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Laufberichte

Schnelle Bahnstrecke

 

Nach langer Verletzungspause ist es endlich so weit: Wir sind auf dem Weg zu Norberts 100. Marathon. Unser Ziel heißt Simmern, mittlerweile Verbandsgemeinde mit knapp 8000 Einwohnern, im Hunsrück. Wer in der Schule aufgepasst hat, weiß, dass der Hunsrück zu den deutschen Mittelgebirgen zählt und zwischen Rhein und Mosel liegt.

Es ist Ferienzeit, die traditionell dazu genutzt wird, umfangreiche Autobahnsanierungen durchzuführen. Das heißt Dauerstau. Die geplante Fahrzeit wird deutlich überschritten, so dass wir viel zu spät Simmern erreichen.  Unsere Startunterlagen samt prall gefüllter Startertasche können wir  trotzdem noch in Empfang. Den Gutschein für die Pastaparty bekommen wir ebenfalls mit, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass wir ihn noch einlösen können.

Auf dem historischen Marktplatz vor dem Simmerner Schloss  ist das Veranstaltungszelt. Das angrenzende Start und Zielareal mit massiven Absperrungen ist eines großen Laufes würdig. Gerade findet die Siegerehrung für den eben beendeten City-Run statt. Jeder der 4 Läufer eines Teams legt dabei eine Strecke von 850 m zurück - Spaßfaktor garantiert. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung. Prominentester Läufer ist Joey Kelly. Natürlich bekommen wir auch noch unsere Portion Nudeln und die verkorkste Anfahrt  findet  ein versöhnliches Ende.

 
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Am nächsten Morgen geht es zeitig los. Vor 8 Uhr fahren Shuttlebusse die Marathonläufer vom Ziel in Simmern zum Start nach Emmelshausen. Die halbe Stunde im Bus vergeht wie im Flug. Wir, als Hunsrück-Neulinge, erhalten einen ersten Eindruck von der Umgebung. Zwischen Wald und Feldern sind auffallend viele Windräder zu sehen.

Die Busse halten vor dem ZaP, dem Zentrum am Park. Der rührige Kulturverein am Ort hat die Verbandsgemeinde Emmelshausen zum Mittelpunkt im gesamten Rhein Mosel Dreieck gemacht. Wo sonst diverse Kulturveranstaltungen ihr Zuhause haben, sind an diesem Morgen eher die Toiletten gefragt. Wir folgen den Inlineskatern über den Kreisel und können nun einen Blick auf das große Starttor werfen. Es ist keins von den aufblasbaren farbigen Teilen, die man sonst kennt. Nein, es handelt sich um ein massives Metallgestell in professioneller Aufmachung. Dass die Zeitnahme durch die renommierte Firma Mika-Timing erfolgt, sagt eigentlich schon alles. Gerade machen sich die Inlineskater zum Start bereit. Fasziniert verfolgen die Läufer die Startvorbereitungen und spenden begeistert Applaus, als die Sportfreunde auf ihren acht Rollen loslegen.

 
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Langsam wird es nun auch für die Läufer Zeit. Das Gepäck wird abgegeben und man fiebert dem Start entgegen. Zunächst erfolgt aber noch eine Ehrung für 4 Läufer, die bei allen 15 Hunsrück Marathons dabei waren. Diverse Teilnehmer, die karitative Zwecke verfolgen, werden ebenfalls vorgestellt. Dann wird Marco Diehl interviewt, Hunsrück Marathon Seriensieger, der letztes Jahr leider verletzt aufgeben musste. Kurz vor dem Start muss dann auch Norbert noch ein paar Worte sagen: 100 Marathons sind doch etwas Besonderes. Dann pünktlich um 9 Uhr geht es los.

Zunächst folgen wir der Straße bergab, bis es am Stadion über einen Rasenstreifen auf einen Feldweg geht. Hier ist Konzentration gefragt, denn der Führungsradler kommt uns entgegen und hat alle Hände voll zu tun, um seinem Schützling den Weg zu bahnen. Marco Diehl ist in voller Fahrt. Schnell kommen aber auch seine Verfolger an uns vorbei. Wir amüsieren uns, weil sich einer der Schnellen aufregt, dass Marco scheinbar den Windschatten des Radlers nutzt. Nach der Wende am Friedhof wird mir klar, warum der Läufer so entzürnt war: Hier pfeift ein kräftiger Gegenwind.

 
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Wir verlassen das Begegnungsstück,  gerade als der Führende des Staffelwettbewerbs dorthin einbiegt. Die Staffeln sind 5 Minuten später gestartet. Wir haben bereits 3 Kilometer geschafft und es geht links Richtung Zentrum von Emmelshausen durch das Wohngebiet bergauf. Die Steigung zieht sich und ich gehe lieber. Die Anwohner stehen auf der Straße und feuern uns an. Schon ist die erste Getränkestelle erreicht. Oben angekommen, stelle ich fest, dass wir wieder an unserem Ausgangspunkt gelandet sind. Ich erkenne trotz der vielen begeisterten Zuschauer den Kreisverkehr und das ZaP.

Die 1935 als Bahnhofssiedlung gegründete Gemeinde Emmelshausen erhielt 2010 anlässlich ihres 75 jährigen Bestehens offiziell Stadtrechte. Ihr gehören 24 Ortsgemeinden sowie die Stadt Emmelshausen an. Für Radler und Wanderer ist Emmelshausen Ausgangspunkt von vielen schönen Touren. Die Anreise erfolgt am besten mit der Hunsrückbahn, der steilsten Eisenbahnstrecke nördlich der Alpen, von Boppard aus. Früher ging die Strecke noch weiter bis Simmern. Dieser Abschnitt wurde jedoch bereits ab 1983 stillgelegt und zurückgebaut. Auf dem ehemaligen Bahndamm entstand dann der Schinderhannes-Radweg, der nun bei Radwanderern ein weiterer Bahntrassenklassiker ist. Das Schild mit dem bewaffneten Banditen zeigt den Weg.

Der Weg, 3 Meter breit, asphaltiert und von Bäumen gesäumt, ist heute für Radler gesperrt, denn er  gehört den Läufern. Hoch erfreut laufe ich am km 6 Schild vorbei. Das ist aber schnell gegangen. In Sabina hab ich eine nette Gesprächspartnerin gefunden. In gleichem Tempo bewegen wir uns im Gespräch vertieft vorwärts. Immer wieder öffnet sich die Allee und gibt den Blick auf die Weite der Hunsrück-Hochfläche frei. Wenn es auf dem Radweg irgendwelche Steigungen geben sollte, sind sie mir bisher nicht aufgefallen.

 
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Bei km 10 warten die Helfer mit Wasser und Bananen. Das Wetter ist optimal, Temperaturen um die 20 Grad sind auf dem schattigen Weg gut auszuhalten. Hier ist auch der erste Wechselpunkt für die Staffeln. In dem Getümmel verliere ich Sabina aus den Augen. Auf meiner Uhr sehe ich eine super Laufzeit für die bisherige Strecke. Vielleicht wäre es ganz gut mich, nun einzubremsen.

Hier zu laufen ist reiner Genuss. Immer wieder kommt ein Staffelläufer von hinten. Jedes motivierende „Hallo“ macht die Sache kurzweiliger. Am Alten Bahnhof der Gemeinde Pfalzfeld liegt der bewirtete Biergarten direkt an der Strecke. Heute am späten Vormittag ist ganz schön was los. Jeder klatscht und feuert die Läufer an. Ich habe gelesen, dass man hier sogar in einem der alten Waggons übernachten könne. Für die Läufer kommt die nächste Stärkung ein paar Meter weiter (km14).

Neben der Strecke, auf einem Feld, ist ein Bauer mit seinem Traktor beim Einsäen. Die eindrucksvolle Staubwolke, die die Maschine erzeugt, zeigt, dass dringend Regen benötigt wird. Es muss auch mächtig windig sein, denn der Staub weht bis zur Laufstrecke. Da heißt es Mund zu und durch. Klaus kommt von hinten. Wir kommen ins Gespräch und ich lasse mich mitziehen. Dann ist er mir aber doch zu schnell. Dafür laufe ich nun auf Fritz auf, der es gerade nicht so eilig hat. In Lingerhahn (km17) kann man wieder Relikte aus vergangener Eisenbahngeschichte bewundern. Eine imposante rote Rangierlok und diverse Verkehrszeichen säumen die Strecke. Die VP steht strategisch günstig, so dass auch einheimische Zuschauer die Läufer näher betrachten können.

 
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Die VP bei km 19 steht mitten in wunderbarer Landschaft. Entsprechend gut gelaunt sind auch die Helfer. Ich lasse mich sogar zu einem Energieriegel verführen. Normalerweise mache ich keine Experimente, aber irgendwie bin ich heute besonders gut drauf. Es folgt eine längere freie Fläche zwischen abgeernteten Feldern. Hier hat der Wind nun Gelegenheit, uns richtig anzugreifen. Gott sei Dank kommt er aber tendenziell von der Seite. Wir werden richtig durchgepustet und sind froh, als wieder Bäume auftauchen.

Unspektakulär, aber immerhin mit einem Schild gekennzeichnet, erreichen wir die Halbmarathondistanz. Bei km 22 ist wieder Staffelwechsel und somit Hully-Gully. Schön, danach wieder in die Stille des Waldes abtauchen zu können. Mein bisheriger Laufpartner Fritz ist mir nun allerdings auch zu schnell und ich lasse mich zurückfallen. Bei km 24 gibt es schon wieder etwas zu trinken.

Kastellaun (km 27) kommt in Sicht, es wird wieder belebter. Von rechts stößt die Strecke des Halbmarathon auf unsere. Der Start war um 11 Uhr 30 und die Schnellen haben die Schleife von 6 km bereits beendet und biegen nun ein. Ich genieße den Durchlauf durch den Start mit den vielen Zuschauern. An der nun folgenden VP verkrümele ich mich allerdings hinter die Tische. Denn hier flitzen die Halbmarathonis nur so vorbei und schnappen etwas unkoordiniert nach den Bechern. Das ist mir zu chaotisch.

 
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Übrigens sind die Becher bei diesem Lauf aus stabilem Kunststoff und werden wiederverwendet. Leider muss ich immer wieder beobachten, wie Läufer die gebrauchten Becher in weitem Bogen in die Landschaft befördern. Was soll das? Hinter jeder VP gibt es genügend Wannen, um die Becher zu entsorgen.

Nach den vergangenen ruhigen Kilometern ist es zunächst ungewohnt, soviel Gesellschaft zu haben. Dass die noch dazu viel schneller sind, ist auch nicht gerade lustig. Plötzlich werde ich angesprochen. Ein Läufer bietet mir an, ein Foto von mir zu machen. Verdutzt frage ich nach, ob er denn genügend Zeit dafür hat. „Ja, klar, wir sind ja zum Spaß hier“ bekomme ich als Antwort. Gesagt getan. Nun bin ich auch versöhnt mit den vorbeirennenden Kollegen. Der Radweg führt jetzt etwas oberhalb an der B327 entlang.

An einer kleinen Steigung bei km 29 stehen Zuschauer. Gewohnheitsmäßig will ich bergauf gehen. Aber der Applaus spornt mich so an, dass ich wieder anlaufe. Einmal im Laufen, ist es dann gar nicht mehr so schlimm, und so erreiche ich laufend die Anhöhe. Hinter der nächsten VP geht es bergab. Der Weg läuft in einem wunderbar zu laufenden Gefälle durch kühlen Wald. Aus dem Höhenprofil der Streckenbeschreibung hatte ich entnommen, dass es nun bis ins Ziel immer leicht bergab gehen wird. Mir geht es richtig gut. Ich habe einen Schnitt von 6:28 Minuten pro Kilometer auf der Uhr. Kann das noch für eine Zeit unter 4:30 reichen? Ohne viel nachzudenken, lasse ich es jetzt laufen. Natürlich ist das nur relativ, denn die Halbmarathonis sind immer noch viel schneller. Aber der eine oder andere Marathoni kommt nun vorne in Sichtweite und ich kann einige überholen.

 
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In Alterkülz steppt der Bär. Die Zuschauer sind ausgelassen und feiern jeden vorbeikommenden Läufer. An der VP wird Cola an einem Bistro-Stehtisch ausgeschenkt. Es herrschen verschärfte Bedingungen: Wespenalarm. Der Helfer schenkt daher nur nach Bedarf aus. Hier merkt man nun auch, dass es mittlerweile warm geworden ist. Ich bin froh, dass ich immer rechtzeitig getrunken habe. Es geht nun nochmals ein Stück an einer wenig befahrenen Straße entlang, die wir dann auch überqueren. Eine ruhige Talaue empfängt uns. Hinter km 36 steht schon wieder eine VP und gleich noch eine bei km 38.

Bei einem Schnitt von 6:25 auf der Uhr will ich nicht nachgeben. Ich konzentriere mich voll auf die letzten Kilometer. Bei km 41 erreichen wir eine Kehre, die noch einen kleinen Anstieg aufweist. Zur Sicherheit gehe ich da hoch. Man kann schon den Moderator hören. Wieder bergab komme ich aber nicht mehr richtig in Fahrt, so dass eine Halbmarathonläuferin an mir vorbeizieht. Sei 's drum. Das Ziel ist nah. Ein kleiner Schlussspurt und ich überquere die Ziellinie. Netto 4:30:46 ist eine super Zeit für mich.

 
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Es gibt eine tolle Medaille und üppige Zielverpflegung. Dass es am Bierstand staut, liegt in der Natur der Sache, da gerade auch sehr viele Halbmarathonis ankommen. Norbert hat mich noch nicht erwartet und so dauert es etwas, bis wir uns finden. Er hat seinen 100. geschafft und das endlich auch wieder in einer Zeit unter 4 Stunden. Das wird ja immer besser. Marco Diehl hat übrigens erneut gewonnen.

Mir ist unklar, warum der Hunsrückmarathon mit 200 Startern nur zu den kleinen Marathons zählt. Die Organisation ist top, die Strecke nahezu flach, trotz des Windes schnell, und selbst bei Regen gut zu laufen, da praktisch überall asphaltiert. Landschaftlich braucht man sich hier ebenfalls nicht zu verstecken. Die Verpflegung ist gut, es gibt Bananen, Riegel, Gel, Wasser, Ultrabuffer und hinten raus Cola. Die Helfer sind super nett und Zuschauer gibt es auch. Durch den Spaßlauf am Vortag, die Kinder- und Schülerläufe, die Inlineskater, die Staffeln und die intelligente Zuführung der Halbmarathonstrecke ist immer etwas geboten und es entstehen unschätzbare Synergieeffekte. Auch für Sponsoren ist das dann interessant. Uns hat es jedenfalls sehr gut gefallen.

 

Marathonsieger

 

Männer

1 Diehl, Marco (GER)  DVAG Team  02:43:01
2 Molemans, Luc (BEL)  DAC  02:44:33
3 Fischer, Karsten (GER) SSC Hanau-Rodenbach  02:46:13

Frauen

1 Wald, Luka (GER)  RP Koblenz  03:09:29
2 Hundrieser, Sabine (GER)   03:12:32
3 Chaari, Erika (GER)   03:26:22

206 Finisher

 

 

Informationen: Hunsrück Marathon
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