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Laufberichte

Zermatt oder Ballermann

07.07.12
Autor: Klaus Duwe

Was ist los mit mir?  Ich quäle  mich zum Gipfel, schwöre, mir so eine Tortur nie wieder (oder zumindest nicht so bald) anzutun und stehe eine Woche später schon wieder an der Startlinie, um 42,195 km mit fast 2000 Höhenmetern zu laufen. 

„Du spinnst eben“, sagen die einen. Meine Freunde vom m4y-Team wissen es genau: „Du bist auf dem Weg zur Besserung“, sagen sie. Tatsache ist, auch wenn das Rookies kaum glauben, von einem Bergmarathon erholt man sich wesentlich schneller als von einem flachen, viel schneller gelaufenen Citymarathon. Und wenn mir nichts weh tut, bin ich nicht zu halten.

Also auf nach Zermatt.  Die brauchen jeden Teilnehmer. Nach dem Ansturm auf die Startnummern im Jubiläumsjahr mit dem Ultra auf’s Gornergrat halten sich die Bergfreunde dieses Jahr spürbar zurück. Das hat nichts mit der Attraktivität und der Qualität der Veranstaltung zu tun. Beides ist über jeden Zweifel erhaben. Aber dieses Jahr feiert der Marktführer, der Jungfrau Marathon, Jubiläum und schöpft mit insgesamt 8000 Teilnehmern den Markt fast gänzlich ab. Zwischen den Läufen liegt zwar genug Zeit, um problemlos beide zu machen. Haben die Leute aber auch genug Geld? Der Franken verharrt auf einem Niveau, dass einem als EUROpäer die Tränen kommen. Ein Wochenende in der Schweiz kostet so viel wie eine Woche Mallorca. Aber was ist der Ballermann gegen das Matterhorn?

Mit 1333 Teilnehmern aus 27 Nationen ist man angesichts der Umstände dennoch zufrieden. Nächstes Jahr bietet man optional auf Wunsch der Läufer wieder den Run auf’s Gornergrat (3135 m) an und hat mit Europas höchstgelegenem Ziel eine zugkräftige Attraktion. Die Startplätze dafür sind allerdings limitiert (700), die ersten Einschreibungen sind an Ort und Stelle schon getätigt.

Hat man sein Quartier in Zermatt, holt man sich seine Startunterlagen samt Bahnticket in St. Nikolaus, fährt weiter bis Täsch und steigt dort in den Zug, um in den weltbekannten, autofreien Ferienort zu gelangen. Am Freitagabend geht es dort auf dem Bahnhofsplatz hoch her. Mit einem Gutschein bekommt man für 5 Franken einen Teller leckere Nudeln. Folklore und stimmungsvolle Guggemusik sind inklusive. Später werden die Topathleten präsentiert.

Nicht ganz unwichtig in den Bergen der Wetterbericht. In der Nacht soll es noch regnen, der Samstag soll recht sonnig werden bei moderaten Temperaturen. Und genau so kommt es auch.

Sitze ich im falschen Zug? Kein Mensch da und in 10 Minuten, um 6.59 Uhr genau,  soll der Sonderzug nach St. Niklaus abfahren. Ich frage tatsächlich den Zugführer, denn so was habe ich noch nie erlebt. Ja, meint der, ich bin richtig. Viele seien mit dem Linienzug um 6.13 Uhr gefahren. Und es gäbe ja noch den Sonderzug um 7.13 Uhr. Die Nerven möchte ich haben. Tatsächlich füllt sich der Zug noch und nach zwei Zwischenstopps gibt es keinen Sitzplatz mehr.

 
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Beim Zermatt Marathon gibt es drei Starts. Die Eliteläufer machen den Anfang. Favoriten sind die Vorjahressieger Patrick Wieser und Daniela Gassmann-Bahr, Jasmin Nunige ist am Start und Lizzy Hawker auch. Und zwei Kenianer, die keiner kennt und auch nicht einschätzen kann. Um 8.45 Uhr rennen sie los.

Als nächstes sind die Staffeln an der Reihe, um 9.00 Uhr dann das natürlich größte Feld mit dem „Rest“. Nächstes Jahr wird es einen vierten Start geben, dann starten die Ultras in einem ersten Block.

Es ist immer das gleiche. Ich stehe ziemlich vorne, renne ein paar Meter, mache Fotos, renne weiter (es geht ja abwärts), knipse, biege links auf die Straße in den Ort ab und habe nach weiteren 200 m den höchsten Puls des Tages, denn es geht jetzt bergauf und ich bin viel zu schnell. Ein paar weitere Fotostopps mit gleichzeitigem Durchatmen helfen weiter. Die engen Gassen des Bergsteigerdorfes sind mit Fahnen geschmückt, Alphornbläser und viele Zuschauer sorgen für die passende Atmosphäre. So werden wir auf den ersten Streckenabschnitt entlang der Vispa hinauf nach Zermatt geschickt.  Rund 500 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen, die sich bis auf drei  kurze steile Abschnitte (bei Randa, hinter Täsch und kurz vor Zermatt) ziemlich gleichmäßig und moderat verteilen und gut zu laufen sind.

 
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Die Startzeiten sind übrigens nicht willkürlich festgelegt. Sie orientieren sich am Fahrplan der Matterhorn St. Gotthard Bahn, deren Trasse wir folgen.  Es gibt die sogenannte „fahrende Tribüne“ für Zuschauer, die von der Bahn aus etliche Streckenabschnitte einsehen können.

Schroffe Felsen,  Wasserfälle, Almen, blühende Wiesen und der von trübem Gletscherwasser gespeiste Bach  - das ist das Nikolaital, wunderschön. Geradeaus schaut man auf das Breithorn und das Kleine Matterhorn, weiße Bergriesen vor strahlend blauem Himmel.  Mattsand und Herbriggen (1254 m – 6,6 km) sind die nächsten Orte. Wir haben fast ohne Mühe die ersten 150 Höhenmeter hinter uns. Die nächsten Kilometer bis Randa  (1408 m - 10,5 km) sind etwas anspruchsvoller. Besonders bei den Fels- und Steinmassen eines riesigen Bergsturzes vor etlichen Jahren wird meist marschiert.

 
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Musik ist zu hören, Blasmusik. Ich habe zwei Vermutungen: Entweder ein neu gegründeter Verein trifft sich zur ersten Probe, oder Guggemusiker sind am Werk. Letzteres ist der Fall. Die „Zytglogge-Schranzer“ geben „Que Sera“ zum Besten. Ich habe nur eine bessere Version in Erinnerung: Die der Lords aus den 60ern. „Es kommt, wie’s kommt“, könnte man den Titel übersetzen. Passt. 

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Informationen: Gornergrat Zermatt-Marathon
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