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Laufberichte

Zwischen Tradition und Moderne

 

Vielen Dank für die Fotos an Inge, Christiane und Peter

 

Mit der zwischenzeitlich 53. Auflage kann der Marathon am Essener Baldeneysee auf eine lange Tradition zurückblicken. Seit 1963 findet hier bereits ein Marathonlauf statt und ist somit die älteste kontinuierlich durchgeführte Marathonveranstaltung in Deutschland.

Waren es zuerst nur etwa 50 Läufer, welche auf einer Pendelstrecke am Hardenbergufer starteten, musste man 1980 eine neue Streckenführung finden, da mit über 600 Läufern die Kapazitätsgrenze erreicht war. Nun lief man zweimal um den ganzen See, was die Strecke noch attraktiver machte. 2004 erreichte man dann über 3000 Meldungen und musste erstmalig ein Teilnehmerlimit aussprechen.

Danach gingen die Teilnehmerzahlen wie bei vielen anderen Veranstaltungen  zurück und pendelten sich um die 1000 ein. Im Jubiläumsjahr 2012 gab es dann nochmals einen Anstieg auf über 1700 Meldungen. Für viele Läufer ist der Marathon am Baldeneysee immer noch ein Höhepunkt zum Saisonende. Sie wissen halt, dass sie hier auf der flachen, schnellen Strecke die Gelegenheit für eine neue Jahresbestzeit finden.

Von Anfang an lag die Organisation der Veranstaltung beim TUSEM Essen. Der Turn- und Sportverein Essen Margaretenhöhe ist vor allem durch die Erfolge seiner Handballmannschaft bekannt geworden. Konnte man doch dreimal (1986, 1987 und 1989) den Deutschen Meistertitel erringen.

Untrennbar ist der Marathon aber mit dem Namen Gerd Zachäus verbunden. Mit seinem ehrenamtlich tätigen Team hält er seit 24 Jahren die Fäden in der Hand. Er war früher selbst ein sehr guter Läufer und kann eine Bestzeit von 2:40 vorweisen. Bei allen Erfolgen bleibt man mit der Veranstaltung immer auf dem Teppich.

Natürlich ruhte man sich nicht auf den Erfolgen aus, sondern führte die Veranstaltung behutsam ins 21. Jahrhundert. Auf Antrittsgelder und Siegprämien wird hier bewusst verzichtet und kann trotzdem einen Streckenrekord von 2:14:36 und zahlreiche deutsche Jahresbestzeiten vorweisen.

Beim RWE Marathon in Essen gibt es keine Unterdistanzen, wohl  aber eine Staffel, bei der man sich die Strecke zu viert teilt. Die Startgebühren pendeln je nach Anmeldedatum zwischen 35 und 55 Euro, die Staffeln zahlen 90 Euro. Anmelden kann man sich per Internet, die Bezahlung erfolgt per Einzugsermächtigung. Die Zeitmessung erfolgt mit dem ChampionChip und der kann auch ausgeliehen werden.

Ich folge der Empfehlung des Veranstalters und hole meine Startunterlagen bereits am Samstag in der Turnhalle des Regattahauses ab. Eine Marathonmesse gibt es hier nicht, dafür aber Kaffee und Kuchen. Wer möchte, kann ein Funktionsshirt mit dem Veranstaltungslogo erwerben und die Meldeliste studieren. Ralfs Team vom TC Kray ist auch schon hier. Svenja, Birgit und Dennis sind morgen als Brems- und Zugläufer dabei. Das Ziel ist bereits aufgebaut und man kann für 5 Euro noch an einer Pastaparty teilnehmen. Seit 13:30 Uhr sind heute  die Walker unterwegs. Im Rahmen des BKK-Walking umrunden sie einmal den See.

 
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Am Sonntag mache ich mich mit meiner Frau Inge und unserer Freundin Christiane wieder auf den Weg zum Baldeneysee. Die Temperaturen sind am Morgen mit 3 Grad fast schon frostig. Laut Vorhersage soll es aber heute 12 Grad geben und trocken und sonnig sein. Also gute Vorraussetzungen für einen Marathonlauf. In Essen sind genügend Parkplätze ausgeschildert und wir finden einen günstigen Platz in der Nähe des Start/Zielbereiches. Auf dem Weg dorthin treffen wir bereits Gerd und meinen M4Y Kollegen Peter Ickert, der einige Bilder zu meinem Bericht beisteuert. 

Aus den Lautsprechern ertönt schon flotte Musik und es gibt einige Informationen für die Läufer. Wir gehen nochmals zum Regattahaus und kreuzen dabei den Zieleinlauf. Der See liegt bereits im Sonnenschein und die ersten Boote sind auf dem Wasser. Wir begeben uns jetzt zur Freiherr-vom-Stein-Straße, denn hier wird der Start erfolgen. Brems- und Zugläufer zwischen 2:59 und 4:44 erleichtern die Einordnung ins Läuferfeld. Ich freue mich, als ich auch noch meinen Vereinskollegen Reinhard treffe. Er hat Knieprobleme und sein letzter Marathon liegt anderthalb Jahre zurück. Aber der Baldeneysee lockt ihn natürlich und so hat er sich heute Morgen noch nachgemeldet.

Pünktlich um 10 Uhr erfolgt dann der Start und fast 1000 Marathonläufer machen sich auf den Weg. Etwa 200 Staffelläufer werden uns in einer Viertelstunde folgen.  Zuerst muss gleich eine kleine Steigung bewältigt werden, was einen allzu schnellen Start verhindert. Auf dem ersten Kilometer laufen wir an einem dichten Zuschauerspalier vorbei und werden mit allem, was Lärm macht angefeuert.

 
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Jeder Kilometer ist ausgeschildert und alle 5 Kilometer werden die Zwischenzeiten angezeigt. Die gesamte Strecke ist flach, vollständig asphaltiert und natürlich nach den neuesten internationalen Richtlinien der AIMS/IAAF vermessen.

Nach drei Kilometern laufen wir über die Ruhr und kommen in den Stadtteil Werden. Hier wurde bereits um 799 ein Benediktinerkloster gegründet und 1317 erhielt man die Stadtrechte.1929 wurde Werden dann nach Essen eingemeindet. Wir laufen jetzt wieder auf den See zu und erreichen bei Kilometer 5 die Stauwehrmauer.

2000 Arbeiter des „Freiwilligen Arbeitsdienstes“ haben hier - mit teilweise primitiven Werkzeugen - ab 1932 ein Ruhrstauwerk errichtet. Dadurch entstand der 2,64 qkm große Baldeneysee als Absetzbecken für die Schwebstoffe der Ruhr. Der Lohn der Arbeiter in diesen harten Zeiten lag zwischen 1 und 1,80 Reichsmark sowie einer warmen Mahlzeit täglich. Entstanden ist damit auch eines der schönsten Naherholungsziele des Ruhrgebietes.

 
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Viele Zuschauer haben den Weg über die Stauwehrmauer abgekürzt und können nun von hier aus die Läufer wieder anfeuern. Inge und Christiane sind auch dabei und halten alles fotografisch fest. Jetzt geht es direkt am See längs, auf der Gegenseite erkenne ich den Regattaturm und die Tribüne. Dort wird nach weiteren 37 km das Ziel liegen. Vorbei laufen wir an Bootshäusern und Ausflugslokalen und die nächsten Kilometermarken werden zügig passiert. Bei Kilometer 6 kommt die erste Verpflegungsstelle. Hier sind Wasser, Tee, Mineral- und Isogetränke im Angebot. Später kommen noch Cola und Bananen dazu.

Haus Scheppen ist bei den Motorradfahrern ein beliebtes Ziel und dort hat sich auch ein Fanpoint gebildet. Hier ist auch in der zweiten Runde der letzte Wechselpunkt für die Staffeln. Einige Staffelläufer nutzen bereits jetzt die Möglichkeit, ihre Läufer anzufeuern, denn diese sind ja nur eine viertel Stunde nach uns gestartet.

Bald ist Kilometer 10 erreicht. An der großen Uhr lese ich 67 Minuten für mich ab. Da war ich schon mal schneller. 1994 bin ich hier meine persönliche Bestzeit (3:12:12)  gelaufen. Nun ja, das ist inzwischen über 20 Jahre her und ich muss meinem Alter schon Tribut zahlen. Die Sollzeit beträgt 5:30, um die Medaille zu bekommen, muss man das Ziel bis 15:30 Uhr erreichen.

In Essen Kupferdreh passieren wir kurz hinter der Fußgängerbrücke den nächsten Verpflegungspunkt und die erste Wechselstelle der Staffelläufer.  Entsprechend laut geht es zu. Jetzt haben wir auch das Ende des Sees erreicht und laufen über die Kampmannbrücke über die Ruhr. Hier in Heisingen geht es nun für 3 Kilometer auf eine Pendelstrecke auf die gesperrte B227. Mit Musikbegleitung laufen wir nun erst einmal leicht bergan.

 
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 Auf der Gegenseite sind die schnelleren Läufer bereits auf ihrem Weg zurück zum See. Interessant ist, die Gesichter zu beobachten. Einige sind lachend und erzählend unterwegs und andere kämpfen bereits konzentriert um jede Sekunde. Mehrere Trommelgruppen versuchen uns immer wieder in einen schnellen Laufrhythmus zu bringen. Endlich sehe ich den Wendepunkt bei Kilometer 15. Eine Erfassungsmatte soll verhindern, dass jemand bereits vorher abkürzt. Nun ist die Strecke ja wieder leicht abschüssig und ich sehe schon Svenja mit der 4:45er Gruppe knapp hinter mir. Dietmar hat sich drangehängt und bald haben sie mich eingeholt. Dietmar will immer noch 100 Marathonläufe allein in diesem Jahr schaffen. Vor drei Wochen ist er jedoch beim Laufen gestürzt und hat sich eine Rippenprellung zugezogen. Trotzdem ist er aber noch im Plan. Auf der Gegenseite sehen wir die letzte Läuferin. Der Besenwagen hält respektvollen Abstand. 

Eine Verpflegungsstelle bietet nochmals die Möglichkeit, sich zu stärken. Kurz danach sehe ich dann wieder den See und bin froh, dass wir die Pendelstrecke in der zweiten Runde nicht mehr laufen müssen. Jetzt geht es am Nordufer längs und am Fischerhaus vorbei. Der Förderturm der ehemaligen Zeche Carl Funke erinnert an die Kohleförderung. In einer Wohnsiedlung hat sich eine größere Zuschauermenge gebildet und macht mächtig Stimmung. Von hinten kommt bereits der erste Läufer mit Fahrradbegleitung und da brandet der Beifall natürlich nochmals besonders laut auf.

An der Halbmarathonmarke kann man sich wieder stärken. Die Uhr zeigt für mich 2:23. Kurz danach wechseln wieder die Staffeln und bei Kilometer  23,5 geht es in die zweite Runde. Jetzt gibt es wieder viele Zuschauer, die uns lautstark anfeuern. Inge und Christiane sind auch dabei und können hier prima fotografieren. Inge fragt, wie es mir geht. Ich kann sie beruhigen, ich fühle mich gut. Mein langärmeliges T-Shirt habe ich inzwischen ausgezogen und übergebe es ihr. Das ist der Vorteil eines Startnummernbandes, man kann problemlos die Kleidungsfrage korrigieren.

Erneut laufen wir über die Ruhrbrücke nach Werden. An der Staumauer stehen immer noch viele Zuschauer, obwohl jetzt auf der Gegenseite bereits die Läufer ins Ziel laufen. Von der Höhe grüßt die imposante Villa Hügel, welche der Familie Krupp als repräsentatives Zuhause diente. Kilometer 30 ist erreicht und der Marathon beginnt erst richtig. An der Verpflegungsstelle wähle ich jetzt Cola und Bananen. Inzwischen sind auch viele Spaziergänger und Fahrradfahrer unterwegs. Zum Glück sind die Wege so breit, dass Platz für alle ist, ohne sich zu behindern. Auf dem See sind nach wie vor viele Ruder- und Segelboote unterwegs, um das schöne Wetter auszunutzen. Die Winterpause wird lang.

Kurz vor Haus Scheppen ist der letzte Wechselpunkt der Staffeln. Hier ist es ruhiger geworden, denn die meisten Fans sind mit dem Shuttleschiff über den See zum Ziel unterwegs. Der Sprecher begrüßt mich  -  das gibt doch gleich wieder neue Kraft. Die Kampmannbrücke kommt nur langsam näher, vorher gibt es auch an der Verpflegungsstelle noch aufmunternde Worte.

 
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Nur noch 7 Kilometer, das ist schon ziemlich motivierend. Also Zähne zusammenbeißen und weiter. Am Fischerhaus und in der Wohnsiedlung ist es ebenfalls etwas ruhiger. Ich kann noch einige Geher überholen, die sich wohl übernommen haben. Auch das baut auf. Den letzten Verpflegungspunkt nutze ich ausgiebig und kann dann schon Richtung Ziel abbiegen.

Auf der Tribüne stehen immer noch die treuen Fans und halten nach ihren Läufern Ausschau. Auch jetzt werden noch alle Ankommenden beklatscht, was meist mit einem Lächeln quittiert wird. Noch eine scharfe Kurve, dann sehe ich das Ziel. Cheerleader empfangen und feiern  jeden Finisher. Bei 5:00:22 kann ich die Uhr anhalten, Platz 12 in meiner Altersklasse.

Ich bekomme eine schöne Medaille und eine Warmhaltefolie. Inge bringt mir aus der Zielverpflegung noch ein alkoholfreies Weizenbier. Ach, dass tut gut! Schon bald machen wir uns auf den Heimweg, denn es wird mir nun doch schnell kühl. Unterwegs treffen wir noch Marion. Sie ist auch eine begeisterte Leserin unserer Seite. Heute hat sie Geburtstag und konnte diesen hier am Baldeneysee erfolgreich feiern. In zwei Wochen will sie beim Röntgenlauf die 100 km laufen. Da wird sich Peter ja freuen.

Ich bin dankbar dafür, dass ich wieder erfolgreich am Baldeneysee dabei sein konnte. Diesen schönen Herbstmarathon möchte ich nur ungern verpassen.
 

Bildimpressionen von Inge und Christiane

 

 
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Marathonsieger

 

Männer

1 Sansar, Elias (GER)  LG Lage Detmold Bad Salzu... 02:21:14
2 Schmidt, Daniel (GER) TV Refrath 02:22:21
3 Dietz, Thorben (GER) LG Dorsten/Asics-Frontrun... 02:23:06

Frauen

1 Dörschel, Christl (GER)  SG Wenden 02:48:44
2 Offermann, Eva (GER) DJK JS Herzogenrath 02:51:52
3 Rösler, Vanessa (GER)  LT Bittermark Dortmund 02:59:14

725 Finisher

 

Informationen: innogy Marathon Rund um den Baldeneysee
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