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Laufberichte

Rauben, Schinden, Laufen, Schnaufen

 

Das Laufen  brauche ich wohl nicht zu erklären. Kommen wir also direkt zum Schnaufen, was zwar auch eng mit dem Laufen zu verbinden ist, hier aber für die Dampflokomotive steht, die früher auf dieser Marathonstrecke gefahren ist, nämlich die Hunsrückbahn.

Am 1903 ermächtigte der preußische König die Staatsregierung, die Strecke zwischen Kastellaun und Boppard zu bauen, für die fast unglaubliche  Summe von fast 6 Mio. Mark. Der Teil der Laufstrecke Simmern – Kastellaun- Emmelshausen war  pro Kilometer mit  80.000 Mark veranschlagt, die restlichen Kilometer der Strecke Buchholz – Boppard jedoch mit 640.000 Mark wegen der großen Höhenunterschiede, die  durch Viadukte und Tunnel überwunden werden mussten. Die Erkenntnis, die sich daraus für die Läufer ergibt:  Es wird auf dem flachen Teil gelaufen.

Laufen und Schnaufen ist geklärt. Von welche Region ist die Rede?  Vom Hunsrück. Im Nordwesten wird der Hunsrück von der Mosel und im Osten vom Rhein eingegrenzt. Der nordöstlichste Zipfel wird dann folgerichtig vom Deutschen Eck in Koblenz gebildet, wo die beiden Flüsse sich treffen. Die Nahe grenzt den Hunsrück, der zum Rheinischen Schiefergebirge gehört, nach Süden ab. Wie sich daraus leicht ableiten lässt, wurde über lange Zeit Schiefer abgebaut. Als Fossiliensammler kenne ich den Hunsrück aber auch als Variskisches Grundgebirge, das vor 350 Mio. Jahren entstand und über 4000 Meter aufragte. Heute ist der Erbeskopf mit mageren 816 Metern die höchste Erhebung im Hunsrück. Aus den Überresten des Devonmeeres haben sich zahlreiche Fossilien, wie Korallen, Muscheln, Schnecken, Ammoniten und Belemniten, die sogenannten Donnerkeile erhalten. Also schaut beim Laufen auch mal links und rechts des Weges. Oder schaut euch die schönsten Fundstücke im Devonium Museum in Waxweiler, nahe dem Start des Eifelultras, an.

Schinden und Rauben sind die nächsten Begriffe, die ich erklären will. Sie gehören zusammen. Ende des 18. Jahrhunderts machten der junge Johannes Bückler (Schinderhannes) und Johann Peter Petri (Schwarzer Peter) den Hunsrück unsicher. Der Bückler hat bei Wasenmeistern (Abdecker), die auch Schinder genannt wurden, gelernt. Daher der Name.

Bückler war bei über 40 Vieh- und Pferdediebstählen beteiligt und soll, was jedoch nie bewiesen wurde, auch bei Tötungsdelikten beteiligt gewesen sein. Er wurde im Februar 1799 verhaftet und im November 1803 hingerichtet. Nach dem Schinderhannes ist der Radweg genannt, der über 38km von Emmelshausen über Kastellaun nach Simmern führt. Jetzt sind wir beim Hunsrück Marathon, denn auf diesem Radweg verläuft der größte Teil der Marathonstrecke.

 
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Da von Punkt zu Punkt gelaufen wird, spielt die Logistik und Planung eine große Rolle für den Läufer. Da ich mit meiner Frau Martina ein verlängertes Wochenende in dieser schönen Landschaft verbringen will, haben wir uns für Kastellaun als Übernachtungsstandort ausgesucht, das genau auf der Mitte der Strecke liegt.  Sehenswert sind die Burg und die sehr schöne Innenstadt. So ein historischer Ort verlangt nach einer historischen Unterkunft, dem liebevoll eingerichteten Gasthof  „Am alten Stadttor“ z. B. 

Am Samstagabend habe ich schon im Zielbereich in der Hunsrückhalle in Simmern die Startunterlagen abgeholt. Das Team um Rosi und Ottmar Berg haben wie gewohnt alles im Griff. Am nächsten Morgen heißt es natürlich früh aufstehen. Kein Problem, denn  im Marathoncafé gibt es ab 6 Uhr Frühstück und um 7:55 Uhr startet der Bustransfer vom Ziel in Simmern zum Startplatz nach Emmelshausen. Es geht gemütlich ca. 30 Minuten über die Hunsrücker Landstraßen. Nach Ankunft im Ortszentrum ist noch eine knappe halbe Stunde bis zum Marathonstart um 9 Uhr. Die Skater starten 15 Minuten vor uns, dann die Walker. Nach uns gehen dann noch die die Staffelläufer auf die Strecke.

Die Teilnehmer sind alle trotz des recht kühlen Wetters von 7 Grad (!) relativ entspannt und nach dem Startschuss setzt sich das kleine Feld der Spitzenläufer vorne schnell ab.  Also ein problemloser Start, denn es gibt ja die Nettozeit-Messung mit dem Champion-Chip. Und ich stehe wie immer ganz hinten.

 
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Zunächst laufen wir eine gut 4 km lange Eröffnungsrunde mit Begegnungspassage  durch Emmelshausen. Bis hierher ist es leicht wellig, nur zwischen km 4 und 5 gibt es einen knackigen Anstieg von gut 50 Höhenmetern. Dann sind wir wieder am Startpunkt und eine große Zuschauermenge erwartet uns.

Kurz hinter dem 5 Km-Schild biegen wir dann auf den schon genannten Schinderhannes-Radweg ab, der ganz in der Nähe an der Touristikinfo  beginnt. Vor uns liegen jetzt rund 35 km  Radweg mit nur ganz wenigen Höhenmetern. Die Strecke ist durchgehend asphaltiert, was ich als alter Landschaftsläufer etwas schade finde, aber natürlich ein schnelles Laufen ermöglicht.

Die Laufstrecke führt durch Leiningen und ca. 2 km dahinter erreichen wir Norath. Ab hier bei km 12 beginnt ein langgezogener, fast 5 km langer und kaum spürbarer  Anstieg. Bei km 14 passieren wir den ehemaligen Bahnhof von Pfalzfeld, der zu einer schönen Gaststätte mit großem Biergarten umgebaut wurde. Ganz in der Nähe, direkt an der Laufstrecke ist vor 3 Jahren auf einem kleinen Hügel eine keltische Erinnerungs- und Erlebnisstätte mit einer 3,5 Meter hohen Nachbildung der Pfalzfelder Flammensäule entstanden. Die Originalsäule steht in Pfalzfeld. Es sind jedoch nur 148 cm davon erhalten. Sie wird von Fachleuten als eines der wichtigsten keltischen Steinzeuge nördlich der Alpen bezeichnet.

 
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Die nächsten 3 km geht es weiter  ganz leicht bergauf bis nach Lingerhahn, das noch zur Verbandsgemeinde Emmelshausen gehört. Nördlich von Lingerhahn wurden 1873 Reste einer römischen Villa Rustica ausgegraben, die der Versorgung römischer Truppen diente.

Jetzt geht es bergab nach Dudenroth. Hinter dem Ort befinden sich die Reste der Dudenrother Schanze. Es handelt sich hierbei um eine mittelalterliche Niederungs-Burg und Siedlung, von der kaum erkennbar nur noch kleine Wall- und Grabenreste zu erkennen sind. Im Jahre 1787 wird „die Burg“ als eine Verschanzung von etwa 200 Fuß im Durchmesser mit zwei Gräben und einem hohen Wall beschrieben. Unser Laufweg führt uns mitten hindurch.

Fast eben geht es  dann durch die kleinen Dörfer Ebschied und Hollnich. Immer wieder haben wir freie Blicke über die wunderschöne hügelige Landschaft des Hunsrücks. Zwischenzeitlich kommt jetzt auch einmal die Sonne durch und die 14 Grad erscheinen einem als recht warm.

Es geht fast 3,5 km leicht bergab zum nächsten Ort. Kastellaun ist erreicht und meine Frau Martina reicht mir Getränke. Wir sind mittlerweile bei km 27 und laufen auf ein großes Zieltor zu. Das ist aber zum Glück nicht unseres, sondern der Startplatz für die Halbmarathonies. Nach einer ca. 7 km Schleife durch den ist ihre Strecke mit der des Marathon identisch. In Kastellaun ist, wie schon erwähnt, die Burg und Altstadt, sowie ein Spielzeugmuseum.

Die nächsten 2km zum Bahnhof Bell steigt es mal wieder leicht an. Bell ist eine sehr alte Siedlung. Schon der Name weist auf einen keltischen Ursprung hin. Wir sind bei km 30 und das Streckenprofil zeigt ab jetzt nur noch bergab (ca. 110 HM auf 11 km verteilt). Nach weiteren 2,5km erreichen wir Hasselbach. Wir kommen durch Alterkülz (km 34) und laufen Richtung Neuerkirch. Hinter dem südlichen Ortsausgang in der Nähe des Külzbaches befinden sich die Überreste einer mittelalterlichen Eisenverhüttung und die Reste der Erzgrube Eid.

 
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Wir kommen durch das malerische Dorf Neuerkirch, mit seinen hunsrücktypischen Fachwerkhäusern. Es sind nur noch 5 km zum Ziel und es geht noch immer leicht bergab. Kurz hinter Külz quert der 50. Breitengrad den Radweg, worauf ein Stein und eine Tafel besonders hinweisen.

Immer wieder weisen Tafeln auf die römischen Ursprünge der Gegend hin, so z.B. auch auf die Villa Rustica. Da ist aber noch etwas anderes: Am Start hatte ich einen Läufer gesehen, der auf Ledersohlen mit Schnüren am Fuß befestigt hatte. So, wie es wahrscheinlich die Römer machten. Wie weit er damit wohl gekommen ist?

Zurück zur Strecke. Es geht vorbei an Keidelheim und weiter  zum tiefsten Punkt unserer Laufstrecke, dem Schmiedeltunnel. Kurz vor dem Tunnel erreichen wir das KM-Schild 41.

Hinter dem Tunnel geht es unter einer Brücke durch und zur Überraschung aufwärts. Naja, was ist dem tiefsten Punkt schon anderes erwarten. Wir umlaufen einen Kreisverkehr, dann noch kurz bergauf und schon liegt die Zielgerade auf den Rathausplatz vor uns.

Hinter dem Ziel bekommt man eine schöne Medaille und das obligatorische Finisherbier. Den Kleiderbeutel kann man sich in der Hunsrückhalle abholen und anschließend im nahegelegenen Hallenbad duschen.

Den Rest des Tages schauen wir uns die Sehenswürdigkeiten, z.B. den Schinderhannesturm, das Schloss mit Schlossplatz, das Gerberhaus, das alte Rathaus, die Stadtmauer und die Bastion näher an.

 
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Alles in allem muss ich sagen: Der Hunsrück Marathon ist toll organisiert, ein idealer Genuss- oder Tempolauf, ganz wie man will. Die Gegend ist  abwechslungsreich und interessant mit vielen touristischen Entdeckungsmöglichkeiten.

 

Marathonsieger

Männer

1 Schmidt, Josias (GER)     02:48:15
2 Kopp, Sascha (GER)     02:57:54
3 Müller, Christian (GER)     02:59:12

Frauen

1 Krieg, Stefanie (GER)  LG MuLi  03:34:06
2 Lenger, Rebecca (GER)  LG Laacher See  03:39:09
3 Hein, Susanne (GER)  BBTS Dahlbruch  03:47:06

181 Finisher

 

Informationen: Hunsrück Marathon
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