 unbedingt mal wieder der Kiel-Marathon an der Reihe. Diesmal hatte ich mir auch sehr (!) frühzeitig meinen Startplatz gesichert.

Leider fiel meine gewohnte Laufclique aus den unterschiedlichsten Gründen aus – Christine Schroeder würde erst am Folgetag mit ihrem Mann von einem Malediven-Urlaub zurückkehren; Günter Heyer, unser Lokalmatador und „Kaleu“, befindet sich auf Florida-Reise; Peter Wieneke hatte kurzfristig vor dem Lauf gesundheitliche Probleme, die er vor einem neuen Start erst einmal abklären lässt, so dass ich notgedrungen diesmal als „Solist“ in Kiel laufen musste. Als neuer Mitfahrer ab Hamburg bot sich zwar Joachim Neuhaus an, doch der läuft deutlich schneller, als ich derzeit kann…

Joachim und ich trafen uns kurz nach acht Uhr am U-Bahnhof Langenhorn-Markt. Da die Autobahn frei war, erreichten wir keine Stunde später bereits das Cruise Terminal Ostseekai. Erfreuliche Neuerung: Inzwischen ist die Nutzung des riesigen Parkplatzes für die Laufteilnehmer und ihre Begleiter kostenfrei. (Das war 2009 noch nicht so.) Vom Parkplatz aus hatten wir nur wenige Meter ins Terminalgebäude, wo bereits – rund 80 Minuten vor dem Marathonstart – dichter Trubel herrschte.

Die Startunterlagenausgabe klappte wie immer vorzüglich. Allerdings waren die Toilettenkapazitäten wie immer viel zu knapp, was die Läufer/innen jedoch mit der nötigen Gelassenheit tolerierten. Man kennt dies, ist halt nicht zum ersten Mal hier…

Wer mochte, konnte noch an einem Verpflegungsstand in der Halle in Ruhe frühstücken (der frische Kaffee roch zu lecker, allerdings hatte ich gerade genug davon aus meiner Thermoskanne intus), konnte Laufandenken (wie T-Shirts und Startnummernbänder) oder am Verkaufsstand des zweiten Hauptsponsors, Zippel’s Läuferwelt, weiteres Equipment (wie Schuhe) erwerben.

Nachdem um 10.00 Uhr die 10-km-Läufer gestartet waren, lichtete sich das gedränge spürbar, und um 10.20 Uhr waren auch wir Marathonläufer endlich dran. (Die „Halben“ sollten um 11.15 Uhr folgen.)

 
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Moderator Hans-Erich Jungnickel, selbst früher erfolgreicher Marathonläufer mit einer PB um 2.22 h herum, begleitete uns vor dem Lauf in der Halle, beim Start draußen und während des Rennens jeweils beim Passieren der Start-/Ziel-Region, also pro „Runde“ zweimal, gewohnt fachkundig. Seine Prognose der Siegerzeit, nämlich eine 2.45 h, traf übrigens auch punktgenau zu!

Gleich nach dem Startsignal setzte sich der Pulk der rund 250 Marathonis zügig gen Norden in Bewegung. Nach rund 500 Metern auf Straße und Fuß-/Radweg hatten wir das Gelände „unseres“ Terminals passiert und konnten nach halbrechts auf den plattierten breiten Fußweg direkt am Fördeufer abbiegen, dem wir – vorbei am Aquarium, diversen Segelclubs, dem Landtagsgebäude und Ministerien – rund 2 km lang folgten, ehe der Kurs geradeaus in die Straße Hindenburgufer überging. Hier hatten wir die komplette Straße für uns, liefen wir vorbei am Sanitätsbereichskommando sowie diversen weiteren Marinedienststellen, passierten kurz vor km 4 den Marinehafen, ehe die Strecke leicht ansteigend in die Wendeschleife um den Flandern-Bunker einmündete.
Bei km 4,2 waren die Wende und zugleich der höchste Streckenpunkt erreicht, wenige Meter später dann auf dem Rückweg der erste Verpflegungspunkt. Hier gab es warmen Tee und Wasser, ab der dritten Runde auch Cola. (Das feste Verpflegungsangebot kann ich nicht beurteilen, weil ich es nicht brauchte und daher nicht sichtete.)

Nun ging es auf demselben Weg wieder „heimwärts“. Bei etwa km 8,4 passierten wir den Startbereich und Moderator Jungnickel, liefen weitere ca. 1,1 km nach Süden, am Stena-Kai mit dem alten Startbereich vorbei bis zum Wendepunkt und nun von Süden wieder zurück zum Rundenende. Rund 150 Meter vor diesem kamen wir hin- wie rückzu am zweiten VP vorbei, so dass wir uns pro Runde also dreimal verpflegen konnten.

Während der ersten Runde wurde ich nach meiner Startposition im Mittelfeld schon während der ersten 1500 Meter ziemlich durchgereicht bis fast ans Ende des Läuferfeldes. Etwa bei km 2 überholte ich dann einen Läufer, der ab Runde 2 ganz erheblich zurückfiel und später nicht mehr gesehen wurde, offenbar also ausfiel.

Von km 1,5 bis 6 begleitete mich mein Freund Hans Drexler aka „Schneggi“ (= Kurzform von „Powerschnecke“, er hieß schon so vor dem veranstaltenden Club!), der sich dann jedoch absetzte und am Ende rund eine halbe Stunde Vorsprung erkämpfte – eine schöne „Revanche“ für Kevelaer, wo er rund eine Viertelstunde nach mir im Ziel war.

Auf dem Rückweg in Runde 1 lief ich geradezu in das entgegenkommende Feld der Halbmarathonläufer, die derart breit ausfächerten, dass ich ihnen mittenmang entgegenlief. Es war schon hochinteressant, die Gesichter zu beobachten, wenn mich diese Läufer wahrnahmen und sie schnell eine kleine Gasse bildeten! Leider war es zu gefährlich, diese Momente auch noch zu fotografieren.

Ansonsten war es auf dieser Doppelwendepunktstrecke überaus kurzweilig: Man konnte in Ruhe die Veränderungen im Klassement beobachten. So belegten die Läufer des Ljusdal RC aus Schweden nach der ersten Wendeschleife die Plätze 4, 5, 8 und 10, im Ziel dann 4, 6, 11 und 23.

Hinter dem dominierenden Norweger Anton Saba (Team Knut Ödetorp), der in 2.45.34 h überlegen gewann, hatte sich ein Duo gebildet, bestehend aus Volker Schmitz (LG Elmshorn) und Peter Massny (TSV Neustadt in Holstein). Bis in die dritte Runde hinein liefen beide etwa gleichauf, hatten sie auch noch Sichtkontakt zum Norweger, der dann jedoch mehr und mehr enteilte.

Umgekehrt konnte sich nun in der dritten Runde Volker Schmitz von Peter Massny lösen, der jedoch nie mehr als rund 30-45 Sekunden Rückstand aufwies und zum Schluss seinerseits vom Schweden Andreas Öberg (Ljusdal RC) gejagt wurde. Am Ende erreichte Volker Schmitz, der bei km 23 eine 2.55er Zielzeit prognostiziert hatte, in 2.53.53 h Rang 2, Peter Massny in 2.54.16 h Rang 3 und Andreas Öberg in 2.54.41 h Rang 4. Michael Herrling (TriAs Flensburg) verpasste als Fünfter in 3.00.16 h knapp die 3-Stunden-Marke.

Bereits auf Gesamtrang 9 kam Bianca Stanienda (SVE Hiddestorf) als Frauensiegerin ins Ziel. In 3.07.42 h hatte sie auf die zweite Frau, die Schwedin Maria Molin (Ljusdals RC, 3.32.31 h), fast 25 Minuten Vorsprung, war also noch überlegener als der norwegische Gesamtsieger.

Ein nettes Erlebnis hatte ich dann noch 3,5 km vor Ende meiner 3. Runde. Als mich nacheinander zwei Frauen überrundeten und die hintere der beide eine kleine Gehpause einlegte, fragte ich sie, welchen Frauenrang sie gerade belegte. Sie meinte: „5“ (war aber 7), woraufhin ich sie „anspitzte“, dass sie die Frau in Gelb rund 150 Meter voraus doch wohl noch kriegen sollte. Daran glaube sie eigentlich nicht mehr, kam ihre Antwort. Und doch belegte Elisabeth Harrie (Uni Innsbruck) dann in 3.51.02 h Rang 6 vor Monika Schulze (TSV Ladelund, 3.52.53 h). Motivation ist eben alles, auch wenn man sie „aufgedrängt“ bekommt…!

Kurz vor diesem kurzen Motivationskontakt hatte Joe  mir seine Form der Laufmotivation präsentiert: Er hatte sich gerade – bei km 2 in seiner Schlussrunde – in einem Pavillon zwei Pappbecher Bier geholt, die ihm für die letzten 8 km Kraft geben sollten. Wer ihn kennt, weiß, dass dies bei ihm auch funktioniert. (Was mich wunderte, war die Tatsache, dass er erst so spät darauf kam. Vielleicht hatte ich dieses individuelle Nachtanken aber auch in den Vorrunden nur nicht gesehen.) Im Ziel zeigte die Digitaluhr für Joe dann eine 4.29.51 h an.

Ansonsten war es nett, immer wieder bekannte Läufer zu treffen, zu sehen, wie sie einander jagten und ihre Positionsspielchen ausfochten. Außerdem war es ganz hilfreich, die zwei verbliebenen Läufer hinter mir zu „verwalten“ und zu sehen, wie sich die Rückstände zu meinen Vorderleuten in Runde 4 deutlich verkleinerten. Einen hätte ich beinahe noch eingefangen, doch bemerkte er dies leider 3 km vor dem Ziel, woraufhin er flüchtete. Offenbar war er doch nicht ganz so platt, wie er gedacht hatte und aussah…

Alles in allem war der „Powerschnecken-Marathon“, pardon: der 18. famila Kiel Marathon, eindeutig wieder ein sehr ansprechender, rundum gelungener Lauf auf einer für mich immer wieder ansprechenden und unterhaltsamen Doppelwendepunktstrecke, mit einer eingespielten, gleichwohl familiären Organisation und ohne jegliche Schwachpunkte. Und mit einem Startgeld von 20 Euro auf in einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Informationen: Kiel-Marathon
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