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Laufberichte

Der Bayern wegen: Halbe Sache

20.05.12
Autor: Klaus Duwe

83. Minute, Bayern führt 1:0. Ich erinnere mich an ein Endspiel, da führten meine Lieblingskicker sogar noch in der 89. Minute 1:0 und vergeigten die Partie dann doch. Das soll diesmal anders werden. Ganz für mich im Stillen gelobe ich: Wenn die Bayern den Pott holen, tausche ich morgen Früh meine blaue Halbmarathon-Startnummer gegen eine strahlend weiße Marathon-Nummer und laufe zwei Runden.

Der Umtausch entfällt aus bekannten Gründen. Dazu muss ich mir am Sonntag in aller Früh gleich diesen Witz anhören:

Richter zum Angeklagten: „Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie, aber auch eine gute. Welche wollen Sie zuerst hören?“ „Die schlechte!“ „ Nun gut, Sie sind zum Tode verurteilt.“ „Jetzt bin ich auf die gute gespannt.“ „Die gute Nachricht? Arjen Robben wird schießen!“

Es sind sommerliche Temperaturen vorhergesagt. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass die Bayern verloren haben und ich dabei bleibe, nur eine Runde zu laufen. Aber ehrlich, ich kann es bald nicht mehr hören, das Gejammere wegen des Wetters. Gerade eine Woche ist es her, da war es am Rennsteig angeblich zu kalt.

Ginge es nach den Läufern, hätte es bei uns 12 Monate im Jahr  14 Grad, es wäre windstill und regnen würde es höchstens während der Laufpausen. Wie wäre es, Marathon in einer entsprechend klimatisierten Halle zu laufen?  Wo ist das Problem? Ist es kühl, gibt man Gas, ist es warm, macht man langsam. Die Bedingungen sind ja für alle gleich.

Optimal sogar sind die Bedingungen beim iWelt Marathon in Würzburg, wenn es um die Infrastruktur geht. Riesige Parkplätze gibt es in unmittelbarer Nähe zum Startgelände beim Congress Centrum im Maritim Hotel, wo die Startnummern ausgegeben und die Kleiderbeutel verwahrt werden, die Marathon-Messe stattfindet und später das Ziel-Buffet (ein Kapitel für sich) aufgebaut ist. Die Duschen erreicht man durch eine Unterführung. Alles vom Feinsten, besser geht es nicht.

So ist es, wenn Läufer für Läufer einen Marathon organisieren. Da ist auch kein Geld übrig, um Antrittsgelder für gewisse Eliteläufer zu bezahlen.  Allerdings gibt es Prämien für Siegerinnen und Sieger und für Streckenrekorde. Das alleine weckt auch schon Begehrlichkeiten bei der entsprechenden Klientel und so stehen auch in Würzburg Ostafrikanische Läuferinnen und Läufer in der ersten Reihe und in den Siegerlisten ganz oben.

Zumindest den Bayern (gemeint sind jetzt die Bayerischen Läuferinnen und Läufer) hält man sich die übermächtige Konkurrenz vom Leibe, zumindest wenn sich diese für die Bayerischen Meisterschaften angemeldet haben. Nicht wie die Lokalmatadorin  Rike Schmidt, die sich als Pacemakerin meldet, aber nicht für die Meisterschaften. Für ihre Punktlandung in 2:54:45 Stunden musste sie sich nicht verausgaben und trotzdem hätte es auch für den Bayerischen Meistertitel gereicht. Als Trost bleibt ihr der zweite Platz in der Gesamtwertung.

 
© marathon4you.de 25 Bilder

Sowas könnte auch unserem Wunderläufer Anton  passieren, der einmal im Jahr, bei den Bayerischen nämlich, auf die Tube drückt. Diesmal verzichtet er auf eine Meldung, weil er Teil eines Weltrekordes werden will. Die Cabanauten, Deutschlands Chaotentruppe Nr. 1 um Häuptling John Caba, wollen nämlich möglichst viele Läuferinnen und Läufer an die Kette legen und so den Marathon laufen. 72 Verrückte und unser Anton (zusammen also 73) stellen sich für das Vorhaben zur Verfügung. Die Regeln sind streng. Alle müssen die gesamte Zeit an der Kette bleiben, auch bei der Getränkeaufnahme und bei anderen  dringenden  Geschäften. Ständig ist ein Rechtsanwalt auf gleicher Höhe, um die Einhaltung der Regeln zu überwachen.

Wie das ausgeht, erzählt Euch Anton in einem separaten Bericht.

Ich habe die Angewohnheit, mich immer ziemlich weit vorne im Feld einzureihen, damit ich ein paar imposante Startbilder schießen kann. Heute  geht das gründlich in die Hose. Nach einem gewaltigen Böllerschuss nimmt das Feld ziemlich schnell Fahrt auf. Als wir bei knapp einem Kilometer auf der Brücke der Deutschen Einheit sind, von der aus man einen schönen Blick auf die Marienfestung auf der einen und auf die Weinberge auf der anderen Seite hat, stehe ich plötzlich alleine mit meinem Fotoapparat da. Alle Läufer sind fort.  Ich bin mit dem Elite- und Meisterschafts-Block losgelaufen. Alle anderen starten ein paar Minuten später in separaten Blocks.

 
© marathon4you.de 21 Bilder

Also warte ich, bis sie kommen. Die hier postierten Fotografen machen sich Sorgen um meine Zeit und fordern mich auf, weiterzulaufen. Was soll ich mit Bildern von der menschenleeren Brücke?  Ihr glaubt mir so ja nicht, dass insgesamt 3676 Läuferinnen und Läufer am Start sind, davon alleine 829 Marathonis.

Wo man die Brücke nach rechts in die Mainaustraße verlässt, haben „Broken Glasses“ ihren Platz. Der Sänger muss Läufer sein. Ihn hält es nicht bei seiner Band, er ist dauernd unterwegs, am liebsten mitten drin im Läuferfeld. Die Stimmung ist toll und ich bin jetzt auch wieder voll dabei.  Dass unsere Strecke durch die Zellerau, zwar nur durch einen Grünstreifen vom Main getrennt, jetzt am Morgen nicht allzu prickend ist, fällt dabei nicht ins Gewicht. Ich glaube auch, dass viele bei den jetzt noch „erträglichen“ Temperaturen versuchen, möglichst viele Kilometer zu schrubben. Ein Plan, der selten aufgeht. Ich nenne das „Körner verpulvern“.  Aber ich habe mit meiner einen Runde ja gut reden.

Glaubt nicht, die Zellerau sei überall wie hier. Die Frankfurter Straße ist mit ihren historischen Gebäuden eine Augenweide. Aus der Zellerau kommt auch das Würzburger Bier (Bürger- und später Hofbräu). Den Bürgerbräu gibt es nicht mehr, wohl aber die historische Fabrik. Samt Direktorengebäude steht sie unter Denkmalschutz und wurde kürzlich an eine Investorengruppe verkauft, die ein Dienstleistungszentrum einrichten will. Gute Idee, als Dienstleister hat man in Deutschland noch Perspektiven.

Wer Würzburg bisher nur von der Autobahn her kennt und sich an eine Stadt, umgeben von Weinbergen erinnert, wundert sich jetzt nicht. Es gibt durchaus ein paar Höhenunterschiede. Ich vermeide bewusst das Wort „Steigung“, mit einem Highspeed-Kurs sollte man aber auch nicht rechnen. 

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Informationen: iWelt Marathon Würzburg
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