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Laufberichte

Es geht doch ''nur'' bergab ...

29.06.08
Autor: Klaus Duwe

Gletschermarathon – hört sich an nach angenehmer Kühle, aber beschwerlicher Strecke. Ist aber nicht. Die Temperaturen sind nur am Morgen beim Start auf  ungefähr 1700 m Höhe angenehm, später steigen sie auf über 30 Grad. Beschwerlich stimmt, obwohl die Strecke (fast) nur abwärts geht. Oder gerade deshalb? Aber sind 42 Kilometer nicht immer beschwerlich?

Den spektakulären Namen hat man dem Marathon durch das Pitztal wohl aus Werbegründen gegeben. Sehen tut man den Pitztaler Gletscher auch, er liegt ja vom Startplatz in Mandarfen nur 1000 Meter entfernt. Aber es sind Höhenmeter und zu Fuß ist man ist man stundenlang unterwegs. Schneller geht’s mit dem „Pitzexpress“, einer Art alpiner U-Bahn, die pro Stunde 1.600 Personen auf 2.840 Metern Höhe bringt. Mit der „Pitz Panoramabahn“ geht es dann weiter auf 3.440 m zum praktisch ganzjährigen Skifahren. Eine weitere Bergbahn fährt zum Rifflsee, einem Familienskigebiet auf bis zu 2.800 Meter Höhe.


Informationen: Gletschermarathon Pitztal-Imst
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Die Startunterlagen holt man sich am Samstagnachmittag im Sportzentrum in Imst oder am Sonntag vor dem Start in Mandarfen. Dort kann man sich auch noch nachmelden. Neben dem Marathon und der Marathon-Staffel gibt es auch noch den „Halben“, der in Wenns gestartet wird, einen Fun-Run über 11,2 km und Kinder- und Jugendläufe. Ziel ist im Imster Sportzentrum. Zu den Startorten gibt es kostenlosen Shuttle-Service.

Das Startgeld (25 – 30 €) ist angesichts des erheblichen Aufwandes, der mit einer Punkt-zu-Punkt-Strecke verbunden ist, moderat. Alle Teilnehmer bekommen dafür unter anderem eine praktische Hüfttasche und freien Eintritt ins Freibad, die Finisher eine Medaille und Urkunde. Ein Funktions-T-Shirt kann man sich extra kaufen.

 
© marathon4you.de 12 Bilder

Soviel zu den Formalien. Wie komme ich nach Imst? Das 9.000 Einwohner-Städtchen  liegt verkehrsgünstig an der Autobahn A 12 nach München, Innsbruck, Salzburg, Arlberg und in die Schweiz. Über den Fernpass erreicht man Imst übrigens ohne Maut. Bereits  zur Römerzeit war Imst ein wichtiger Verkehrsknoten an der Heerstraße Via Claudia Augusta, die den Norden Italiens mit dem süddeutschen Raum verband. Bei einem Stadtbummel fallen einem unwillkürlich die vielen Brunnen mit den prachtvollen Heiligenfiguren auf. 35 dieser Wasserspender soll es noch heute geben. Sie stammen aus der Zeit, als die Wasserversorgung in Imst ausschließlich auf öffentliche Brunnen beschränkt war.

Am Sonntagmorgen fahren ab 7.45 Uhr vom Schwimmbad die Busse nach Mandarfen zum Start. Gelegenheit, die Strecke schon einmal zu besichtigen. Die Neulinge  kommen das eine oder andere Mal ganz ordentlich ins Staunen, denn ohne (Gegen-)Anstieg kommt die Strecke das Pitztal heraus nach Imst nicht aus.

Dann sind wir in Mandarfen (1682). Was früher eine nur im Sommer bewirtschaftete Alm war, ist heute eine Hotelsiedlung mit fast 1000 Betten, Hauptsaison ist natürlich der Winter. Im Verkehrsamt kann man sich nachmelden, gegenüber gibt man seine Kleidertasche ab. Die Wartezeit vergeht im Flug. Schon richten zwei Schützen die auf einem Anhänger verstaute Kanone. Mit einem ohrenbetäubenden Knall wird der 3. Gletschermarathon gestartet.

 
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Dass man auf dem Parkplatz in Madarfen startet, ist neu. Bisher startete man weiter oben in Mittelberg. So ist es aber wesentlich besser. Man hat jetzt zwar gleich am Anfang einen kleinen Anstieg, aber  angenehme Temperaturen und einen wunderschönen Blick auf die Pitztaler Berge, den Gletscher und auf gelbe, weiße und bunte Blumenwiesen, wie man sie nirgends schöner findet. Zwei Kilometer mögen es sein, dann ist man zurück in Mandarfen und rennt jetzt die Verkehrsstraße hinunter durch’s Pitztal. Die bis hierhin gelaufenen Kilometer werden in Imst eingespart, wo es bisher am Schluss in brütender Hitze durch’s Industriegebiet ging.

Die Strasse ist für den Verkehr nicht vollständig gesperrt. Die Läuferinnen und Läufer sind belehrt worden, dass sie ausschließlich die rechte Straßenseite benutzen dürfen. Der Veranstalter lässt sich das per Unterschrift bestätigen. An jeder Zufahrt sind Hilfskräfte, Feuerwehr oder Polizei, die den ohnehin nicht starken Verkehr zeitweise auch anhalten, wenn es sein muss.

Ich bin übrigens mit dem Fahrrad unterwegs, laufen kann ich noch immer nicht – seit jetzt genau 3 Monaten. Ein Gutes hat es ja: ich kann mehr Zeit für’s Fotografieren aufwenden.

 
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Zu Beginn des Laufes beeindrucken natürlich die über 3000 m hohen Berge, die die Läufer aber bald nur noch dann genießen können, wenn sie sich Zeit für einen „Rückblick“ nehmen.  Ich weiß das und habe deshalb gerade von diesem Streckenabschnitt eine große Anzahl  Bilder ausgewählt. Ich spar mir dafür etwas Text!

Die Straße geht immer abwärts. Kleine Siedlungen und Höfe liegen an der Strecke, sonst sieht man nur Wiesen, Wälder und Berge. Zu hören ist die rauschende Pitze und hin und wieder das Gebimmel der Kuhglocken. Und es riecht nach Heu.

Viele Urlauber und Einheimische werden an diesem herrlichen Sonn(en)tag hierher auf die Höhe kommen, um der Hitze im Tal zu entgehen. Aber die Läuferinnen und Läufer hetzen talwärts, schneller als sonst sogar, denn das abschüssige Streckenprofil gaukelt ihnen leichtes Spiel und die Aussicht auf Bestzeiten vor. Abwarten …

Spätestens alle 5 Kilometer kommt eine Getränkestelle mit Iso und Wasser, später gibt es auch Bananen. Für manchen vielleicht zu spät. Daher ist gut beraten, wer sich ein, zwei Riegel einsteckt. Aber sollte das nicht immer so sein?

 
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In den kleinen Siedlungen und besonders an den Verpflegungsstellen versammeln sich auch ein paar Zuschauer, die die Marathonis anfeuern. Wie zum Beispielin Plangeroß, Neurur oder Piömös. Der Ort mit diesem ungewöhnlichen Namen, er geht auf eine unbekannte Bevölkerung aus der Zeit vor den Römern zurück, gehört zu St. Leonhard (1370 m). Die „Alte Post“ ist offensichtlich fest in deutscher Hand. Auf dem Balkon wehen Deutschlandfahnen und an der Straße haben sich Jungs und Mädels mit schwarz-rot-goldenen Schals und Fähnchen  zu einer richtigen Fanmeile versammelt. Jeder Läufer und jede Läuferin wird mit einer Welle begrüßt und laut bejubelt.  Als ich mich nach der Fotopause auf meinen  Drahtesel schwinge, kriege ich auch eine Welle.

Beim nächsten Gasthof gibt es sogar Live-Musik, Frühschoppen und wieder ausgelassene Stimmung. Das Tal wird jetzt breiter, die Berge sind nicht mehr so hoch und die Hänge sind teilweise besiedelt. Auch die Pitze ist hier breiter, tiefer und noch lauter. Türkisfarben wälzt sich das klare Wasser über das steinige Bachbett. Den Duft von frischem Heu kriege ich heute wohl nicht mehr aus der Nase.

In weitläufigen Serpentinen geht es hinunter nach Wiese (km 22), das Gefälle wird für manchen erstmals ungemütlich. Es ist aber nur ein kurzes Stück, dann wird der Ort erreicht. Ein Sprecher begrüßt die Marathonis, die Staffelläufer wechseln hier. Wieder sorgen etliche Zuschauer für gute Stimmung bei den Aktiven, die jetzt doch schon etwas unter den Temperaturen leiden.

 
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Dabei kommt das Beste gleich noch, als es nämlich nach der Pitze-Brücke bergauf zur kleinen Ortschaft Schön (km 26) geht. Die Muskeln schmerzen und rebellieren, wollen den Dienst versagen. Nur die ganz Harten laufen den guten halben Kilometer, die anderen stecken zurück und gehen. Gleich gibt es wieder reichlich zu trinken und Bananen.

Abwärts geht es weiter. Links unten sieht man Kienberg und rechts geht hinauf nach Jerzenz (1.100 m). Das 1.000 Einwohner-Dorf hat über 2.000 Gästebetten, denn das Gebiet um Hochzeiger (2.560 m) und Wildgrat (2.971) ist bei Schifahrern sehr beliebt.

Wieder nach einer Brücke kommt die nächste Steigung. Es geht in der prallen Sonne hinauf nach Wenns (982 m). Kaum ein Läufer hat für den 2372 m hohen Tschirgant, dem Hausberg der Imster, einen Blick. Der Kampf beginnt. Von wegen „es geht ja nur bergab“.  Jetzt rächt sich ein zu hohes Anfangstempo und vor allem die wenige Übung im Abwärtslaufen. Dazu kommt die Hitze …

Sogar den Einheimischen ist es zu heiß. Nur wenige Zuschauer sind um die Mittagszeit an der Straße. Und die sitzen im Schatten. Die Helferinnen an der Getränkestelle haben alle Hände voll zu tun. Drei, vier Becher braucht jeder. Dann traben sie wieder los.

Zwei Kilometer weiter das gleich Ritual: Trinken, Kopf und Arme kühlen, weiterlaufen. Den herrlichen Blick auf das Dorf und die Berge sieht keiner. Ich halte ihn auf ein paar Fotos fest. 

Der kleine Anstieg nach Arzl (880 m, km 36) mag den Marathonis wie ein Berg vorkommen. Kaum einen sehe ich laufen. Cola ist jetzt der Hit! Fast im1000-Meter-Takt kommen jetzt die Getränkestellen, private und offizielle wechseln sich ab. Kühles Nass aus Gartenschläuchen sorgt für kurzzeitige Erfrischung. Ich schwinge mich auf’s Rad und genieße den Fahrtwind. „Ich will nicht tauschen.“ Zum ersten Mal in meiner Verletzungszeit kommt mir dieser Gedanke.

Es geht hinunter Richtung Imst. Der Verkehr hat deutlich zugenommen, ohne dass jedoch dadurch zu Problemen kommen würde. Polizei und Feuerwehr leisten gute Arbeit. Über die Innbrücke und den Kreisverkehr kommt man nach Brennbichl, wo es noch einmal Getränke gibt, diesmal auch Red Bull. Es gibt keine andere Möglichkeit, der Weg zum Ziel führt an öden Werkstätten und Fabrikhallen vorbei. Endlich ist man am Schwimmbad. Bevor man den Läufern den letzten Anstieg hinauf zum Sportzentrum zumutet, gibt es noch einmal Getränke und eine kalte Dusche.

 
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Dann ist es vorbei, auf dem Sportplatz geht es viel bejubelt ins Ziel. Jeder Finisher wird begrüßt, beglückwünscht und mit einer Medaille geschmückt. Dann geht es in den Verpflegungsbereich, den man gerne auch „Schlemmerbereich“ nennen kann. Es gibt leckeren Kuchen, Kekse, Cola, Iso, Wasser u.v.m. Wenn ich es richtig sehe, hätte aber der Erdinger-Stand alleine auch fast gereicht.

Nächstes Jahr bin ich mit Laufschuhen beim Gletschermarathon unterwegs. Hoffentlich ist dann wieder schönes Wetter.

Streckenbeschreibung

Landschaftlich sehr schöner Punt-zu-Punkt-Kurs durch das Pitztal nach Imst. Meist abwärts (ca. 900 m), aber auch mit kleinen, nicht allzu langen Steigungen. Straße ist nicht verkehrsfrei, was allerdings zu keinerlei Problemen führt

Zeitnahme

Champion-Chip

Andere Strecken

Halbmarathon, 11,2 km

Verpflegung

Mind. Alle 5 Kilometer Getränke- und Verpflegungsstellen. Iso, Wasser, Cola, Bananen. Zum Schluss alle paar Kilometer (auch private) Getränkestellen und Abkühlungen

Auszeichnung

Medaille, Urkunde aus dem Internet 
Im Starterpaket diesmal eine praktische Hüfttasche

 

Informationen: Gletschermarathon Pitztal-Imst
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