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Laufberichte

Heimspiel

09.05.04

Den Gutenberg-Marathon kann ich mir nicht entgehen lassen.

 

Ich wohne nur 20 Kilometer von Mainz entfernt und habe sozusagen Heimspiel. Nachdem ich im letzten Jahr zu den Hitzeopfern zählte (ich bin zwar ins Ziel gekommen, musste aber auf der zweiten Hälfte erhebliche Zeit zugeben), habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, die 4 Stunden zu knacken. Die äußeren Bedingungen sind nicht schlecht, gestern hat es geregnet, aber heute ist es trocken, bedeckt und eher etwas frisch. Kurz gesagt, die Bedingungen sind ideal und bis dahin habe ich keine Ausrede, wenn’s mit der Bestzeit nicht klappen sollte.

 

Damit der Marathontag ohne Stress abläuft, habe ich mir bereits gestern die Startunterlagen in der Rheingoldhalle geholt und mich auf der Marathonmesse umgesehen. Es herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre am Vortag. Viele Bekannte begrüßen sich, fachsimpeln und erzählen sich von ihren „Schandtaten“ beim obligatorischen Nudelessen.

 

Ich mache mich auf zum Startgelände, wo eine Bombenstimmung herrscht und die Handbiker gerade vorgestellt und gleich darauf auf die Strecke geschickt werden. Dann endlich ist es so weit, auch für die 8.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Marathon und Halbmarathon wird es jetzt Ernst. Das Starterfeld ist wie fast überall in Leistungsklassen eingeteilt. Weil aber nicht kontrolliert wird, und viele immer noch in dem Glauben sind, dass sie Zeit gewinnen, wenn sie möglichst weit vorne starten, ist es eng und das Umherkurven zum Überholen schon etwas lästig. Trotzdem geht es überraschend schnell auf der breiten Rheinstraße und Rheinalle, und ich finde meinen Rhythmus.

 

Wir sind in Mainz-Neustadt und laufen nach ungefähr 4 km über’s Werksgelände von Schott und dann Richtung Mombach, das wir nach weiteren 2 km erreichen. Hier herrscht Fasenachtstimmung, anders lässt sich der Trubel nicht beschreiben. Mainz, wie es singt und lacht, live. Einfach klasse. Keine Frage, dass ich bei der Atmosphäre gut in der Zeit liege. Für den Kilometer habe ich mir so 5:30 bis 5:45 Minuten vorgenommen.

 

Jetzt wird es etwas ruhiger, aber nach ungefähr zwei Kilometern nähern wir uns der Innenstadt. Je näher wir dem Dom kommen, umso lauter wird es. Der Höhepunkt wird auf der großen Bleiche erreicht. Es tobt der Bär. Ja, ist denn Rosenmontag? Wir laufen durch die engen Gassen der Altstadt (ungefähr km 12) und dann geht’s auf die Wendeschleife hinaus nach Weisenau. Ungefähr 2 Kilometer liegen zwischen mir und den Läufern auf der Gegenbahn. Meine Zeit ist gut und so fühle ich mich auch. Jetzt bin ich in der Situation, dass ich die hinter mir liegenden auf der Gegenbahn sehe. Ich merke, dass ich immer häufiger überholt werde. Fast bin ich versucht, dran zu bleiben. Dann aber wird mir klar, dass das die Halbmarathonis sind, die jetzt zum Endspurt ansetzen.

 

Ich bleibe gelassen und laufe mein Tempo weiter. Ich genieße die tolle Stimmung im Ziel und nehme meine Zwischenzeit für den Halbmarathon: 1:58. Wenn ich das Tempo durchhalte, schaffe ich 3:56. Das ist exakt die Bestzeit von meinem Freund Klaus, der allerdings 10 Jahre jünger ist. Heute ist er leider nicht dabei, er hat eine Erkältung.


Wir laufen über die Rheinbrücke nach Kostheim und Kastel. Auch der „hessische Teil“ von Mainz lässt sich nicht lumpen und ist recht zahlreich auf den Beinen, um die Marathonis zu feiern und anzufeuern. Das Läuferfeld hat sich doch stark gelichtet. Ungefähr bei km 25 ist die Wende und es geht zurück ins Pfälzische. Den lang gezogenen Anstieg zur Brücke spüre ich jetzt doch. Ich halte mein Tempo und der Puls geht hoch. Es ist die einzige spürbare Steigung der ganzen Strecke und ich will nicht klagen. Gleich nach der Brücke geht es für die LäuferInnen ins Ziel, die sich für den 2/3-Marathon entschieden haben.

 

Wieder geht’s vorbei an Neustadt und dann Richtung Mombach, das diesmal bei km 34 erreicht wird. Noch immer stehen erstaunlich viele Menschen am Straßenrand und machen Party. Und noch immer stimmt meine Zeit. Allerdings merke ich jetzt doch meine Beine, besonders die Oberschenkel schmerzen. Noch nie bin ich in diesem Tempo eine solche Distanz gelaufen. Wieder werde ich mit meinem Namen gerufen, der groß auf die Startnummer gedruckt ist. In meinem Alter gibt es auch schon mal Sonderapplaus. Das hilft mir weiter. 40 Meter vor mir sehe ich einen Läufer mit einem roten Shirt. Er soll jetzt meine Orientierung sein. Meter um Meter verkürzt sich der Abstand. Wir sind wieder in der Innenstadt, der Dom kommt in Sicht, wieder durch die Altstadtgassen. Das Klatschen und die Zurufe der Zuschauer hilft mir. Meine Oberschenkel brennen. Gut, dass jetzt auf der zweiten Runde die Wendepunktstrecke nach Weisenau entfällt.

 

Ich hab den Rotgekleideten überholt und komme zur 40-km-Marke. 3 Stunden 45 zeigt meine Uhr. Mann, das wird knapp. Jetzt geht’s links ab auf die lange Zielgerade. Ich muss kämpfen, aber das Publikum ist toll. Ich laufe, ich komme ins Ziel, drücke die Uhr und schaue nach: 3:59:40. Ich hab’s geschafft und bin glücklich.

 

 

Streckenbeschreibung:

Flacher Rundkurs, zwei Runden mit unterschiedlichen Wendepunktpassagen.

 

Zeitnahme:

Champion-Chip

 

Auszeichnung:

Medaille, Sofort-Urkunde. Urkunde mit Ergebnissen auf CD per Post

 

Logistik:

Startunterlagen und Pasta-Party in der Rheingoldhalle, Kleiderdepot

 

Verpflegung:

ausreichend Verpflegungs- und Getränkestationen mit Wasser, Iso, Bananen

 

Zuschauer:

Presseberichten zufolge sollen 80.000 Menschen an der Strecke gewesen sein.

 

Informationen: Gutenberg-Marathon Mainz
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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