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Laufberichte

Unter Dach und flach

 

Es gab einmal eine Zeit, da war Mammut der Name eines ausgestorbenen Rüsseltiers. Zu der Zeit war es – politisch völlig unkorrekt - durchaus an der Tagesordnung, jemanden wegen eines Namens wie Jakob Wolfshaut auszulachen. Eine Nordwand war nichts zum Tragen, sondern etwas, was der ambitionierte Bergsteiger auf dem Weg zu alpinistischem Ruhm ertragen musste.

In dieser Zeit vor dem Siegeszug der Funktionsbekleidung, als man im Winter noch nicht wie für eine Arktisexpedition ausgerüstet zum Einkaufsbummel in die Stadt fuhr, war mein bevorzugtes Aufenthaltsrevier draußen. Und Hausarrest die Höchststrafe.

Die von der geliebten, leider viel zu früh verstorbenen Großmutter gestrickten Wollsocken und-pullover hielten uns warm.(Ob damals alle Wolle, welche meine Großtante in ihrem kleinen Laden verkaufte, unter tierschützerischen Aspekten korrekt gewonnen wurde, entzieht sich meinen Kenntnissen.) Wenn nach dem Spielen oder Schlitteln der Schnee in dicken Klumpen in der Wolle hing, ging es nach Hause. Nicht weil es schrecklich unangenehm kalt war, sondern weil es schon eindämmerte.

Daheim gab es heißen Kräutertee mit Süßholzstückchen und Kandiszucker und die Kleider trockneten am Ofen dem nächsten Tag entgegen.

Es sind seither ein paar Jahrzehnte vergangen, aus PET-Flaschen wird flauschiger Faserpelz hergestellt und wasserdichte, atmungsaktive Membranen lassen die Isolation von Hohlfasern so richtig zur Geltung kommen. Aber die Schere geht auseinander. Je technologischer die Bekleidung wird, umso mehr widerstrebt es mir, mich im Winter noch mehr draußen aufzuhalten und  zu bewegen als wir das mit unseren Hunden schon zwei- bis dreimal täglich tun.

Der Wiedereinstieg ins Laufen hat nach der Operation vergangenes Jahr auf dem Laufband stattgefunden. Da ich nicht wusste, wie weit ich jeweils beschwerdefrei den Umfang erweitern konnte, war dies die perfekte Art, das Pensum zu steigern. Sollten plötzlich die Alarmglocken schrillen, könnte ich unverzüglich aufhören und wäre schon zuhause.

Bis das Vertrauen ins Fahrwerk zurück war, hatte die Mehrzahl der letztjährigen Kalenderblätter den Fall zu Boden schon angetreten und ich blieb beim Gewohnten. Mit Ausnahme der bei Laufveranstaltungen gesammelten Kilometer ist der ganze Laufumfang im Wohnzimmer zusammengekommen.

 

 
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Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass ich heute an die Donau fahre, die bei mir gleich um die Ecke liegt. Trotz einem auf 08.45 Uhr anberaumten Start muss ich an diesem Sonntag gleichwohl nicht zu einer unchristlichen Zeit aufstehen, kann zuhause gemütlich frühstücken und dann über den nördlichsten Punkt der Schweiz die paar Kilometer nach Geisingen fahren, wo der Lauftreff Pfohren e.V. in der Arena Geisingen, unweit der jungen Donau, den 2. Hallenmarathon austrägt.

Für viele Zeitgenossen ist schon die Vorstellung einen Marathon zu laufen, jenseits ihrer Vorstellungskraft. Dies dazu in einer Halle zu tun, übersteigt ihre Fantasie. „Was, ein Marathon, dazu noch im Kreis?“ Nein, ich werde mich nicht im Kreis drehen. Ein Kreis ist gemäß Definition etwas Anderes, das weiß sogar ich als gymnasial-mathematisch-geometrischer Tiefflieger.

Der Marathon ist der erste Bewerb an diesem Tag, und da bei jedem Bewerb 50 Teilnehmer zugelassen sind, geht es in der Arena ganz ruhig und entspannt zu. Die Startnummer gibt es im Nu, es gibt sogar zwei davon, eine für vorne, eine für den Rücken. Es bleibt mir noch Zeit, um mir im Bistro einen Kaffee zu genehmigen. Der ist schön heiß und im Bistro ist es warm. In der Halle sind es nur 11 Grad; was jetzt gar kühl wirkt, ist beim Laufen ideal.

Dann werden wir zusammengerufen. Die Startaufstellung beim Start- und Zielbogen muss aber auf die andere Seite des Ovals verschieben, denn eine Nachvermessung hat ergeben, dass die 211 vorgesehenen Runden nicht ganz die geforderte Marathondistanz ergeben. Kein Problem, wir gehen hinüber und dann umgehend auf die Strecke.

Das Oval ist in erster Linie als Inline-Skate-Arena erstellt worden, aber auch Radsportler trainieren hier wetterunabhängig. Auf der Website wird dafür geworben, dass auf der 7 Meter breiten und 200 Meter langen Bahn bis 50 Radrennfahrer gleichzeitig trainieren können. Und nun sind zum zweiten Mal die Laufsportler unterwegs; nicht das erste Mal seit der Erstaustragung des Hallenmarathons vor einem Jahr, denn es gab im Vorfeld der Veranstaltung die Möglichkeit zu abendlichem Training einmal die Woche.

In der Ausschreibung war nichts zu lesen von einer Überholordnung und so halte ich mich wie fast alle daran, auf der weißen Linie meine Runde zu drehen und nur dann auf der Außenseite zu überholen, wenn kein Schnellerer im Anzug ist. Auf den Geraden geht es, aber in den leicht überhöhten Kurven ist es doch eine ganz schöne Menge Zusatzenergie, die dafür aufgewendet werden muss. Ich lasse mir aber sagen, dass der Neigungswinkel der Kurven gnädig ist im Vergleich zur Halle in Senftenberg, wo vor zwei Wochen das „Original“ ausgetragen wurde.

Glücklicherweise – für mich und die Läufer- zeichne ich nicht verantwortlich für die Planung und Erstellung dieses Ovals. Das wäre mit einem zusätzlichen Handicap für die Laufenden verbunden. Ich erinnere mich daran, dass mein Mathematiklehrer selig meine geometrischen Konstruktionen solcher Art allenfalls als Annäherung des erteilten Auftrags betrachtete und das Resultat liebevoll abschätzig als „Zwetschgoid“ bezeichnete.

Heute kümmert mich das nicht. Ich laufe mit der Absicht, die erste Hälfte zügig anzugehen, zu schauen, wie das läuft und was auf der zweiten Hälfte noch möglich ist. Kleine Standortbestimmung im Aufbautraining. Dann ist noch die Komponente Mentaltraining im Hinblick auf die 100 Meilen im Sommer. Dafür scheint mir das Runden Laufen sehr geeignet.

Bei Halbzeit zeigt der Blick auf die Anzeigetafel, dass ich für meine Verhältnisse flott unterwegs bin. Rundenkoller verspüre ich auch keinen, also, weiter auf die zweite Streckenhälfte.

 

 
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Die Beine melden, dass sie sich dieses Tempo nicht mehr und noch nicht wieder gewohnt sind. Aber der Kopf ist ohne Ermüdungserscheinungen dabei. Oder eben nicht dabei.  Alles, was sonst durch den Kopf geht, ist weit weg, ich fühle Leichtigkeit und Unbeschwertheit.

Es gibt auch kein notwendiges Planen in Sachen Verpflegung. Die Boxengasse kann auf jeder Runde angesteuert werden und es wartet dort eine mit Nummer versehene Getränkeflasche. Wünsche für die Erstfüllung konnten bei der Startnummernausgabe angegeben werden, nachher kann es den freundlichen Helfern für den nächsten Boxenstopp gesagt werden.  Dazu gibt es Äpfel, Riegel, Salzbrezen, Bananen und die Möglichkeit, persönliches Laborfutter oder was auch immer zu deponieren.

Gut hydriert und in einem Leistungsbereich unterwegs, in welchem die Niere noch arbeitet, nehme ich einmal auch den Ausgang durch die Bande. Wenn schon mal ein Edel- statt ein Dixiklo zur Verfügung steht.

Die Musik in der Halle ist in einer Lautstärke, welche auch bei Musik entgegen meiner Geschmacksrichtung (die ist zum Glück selten) kein Foltergefühl entstehen lässt. Schade nur, dass der Moderator vor dem Hintergrund dieser Geräuschkulisse und in Kombination mit den akustischen Verhältnissen dieser Halle kaum zu verstehen ist.  

Mittlerweile lichtet sich das Feld schneller als mein Haupthaar und langsam aber sicher nähere auch ich mich der 200er-Marke. Einige Runden später schließe ich wieder zu Gerhard auf und bekomme zusammen mit ihm angezeigt, dass wir nur noch viermal hier vorbeikommen. Gemeinsam nehmen wir dieses Restchen in Angriff und laufen dann in einer für mich erstaunlichen Zeit ein. Dass es zu diesem Zeitpunkt ganz ordentlich Zuschauer gibt, hat nichts mit uns zu tun, sondern damit, dass nach uns der Schülerlauf über 1000 Meter, die 5000 und 10000 Meter und als Finale der Halbmarathon auf dem Plan stehen und diese Teilnehmer und ihre Familien eingetroffen sind.

Die gesetzten Ziele habe ich qualitativ und quantitativ erreicht und eine richtig heiße Dusche gibt es im Anschluss auch. Dass diese mit einer 50 Cent-Münze aktiviert werden muss, kann ich verkraften. Ich hätte an anderen Orten gut und gerne ein Mehrfaches bezahlt, wenn ich dafür nicht lauwarm bis kalt hätte  duschen müssen.

Leider findet die Siegerehrung  nicht zeitnah nach dem Ende des Marathons (4:30) statt, sondern erst zwei Stunden später, was zur Folge hat, dass nicht mehr alle Berechtigten den Gang aufs Treppchen antreten.

Die Idee, um diese Jahreszeit einen Marathon in der Halle durchzuführen, gefällt mir. Dass damit alles mit kürzesten Wegen und genügend Parkplätzen (Es gibt auch einen WoMo-Stellplatz)an einem Ort zusammengefasst ist, macht den Anlass völlig stressfrei. Ich fasse mal die nächste Austragung ins Auge.

 

Informationen: Hallenmarathon Pfohren
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