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Laufberichte

"Lebt denn der alte Holzmichel noch?"

21.05.05

Wir wollten uns vergewissern und schauten einfach nach.

 

Was dabei so alles passierte, soll mein Bericht vom langen Weg über den Rennsteig für Euch bereithalten.

 

Bei unserer ersten Teilnahme im vergangenen Jahr war die Begeisterung so groß, dass es selbstverständlich war, in diesem Jahr wieder dabei zu sein. Von Baden-Baden nach Eisenach gibt es eine entspannte Zugverbindung und so entschlossen wir uns zu diesem Wochenend- Trip nach Thüringen.

 

Das mit dem entspannten Reisen, sollte sich in Hanau zunächst einmal anders gestalten. Hatten wir bis dorthin unsere gebuchten Sitzplätze im ICE inne, mußten diese wegen eines Totalausfalles aufgegeben werden. Ein bereits randvoll gefüllter Ersatzzug sollte dann nach mehr als 1 stündiger Wartezeit auf zugigem Bahnsteig die Fahrgäste zur Weiterfahrt aufnehmen. Wie die Sardinen in der Dose kamen wir uns vor.

 

Das Laufen wird Mitte Mai in Eisenach groß geschrieben. Der Rennsteiglauf zählt mit zwischenzeitlich mehr als 10.000 Teilnehmern zum größten Landschaftslauf in Mitteleuropa und stelle einen gewichtigen Wirtschaftsfaktor für die Region dar. Unser Eindruck beim Spaziergang durch die Stadt bestätigte uns diese Aussage durchaus. Wer hier keine Laufschuhe an den Füßen trug, war an diesem Wochenende zum Außenseiter verdammt. Cafes und Lokale waren ausgelastet und erfreuten sich an der nach Kohlehydraten gierigen Läufergemeinde.

 

Pünktlich, wie es im Programm des Rennsteiglaufvereins angekündigt war, und keine Minute früher oder später, öffneten sich die Türen zur Startnummernausgabe. Ohne Streß und Hektik bekommt hier jeder von überaus freundlichen Helfern seine Unterlagen ausgehändigt.

 

Damit war für uns der Weg zum Übernachtungsquartier frei und wir machten uns auf zum Elisabeth-Gymnasium. Die Schulräume sind an diesem Wochenende geräumt und stehen den Läufern für 3,- pro Person zur Übernachtung zur Verfügung. Isomatte, Schlafsack und für die ganz empfindlichen auch die Ohrenstöpsel als Gegenmittel für schnarchenden Mitläufer, sind selbst mitzubringen.


Dem häuslichen Einrichten im Physiksaal folgte ein kurzes Nickerchen (Probeschlafen am frühen Nachmittag) und ein erster Test der hervorragenden thüringischen Verpflegung (Fettbrot, Schwarzbier).

 

Der Marktplatz ist als zentraler Sammelpunkt der Läufer ein beliebter Platz. Heute war es ganz besonders schön, konnte man doch die Sonne bei Kaffee und Kuchen im Freien genießen.

Der Zeitplan sah schon bald die Teilnahme an der allseits bekannten Kloßparty im Festzelt vor. Die Thüringer verwöhnen ihre Gäste mit Rotkraut, Gulasch und Kartoffelklößen und stellen damit jede traditionelle Nudelparty weit in den Schatten. Für die Stimmung ist ein Diskjockey mit Volksliedkenntnissen zuständig. Wer sich bei diesem Angebot der Kohlenhyrataufnahme dem bekannten Köstrizer Schwarzbier entsagt, kann nicht geholfen werden. Wir haben unserer 12-monatigen Vorfreude auf diesen Abend freien Lauf gelassen und so die Angst vor dem Mythos Super-Marthon gezügelt.

 

Der Abend war geprägt von Hallo und Wie geht es Dir denn?? bis hin zu Nett, Dich kennengelernt zu haben. Ein Treffpunkt für Freunde und Bekannte der Szene, ein Umschlagplatz für neue Läufe und Erfahrungsaustausch rund um die Bewegung. Selbstredend, dass auch wir mit unseren 3 Veranstaltungen im Jahr (Nachtlauf, Baden- Badener Panoramalauf und Eisweinlauf) unsere Werbetrommel rührten.

 

Ein letztes Bier im Gymnasium verlieh uns die nötige Bettschwere und machte das Schnarchen der Mitbewohner erträglicher.


Wer den Super-Marathon mit seinen 73 km laufen will, muß eine kurze Nacht akzeptieren. Der Wecker bringt um 3:45 Uhr auch die hartgesottenen Schnarcher wieder in die reale Welt zurück. Frühstück, zusammenpacken, Laufkleidung anziehen und dann ab zum Startplatz. Um 6:00 Uhr wird der Startschuss ertönen. Noch sind wir frisch und guten Mutes. Was spricht also gegen ein Gruppenfoto um unsere Teilnahme unter Beweis zu stellen??

 

Der Veranstalter spricht von einem Teilnehmerrekord und wenn ich es richtig verstanden habe, gehören wir zu den 1.800 Startern, die sich auf die lange Distanz begeben wollen. Das Wetter meint es noch gut mit uns, wenngleich wir nicht davon ausgehen können, dass heute die Sonne alles richten wird. 65 % Regenwahrscheinlichkeit werden uns noch zu einer Dusche verhelfen.

 

 
Nebelfrau
© marathon4you.de 4 Bilder

Unsere Gruppe ist aus den verschiedensten Motivationsgründen hier in Eisenach am Start. Zum einen sind da Hannelore und Peter, die ihre Bestzeit des vergangenen Jahres bestätigen wollen.

Dann ist da aber auch noch meine Frau Brigitte, die mit mir die Idee unserer Initative laufendhelfen.de über den Rennsteig tragen will. Im Rahmen des Deutschlandlaufes soll diese Initative der aktion benni & co öffentliches Interesse und Spendengelder zuteil werden lassen. Ich werde  zusammen mit meinen Freunden Rüdiger Ernst und Christoph Hirschel diesen Extremlauf bestreiten. Klar, dass der Rennsteiglauf für uns Drei im Fokus des Trainings für dieses Event stand.

 

Den Rennverlauf zu schildern ist in allen Einzelheiten sehr schwierig und kann leicht zu detailliert und damit für den Leser langweilig werden. So kann ich mich für die erste Phase des Rennverlaufs auf zwei Worte beschränken, welche das Tempo der meisten Läufer beschreibt: Zuuuu schnell.


Brigitte und mich nehme ich von dieser Feststellung aus. Bewußt haben wir eingebremst und bereits die ersten Steigungen in konsequenter Weise gehend zurückgelegt. Muß sagen, es war vernünftig, aber nicht gerade leicht. Ständig glaubten wir uns am Ende des Läuferfeldes, zumal uns Freunde überholten und in weiter Ferne vor uns im Läuferfeld verschwanden, die erfahrungsgemäß hinter uns ins Ziel kommen sollten.

 

Wir blieben bei unserer Philosophie des langsamen Beginns und sollten Recht bekommen. Nach und nach sah man sich wieder. Am Ende stimmte dann die Gleichung wieder und alles hatte seine Ordnung wie eben in jedem Jahr.


Wer jemals am Rennsteig gelaufen ist, dem muß ich nichts über die Verpflegung an der Strecke erzählen. Für diejenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, einmal dabei zu sein, sei erwähnt, dass es mehr als lohnenswert ist, den berühmt berüchtigten Haferschleim in den verschiedensten Varianten zu genießen. Eine echte Alternative zu Power-Gel. Und wer jetzt noch die Nase rümpft wenn ich von Fettbrot, Leberwurstbrot oder Knackwürsten berichte, dem sei einfach nahegelegt, dass man beim normalen Arbeitstag ja auch nicht so kleinlich ist. Hier haben die meisten doch auch ein gutes Vesper dabei und essen Mittags mal eine Currywurst und wenn es sein muß, noch Pommes dazu. Ja und beim Laufen ???? Da werden wir dann plötzlich empfindlich. Nicht dass ich ein Verfechter von deftiger Kost beim Laufen wäre, aber die Regeneration bereits während der Laufveranstaltung anzuregen, ist eines der Geheimnisse erfolgreicher Ultraläufer. Naja, und im Hinblick darauf, den Deutschlandlauf zu finishen, übe ich also Regeneration während des Laufens.

Ich kann euch sagen, es ist mir bestens bekommen. Die Zeit von Brigitte und mir war mit knapp 9:30 Stunden zwar 1 Stunde schlechter als im vergangnen Jahr, doch nach unserer Teilnahme am Marathon des Sables und im Hinblick auf einen Trainingslauf für besagtes Event im Herbst, genau im Plan.

 

Mit lachender Mine im Ziel, hatten wir unseren Arbeitstag mit Überstunden beendet, und konnten uns auf den feucht fröhlichen Abend im Festzelt freuen. Quartier hatten wir wegen der Feierlichkeiten, die man keinesfalls versäumen sollte, in der Mehrzweckhalle in Schmiedefeld bezogen. Die Stimmung im Festzelt zu beschreiben, übersteigt mein Vokabular.


Wenn ich gigantisch sage, meine ich einfach noch etwas mehr gigantisch, viel mehr. Ich muß sagen, dass ich es noch nie erlebte, wie eine Menschenmenge vom Moderator auf der Bühne wie ein Lichtschalter mit einen Klick zur Fröhlichkeit eingeschaltet wurde. Stimmung von 0 auf 100 in Lichtgeschwindigkeit, könnte die Beschreibung dieses Phänomens sein. Was dann folgte, kann ich nicht mehr in Worte fassen. Ausgelassene Stimmung vertrieb jedem eben noch fußkranken Läufer  den Schmerz aus den Gliedern. Ob man wollte oder nicht: am Ende verließ jeder das Zelt mit gelockerter Muskulatur. So machte die Gymnastik danach einfach Spaß.

 

Fazit dieses langen Tages???? Es war ein schöner Trainingslauf, der im kommenden Jahr wieder im Programm stehen wird.

 

Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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