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Laufberichte

Echte Kühe und mythische Drachen

 

Schon immer mal wollte ich mir Basel  im Dreiländereck Schweiz, Frankreich und Deutschland ansehen. Wir fahren direkt zur Marathonmesse und Startnummernausgabe im Einkaufszentrum St.-im Jakob-Park direkt am Autobahnkreuz. Zusätzlich zur Startnummer mit festgeklebtem Zeitchip erhalten wir einen Beutel mit Wasserflasche vom Titelsponsor IWB (Energie, Wasser und Telekom) und verschiedenen Produktproben (Magnesium, Massagegel, Duschgel, Kräuterbonbons). Auch ein informatives Läuferheft ist dabei, das lediglich die Frage, ob es im Startbereich eine Taschenaufbewahrung gibt, offen lässt.

Quartier beziehen wir im nahen Weil am Rhein auf der deutschen Seite der Grenze. Dann geht es mit der Tram nach Basel zum Sightseeing. Am Münsterplatz findet ein schweizerisch-chinesisches Mondfest statt. Von Sonntag auf Montag wird es eine Mondfinsternis mit feuerrotem „Blutmond“ geben. Unsere individuelle Pastaparty veranstalten wir stilvoll mit einem chinesischen Nudelgericht.

 
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Da der Marathonstart um 8:30 Uhr angesetzt ist, empfiehlt sich zeitiges Aufstehen. Nach der Anreise mit der Straßenbahn, die am Sonntagmorgen im 30-Minuten-Takt fährt, sind wir viel zu früh am Barfüsserplatz. Die Umkleiden und die Schalter für Nachmeldungen und die Last-Minute- Startnummernausgabe befinden sich im Stadtcasino. Dieses beherbergt den wegen seiner Raumakustik international renommierten Musiksaal, in dem einst Werke von Béla Bartók und Arthur Honegger uraufgeführt wurden. Für die Sportler zählt momentan eher, dass sie dort nicht frieren. Neu für uns ist die Möglichkeit, Wertsachen abzugeben. Größere Sporttaschen mit Wechselkleidung kann man in der Garderobe abstellen.

Toiletten gibt es im Stadtcasino und davor auf dem Platz in ausreichender Anzahl. Der Startbereich befindet sich gleich nebenan in der Freien Straße. Fast genau 300 Läuferinnen und Läufer gehen auf die Marathondistanz. Der Sprecher sagt ein Aufreißen des Nebels für 9:00 Uhr vorher. Und schon sind wir unterwegs. Ein Sightseeing-Lauf steht bevor. Durch das Luftgässlein geht es gleich für ein paar Meter in die historische Altstadt, bevor wir am Neubau des Kunstmuseums Richtung Rhein abbiegen.

 
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Das Kunstmuseum Basel ist das größte seiner Art in der Schweiz und zeigt in erster Linie Werke der Renaissance und des 19. und 20. Jahrhunderts. Insgesamt gibt es über 30 Museen in der Stadt. Wir queren erstmals den Rhein über die Wettsteinbrücke und ziehen eine kleine Schleife unter der Brücke hindurch. Damit haben wir die Theodorskirche gesehen, die beim letzten großen Erdbeben 1356 schwer beschädigt wurde. Dass die drei Platten des Schwarzwalds, der Vogesen und des Juragebirges in Basel zu einem gewissen Erdbebenrisiko führen, erfahre ich erst jetzt.

Beim Hinunterlaufen zum Rhein bietet sich ein schöner Blick auf eine der Fähren. Die Rollfähren werden an einem über den Fluss gespannten Seil durch die Kraft des Wassers auf die andere Rheinseite bugsiert. Da man während so einer beschaulichen Fahrt genügend Zeit für einen ausgiebigen Plausch hat, werden unglaubwürdige Äußerungen gern mit einem „Verzell das am Fäärimaa“ quittiert.

Ich muss erwähnen, dass die Marathonstrecke einige aufs und abs sowie viele Ecken und Kurven zu bieten hat. Ich frage mich schon nach wenigen Kilometern, in welchem Stadtteil von Basel ich wohl gerade bin. Zurück über die Brücke bieten sich schöne Blicke auf das Basler Münster im romanischen und gotischen Stil mit der Pfalzterrasse hoch über dem Rhein. Der Münsterhügel war schon in spätkeltischer Zeit besiedelt. 300.000 Jahre alte Spuren menschlicher Anwesenheit lassen sich hier am Rheinknie nachweisen. Die Wettsteinbrücke ermöglicht  Ausblicke auf den Ost-West- und Süd-Nord-Verlauf des großen Flusses.

Mir fallen die großen Drachen auf den Widerlagerfeilern der 1879 eröffneten Brücke auf. Am Cartoonmuseum vorbei laufen wir in die St-Alban-Vorstadt. Durch eine schöne Straße mit alten Häusern geht es auf das St.-Alban-Tor zu. Beeindruckend die großen Rammpfähle im Torbogen. Wir schwenken davor nach rechts in die St.-Alban-Anlage. Ein nettes Wohnviertel ist das hier. Am Knick zur Sisacherstraße ein hübscher kleiner Trinkbrunnen, wieder mit einem Drachen verziert.

Basilisken heißen diese Figuren, die an etlichen Stellen der Laufstrecke zu sehen sind. Die Fabeltiere, deren Darstellung weit verbreitet ist, wurden erstmals in der Antike erwähnt. Um sie ranken sich verschiedene Mythen. So sollen sie Tod, Teufel und Sünde symbolisieren und mit ihrem Blick jeden, der sie ansieht, versteinern lassen. Bei der Gründung Basels lebte angeblich ein Basilisk in einer Höhle beim jetzigen Gerberbrunnen, was die Namensgebung der Stadt beeinflusst haben soll. Eine nüchternere Deutung geht allerdings davon aus, dass das echsenartige Ungeheuer nachträglich als Wappentier vereinnahmt wurde, weil Basilisk so ähnlich klingt wie Basilea, der ursprüngliche Name von Basel.

Schlagartig ändert sich die Atmosphäre: Neben uns die Gleisanlagen des Bahnhofvorfelds, über uns eine Schnellstraße. Aus den Häusern mit doppelter Verglasung werden wir fleißig angefeuert. Eine 1,5-Kilometer-Schleife durch ein Industriegebiet steht an. Interessant wahrscheinlich nur für mich, da wir auch an einem Tram-Depot vorbei kommen. Das Tram (so sagt man hier) gehört zu Basel. Im Wagen hörte ich ein junges Mädchen erzählen, dass sie jetzt auch mal in einem ganz neuen Tram gefahren wäre. Viele interessante Fahrzeugtypen gibt es zu sehen, teilweise auch während des Laufs. Mit 77 km Streckenlänge ist das Netz für eine Stadt von ca. 180.000 Einwohnern sehr groß. Der Betreiber BVB gibt als Werbung die Parole „Gummi statt Eisen“ aus. Wir werden noch oft unsere Laufschuhe über Tramgleise bewegen.

Bei km 7 kommen wir in die Güterstraße. Die ist wesentlich schöner als der Name verspricht. Wir sind in einem citynahen Wohn- und Einkaufsgebiet. Die jungen weiblichen Streckenposten am Tellplatz feuern uns mit viel Spaß an. Auf einer Bank sitzt ein Ehepaar beim Morgenkaffee und muntert uns auf. Und das bei immer noch frischen Temperaturen.

 
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Auf der breiten Margarethenstraße geht es nach Süd-Osten, Richtung Frankreich, wie das Hinweisschild verrät. Vor uns ein Hügelchen mit lustigen Tierskulpturen auf der Wiese. Beim Näherkommen stelle ich fest, dass es sich um lebende Kühe handelt, die hier gerade ihr Frühstück abzupfen. Jetzt geht es ziemlich hin und her, zackig runter und rauf. Warum am Erdbeergraben ein Ortsschild für Basel steht?

Über den Höhenweg zur Pruntrutermatte, dort ist gerade Outdoorsport im Gange. „Solidarisieren – Mitmarschieren“ rufe ich dem Übungsleiter zu. Keine Reaktion. Wahrscheinlich versteht er mich nicht. Wir überqueren das Flüsschen Birsig, das aus Frankreich kommt und in Basel in den Rhein fließt. Nach den dicken Pfosten im Tal zu urteilen, scheint da bei Hochwasser einiges an Treibholz aufgesammelt zu werden.

Links neben uns ist der „Zolli“, den man an einem künstlichen Hügel für Geißböcke erkennt und gleich darauf auch am Geruch. Der Basler Zoo ist trotz kleiner Fläche einer der bedeutenden zoologischen Gärten in Europa. An der nächsten Verpflegungsstelle können wir auch gleich das im Bau befindliche Elefantenhaus von hinten begutachten. Wie an allen Stationen gibt es ein umfangreiches Programm: Wasser, Iso, mundgerechte Bananenstückchen, Energieriegel und teilweise auch Gels. Außerdem Toilettenhäuschen. Und das alle 3,5 km.

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Informationen: Basel Marathon
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