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Laufberichte

Um 12 Sekunden das Podest verpasst

23.08.14

Die letzten Wochen waren nicht ganz einfach. Aufgrund des Wetters und einem kleinen Formtief sah ich mich zu einer Sommerpause gezwungen. Grundsätzliche ein Absurdum für mich als Bergläufer, da ja unsere Hauptsaison auf wenige Monate begrenzt ist. Aber ich musste den Belastungen in den  Monaten Juli und August Tribut zollen.

Nach meinem Aussteigen beim swissalpine in Davos vom 26. Juli fiel ich mental wie körperlich in ein Loch. Zu sehr hatte ich mich auf diesen Saisonhöhepunkt fokussiert. Zwei Wochen danach wollte ich in Gstaad beim Glacier3000 Run starten, per se mein Lieblingsrennen. Jedoch zeigte sich das Wetter von seiner unsympathischen Seite und nach einem Temperatursturz und einer Nacht mit dauernden Gewittern verzichtete ich auf einen Start. Stattdessen entschied ich mich spontan, am 23. August 2014 erstmals beim Inferno Halbmarathon zu starten. Ein Rennen über die halbe Marathondistanz mit Start in Lauterbrunnen und Ziel auf dem Schilthorn/Piz Gloria im Rahmen des Inferno Triathlon.

2'175 Höhenmeterunterschied prägen das Profil via Mürren auf einen der bekanntesten Schweizer Berggipfel. Entsprechend motiviert und voller Vorfreude fuhr ich am Morgen des Renntages aus der Ostschweiz zum Start, welcher um 10.15 Uhr beim Campingplatz in Lauterbrunnen anstand.  

Die Witterung war wieder die große Unbekannte. Zwar war bis in den Nachmittag kein Regen vorhergesagt, es hatte aber beim Start nur  11 Grad angesagt und auf dem Gipfel erwarteten uns Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Mit Ärmlingen und Kappe ausgerüstet begab ich mich an die Startlinie und wollte gleich von Beginn weg das Tempo forcieren. Noch am Vortag absolvierte ich eine Tempoeinheit mit sechs schnellen Kilometern auf dem Laufband. Vorbereitungstechnisch nicht ideal, jedoch war der Inferno für mich per Definition der kick-off in die zweite saisonhälfte, ein guter Trainingswettkampf. Meine Beine fühlten sich gut an, trotzdem konnte ich den Spitzenläufern nach dem Startschuss nicht komplett folgen. Die Favoriten Matthias Bieri, Werner Marti, der Nationalkader-Bergläufer Pascal Egli, Michael Lobsiger und Philipp Feuz aus Lauterbrunnen waren eine Spur zu schnell für mich. Ich hatte sie  immer in meinem Blickfeld.

Mit meinem Läuferkollegen aus Deutschland, Michael Barz, nahm ich die Verfolgung auf. Unsere Pace war ganz gut, jedoch kannte ich die Strecke nicht und wollte nicht alle Körner auf anhin in den wind schießen. Philipp Feuz konnte das Tempo der vier schnellsten auch nicht weiter mitgehen und ich konnte mich ihm kontinuierlich annähern. Die etwas flacheren Kilometer 7-10 nutzte ich, um eine regelmäßige Pace zu rollen.

 
Ralf Birchmeier, dahinter Michael Barz
© alphafoto.com

Endlich erreichte ich mit Michael Barz im Schlepptau die Zwischenstation in Mürren auf gut 1'600 Meter über Meer. Für das Bergdorf eine tolle Gelegenheit, sich den über 400 Halbmarathonis, einigen Staffelläufern und zahlreichen Triathleten zu präsentieren. Mit zunehmender  Höhe wurde es auch kälter. Ich war dankbar, dass mein Vater ausgangs Mürren mich mit frischen Klamotten und Handschuhen versorgen konnte.

Im gewohnt  rhythmischen Schritt nahm ich den Schlussaufstieg in Angriff. Auf gut 7.5 Kilometern galt es noch 1'250 Höhenmeter zu überwinden. Eine Herausforderung par excellence und ein Formtest für meinen Körper. Leider konnte ich von der Gegend nicht viel wahrnehmen. Es war zu neblig und zu wolkig. Zudem lief meine Sonnenbrille dauernd an und ich musste sie abziehen, um nicht komplett im Dunkeln zu laufen.

Bei kilometer 15 lief ich endlich auf Feuz auf und konnte mich langsam aber stetig von ihm distanzieren. Kurz darauf erblickte ich auch schon Lobsiger vor mir. Er schien mit den Kräften am Ende und mir gelang es problemlos an ihm vorbeizuziehen und die Verfolgung des Spitzenquartetts anzustreben. Leider wusste ich zu keinem Zeitpunkt,  wie groß die Zeitdifferenzen zu Bieri, Marti und Egli waren. Immerhin waren sie stets sichtbar für mich. Die Zeitabstände abzuschätzen, ist bei so steilem Gelände beinahe unmöglich.

Egli holte ich dann bei Kilometer 19 ein.  Von Krämpfen geplagt musste er mich ziehen lassen, nicht ohne mir alles Gute für den weiteren Lauf  zum Gipfel zu wünschen. Mir war bald klar, dass ich wohl nicht mehr auf die Spitze werde aufschließen können und versuchte, meinen dritten Rang zu verteidigen.

Allerdings nahm die Übersäuerung der Muskulatur immer mehr zu ich "blau" lief. Gleichzeitig wurde das Gelände technisch immer schwieriger,  treppentrittartiges Gestein versperrte mir den schnellsten Weg zum Ziel. Daher war es nicht überraschend, dass mich Michael Barz auf den letzten 100 Metern noch überholen konnte. Er lief im dritten Abschnitt klare Bestzeit und sicherte sich hinter Bieri und Marti den Rang auf dem Podest mit 12 Sekunden Vorsprung vor mir. in 2.07.51 erreichte ich das Zielband bei eisigen Temperaturen. Rang fünf ging an Feuz  vor Egli und Lobsiger. Super auch der neunte Rang von meinem Freund Samuel Nef in der tollen Zeit von 2.18.

Der start in die zweite Saisonhälfte ist somit geglückt. Ich freue mich auf die weiteren Rennen und fühle mich jetzt sehr gut in Form. Am nächsten Samstag laufe ich im Pizolgebirge den Marathon im Rahmen des Sardona Ultratrails. Danach ist ein Ruhe-Weekend angesagt, bevor ich mich zum Start beim Jungfrau Marathon in Interlaken aufmache.

Weitere informationen und Berichte von
Ralf Birchmeier gibt es hier auf seinem Blog

 

Siegerliste Halbmarathon

Männer

1. Bieri Matthias, Bern                      2:05.51,3
2. Marti Werner, Grindelwald                 2:06.27,8
3. Barz Michael, D-Durach                    2:07.39,4


Frauen

1. Gassmann Bahr Daniela, Galgenen           2:18.14,0
2. Haldimann-Riedo Angela, Niederuzwil       2:30.52,0
3. Greminger Christa, Zürich                 2:33.55,2

441 Finisher

 

Informationen: Inferno Halbmarathon
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