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Laufberichte

Never give in to violence

05.05.13

Gradisca d'Isonzo ist ein kleines, herausgeputztes und  am Sonntagmorgen verschlafenes Städtchen mit einer mittelalterlichen, venezianischen Stadtmauer. Auf dem runden Stadtplatz fällt ein schöner Baum ins Auge, unter dem sich die Läuferinnen und Läufer in der morgendlichen Sonne wärmen. Startunterlagen können auch hier noch abgeholt werden - für den eiligen Läufer und gegen eine kleine Extra-Gebühr.

 
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600 Teilnehmer/innen des 14. Maratona d'Europa gehen heute an den Start. Alle wirken sehr gelassen, sogar an den Toiletten geht es ohne großes Warten ab. Der Bürgermeister wünscht uns alles Gute und verkündet noch, dass auch nächstes Jahr der Start wieder hier sein soll. Judith macht mich auf eine recht gewichtige Läuferin aufmerksam. Nach unserer Erfahrung mit Nunzia in Neapel, die eine vielfache Ultraläuferin war, bin ich mit Vorurteilen vorsichtig geworden. Vielleicht ist sie am Ende ja schneller als wir?

Im Anschluss an die namentliche Vorstellung der Topläufer geht es leicht verzögert um neun Uhr los, bei den Topläuferinnen musste der Moderator schon Zeit sparen. Sogar ein Hubschrauber schwebt über uns. Nach einer Platzrunde erwartet uns schon der engste Teil der Strecke, ein Tor in der Stadtmauer, dann geht es durch wirklich gepflegte Straßen vorbei an vielen Zuschauern.

Schon wieder eine Trommlergruppe? Nein, es ist dieselbe wie am Start. Wir sind wohl einmal im Kreis gelaufen und kurz danach schon aus dem Zentrum der ca 6.000 Einwohner zählenden Stadt heraus. Auf dem Weg in die nächste Ortschaft fallen mir an einem Balkon mehrere farbige T-Shirts auf. Hier hat ein Teilnehmer seine Errungenschaften des Triest-Marathons aus den vergangenen Jahren ausgehängt. Das diesjährige offizielle Laufshirt rot für die Marathon- und weiß für die Halbmarathonläufer nimmt mit dem Spruch „Never give in to violence – Boston, 15 april 2013“ Bezug auf das aktuelle Geschehen. Viele Hausbesitzer vor ihren schmucken Gebäuden klatschen für uns.

 
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Wir befinden uns in Friaul-Julisch-Venetien, der östlichsten Region Italiens, ganz nah an der Grenze zu Slowenien. Die Straßenschilder sind oft zweisprachig: Italienisch und Friaulisch.

Die Kilometer  rasen dahin. Es gibt immer etwas zu sehen. Die Strecke ist abwechslungsreich. Wir haben uns den Vier-Stunden-Pacemakern angeschlossen. Die sind zwar nicht so lustig wie anderswo, aber die Zuschauer applaudieren für uns als größere Gruppe noch lebhafter.

Bei Sagrado überqueren wir den Fluss Isonzo, der im ersten Weltkrieg traurige Berühmtheit erlangte: Die 12 Isonzo-Schlachten zwischen 1915 und 1919 kosteten über 160.000 Soldaten Italiens und Österreich-Ungarns das Leben. Es gibt mehrere Kriegsgräber-Anlagen. An der größten von ganz Italien werden wir in Redipuglia vorbei kommen.

 
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Vorher in Ronchi dei Legionari noch der kleine Flughafen von Triest. Im Hinterland gibt es auch noch einige Militärflugbasen, wo auch die Kunstflugstaffel Freccia Tricolori beheimatet ist. Diese sieht man gelegentlich bei Übungsflügen über den Badeorten der Umgebung. Wären beim Marathon auch ganz nett gewesen, die grün-weiß-roten Streifen am Himmel.

Danach der kleine neoklassizistische Bahnhof von Redipuglia. Etwas bergauf ein aufgeblasener Torbogen. Hier auf einem kleinen Hügel wird an 100.000 getötete Soldaten erinnert. Linker Hand wurde in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein riesiges Monument errichtet. In sämtliche Steinplatten dieser gigantischen Anlage sind die Namen der Gefallenen eingemeißelt. Die Front zog sich vor knapp hundert Jahren bis in die Dolomiten, wo es fürchterliche Stellungskämpfe gab. Berge wurden unterhöhlt, um die feindlichen Stellungen darüber zu sprengen. Als „Belohnung“ für die Kriegsteilnahme bekam Italien die Gebiete Südtirol und die Halbinsel Istrien zugesprochen.

Für mich ein Zeichen, am heutigen Europa-Tag beim Maratona d'Europa mit Europa-Flagge zu laufen. Ich hoffe von ganzen Herzen, dass die Menschen in Europa und auf der ganzen Welt zukünftig friedlich zusammen leben werden.

Immer noch viele applaudierende Menschen am Straßenrand. Die nächste nennenswerte Erhebung ist die Überquerung der Eisenbahnlinie Triest-Venedig. Hier fällt uns ein Läufer mit lustiger Storchenmütze auf. Er ruft einer Läuferin hinterher, dass sie ihn nicht abhängen wird. Die gibt recht lässig zurück, dass er das ja gerne probieren kann, und ist auf und davon.

 
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So kommen wir nach Monfalcone, einer Stadt mit 30.000 Einwohnern, in der es eine große Werft für Kreuzfahrtschiffe gibt. Auf der morgendlichen Busfahrt vom Triester Bahnhofsplatz zum Start in Gradisca konnte man am Horizont zwei Schiffe im Bau sehen. Für uns war es ein früher (7:00) Trip in einen sonnigen Morgen. Der Bus brauchte 45 Minuten bis zum Startraum, wahrscheinlich auch einem Umweg über die Autobahn geschuldet. Im Unterschied zu den sehr viel zahlreicheren Halbmarathonis fand hier jeder einen Sitzplatz.

In Monfalcone sehe ich endlich auch mal die schöne Innenstadt. Die Staatsstraße, über die ich schon ein paar Mal mit dem Auto gefahren bin, führt am Zentrum vorbei. Gerüchteweise sind sich die Leute aus Monfalcone und Triest nicht besonders grün, wie uns die Verkäuferin in einem Supermarkt erzählte. Ein Pacemaker ruft den Helfern und den Stadtpolizisten seinen Dank zu und den Carabinieri mit ihren schicken Uniformen gleich hinterher. Ob er das ernst meint, scheinen auch die Angesprochen nicht so recht zu wissen. Außerdem hat er meines Erachtens den Katastrophenschutz (protezione civile) und die Finanzpolizei vergessen.

Hinter Monfalcone queren wir die Staatsstraße. Hier gibt es erstmals eine lange Autoschlange, jedoch ohne hupende Fahrer. Ein deutsches Pärchen in einem Auto mit Klever Kennzeichen schaut ganz verdutzt, als ich es auffordere, doch während der Wartezeit mal ein bisschen Stimmung zu machen.

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Informationen: Green Maratona d'Europa Trieste
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