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Laufberichte

Jubiläumsrun auf den Berglaufolymp

09.09.12

- der Jungfrau-Marathon 2012

 

20 Jahre ist sie nun schon her, die Geburtsstunde zu einem Marathon, der in seiner Art wegweisend war und der es gleichzeitig geschafft hat, sich als Kultlauf, Mythos und was immer einem als Superlativ einfallen mag zu etablieren. Was der New York Marathon im Straßenlauf ist, das ist der Jungfrau Marathon im Berglauf geworden. Ein heiß begehrter Top Act, der die Massen aus aller Welt magisch anzieht. Trotz eines für Berglaufmaßstäbe riesigen Kontingents von 4.000 Startplätzen ist der Lauf alljährlich überbucht. 

Und nun hat dieser Lauf auch noch Geburtstag. Um dem zu erwartenden Teilnehmeransturm gerecht zu werden, lässt der Veranstalter den Lauf 2012 doppelt, am 08. und 09.09., stattfinden und eröffnet damit 8.000 Läufern die Möglichkeit, die Bergwelt des Berner Oberlandes im Angesicht des berühmten Dreigestirns Eiger - Mönch - Jungfrau läuferisch zu erobern. Wer nicht mit dem sprichwörtlichen Ofenrohr ins Gebirge schauen will, darf dennoch nicht zu lange warten. Denn die Plätze werden nach dem Motto „first come, first served“ vergeben.    

Wer zum Jubiläum nicht gleich das Double laufen will, hat allerdings nicht die freie Tagwahl: Am Samstag ist Damen-Run, Männer unter 50 starten am Sonntag. Und die „alten Dackel“ über 50?  Die dürfen sich freuen: Denn die haben am Samstag all die feschen Läuferhaserl ganz für sich. Zu den erwähnten Dackeln gehöre zwar mittlerweile auch ich, als Schreiberling bin ich allerdings für den Sonntagslauf zuständig und darf damit mit um die WM-Krone bei den Männern kämpfen. 

Denn noch etwas macht den 2012er-Termin zu etwas Besonderem: Die Berglauf-Weltmeisterschaft auf der Langdistanz wird, wie schon 2007, in Interlaken ausgetragen und das bedeutet auch: Die Creme de la Creme der Bergläufer ist am Start: Marco de Gaspari, Patrick  Wieser, Jasmin Nunige, um nur einige zu nennen. 

 

Vorstarttrubel

 

Privilegiert ist die Lage Interlakens auf dem „Bödeli“, dem Talgrund zwischen Thuner- und Brienzersee, und noch mehr die des Festzelts auf der Höhematte, einem weitläufigen Wiesengelände mitten in der Stadt vor dem majestätischen Grand-Hotel Jungfrau-Victoria. Von hier reicht der Blick durch das nach Süden abzweigende steilwandige Lütschinental bis zum weiß am Horizont schimmernden 4.158 m hohen Jungfrau-Massiv. Verlockend und gleichzeitig unerreichbar erscheint von hier aus der Gebirgsstock, dessen Gipfel immerhin 3.600 m höher liegt als Interlaken.

 
© marathon4you.de 9 Bilder

Wer beim Jungfrau-Marathon an den Start geht, der darf zwar einiges erwarten, nur eines nicht: Beschaulichkeit und Bergesruh. Einen Vorgeschmack bekomme ich, als ich am am Samstagn achmittag im Festzelt eintrudele. Hier erwartet mich ein Gewusel aus Besuchern der Marathonmesse, Startnummernausgabe und Pasta-Party, gemischt mit von der Kleinen Scheidegg rückkehrenden Finishern des Samstagslaufs. Aber alles ist wie immer bestens organisiert. Im Gewirr der diversen Zelthallen ist selbst eine Art „Historien-Schrein“ eingerichtet, in dem man vor allem in Bildern die letzten 19 Jahre des Jungfrau Marathon Revue passieren lassen kann. 

In Anbetracht des Jubiläums ist das Festzelt eine Nummer größer und stilvoller als sonst ausgefallen. Ein ausgewachsenes Festivalzelt, schlicht „DAS ZELT“ genannt, mit 2000 Plätzen  musste es schon sein. Wer 59 SFr zu zahlen bereit ist, der darf sich hier samstags ab 20 Uhr bei der großen „WM-Party“ mit Partyschwergewicht DJ Ötzi und DSDS-Stern(schnuppe) Luca Hänni in Stimmung bringen. Da kann ich nur sagen: Wäre doch der „Anton in Tirol“ geblieben! Ich verzichte auf Austrias wohl nervtötendsten Kulturexport und haue meine Fränkli lieber kulinarisch auf den Kopf. Wobei ich – wie jedes Mal in der Schweiz - erst mal ein Tränlein beim Anblick der   Speisekartenpreise verdrücken muss, damit es auch schmeckt.  

 

Start nach Schweizer Art

 

 
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Wie es sich für einen prominenten Schweizer Traditionslauf gehört, wird bereits der Start in besonderer Weise zelebriert und inszeniert: In Tracht gewandete Alphornbläser, im Halbkreis formiert, geben ein tongewaltiges Ständchen, ein Trupp Fahnenschwinger lässt kunstfertig ihre Banner durch die Luft wirbeln. Auf dem Startgeraden vor dem Hotel Jungfrau-Victoria sammeln sich die Teilnehmer zu einem Meer in Rot. Denn der Veranstalter hatte gebeten, mit dem bereits bei Abholung der Startnummer ausgegebenen (roten) Jubiläums-Shirt an den Start zu gehen. Und diesem Wunsch kommen viele nach. Die Schweizer Nationalhymne wird gespielt und lässt kurzzeitig andächtiges Schweigen eintreten. Dann ist es soweit: Der Startschuss um 9 Uhr gibt das Signal.zum Aufbruch und die Flut der 4.000 setzt sich in Bewegung.

 

Im Galopp durchs Bödeli
 

Wer die Strecke nicht kennt, wird sich berechtigterweise fragen, wie es funktionieren kann, dass eine derartige Horde in die Berge rast, ohne wie die Lemminge kollektiv ins Verderben zu stürzen. Die ersten 10 km beantworten diese Frage schnell: Auf breiter Straße führen sie über das topfebene Bödeli; das Attribut „Berglauf“ steht hier allein für die optische Kulisse.

 
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Dicht gedrängt wie bei einem City-Marathon ist das Läuferfeld vor allem auf den ersten Kilometern, nur dass man dort selten so viel Stimmung an der Strecke erleben darf wie hier. Eine überaus beeindruckende Klangwolke aus knarrenden Ratschen, bimmelnden Kuhglocken, Geklatsche und lauten Anfeuerungsrufen umhüllt uns vom Start weg auf der einleitenden 3 km-Schleife durch Interlaken. Vor allem auf der Startgeraden, die wir nach 2,5 km ein zweites Mal passieren, ist das Spektakel fast schon ohrenbetäubend. 

So etwas wie Ruhe kehrt erst ein, als wir beim Bahnhof Interlaken Ost den Dunstkreis des Ortes verlassen. Aber nicht lange. Denn schon erwarten uns die Böniger am Westufer des Brienzersees. Nur für Momente ist uns ein herrlicher weiter Blick über den in der Morgensonne glänzenden See, umrahmt von steilen, sich im Morgendunst nur schemenhaft abzeichnenden Bergen, vergönnt. Dann dreht unser Kurs jäh nach Westen ab, der Öffnung des Lütschinentales entgegen, das vom Bödeli aus in Richtung des Jungfraumassivs führt. Aber bis dorthin sind es noch einige Kilometer, die wir in völliger Ruhe auf einem schnurgeraden, brettebenen Asphaltweg durch leuchtend grüne Wiesen zurücklegen.

Zumindest gefühlsmäßig noch so gut wie keinen Höhenmeter bewältigt haben wir, als wir nach 10 km in den Bergschatten eintauchen und dort das malerische Dorf Wilderswil erreichen. Und auch hier scheinen alle Dorfbewohner auf den Beinen zu sein, um uns, angeheizt vom  rhythmischen Wummern einer Trommler-Gruppe, einen lautstarken Empfang zu bereiten.

 
 

Informationen: Jungfrau-Marathon
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