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Auch der 45 km-Trail ist Spitzenklasse

07.06.14

Für 2014 bekam die schon mit Kult-Status versehene K-UT Strecke mit 85 km und 3400 Höhenmetern gewissermaßen den Ritterschlag, denn sie wurde von der Deutschen Ultramarathon Vereinigung (DUV) als Austragungsort für die Deutschen Meisterschaften der DUV im Ultratrail ausgewählt. Nach der streckenmäßig recht harmlosen DM im letzten Jahr in Kempten sollte nun zur Abwechslung für die geländegängigeren Läufer eine extrem trailhaltige Strecke angeboten werden.

Obwohl ich eigentlich lieber in den Alpen laufe und gerne möglichst viele neue Strecken kennen lerne statt bei manchen Läufen mehrmals zu starten, ist der K-UT eine Ausnahme, die mich immer wieder lockt. Ich liebe Eric Tuerlings geniale Streckenführung, den Autonomie-Aspekt bei der Versorgung, die manchmal abenteuerlichen Steigungen und Gefälle, den extrem niedrige Asphalt-Anteil, die abwechslungsreiche Route und die familiäre Atmosphäre.

Da ich bei der Deutschen Meisterschaft für die Mannschaftswertung meines Vereins nicht so weit unten auf der Ergebnisliste stehen will wie sonst, beschloss ich schon vor Monaten, dass der K-UT 2014 für mich der erste Ultratrail sein soll, bei dem ich nicht ständig zum Fotografieren und Filmen stehen bleibe, sondern ausnahmsweise wirklich ergebnisorientiert laufen will. Entsprechend baute ich in die Vorbereitung viel Tempotraining ein. 

Doch manchmal kommt alles überraschend anders als geplant. Aber nun kann ich Euch wenigstens davon erzählen, dass nicht nur die 85 km Strecke, sondern auch die Runde des 45 km Marathon-Trail mit 1900 Höhenmetern für konditionsstarke Trailrunner ein echter Hammer ist. Wer glaubt, „nur“ 45 km wären ein harmloser Spaß, der kennt die Trails nicht, mit denen Eric Tuerlings uns erfreut. Auch auf der 45 km Distanz erreicht man alle Streckenabschnitte, die mir bei meinen bisherigen K-UT Teilnahmen am besten gefallen haben. Kein Vergleich zu anderen sogenannten Trail-Marathons, die eher nette Landschaftsläufe statt echte Trail-Runs sind! Gegen diese Runde sind sogar Jungfrau- oder Zermatt-Marathon harmlose Kinderspiele. 

 

 
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Das kleine Dorf Reichweiler liegt zwischen Kaiserslautern und Trier direkt neben einer Autobahnausfahrt. Wegen dem in diesem Jahr verdoppelten Teilnehmerlimit wurde das Start/Zielgelände zum Dorfgemeinschaftshaus verlegt. Die 230 Plätze für den Ultra sind längst ausgebucht, beim  Marathon-Trail wird das Limit von 100 nicht ganz erreicht, außerdem steht noch ein 22 km Short-Trail mit 1000 Höhenmetern im Programm. Es gibt eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, auch Zelten ist möglich, aber ich schlafe vor und nach dem Lauf in der etwa 10 Minuten entfernten Jugendherberge in der Burg Thallichtenberg, einer der größten Burganlagen Deutschlands.

Kurz vor dem Start erzählt uns Eric noch einiges über die Veranstaltung. Wie gewohnt, hat er auch dieses Mal die Strecke noch etwas schwerer als zuvor gestaltet. Eine Schikane entstand sogar sehr kurzfristig, als er vor einigen Tagen sah, dass ein Weg momentan wegen Holzfällarbeiten auch für die Kletterer unter den Trail-Fans kaum passierbar ist. Kurzfristig bekam er die Genehmigung, eine weglose Ausweichroute zu markieren, wie er sagt: "Senkrecht durch den Wald hinauf“. Zuletzt meint er noch: „Und wegen dem Wetter: Sorry!“ Ja, die angekündigten 32 Grad werden heute alle vor eine ganz besondere Herausforderung stellen.  Einige der 230 angemeldeten Läufer sind aufgrund der Hitze nicht gekommen, andere meldeten sich kurzfristig auf den Marathon-Trail um, so dass um 6 Uhr nur 189 Läufer aufbrechen. Noch ahnt niemand, wie wenige von ihnen das Ziel erreichen werden.

Zuerst laufen wir für kurze Zeit auf normalen Wegen bergab. Dann folgt der erste schmale Trail, vor dem es ganz kurz sogar einen Rückstau gibt. Nun sehen auch die K-UT-Neulinge gleich ein typisches Beispiel für die heutige Streckenführung. Der Pfad windet sich mal mehr, mal weniger steil in schnellem Wechsel bergauf und bergab. So muss Trailrunning sein! Wem solche Pfade zu mühsam sind, der sollte beim Rennsteig bleiben. 

Nach dem ersten Trail-Abschnitt folgt der einzige flache Bereich für heute. Kurze Zeit laufen wir auf der ehemaligen Trasse der Ostertal-Bahn, die uns auch durch einen Tunnel und über eine hohe Brücke führt. 

 

 
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Dann folgt der erste richtige Aufstieg. Während der nächsten Stunden wird uns ein sehr häufiger Wechsel zwischen Laufen, Gehen und Steigen geboten, kurz bergauf, gleich danach wieder ein Abstieg, mal so steil, dass man sich am liebsten an Baumstämmen entlang hangeln will, dann wieder ein flacher, breiter Weg zum Gas geben, dazwischen ganz schmale Trails, die volle Konzentration erfordern, mal durch Wald, mal über Wiesen. 


 
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Ich liebe diese Strecke! Außerdem scheint es so, als hätte sich mein Tempotraining gelohnt, denn ich fühle mich heute morgen ausgesprochen gut und komme deutlich schneller voran als bei meine ersten beiden K-UT Teilnahmen. Auf solchen Trails zu laufen, bedeutet für mich pures Glück! Ach bin ich froh, hier dabei sein zu können! Ich freue mich über jeden einzelnen Kilometer und zweifle keine Sekunde dran, dass ich heute Mittag auch trotz der angekündigten Hitze auf Erics Strecke viel Spaß haben werde.

Anfangs liegt die Temperatur für mich genau im Wohlfühlbereich, und als ich zweimal von anderen Läufern fotografiert werde, geht es mir noch richtig gut. 
Zu einem schönen Trail gehören für mich auch Baumstämme, über die wir steigen müssen, und davon gibt es heute genug.  Ich weiß, dass an so heißen Tagen die Disziplin beim Trinken äußerst wichtig für den Rennverlauf ist. Wer heute zu wenig trinkt, der scheidet früher oder später dehydriert aus. Daher trinke ich so regelmäßig wie noch nie zuvor bei einem Lauf.  

Auf den 85 km wird nur an 4 Verpflegungsstellen Wasser geboten. Ausschließlich Wasser! Alle anderen eigenen Getränke kann vor dem Start selbst in Kisten stellen, die dann zu den VPs transportiert werden. Gels und jede Art von festem Proviant werden nicht transportiert, sondern müssen im Rucksack getragen werden. Dies hat zwar den Nachteil, dass man zwangsläufig mehr Gewicht auf dem Rücken trägt, aber dafür kann man unterwegs essen, was man will und auch verträgt.

Als auf einem sehr schmalen Downhill der zweit- und drittplatzierte Läufer der M-Klasse auf uns zu eilen, rufe ich dem Pulk vor mir zu, dass schnelle Läufer im Anmarsch sind. Für uns im hinteren Läuferfeld spielt es ja keine Rolle, ob wir ein paar Sekunden abseits des Trails ausweichen, um die Spitzenläufer vorbei zu lassen.

Bergauf werde ich wie gewohnt von anderen Läufern überholt, aber auf steilen Downhills sause ich mit Begeisterung in hohem Tempo hinab. Solche Kamikaze-Abstiege liebe ich. Dank meiner Trittsicherheit passiert mir dabei nie etwas. Doch ausgerechnet auf einem harmlosen Weg übersehe ich einen unter Laub verborgenen Stein und  lege einen filmreifen Überschlag hin. Zum Glück bleibt er, abgesehen von einem leicht aufgeschürften Knie und einer Prellung unterhalb der Schulter, ohne Folgen.

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Informationen: Keufelskopf Ultra-Trail
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