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Laufberichte

Einmal musste es so kommen

10.10.09
Autor: Klaus Duwe

Sensation bei der im Rahmen der Tour de Tirol ausgetragenen Berglauf-Weltmeisterschaft in Söll/Tirol: Der Schweizer Marc Lauenstein schlägt beim Kaiser-Marathon in einem packenden Rennen den siebenfacher Weltmeister Jonathan Wyatt und holt den Weltmeistertitel in der Langdistanz ins Land der Berge. Dritter wird der Engländer Ricky Lightfoot. Bester Deutscher wird Marco Sturm auf Platz 5.

Weltmeisterin wird die Tschechin Anna Pichrtova vor Evgeny Danilova aus Russland und Anna Frost aus Neuseeland.

Seit Jahren dominiert Jonathan Wyatt die Berglaufszene, wurde siebenmal Weltmeister und ist Inhaber zahlloser Streckenrekorde. Er ist viel unterwegs. Manche sagen, zuviel und warten förmlich darauf, dass seine eindrucksvolle Siegesserie auf der Langdistanz beendet wird. Einmal wird es passieren. Aber ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft, die dieses Jahr im Rahmen der dreitägigen Tour de Tirol in Söll ausgetragen wird? Die klangvollen Namen (Cox, Short, Frick, Achmüller, Schießl, usw.) fehlen. Eine klare Sache für Wyatt?

 
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Sicher sein kann man sich nie, 42 Kilometer sind lang und bei einem Bergmarathon kommen noch die Höhenmeter dazu. Beim Kaisermarathon sind es annähernd 2.000 und weil es eine lupenreine Bergankunft ist, bei der der Zielbogen am höchsten Punkt der Strecke steht, darf man auch die letzten 195 Meter nicht unterschlagen, wie der Rennverlauf zeigen wird.

Auch das Wetter spielt bei einem Rennen in den Bergen eine große Rolle. Regen und Kälte können einem schwer zu schaffen oder gar einen Strich durch die Rechnung machen. Deshalb ist die richtige Ausrüstung (Regen- und Windschutz, Schuhe) hier wichtiger denn je.

 
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Und das Wetter ist dann auch die erste Überraschung am Samstag. Die Sonne scheint durch immer größer werdende Wolkenlücken und Veranstalter meint sogar, eine Garantie für einen regenfreien Tag geben zu können. Trotzdem wird durch den Regen der vergangenen Tage die Strecke insbesondere auf der zweiten Hälfte schwer zu laufen sein.

Die erste Hälfte verläuft ohne besondere Schwierigkeiten relativ flach. Als „gering“  bezeichnen nur die geübten Bergläufer die durchaus enthaltenen Steigungen. Alle anderen werden schon hier zwischenzeitlich zu Marschierern.

So richtig los geht der Bergmarathon dann ab Ellmau, wenn die Strecke hoch zum Hartkaiser (1555 m) führt. Über Filzalmsee (1350 m) und  Hexenwasser (1150 m) werden 400 Höhenmeter verloren. Dann kommt der Anstieg zur Hohen Salve. Er ist unvergesslich – schön und schwer. 3,8 Kilometer mit nahezu 700 Höhenmetern.

 
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Als die Läufer vor diesem entscheidenden Streckenabschnitt eintreffen, scheint das Rennen entschieden. Aber nicht Jonathan Wyatt liegt in Führung, sondern der Kenianer Raymond Kemboi Chemungor. Sollte es tatsächlich ein Kenianer Berglaufweltmeister werden? Erstaunlich ist nicht alleine, dass er deutlich in Führung liegt, er sieht auch noch gut aus und lächelt in die Kameras. Zur Freude der Schweizer Betreuer  und Schlachtenbummler kommt als Zweiter, allerdings schon 3 Minuten zurück, Marc Lauenstein angelaufen. Auch er scheint für die letzte Anstrengung gut gerüstet.

Wo bleibt Jonathan? Daniel Bett, auch aus Kenia, liegt an dritter Stelle und als Vierter kommt schon der erste Deutsche, Marco Sturm. Aber die Abstände sind enorm – 8 Minuten auf den Ersten. Als dann als nächster der dritte Kenianer, Robert Kipkemoi Yegon, aus dem Wald gelaufen kommt, wird schon gemutmaßt, dass Jonathan Wyatt ausgestiegen ist. Dann kommt er aber doch noch. Fast 10 Minuten nach dem Ersten, Ich habe ihn schon lockerer gesehen. Er kennt den Weg, der noch vor ihm liegt. Tut er sich das an?

Gerade weil er den Weg kennt, läuft und kämpft er weiter. Es ist unglaublich, was sich auf dem Steilhang hinauf zur Hohen Salve abspielt. Jonathan Wyatt holt sie noch alle ein – bis auf einen: Marc Lauenstein. Der Schweizer lässt Raymond Kemboi Chemungor am Berg förmlich stehen und gewinnt die Weltmeisterschaft. Wyatt wird Zweiter, Ricky Lightfoot aus England Dritter.

Eine ähnliche Dramatik spielt sich bei den Frauen ab. Hier ist es Evgeny Danilova aus Russland, die zunächst wie die sichere Siegerin aussieht, dann aber praktisch auf dem Zielhang von der Tschechin Anna Pichrtova abgefangen wird. Sensationell sind die Zeiten der Frauen. Nur gut 22 Minuten nach dem Sieger läuft die neue Weltmeisterin ins Ziel.

Ergebnisse Kaiser-Marathon/Berglauf-Weltmeistermeisterschat (Langdistanz)

Männer

1.  Lauenstein, Marc  SUI  3:06:20,1
2.  Wyatt, Jonathan  NZL  3:12:05,4
3.  Lightfoot, Ricky  GBR  3:14:05,2

5.  Sturm, Marco GER 3:18:23,2

9.  Bündliner, Christian, AUT 3:22:06,1

Frauen

1. Pichrtova, Anna  CZE  3:28:57,4
2. Danilova, Evgeny  RUS  3:29:23,0
3. Frost, Anna  NZL  3:33:20,9

11. Bott, Alexandra GER  3:54:11,4

20. Kapuscinski, Marion AUT 4:13:03,2

30. Dänzer, Sandra, SUI 4:25:05,2

 

Informationen: Kaisermarathon / Tour de Tirol
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