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Laufberichte

LGA Tested

 

Wer unter der Woche nicht genug schafft, braucht ein SonntagsWorkOut. Nicht gerade wenig haben das nötig und du musst dich deshalb frühzeitig darum kümmern. Ich war noch rechtzeitig, quasi just in time. In Nürnberg ist das Ganze sogar geprüft und patentiert und für die Läufer freigegeben: Der Indoormarathon in der Landesgewerbeanstalt. Wie das ganze vonstatten geht, sehr ihr hier aus erster Hand. 

Der Festtag des St. Leonhard (6. November) ist gerade vorbei. Nur noch einige Leonhardiumzüge finden an diesem Wochenende in meiner Heimat statt. Der Heilige ist Schutzpatron der Pferde und des Viehs. Daher sind doch viele Pferdefreunde mit ihren Anhängern und Vierbeinern unterwegs. Einer der größten Umzüge findet in Bad Tölz durch die Marktstraße und am Kalvarienberg statt.

Ein ganz anderer Umzug findet in Nürnberg statt. Oder ist es ein Aufzug? Der wäre in der Landesgewerbeanstalt heute im Dauerbetrieb, führt doch unsere Laufstrecke auf die Ebenen 0 und 1, und zwar in 55 Runden beim Marathon. Der Halbe braucht 27 Runden und einen Anlauf von unten. Damit ist die Strecke auch schon fast beschrieben. Die Details erkläre ich später.

 
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120 Einzelläufer beim ganzen und halben Marathon werden zugelassen, dazu 30 Staffeln mit je acht Sportlern. Damit sind rund 300 Teilnehmer aktiv eingebunden. Auf dem Kurs sind aber nie mehr als 150 Läufer unterwegs. Wer rechnen kann, kommt bei einer Runde auf knapp 800 Meter, also kommt durchschnittlich auf alle vier Meter ein Läufer.  

Logisch, dass die Zuschauer vom Kurs ausgesperrt werden müssen, es ginge auch gar nicht anders. Aber wo Halli-Galli ist, im Wechselbereich und im Foyer, da sind auch sie herzlich willkommen. Fetzige Rhythmen von der  Sambaband „Ritmo Candela“ und die Moderation von BR-Moderator Markus Othmer bieten etwas fürs Auge und fürs Ohr.

Dass die Strecke vermessen ist, brauche ich nicht zu erwähnen, dafür ist das Team des Veranstalters, der LGA, und das des Ausrichters, dem Team Klinikum Nürnberg, Garant. Abkürzen oder ein paar Runden weniger rennen, das funktioniert auch nicht, denn die Startnummer hat einen Chip, der bei jedem Durchlauf am Ziel registriert wird. Mitzählen brauchst du nicht, du kannst auf einer Leinwand ablesen wie viele „laps to go“ du noch hast. Laufen und rechnen funktioniert sowieso nicht immer. Und zur Not kann man noch am Durchlauf nachfragen, wie es denn ausschaut. Nicht dass es ein Ultra wird, wie bei unserem Berichterstatter aus dem letzten Jahr.

15 Minuten vor dem Start beginnt im Foyer die Einweisung. Zuvor werden noch zwei geehrt. Der eine macht seinen 100. Marathon und ist hier auf M4Y nicht ganz unbekannt: „Magic“ Martin Schöll. Wenn ihr jemanden im Bayerischen oder anderswo mit einem weiß-blauen Hut oder Shirt umherlaufen seht und wenn der schwäbelt, dass ist's der Magic. Der andere ist ein Ausdauernder: Der 74jährige Friedrich Hinkel packt heute seinen 299. Marathon. Und den dritten Hunderter macht er im Bergwerk in Sondershausen nächste Woche voll. Sachen gibt’s.

Die Einweisung ist kurz und knapp. Rechts laufen und links überholen. Und im Treppenhaus ist Überholverbot, es ist zu eng. Wer andere behindert, wird abgeschossen, ääh ausgeschlossen. Und in jedem Treppenhaus wacht Johnny Controlletti. Dann müssen wir noch eine LaOla-Welle darbieten, denn der Bayerische Rundfunk wird am Abend im Dritten einen Bericht bringen.

 

Erste Runden

 

Wir gehen einige Meter zurück zu einer imaginären Startlinie. Am Boden ist nichts gekennzeichnet. Lediglich an der Wand ist ein Schild angebracht. Weder ein Herunterzählen ist zu hören, noch ein Schuss. Die Ersten rennen einfach los und die Meute springt hinterher.

 
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Nach ein paar Schritten und Augenblicken laufen wir durch die Ohrwaschelantennen von trackmyrace.com. Kein Drängeln, keine gegenseitiges auf die Füße steigen, wir laufen zivilisiert die ersten Meter und dann gleich durchs Foyer und um den Aufzug.

Dann verlassen wir das Foyer mit Musik. Weit verläuft der Gang auf der Ebene 1, ich schätze 200 Meter ist der lang. Ein wenig aufpassen müssen wir, denn bei den Feuerschutztüren steht nicht die gesamte Gangbreite zur Verfügung. Doch die Türzarge ist mit Flatterbänder gesichert.

Nach zwei Minuten Rennerei auf dem Filzboden (weich!) wird das Tempo herausgenommen, die Läufer biegen nach links ins Treppenhaus. Gleich am Eingang ist das Treppengeländer mit einer dicken weiß-roten Matratze gesichert. Der Schutz für die, die Probleme haben, die Kurve zu kriegen!

Die Treppe ist wirklich so eng, dass gerade einer bequem nach unten kommt. Wer da überholen will, muss außen vorbei und der Vordermann muss ihn passieren lassen. Oder der Schnelle macht das wie zu Jugendzeiten und rutscht auf dem Geländer hinunter. Auch hier kein Gedränge. Am Treppenabsatz, wo wir um 180 Grad wenden müssen, ist ebenfalls eine Matratze als Sicherheit am Fenster hingestellt.

Unten verlassen wir das Treppenhaus halbrechts und vor uns wartet die lange Gerade mit dem Noppenboden. Die gekippten Fenster, alle fünf bis zehn Meter, sorgen für kühle Bedingungen. Wir können aber trotzdem mit kurzer Hose und Shirt rennen. Die Luft ist frisch und Sauerstoff ist genug vorhanden.

Am Ende des Ganges sehe ich eine Linkskurve, wo die Verpflegungsstelle schon betriebsbereit ist. Ich erblicke Wasser, Elektrolytgetränke und Cola, dazu liegen Bananen, Riegel und Kekse. Jetzt nimmt natürlich noch keiner das Angebot an. Nach der Linkskurve geht es wieder den Gang entlang und dann wieder nach rechts in das enge Treppenhaus nach oben. Gefahrenstellen sind auch hier gesichert.

Oben auf der Ebene rennen wir links weiter und sind in wenigen Momenten wieder im Foyer, das wir mit einer Linkskurve betreten. Gleich am Anfang laufen wir durch die Zeitmessanlage. Rund vier Minuten dauert meine Runde. Aber 55 Treppenhäuser hinunter und die gleiche Anzahl nach oben sind eine zeitliche Unbekannte. Insgesamt ergibt sich eine Höhendifferenz von 455 Metern. Sind da die positiven und negativen Höhenmeter aufaddiert?

54 warten noch. Ich will euch aber nicht jede einzelne erzählen, nicht dass ihr mich in ein Narrenhaus einweisen lasst. Langweilig ist der Lauf aber nicht, sondern du siehst immer Läufer und auch interessantes am Rande der Strecke. Total abwechslungsreich ist das.

Da sind Sammler wie Gerhard Wally, der mir zu Beginn an den Fersen klebt, später wird ihn eine Unverträglichkeit das Tempo verlangsamen lassen. Oder der Leopold Eigner, der im Expresstempo dahin läuft. Es sind einige vom 100MC dabei. Auch der Erwin Bittel, der alle Ausgaben hier gelaufen ist und heute schauen will, ob er schon einen Marathon durchhält. Er hatte nämlich vor kurzer Zeit einen Unfall und muss schauen, ob die Kraft reicht.

Wir sind rund 20 Minuten unterwegs. Ob es in die fünfte oder sechste Runde geht, weiß ich nicht mehr, denn da wartet eine groß gewachsene Sambaschönheit. Ich bin jetzt der einzige, der für ein Bild stehenbleibt und damit schon den anderen Pressefritzen auffällt. Norbert Wilhelmi, der Fotograf aus Nürnberg, lacht und schießt mit seinem Gerät.

Dann die Sache mit der Verpflegung: Jede Runde zuzugreifen, wäre wohl übertrieben, aber so alle drei, vier Runden, das ist sicher nicht das Verkehrteste. Ich greife mir immer so nach rund 20 Minuten Laufzeit ein Isogetränk. Nach der Labung den Becher so einfach auf den Boden werfen, geht nicht. Also entweder kurz stehenbleiben und das Ding an den Boden oder an ein Fensterbrett stellen, wäre eine Möglichkeit. Oder in die große Abfalltonne zielen. Und wenn doch etwas danebengeht, wartet ein Putztrupp mit Putzlumpen und wischt die Nässe vom Boden weg.

Die ersten Überholmanöver sind längst geschehen, da kommt wieder einer von hinten. Muss ein Trapper sein, dem Laufgeräusch nach. Ohne mich umzudrehen erkenne ich den Läufer. Oder doch nicht? Doch, es überholt mich mein Freund aus dem Stadt-Lauftreff. Der Willi Beck ist auf dem Halben pfeilschnell unterwegs und er wird seine Klasse der 60jährigen deutlich gewinnen. Heute versägt er mich. Ich werde ihn nächstes Jahr zu einem Marathon schleppen und mich revanchieren.

 

Mit Schuh oder ohne

 

Nach 90 Minuten Sonntags-Workout laufe ich auf ein Mädel auf, das, zu meinem Erstaunen, ohne Schuhe läuft. Wenn ich mir vorstelle, an einer Stufe mit einem Zehen hängenzubleiben, dann wäre ein bayerischer Urschrei fällig. Lisa-Marie Jasper wir wissen, was sie macht. Schließlich kommt sie von der Laufschule Marburg.

 
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Die Taktik im Treppenhaus ist eine eigene. Die schnellen Läufer springen zwei Stufen im Galopp hoch und wahrscheinlich drei hinunter. Sie nehmen aber Tempo heraus, wenn sie erkennen, dass der Vordermann langsam hochsteigt oder unsicher ist, wenn es stufenabwärts geht. So ganz rund läuft es bei mir auch nicht, denn in der rechten Hand halte ich die Kamera und die gleiche bräuchte ich für das Treppengeländer.

Die Sache mit der Treppenzahl habe ich euch schon erklärt. Gut, dass ich mir die 2420 Stufen gemerkt habe. In jedem Treppenhaus sind es 22. Ein Haufen Zeugs.

Wie es genau ist, mit dem Rundenzählen? Nun, gemessen wird ja an den Gates und im Foyer ist ein Beamer aufgebaut, der Name, Startnummer, Rundenzahl und Zeit auf eine Leinwand wirft. Zu Beginn des Rennens ist es mit der Anzeige ziemlich hektisch. Später wird es besser, da gleichzeitig so 10 Datensätze angezeigt werden, die immer beim Durchlaufen der Zeitmessung nach oben verschoben werden. Manchmal sehe ich etwas, dann wieder nichts (mehr). Ich beschließe, die Rundenzahl erst dann in den Fokus zu schieben, wenn die Halbmarathonis am Ende sind.

Im Foyer ist Stimmung. Im hinteren Teil wechseln die Staffeln, sieben warten und einer ist am Rennen. Ja, eine liebe Bekannte ist mit ihren Schützlingen vom Laufclub 21 auch gekommen. Anita Kinle schafft es immer wieder, den ihr anvertrauten Kindern trotz Handicap Spaß zu vermitteln. Für den 15. März im nächsten Jahr lädt sie schon wieder alle zum Welt-Down-Syndrom-Tag-Marathon ein. Sehr zu empfehlen, die Veranstaltung.

Etwas Feines scheint es auch in der Kantine zu geben. Es riecht bei der Runde um den Fahrstuhl lecker nach Schweinebraten und Knödel. Und Bier soll es für 1,70 EUR geben, das hat mir einer an der V-Stelle zugerufen, als ich wegen eines isotonischen Hopfengetränks nachgefragt habe.

 

Da läufts von selbst

 

Gut drei Stunden bin ich unterwegs, noch fünf oder sechs Runden habe ich vor mir. Die Samba-Maderln sind am Tanzen. Und mich reitet der Schalk. Ich bleibe stehen, deute einer an, ein Selfie zu machen. Und das Sambagirl drückt sich an meine Backe. Heja, den Schwung nehme ich gern mit zum Endspurt. Ein anderer Läufer hat noch mehr Zeit als ich, legt der doch mit einem Girl einen Samba hin.

 
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An der V-Stelle dienen mir Volker Drexler und Cornelia Kaltwasser als Fotomodell. Volker sorgt sich zwar ein wenig um den Familienfrieden, aber nachdem der Urheber des Bilder ein verrückter Fotograf ist, ist es halb so schlimm. Ein paar Meter weiter hockt der andere Fotograf namens Erwin auf dem Heizkörper (kalter Hintern?) und schießt zurück.

Langsam wird es Zeit. Ich bin nun rund 3,5 Stunden unterwegs, ich muss mich orientieren. Die Leinwand zeigt noch drei Runden. Noch einmal trinken und den Lauf ordentlich beenden. Einen Spurt zu beginnen wie bei den letzten Läufen, lasse ich bleiben, nicht dass ich im Übereifer doch noch einen Matratzentest im Treppenhaus mache. Das mit den Prüfungen überlasse ich lieber den Fachleuten der LGA.

Die letzten Runden kommen keine Läufer mehr von hinten und ich bin sicher, gleich bin ich an der Reihe. Die letzte Runde laufe ich ruhig durch, letzte Treppe hinunter und zwei Minuten später hinauf. „I'm On Fire“ von der britischen Band 5000 Volts hat der DJ gerade aufgelegt. Der richtige Motivator für die letzten 24 Stufen und nach einer weiteren Minute geht es durch die Zeitmessanlage. Mein kurzes Nachfragen ergibt: „Du bist fertig“. Geschafft und das deutlich unter 4 Stunden.

 

Impressionen an der Strecke und im Ziel

 

Ich bleibe noch kurz im Foyer und mache mich dann auf zur letzten „Ehrenrunde“ im Spazierschritt. Jetzt kann ich noch genug fotografieren, denn im Rennen war es etwas strapaziös. Einfach auf die Seite treten und ohne Behinderung zu fotografieren, war fast nicht möglich. Ich motiviere noch die im Rennen befindlichen Athleten. Meinen Dank lasse ich auch den Treppenhaus-Aufpassern und den netten Helfern an der V-Stelle wissen.

 
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Mittlerweile hat Olaf Schmalfuss seine dampfenden Socken und Schuhe ausgezogen und läuft … barfuß. Und Erwin kann seinen ersten Marathon nach langer Pause durchziehen, Glückwunsch. Dörte Schwalbe aus Zwickau sagt es deutlich und damit uns allen aus dem Herzen: „Danke Nürnberg“ steht auf ihrem Shirt.

Gerade rechtzeitig bin ich dann zur Siegerehrung zurück, wo die schnellsten Renner Urkunden und Geldpreise erhalten. Alle Finisher bekommen Kaffeebecher, Goldmedaille und Laufshirt. Alles für 25 EUR - ein preiswertes Vergnügen.

Im Verpflegungsbereich erhalten wir zusätzlich Kaffee und Kuchen. Für den Schweinebraten war ich zu langsam, der ist nämlich „aus“. Langsam darf man nicht sein, wenn man nächstes Jahr den Indoor Marathon  laufen will. Der Termin steht: Am 08.11.2015. Die Plätze sind begrenzt.

 

Siegerliste Marathon

 

Männer

1 Stegner, Carsten ASICS Frontrunner 2:51:56,0 
2 Siegler, Markus-Kris... 3:01:29,4   
3 Siegl, Thorsten Team AR Sport Asperg 3:05:55,6  

Frauen

1 Veith, Pamela TSV Kusterdingen 3:16:59,5   
2 Decker, Sonja TG Viktoria Augsburg  4:13:16,3   
3 Gottleuber, Rita  4:19:56,1  

 

Informationen: Indoor Marathon
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