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Laufberichte

Zu guter Letzt

 

Der Hochwald Marathon ist Geschichte. Am 05.09.2015 wurde er zum letzten Mal ausgetragen. Grund genug für uns, dieses kleine, aber feine Laufereignis in vollen Zügen zu genießen.

Die Wetterprognosen scheinen günstig. Nach den Hitzeläufen in diesem Jahr soll das Wochenende mit Temperaturen um 15 °C optimales Laufwetter bieten. Der Schillinger Volkslauf findet erst am Nachmittag statt.  Die Marathonläufer  beginnen um 13 Uhr, um 15 Uhr wird der Halbmarathon gestartet, dazwischen gibt es diverse Schüler und Bambiniläufe, dann noch etwas für Walker, der Zehner ist um 16 Uhr 30, und für alle ist Zielschluss um 18 Uhr 30.

Die Anfahrt gestaltet sich unspektakulär. Die kleine Gemeinde Schillingen mit ihren 1230 Einwohnern liegt im Südwesten von Rheinland-Pfalz, im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg, im Naturpark Saar-Hunsrück. Sie ist eine der 13 Ortsgemeinden von Kell am See. Mit der Gründung des Hochwald-Ferienlandes zwischen Osburger Hochwald mit dem Rösterkopf, als höchste Erhebung, und dem Ruwertal, ist man touristisch gut aufgestellt und bereit, diese wunderbare Landschaft mit interessierten Besuchern zu teilen.

Je näher wir unserem Ziel kommen, desto düsterer wird der Himmel. Feiner Nieselregen kann uns zunächst nicht schocken. Als wir allerdings auf den Parkplatz vor dem Startgelände einbiegen, bietet sich uns ein trauriger Anblick. Schon den ganzen Vormittag regnet es hier. Dick vermummte Helfer sind gerade dabei, letzte Hand an zulegen; große Pfützen und triefende Bäume machen das ganze allerdings sehr ungemütlich. Dazu ist es mit 10 °C unangenehm kalt.

Die Startunterlagen gibt es im überdachten Vorbau der Mehrzweckhalle. Es zieht und alles ist klamm. Den Helfern scheint das aber nichts auszumachen. Als Präsent zum 20 jährigen Jubiläum des Spiridon Volkslaufs bekommt jeder Starter ein Piccolo und ein Glas Marmelade und viele liebe Worte. Dann geht es in die Halle. Dort ist es schön trocken und warm.

 
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Den meisten Läufern geht es wie uns: sie sind auch falsch angezogen. Wir scheinen das einzige Regenloch in der gesamten Gegend erwischt zu haben. An eine Laufjacke hatte ich gar nicht gedacht. Nur die normale dünne Windjacke, die wir zum Darüberziehen dabei haben, kann uns noch weiterhelfen. Es geht das Gerücht um, dass es pünktlich zum Start aufreißen soll, schließlich hat es hier am Lauftag noch nie geregnet. Wir klammern uns an diesen Strohhalm.

Erst kurz vor dem Start begeben wir uns nach draußen. Es regnet immer noch. Der Sprecher versucht die Stimmung zu heben. Dann werden die knapp 70 Starter auf die Strecke geschickt. Zunächst geht auf die Felder. Noch sind wir inmitten der Läufer vor Wind und Regen ein bisschen geschützt. Leider kann ich dem Tempo der anderen nicht folgen; das Feld entschwindet nach vorn, nur Norbert bleibt bei mir. Wenn man mal am Laufen ist, spielt das Wetter keine große Rolle mehr. Die Jacke hält den Wind ab und der feine Niesel macht nichts mehr aus. Wir haben freie Sicht auf den nahen Wald, wo die Nebel hängen. Hinter einer Kurve können wir einen letzten Blick auf die Führenden werfen - kleine bunte Punkte, die in der Ferne im Wald verschwinden. Die Ersten sind zackig unterwegs.

 
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Dann haben auch Norbert und ich den Wald erreicht. Wir kommen am Wendepunkt für den 5 km Lauf vorbei. Hinter km 3 stehen bereits die Helfer der ersten VP, und bergab geht es weiter. Hinter einer kleinen Holzbrücke beginnt der erste Singletrail, der uns zum Keller Stausee führt. Am Zusammenfluss von Kreidbach, Fronbach und Lehbach liegt der 14 ha große See. Er dient ausschließlich touristischen Zwecken wie z. B. Tretbootfahren und Angeln. In der Nähe gibt es u. a. einen Reiterhof, einen Kletterpark und eine Minigolfanlage. Außerdem grenzt der Landal Greenparks, ein Ferienpark mit seinen netten Häuschen, direkt an den See. Heute ist hier jedoch nichts los.

Es geht ein Stück auf dem Rundwanderweg entlang. Am Ende weist uns der Streckenposten nach links wieder auf einen kleinen Trail. Dieser führt zur Straße, wo die Feuerwehr den Übergang sichert und auf der anderen Seite weiter. Noch einmal geht es über eine weitere kleine Holzbrücke, dann führt uns ein Feldweg bergauf. Oben laufen wir auf einer asphaltierten Straße ein Stück am Wald entlang. Schilder weisen uns darauf hin, dass hier in der zweiten Runde ein Abzweig nach rechts sein wird. Zunächst leiten uns die Helfer aber nach links. Der Regen hat mittlerweile aufgehört und ich meine, dass es wärmer wird. Auf einer Lichtung am Waldweiher wartet bereits die nächste VP.

 
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Ein wunderbarer Singletrail führt durch den dichten Laubwald. Laut Markierungen befinden wir uns auf dem bekannten Saar-Hunsrück-Steig, der auf 410 km von Perl an der Mosel bis nach Boppard an den Rhein führt. Von Hermeskeil gibt es einen Abzweig nach Trier an der Mosel. Meist auf Naturwegen, sucht der Steig die schönsten Stellen auf und bietet so dem Wanderer ein Höchstmaß an Naturerlebnis - matschige Passagen natürlich eingeschlossen.

So geht es für uns tendenziell aufwärts, was auf dem weichen Waldboden trotz der Wurzeln wunderbar zu laufen ist. Wir überqueren einen breiteren Weg, Pfeile kennzeichnen den nächsten Abzweig auf den Singletrail. Laut Wandermarkierung ist dies nun einer der unzähligen „Traumschleifen“ , die den Saar-Hunsrück-Steig noch attraktiver machen. Diese Rundwanderwege sind ausschließlich Naturpfade. Es geht durch hohen Farn an bemoosten Bäumen und Steinen vorbei über einen Steg zur Ruwerquelle oder auch Ruwerspring genannt. Die Quelle ist hier mit einem Brunnen überbaut. Die Mädels von der VP haben wirklich einen schönen Platz. Und es gibt auch reichlich Auswahl. Bisher war mir das nicht so wichtig, aber die in appetitliche Stücke geschnittene gelbe Melone macht mich doch an. So verweilen wir bis Gisela, die Läuferin mit dem Huhn, zu uns aufläuft.

Jetzt aber los. Nicht dass ich nicht mit Ihr laufen will, aber bergab mach ich gerne mein eigenes Tempo und am nächsten Berg holt sie uns sowieso wieder ein. Die Freude mit dem Bergablaufen währt nur kurz. Der Weg wird flach. Es geht gefühlt ewig geradeaus, dann um eine Kurve und wieder geradeaus. Ein gelber Schirm zeigt an, dass die nächste VP in Sicht kommt. Das ist nun auf knapp 12 Kilometern schon die vierte. Soviel kann ich nicht trinken, deshalb biege ich sofort auf den Knüppeldamm ein. Das ist ein Holzsteg, der uns trockenen Fußes durch das Hochmoor führt. Das Weyrichsbruch ist ein bis heute naturnah erhaltenes Quellmoor. Ich bin fasziniert von dem üppigen Grün um uns herum.

 
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Der hölzerne Damm ist durch die Nässe ganz schön rutschig. Vorsichtig setzen wir die Füße im Ultraschlappschritt, ohne Kraft auf die Zehen zu geben. Trotzdem bin ich froh, dass ich die scharfe Kurve unfallfrei überstehe und wieder festen Boden unter den Füßen habe. Auch wenn dieser zunächst eine matschige Angelegenheit ist. Zur Belohnung geht es nun auf einen festen Singletrail, der dann auch noch bergab führt. In hohem Tempo sausen wir hinunter. Die vielen Wurzeln kann ich elegant überspringen. Unten wartet ein Streckenposten, um uns scharf links auf den Wanderweg zu leiten.

Es geht nun tendenziell bergauf. Wie erwartet kommt Gisela jetzt wieder von hinten. Wir bestaunen den Nebel, der zwischen den Bäumen hängt. Dann zieht sie lockeren Schrittes vorbei, wenig später geht  es leicht bergab. Der gelbe Schirm von vorhin leuchtet schon von weitem. Wir sind wieder an der VP am Knüppeldamm, nun aber von der anderen Seite. Ich bediene mich am Schmalzbrot. Hier wird man wirklich rundum versorgt. Eine Helferin trinkt Kaffee. Ich erkundige mich, ob es wohl für Läufer auch einen gibt. „Natürlich!“ Da bestelle mir einen für die 2. Runde.

Weiter geht es auf einen Singletrail nun wieder steiler bergab. Der Weg wird breiter und eine Herde Wanderer kommt in Sicht. Beifall klatschend machen sie Platz, als wir in gehörigem Tempo vorbei preschen. Unten geht es scharf rechts, der Weg wird flach. Hinter km 17 erreichen wir dann die allererste VP am Abzweig bei km 3. Wir gönnen uns nun eine kleine Pause. Es gibt neben Banane und Melone auch Honigkuchen. Gerade will ich mich wieder auf den Weg machen, da sehe ich Bier. Ich erkundige mich, ob das für Läufer sei. Na klar, da steht ja auch eine offene Flasche. Die hatte ich vor lauter Essen glatt übersehen. Spontan verlängern wir die Pause.

Von nun an ist mir der Weg bekannt. Kurz bevor wir den Keller Stausee erreichen, hören wir von hinten Fahrräder. Die schnellen Halbmarathonis kommen angerannt. Wir machen Platz, um sie auf dem Singletrail nicht zu behindern. Am See entlang wird es nun spannend. Viele Spaziergänger sind unterwegs. Das ist für Schnellen ein richtiges Spießrutenlaufen. Die meisten sehen das locker und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Wir überqueren die Straße. Endlich wird es ruhiger. Schließlich geht es ja bergauf und die ganz Schnellen sind schon durch. Oben werden wir nach rechts geleitet, während die Halbmarathonläufer links auf der Strecke bleiben. Es geht über die Felder am km 21 Schild vorbei. Hier ist es nun doch windig und ich bin froh über meine Jacke. An den ersten Häusern von Kell steht erneut eine VP. Hier gibt es Spekulatius, Müsliriegel und Nüsse, Salzbrezeln und das obligatorisches Obst. Oh je, wenn das so weiter geht, muss ich nach dem Lauf erst einmal eine Diät machen.

Bei km 23 kommen wir wieder in den Wald. Hier laufen wir auf Ute auf. Die W60 Läuferin ist nicht mehr so schnell und daher, wie immer, früher gestartet. Jetzt lässt sie sich gerne von uns einholen. Vor uns auf einer Kreuzung stehen Streckenposten mit einer Kiste Bier. Das ist als Einladung zu verstehen. Schnell ist eine Flasche geöffnet und wir machen ein kleines, außerplanmäßiges Päuschen.

Ein schmaler Trail führt über einen Holzsteg. Hier ist eine große 28 auf einen Stein geschrieben. Es geht auf einem wurzeligen Pfad zwischen Bäumen hindurch und dann über eine Lichtung. Rechts und links wachsen die Farne fast mannshoch. Unvermittelt spuckt uns der Pfad auf eine Waldweg. Hier waren wir schon einmal. Der große abgestorbene Baumstumpf ist mir noch von vorhin bekannt. Gleich erreichen wir die nächste VP am Waldweiher.

Ich bin schon ziemlich platt und nutze jetzt jede Steigung zum Gehen. Trotzdem genieße ich diesen märchenhaften Wald. Bei langsamerem Tempo fallen mir Dinge auf, die ich vorhin gar nicht wahrgenommen habe. Die Mädels von der VP an der Ruwerquelle feuern uns an. Dann genieße ich erneut das Stück bergab. Die folgenden Kilometer bis zum Eingang des Hochmoores werden zu einer kleinen mentalen Prüfung. Die Helferinnen erinnern sich an mich. Den Kaffee soll ich bekommen, wenn ich die kleine Runde beendet habe.. Der Steg erscheint mir jetzt noch rutschiger als vorhin. Ich traue mich nicht mehr zu laufen. Wie sind da die schnellen Halbmarathonis wohl drüber gekommen?

 
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Das steile Stück Singletrail bergab geht dann wieder ganz ordentlich, der Streckenposten unten am Eck feuert uns schon von Weitem an. Trotz schwerer Beine komme ich die folgende Steigung ganz gut hinauf; nur das letzte Stück muss ich gehen. Die Aussicht auf einen Kaffee beflügelt mich. Der ist dann auch noch heiß, so dass ich ihn mit Cola auffüllen kann. Eine ungewöhnliche Mischung - aber wirkungsvoll. Bergab lassen wir es noch einmal laufen so gut es eben geht.

Ich merke, dass es für das Zeitlimit von 5h30 knapp wird. Trotzdem müssen wir noch ein Päuschen an der ersten und nun auch letzten VP machen. Die finalen drei Kilometer werden dann konzentriert abgespult, so dass es doch noch reicht. Aber so genau wird das hier sowieso nicht genommen. Jeder Finisher bekommt auch nach 18 Uhr 30 seinen Pheidippides. Die originelle Metallfigur steht auf hölzernem Sockel und ist eine begehrte Trophäe.

 

Fazit:

Klein aber fein, so könnte das Motto dieser schönen Laufveranstaltung lauten. Mit insgesamt 438 Finishern auf allen Strecken scheint sie ein Geheimtipp gewesen zu sein. Besonders erwähnen muss ich die Verpflegung, welche sonst eher bei gut ausgestatteten Ultraläufen zu finden ist, genauso wie die wunderbaren Natur hier. Damit gehört dieser Lauf zu meinen schönsten und liebsten Landschaftsläufen. Schade, dass es ihn in Zukunft nicht mehr geben wird. Ich bin jedenfalls froh, dass wir ihn zu guter Letzt noch einmal erleben durften.

Ich danke den Mitgliedern der SPIRIDON Hochwald eV, insbesondere Norbert Thome für die Gastfreundschaft: Möge die Volkslaufidee in eurem schönen Hochwaldgebiet irgendwie weitergehen, damit noch mehr Läufer so viel Spaß erleben dürfen, wie wir an diesem letzten Samstag.

 

Informationen: Hochwald Marathon
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