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Laufberichte

Leinen los ...

03.08.13

"Leinen los und hart am Wind – erleben Sie die Hansestadt Rostock laufend", so der Slogan des Veranstalters.

Dieses Kommando aus der Schiffsfahrt nehmen heute Abend rund 300 Marathonis, rund 1000 Halbmarathonis sowie etwa 20 Halbmarathon-Walker und viele Schüler und  Staffeln an und begeben sich mit unterschiedlichen Startzeiten auf die Straßen der alten Hansestadt.

Wer Rostock noch nicht kennt, die Stadt liegt an der Mündung der Warnow in die Ostsee in Meck-Pomm. Für die Stadt ist heute der Seehafen ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Schon im Mittelalter war die stolze Rostocker Flotte ein wichtiger Umschlagsplatz im Handel mit Skandinavien, dem Baltikum sowie West- und Südeuropa. Zu DDR-Zeiten war er der wichtigste Hafen des Landes.

Aus der Blütezeit des Hafens stammt auch die Backsteingotik, heute ein Touristenmagnet. Die Besiedlung begann hier schon um 600 durch einen alten slawischen Stamm. Aus der Zeit der Hanse stammen viele historische Gebäude der Altstadt. Manches davon werden wir auf der Marathonstrecke zu sehen bekommen

Der sportliche Träger der Marathonnacht ist der 1. LAV Rostock,  hervorgegangen aus dem SC Empor, heute der bedeutendste Leichtathletikverein der Stadt und einer der wichtigsten in Norddeutschland. Die Ex-Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch und die Weltklasse-Triathleten Andreas und Michael Raelert kommen von hier.

Ziemlich genau 500km müssen wir fahren von Kassel aus. Ich bin heute wieder mit Dieter unterwegs. Nach dem bergigen und extrem heißen Marathon letztes Wochenende im Weserbergland heißt es heute einen flachen Nachtmarathon durch Rostock und Umland. Temperaturmäßig wird es etwas gemäßigter sein, denn die Wettervorhersage sagt Tageshöchsttemperaturen 31 Grad, am Abend Gewitter, Niederschlagsrisiko 60%.

 
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Start- und Ziel sind am Neuen Markt in der Stadtmitte. Im Rathaus bekommen wir die Startunterlagen, bis eine Stunde vor dem Start kann man sich nachmelden. Der Marathon kostet zwischen 30€ und 40€ sowie 10€ für Nachmelder. Die Zeitmessung erfolgt mit dem BMS-Chip, der am Schuh befestiget werden muss. Die Leihgebühr für den Chip beträgt 3€. Wer sich noch eine Erinnerung außer der Medaille mit nach Hause nehmen möchte, kann sich ein sehr schönes Finisher-Shirt aus Funktionsfaser für 17€ oder aus Baumwolle für 6€ kaufen.

So, nun ist alles klar. Wir gehen zum Start auf den Neuen Markt. Er gehört neben dem Hopfenmarkt und dem Alten Markt zu den drei ehemaligen großen Märkten der Hansestadt. Die drei Marktplätze entstanden Ende des 12. Jh., als die Stadt noch aus drei eigenständigen Kaufmannssiedlungen bestand. Als früherer wirtschaftlicher Mittelpunkt wurde der Neue Markt auch zum Wohnsitz der städtischen Oberschicht. Besonders schön kann man das an den historischen Giebelhäusern bewundern. An der Ostseite stehen das historische Rathaus und schräg gegenüber die Marienkirche. Auf diesem Platz wurde auch Gericht abgehalten und die Verurteilten wurden an den Schandpfahl gekettet.

 
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Auf zum Start. Während die Halbmarathonis in Scharen vom Hafen aus per Fähre zu ihrem Startplatz über die Warnow schippern, sammeln sich die Marathonis und die Staffelstarter hinter dem Absperrgitter. Besonders auffallend sind Läufer,  die für die Körperwelten Promo machen und in einem entsprechenden Trikot starten.

Es ist 18 Uhr und auf dem sonnenüberfluteten Marktplatz ist es sehr, sehr heiß. Wir verlassen den Platz in nördliche Richtung und ziehen einen Halbkreis zum Universitätsplatz, dem früheren Hopfenmarkt. Seine für einen Marktplatz ungewöhnliche dreieckige Form kommt daher,  dass sich hier früher zwei große Handelswege gabelten. Dem in Rostock geborenen Marschall von Blücher hat man auf dem Platz ein Denkmal gesetzt.

 
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Es geht weiter durch die Fußgängerzone zum Kröpeliner Tor. Rostock hatte zeitweise bis zu 22 Stadttore. Das im 13. Jh. erbaute Kröpeliner Tor wurde im gotischen Stil erbaut und im Laufe der Jahre erheblich erweitert und aufgestockt. Heute hat das prächtige Tor 5 Geschosse auf über 54m Höhe.

Wir laufen zwischen dem Tor und der alten Stadtmauer zu den Wallanlagen. Günter ist heute wieder dabei und wir werden auch diesen Marathon zusammen bestreiten. Er hat schon Bedenken, denn er ist nach seinem Rio Marathon nicht mehr gelaufen. Aber wir werden das mal wieder gemeinsam schaffen.

Während in der Fußgängerzone noch viele Zuschauer unseren Lauf beklatschten, sind wir hinter den Wallanalgen auf der August-Bebel-Straße allein. Vor uns läuft eine Gruppe mit den 4:45 Zug- und Bremsläufern, die in leuchtend grün gekleidet sind. Eine Lübecker Gruppe folgt den Zug- und Bremsläufern. Unter ihnen ist Dagmar, die heute ihren 1. Marathon läuft. Nach jedem Foto muss ich wieder aufschließen. Dann checke ich mal die Zwischenzeiten und stelle fest, dass die Gruppe nicht auf 4:45 sondern eher auf 4:30-Kurs liegt.

Wir kommen durch die Wallanlagen zurück auf die andere Seite des Universitätsplatzes und laufen wieder durch die Fußgängerzone auf den Neuen Markt. Wir laufen diese schöne Runde noch einmal und nach rund 6 Km geht es dann runter zum Hafen an die Warnow.

Der Hafen hat die frühere Bedeutung als großer Umschlagplatz längst verloren. Heute ist er zum Teil Flaniermeile mit vielen Kneipen, Restaurants und Geschäften. Es wird gerade am Kai ein großer Rummelplatz aufgebaut, denn vom 8. – 11.August findet hier die 23. Hanse Sail statt. Die Hanse Sail gehört zu den maritimen Volksfesten in Deutschland, rund 220 Traditionssegler, Museumsschiffe, Kutter und Jachten werden erwartet. Auf vielen Schiffen kann man als Tourist mitsegeln. Als High-Light wird dieses Jahr das Segelschulschiff „Gorch Fock“ erwartet.

Wir laufen am Stadthafen erst nach Westen und dann in einer Schleife ganz zum Ende der Unterwarnow. Heute liegt hier nur ein alter Zweimaster neben vielen kleinen Booten. Es geht vorbei am alten Lokschuppen und vollen Restaurants, von denen aus uns kräftig applaudiert wird. Über eine kleine Berücke verlassen wir das Hafengebiet bei km 8. Den Weg weist uns das Schild mit dem Rasenden Otter.

 
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Wir verlassen das Warnowufer und es geht über einen Fußweg parallel dem Dierkower Damm entlang und sind wenig später auf dem Uferweg. Von hier aus haben wir jetzt einen herrlichen Blick auf die Stadt auf der anderen Seite des Warnower Hafens. Hier lassen wir jetzt auch die Zug- und Bremsläufer ziehen, denn sie haben immer noch einen Schnitt von 9,2 km/h drauf.

Wir folgen dem Uferweg und erreichen bei km 12 Gehlsdorf, einen Stadtteil von Rostock. Links das Wasser und rechts viele schöne alte sanierte Villen. Am Ufer befinden sich etliche Yacht- und Segelclubs, wo wir auch mit reichlich Wasser vom Sponsor und auf Wunsch auch aus dem Gartenschlauch versorgt werden. Es ist drückend heiß und so nutzen viele den Gartenschlauch zusätzlich.

Auf den nächsten Kilometer bis Krummendorf wechseln sich kleine Wohngebieten und Grünflächen ab. Die großen Stromverteilerkästen sind sehr schön mit maritimen Motiven bemalt. Das fällt auf. Vor vielen Häusern sind die Anwohner am Feiern oder sitzen im Garten und beklatschen die Läufer.

Dann hört man ersten Donner, Blitze zucken. Aber das Gewitter scheint nicht direkt über uns zu sein. Über uns ist nur eine rabenschwarze Wolke, die das Wasser nicht mehr halten kann. Auf den Wegen und Straßen bilden sich große Pfützen und solange die Füße nicht nass sind, versucht man ihnen auszuweichen. Angenehm ist die mit dem Regen verbundene Abkühlung.

Das Wasser kommt jetzt aus allen Richtungen: Von oben (der Regen), von unten (die Pfützen) und von der Seite (die vorbeifahrenden Autos). Wir sind alle pitschnass.

Bei km 21 erreichen wir den Ortsrand von Krummendorf, einem ehemaligen Rundlingsdorf. Im 14. und 15. Jh. gehörte der Ort der Familie Moltke. Im 19. Jh. gab es eine Anlegebrücke zur Warnow und später wurde hier ein Hafen mit Lagerplatz und später eine Passagieranlegebrücke gebaut.

Seit 2003 gibt es den Warnowtunnel, durch den man die Warnow auf einer Länge von  790m unterquert. Der Warnowtunnel ist die erste mautpflichtige, privatwirtschaftlich betriebene Fahrstrecke in Deutschland im Durchgangsverkehr. Für PKW’s kostet eine Durchfahrt z. Zt. 3,50€,  rund 11.000 Fahrzeuge werden täglich gezählt. Für Fußgänger ist der Tunnel tabu. Einzige Ausnahme: Heute Abend. Hier ist übrigens der Start für den Halbmarathon.

Wir werden an der Zahlstelle vorbeigeleitet und kommen in eine Röhre, die ausschließlich uns vorbehalten  ist. Die ersten Marathonis kommen uns entgegen und dann gleich jede Mange „Halbe“,  die die Nordschleife durch den Tunnel und durch den IGA-Park schon absolviert haben.

Der Tunnel gibt vorübergehend Schutz vor dem Regen, dafür ist die Luft ziemlich schlecht. Also raus hier. Was keiner mehr glaubte, der Regen hört auf. Ich treffe Martina und Andre aus Potsdam wieder. Wir waren zusammen auf Kanadarundreise mit Toronto und Niagara Falls Marathon.

 
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Die nächsten 5km führen uns jetzt durch das Gelände der IGA 2003.  Am Ufer der Warnow entstand auf 100 Hektar Fläche ein Naturparadies mit renaturierten Bächen- und Wasserläufen sowie viel Grün in verschiedenen Nationengärten. Da wir am Wasser sind, gibt es natürlich auch maritime Attraktionen wie einen Leuchtturm, alte Boote und Seezeichen. Am Kai liegen ein altes Kriegsschiff, daneben ein Schwimmkran, dort sieht man eine historische Bootswerft.

Wir verlassen den Park und durch den Tunnel geht es zurück in Richtung Krummendorf. Im Tunnel sind  jetzt kaum noch Läufer und bald kann er wieder freigegeben werden und es kommt Geld in die Kasse.

Es wird dunkel und Fotos sind kaum noch möglich. Es gibt immer noch Leute am Straßenrand.  Einmal erleben Günter und ich ein echtes High-Light, als Zuschauer ein langes Spalier bilden und für uns die Welle machen. Für ein Foto wird das Ganze dann auch noch wiederholt.

Nun folgen wir zwischen Km 36 und 38 einem dunklen Parkweg. Gegenüber können wir die beleuchtete Silhouette von Rostock sehen. Endlich erreichen wir den Hafen. Gleich geht es bei km 41 aufwärts zur  Altstadt. Wir sehen das Ziel, hören den Sprecher und die Musik. Aber wir müssen noch einmal über die Lange Straße zum Universitätsplatz bis zum Blücher, dann zurück zum Neuen Markt, um die Ecke und durchs Ziel.

Wir haben die offizielle Zeit zwar um 2 Minuten überzogen, sind aber nicht die Letzten. Mit einer Nettozeit von 5:43:49 bildet Uta Funk aus Rostock das Schlusslicht und wird mit  tobendem Beifall begrüßt. Günter und ich schauen uns an. Diese Rolle durften wir bei einigen Läufen in jüngster Zeit auch schon mal übernehmen. Schön, dass man auch hier demonstriert, dass bei einem Marathon jeder Finisher ein Sieger ist.

Marathonsieger:
Männer
1. Paul Schmidt  TSV Dresden     2:32:23
2. Christian Liedtke Feuerwehr Hannover    2:53:28
3. Jannik Jagusch  Amnesty Intern. Rostock  2:53:51

Frauen
1. Britta Giesen  Airbus SG Hamburg    3:19:10
2. Patricia Kusatz  Berlin      3:20:27
3. Inge Raabe  Skiclub Remscheid    3:26:14

286 Finisher

 

Informationen: hella marathon nacht rostock
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