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Laufberichte

Nur für Geübte

25.07.15

Es war einmal vor langer, langer Zeit die Idee, zu Fuß nonstop rund um den Mont Blanc, den höchsten Berg der Alpen, zu laufen. Im Laufe der Jahre folgten so viele tausend tapfere Recken aus der ganzen Welt diesem Aufruf. Inzwischen muss man nun  schon immer größere Abenteuer als Leistungsnachweis bestehen, um zur Verlosung der Startnummern für diese Heldentat überhaupt zugelassen zu werden.

Einige Zeit später kamen clevere Geschäftsleute auf die Idee, auch den höchsten Gipfel Deutschlands von Läufern umrunden zu lassen. Danach musste die eifrige Schar der Gipfelumrunder nicht mehr lange warten, bis ihnen endlich die Möglichkeit geboten wurde, 2015 auch den höchsten Berg Österreichs, ja sogar den Höhepunkt der östlichen Hälfte des Alpenbogens, bei einem Rennen auf unwegsamen Pfaden aus allen Himmelsrichtungen zu huldigen.

Welch großartige alpine Dramen und Heldengeschichten spielten sich schon an den unnahbaren Wänden des 3798 m hohen Großglockner ab! Nun dieses grandiose Monument innerhalb von maximal 30 Stunden umrunden zu dürfen, darauf freue ich mich schon seit Monaten. Da ich Teile der Strecke schon vom Wandern her kenne, weiß ich, dass der Großglockner Ultratrail an manchen Abschnitten technisch deutlich anspruchsvoller ist, als viele andere großen Ultratrails, bei denen ich bisher gestartet bin. Aber welcher Hammer es bei der Premiere wird, überrascht mich dann doch.

Bei der Premiere wird eine komplette Umrundung mit 110 km, 7000 Höhenmetern und 30 Stunden Zeitlimit angeboten, außerdem der Glockner Trail mit 50 km und 2500 Hm, der morgens in Kals startet und bis Kaprun führt.  

 
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Kaprun, der Start- und Zielort der Umrundung, ist ein multikulturell ganz besonderes Erlebnis.

Die Ferienregion Zell am See / Kaprun scheint intensiv in arabischen Ländern Touristen anzuwerben. Im Koran wird das Paradies als Kombination zwischen grünen Wiesen, blauem See und schneebedeckten Bergen beschrieben. Dies findet man hier sowohl am Zeller See, als auch oben bei den großen Stauseen. Inzwischen sieht man auf den Straßen Kapruns mehr bis auf einen schmalen Augenschlitz in schwarze Kutten verhüllte Frauen, als in vielen islamischen Ländern. Viele Cafés und Restaurants werben mit großen arabischen Tafeln, auf einem etwa 400 m langen Grünstreifen entlang des Baches sitzen am Abend etwa drei Dutzend entsprechend gekleidete Familien und auch auf der Straße sieht es hier manchmal eher wie arabischen Ländern aus. Als Kontrast dazu setzen die Hoteliers und Restaurant-Angestellten auf einen Overkill an folkloristischer Tracht.

Doch am Freitag versammeln sich kurz vor 18 Uhr auf dem Salzburger Platz fast 250 Läufer, die sich auf einen spannenden Ultratrail freuen. Niemand ahnt, dass die meisten von uns morgen nicht wie erhofft hier auch über die Ziellinie laufen werden. Schon beim Briefing sagt uns der Veranstalter Hubert Resch (auf dem Foto rechts im orangen Teilnehmer-Shirt), dass morgen Gewitter möglich sind und dann je nach kurzfristiger Wetterentwicklung entsprechend darauf reagiert werden muss. Doch heute am Start ist der Himmel zwar grau, es ist schwül warm, aber es bleibt zumindest noch den Abend und die Nacht über trocken. Das ist aber auch bereits das Beste, was ich zum Wetter hier schreiben kann, der Mist folgt später.

Ratet mal, welchen Song wir am Start hören! Natürlich wieder „Highway to Hell“. Passender wäre dieses Mal „Road to nowhere“ gewesen.

Schnell laufen wir aus dem nicht besonders attraktiven Ort heraus. Zum Eingewöhnen ein kurzer Wirtschaftsweg bis zum Waldrand, dann dürfen wir bereits auf einem schmalen Pfad bergauf steigen. Üppige, wilde Vegetation umgibt uns, durch die schwüle Hitze wirkt es fast wie im Urwald. Ein anstrengender, aber sehr schöner Trail bringt uns schnell in die Höhe. Schließlich zweigen wir auf einen leicht bergab führenden Fahrweg, von dem wir Aussicht hinab nach Kaprun und das Tal der Salzach haben. Bald sehen wir auch den Zeller See unter uns, dahinter u.a. die Lofer Steinberge, das Steinerne Meer und der Hochkönig sowie den Berggrat, über den ich neulich am Ende des Hochkönigman lief. Leider wirkt heute bei dem trüben Wetter alles recht grau, ein blauer See vor kontrastreichen Bergen wie an den letzten Tagen hätte mir besser gefallen. 

 
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Dann zweigt unsere Route ins Ferleiten-Tal ab, wo es nach einem Zwischenaufstieg bald über einen traumhaften Trail hinab geht.

In Fusch erreichen wir den Boden des Tales. Eine Weile dem Tal folgend, geht es auf abwechselnd sehr leichten Wegen und Trails bergauf und manchmal auch wieder abwärts. Und schon wird es Zeit, die Stirnlampe einzuschalten. Um 22 Uhr erreiche ich in Ferleiten direkt neben der Mautstation der nachts geschlossenen Großglockner-Hochalpenstraße die erste Verpflegungs- und Cut-Off-Stelle. 20 km und 1200 Höhenmeter auf technisch bisher etwa durchschnittlich anspruchsvoller Strecke liegen jetzt hinter mir.

Als ich vor Monaten die frühe Version der Ausschreibung gelesen hatte, stutzte ich über das Zeitlimit für den ersten Abschnitt, denn für diese zwanzig Kilometer sollten wir nur maximal vier Stunden Zeit haben. Zum Glück wurde der Start dann eine Stunde vorverlegt, die Schlusszeit in Ferleiten aber bei 23 Uhr gelassen. Das ist ok, ich brauche heute nur knapp über vier Stunden dafür. 

Für kurze Zeit kann ich nun auf einem bequemen, fast ebenen Weg recht schnell laufen. Dann sehe ich die Kette der Lichter der vorderen Läufer vor mir den Berg erklimmen. Aus dieser Perspektive wirkt es, als würde sie in stockdunkler Nacht an einer steilen Wand hinauf klettern. Doch noch recht lange Zeit führt unsere Route in eher moderater Steigung hinauf. Mehrmals wundere ich mich über Läufer, die mir entgegen kommen, weil sie unterwegs umgekehrt sind. Sie sehen alle noch nicht besonders erschöpft aus. Warum laufen sie dann zurück nach Ferleiten? Erst morgen kommt mir im Gespräch mit anderen Läufern die Erkenntnis, dass sie nicht wegen mangelnder Kraft umkehrten, sondern anhand der üblen Verhältnisse weiter oben aufgaben.

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Informationen: Großglockner Ultra-Trail
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

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