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Laufberichte

Anker gelichtet und Segel gesetzt

02.08.14

Im Sommer 1990 hielt es mein Vater für an der Zeit, eine Autotour durch die DDR zu unternehmen,  wo doch die DM als Währung gerade neu eingeführt war. Dabei kamen wir auch auf einen Kurzbesuch nach Rostock und an die Ostsee. Seitdem hatte ich immer den Wunsch, diese Gegend wieder zu bereisen. Und wenn schon, warum also nicht gleich am dortigen Marathon teilnehmen?

Für uns Münchner ist die Anfahrt weiter als beispielsweise zum Florenz-Marathon, aber in diesem Jahr klappt es nun doch. Am Samstag aufstehen um 3:30 Uhr und dann mit dem Zug nach Rostock, wo wir um 13:30 Uhr ankommen. Schlafen während der Fahrt geht nicht – ich schaue zu gerne aus dem Fenster. Die meisten Mitreisenden sind unterwegs zu ihren Schiffen, denn Rostock ist einer der größten deutschen Kreuzfahrthäfen. Anlaufstelle für uns ist das Rathaus direkt am Neuen Markt, wo wir unsere Unterlagen abholen und sich auch der Start- und Zielbereich befindet.

 
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Ein wunderschöner Tag mit 29 Grad Lufttemperatur. Wir stärken uns mit Pasta beim Italiener am Platz.

Den Startschuss um 18:00 Uhr soll Stefan Beinlich geben, Fußball-Nationalspieler, der unter anderem auch bei Hansa Rostock spielte und für seine gefährlichen Freistöße bekannt war - lese ich wenigstens. Mit Pistolen scheint er sich aber nicht so auszukennen, sodass es nach dem Countdown ohne lauten Knall losgeht.

Zuerst steht eine zweieinhalb Kilometer lange City-Runde an. Sie führt unter anderem durch die Lange Straße, die nach der Zerstörung im Krieg während der 1950er Jahre im Stil des sozialistischen Klassizismus mit landestypischen Bauformen gestaltet wurde. Hier auf dem Radweg herrscht bei etwa 300 Startern noch ein gewisses Gedränge, aber schon nach wenigen hundert Metern sind wir im Zentrum in der Fußgängerzone. Vor uns liegt das mächtige Kröpeliner Tor. Dann sind wir schon in den Wallanlagen und dürfen erstmals über einen Sandweg laufen. Nach einem Kilometer passieren wir wieder die Altstadt. Das südliche Haupttor (Steintor) liegt vor uns, es trägt die Inschrift: „Sit intra te concordia et publica felicitas“, in deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen.

 
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Nach nur kurzer Zeit sind wir auf der Einkaufsmeile Kröpeliner Straße in Richtung Neuer Markt. Dort werden wir von den Zuschauern schon erwartet und laufen das zweite Mal durch den Startbogen, nicht ohne vorher schon die erste Wasserstelle zu nutzen. Nach drei Kilometern hat sich das Feld jetzt so weit auseinandergezogen, dass man die Sehenswürdigkeiten etwas genauer betrachten kann. Ein entgegenkommender Autofahrer macht mich noch schnell darauf aufmerksam, dass ich meine Laufhose vergessen habe. Stimmt aber nicht. Meine Hose ist nur ziemlich kurz und das M4Y-Shirt ziemlich lang. Der weibliche Streckenposten nebenan trägt allerdings nur eine rote Warnweste und sonst nichts...

Nach dem dritten Durchlaufen des Startbogens steuern wir jetzt die Warnow und den Stadthafen an. Es geht spürbar bergab.

 
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Am Hafen ein riesiger Getreidespeicher. Wir ziehen ein kleine Schleife und sehen das holländische Disco-Schiff „MS Koi“, das heute in Rostock Station macht, kurz vor seiner Abfahrt. Die Bässe der Techno-Musik werden uns noch ein gutes Stück des Laufs begleiten. Die Partygänger haben kein Auge für uns Läufer. Zwei Kilometer geht es jetzt in Richtung des anderen Warnow-Ufers. Es bieten sich schöne Ausblicke auf die Petrikirche mit ihrem 117 Meter hohen Turm und auf ein neu gebautes, schickes Hafenviertel. Hier befindet sich der Firmensitz von Aida Cruises. Wir laufen auf einem breiten Radweg neben einer Straßenbahnstrecke und werden oft von Zweirädern überholt. Meist klappt das ohne Probleme. Hier im Norden sieht man viele schwer bepackte Tourenradler. Über den Dierkower Damm geht es zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 10. Hier wird noch einmal kräftig angefeuert. Die Ratschen des Sponsors Hella werden oft und gerne eingesetzt. Kurz danach sind wir an der Warnow und laufen stromabwärts. Der Blick auf die Rostocker Altstadt mit ihren Kirchen, Türmen und Kränen ist wunderschön.

Einmal geht es durch das Gelände des Rostocker Ruderclubs von 1885, der auch gleich den Verpflegungsstand betreut. Lauter bestens gelaunte Leute sind hier zu Gange: Warum auch nicht, an so einem schönen Augustabend.

Über die Uferpromenade geht es zur dritten Staffelwechselstelle bei Kilometer 14. Für die Staffelläufer und Halbmarathonis sowie interessierte Zuschauer gibt es einen Schiffszubringer auf der Warnow mit fachkundigen Erläuterungen durch die Kapitäne. Wir verlassen den Fluss und werden über einen schmalen Hohlweg in Richtung Felder geleitet. Hier sind die Bauern bei der Arbeit. Vor uns der Kühlturm eines Steinkohlestromkraftwerks. Der Toitenwinkler Weg lässt alte DDR-Romantik aufkommen. Der Belag ist tausendfach geflickt und erfordert einige Aufmerksamkeit, wenn man nicht auf die Nase fallen will (so was gibt’s natürlich im Westen auch).

Apropos Staffelwechsel: In Rostock teilen sich jeweils 8 Sportler die Marathonstrecke. Der Achte hat dann 1,6 km, um noch mal richtig Vollgas zu geben. Den ersten Platz belegt am Ende das Team des TC Fiko Rostock mit 2:18:34.

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Informationen: hella marathon nacht rostock
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