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Alte Liebe rostet nicht

 

Nicht wenige Münchner haben ein sehr spezielles Weltbild. Alles, was nördlich des ominösen Weißwurstäquators liegt, gilt pauschal als „Preißenland“, dafür zählt man den Gardasee gerne als südlichsten Ausläufer der oberbayerischen Seenplatte. Hamburg? Das klingt nach hoher See, nach „Fischköppen“ und kühlen Hanseaten mit komischem Dialekt. Und fußballerisch ist Hamburg auch nur Provinz. Jedenfalls ist Hamburg vor allem eines: verdammt weit weg.   

Kommt so ein ignoranter Münchner dann doch mal nach Hamburg, stellt sich allerdings schnell die Erkenntnis ein: Was für eine Stadt!  Und wenn man dann auch noch Marathon gelaufen ist, dann weiß man, dass die Provinz woanders liegt: In München.

Geprägt hat mein Hamburg-Bild der Jubiläumsmarathon 2005: Über 17.000 Finisher, eine Wahnsinnsstimmung an der Strecke, nie wieder habe ich in deutschen Landen einen mitreißenderen Marathon erlebt. Glaubt man den Statistiken, sind gerade die letzten Jahre aber nicht mehr ganz so rosig gewesen. Absturz bis auf „nur“ noch knapp über 10.000 Zieleinläufer in 2012, zeitweiser Verlust des scheinbar in Stein gemeißelten Rang zwei in der deutschen Marathon-Liga an Frankfurt.

2014 ist die Welt aber wieder in Ordnung: An die 17.000 Voranmeldungen für die Volldistanz, dazu 1.500 Viererstaffeln, fast wäre gar der legendäre Haile Gebrselassie angetreten, hätte ihn nicht der Pollenflug kurzfristig dahin gestreckt. Und auch ich verlasse mein Münchner Schneckenhaus, um 800 km weiter nördlich am Start des 29. Hamburger Marathons zu stehen.  

 

Messerummel und Parkidylle


Obligatorisch ist vorab ein Besuch des Messegeländes, wo in der riesigen Halle A4 die Startnummern bereit liegen, vor allem aber der Laufkommerz tobt. Ihr seht schon: Dem Messetrubel kann ich nicht (mehr) viel abgewinnen, aber wer so etwas mag, der kommt in Hamburg bei über 100 Ausstellern ohne Zweifel  auf seine Kosten. Eine Pastafütterung gibt es natürlich auch. 5,60 € extra kostet das, was nicht viel ist, aber „extra“ kostet in Hamburg so manches, auch etwa das Finishershirt (24 €).  

 
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Sich auf dem Messegelände ein wenig zu orientieren macht aber schon deshalb Sinn, weil hier, direkt vor dem Haupteingang, auf der Karolinenstraße, der Lauf gestartet und beendet wird. Zentral ist hier auch die gesamte sonstige Infrastruktur, von der Kleiderbeutelabgabe über die Zielspeisung bis zu den Duschen, untergebracht.

Wer genug vom Messerummel hat, dem sei der angrenzende Park „Planten un Blomen“ ans Herz gelegt. Wahrlich meditative Momente kann man etwa vor dem Teehaus des wundervollen Japanischen Gartens erleben. Und auch sonst wartet der Frühling mit überaus opulenter Blütenpracht auf.

 

Start an der Messe


Einen Massenstart zu organisieren ist ohne Zweifel eine große Herausforderung, vor allem, wenn die Läufermassen die Dimensionen einer Mittelstadt erreichen Aber in Hamburg hat man das durchaus im Griff. Schilder und Pläne weisen den Weg von diversen U- und S-Bahnstationen ins Messegelände, sodann durch das Hallenlabyrinth und letztlich zum richtigen Startblock. Eine riesige Relaxing Area mit Liegestühlen und Teppichboden bietet Gelegenheit zur inneren Sammlung.

Für die Ambitionierten ist nebenan ein Indoor-Rundkurs zum Warmlaufen eingerichtet. Und für die Aufgeregten – das sind wie immer die meisten - bieten unzählige Dixies Gelegenheit zur letzten Erleichterung. Während hierbei Schlangestehen zum Gemeinschaftserlebnis gehört, geht die Kleiderbeutelabgabe in der Halle nebenan superschnell. Kein Wunder: Gefühlte Hundertschaften ehrenamtlicher Helfer stehen bereit, um die Läufer von ihrer Last zu befreien.

 
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Einzureihen gilt es sich nun in den zugeteilten Startblock. Immerhin 14 Blöcke sind es an der Zahl, die sich zwischen den mächtigen Gewölben aus Glas, Stahl und Beton zu beiden Seiten der Karolinenstraße, überragt vom 280 m hohen Fernsehturm. aneinanderreihen. Eine überaus imposante Kulisse. Mit heißen Rhythmen und gemeinsamem Klatschen werden wir auf den nahen Start eingestimmt, bunte Ballons steigen auf. Dann, endlich, der Startschuss um Punkt neun Uhr.

Selbst in einem recht weit vorne liegenden Block wie meinem Block D tut sich erst einmal gar nichts. Gespannt warte ich auf den initialen „Ruck“. Nach zwei Minuten kommt er endlich auch bei mir an. Langsam trippeln wir los, immer schneller. Und wie von Geisterhand löst sich die Enge des Feldes jenseits der sirrenden Startmatten. Begleitet von tosendem Applaus von den überfüllten Tribünen stürzen wir uns unserem Hamburg-Laufabenteuer entgegen.  

 

Reeperbahn und Elbchaussee


Über die breite Glacischaussee, quasi die Trennlinie zwischen dem Parkgelände der Großen Wallanlagen und dem kargen Heiliggeistfeld, geht es direkt dem Millerntorplatz entgegen. Eine Berühmtheit ist das Millerntor zum einen wegen des gleich nebenan gelegenen Stadions des Kultclubs FC St. Pauli, zum anderen als Einfallstor zu Hamburgs wohl berühmtester, zumindest berüchtigster Straße: der Reeperbahn.

 
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Aus der Läuferperspektive ist es jedoch etwas ganz anderes, was schon aus der Ferne faziniert: Hoch über dem Millerntor bei km 1 thront mit den „Tanzenden Türmen“ der neueste Blickfang der Hamburger City. Erst 2013 fertig gestellt wurden die über 100 m gen Himmel ragenden Doppeltürme mit ihrer eigenwillig geknickten Fassadenkonstruktion aus Glas und Stahl. Dass die Türme gleichermaßen preisgekrönt wie umstritten sind, wundert mich nicht. Einen herausragenden städtebaulicher Akzent setzen sie auf alle Fälle.

Dass wir uns nun auf der ihrem Ruf nach „sündigsten Meile der Welt“ fortbewegen, fällt schwer zu glauben. Nun ja, Tausende schwitzende Läufer sind nicht gerade ein Ausbund an Erotik. Aber im matten Sonntagmorgenlicht, so ohne Neon und buntem Lichtgeblink, wirkt die Reeperbahn, die als zentrale Achse Hamburgs Vergnügungs- und Rotlichtviertel im nicht minder berühmten Viertel St. Pauli durchschneidet, weder glamourös, noch amourös, sondern ziemlich abgetakelt.

Schnurgerade führt der Kurs gen Westen. In der Verlängerung der Reeperbahn auf der Königstraße ändert sich das Straßenbild schlagartig. Mitten hinein geht es ins beschauliche, gutbürgerliche Altona, mit properen grünen Gärten und freundlich winkenden Anwohnern. Was für ein Kontrast und doch liegen diese beiden Welten so dicht beieinander. Umgebung wie Stimmung sind entspannt. Immer weiter geradeaus geht es, Kilometer um Kilometer, teilweise gar leicht bergauf. Je weiter wir aus der Stadt hinaus kommen, desto properer werden die Häuser, größer die Grundstücke. Man hat das Gefühl, durch eine einzige Parklandschaft zu wandeln. Die Kronen der mächtigen Alleebäume lassen manchmal kaum den Himmel erkennen.

Erst kurz vor km 7 macht die Strecke einen markanten Schwenk nach links, direkt hin zur nahen Elbe. Der Straßenname Elbchaussee kündigt an: Wir haben eine der besten Adressen der Stadt erreicht. Hier wohnt man nicht mehr nur in „Häusern“, sondern in Villen oder kleinen Palästen. Über die parallel zur Elbe auf dem Hochufer verlaufende Allee geht es in umgekehrter Richtung geradewegs in Richtung Innenstadt zurück. Ab und an erlauben Lücken in der dichten Natur einen herrlichen Blick auf die Elbe und die mächtigen Krananlagen des Containerhafens im Hintergrund. Durch das leichte Gefälle bekommt unser Lauf zunehmend Schwung.

So richtig „back in town“ fühle ich mich erst wieder im Herzen Altonas. Eine riesige Trommlergruppe bringt uns zusätzlich auf auf Trab, denn nun geht es wieder hinein nach St. Pauli, jetzt allerdings direkt an den Fluss. 

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Informationen: haspa Marathon Hamburg
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