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Von allem etwas

 

In Heidelberg leben g‘scheite Leut. In der ältesten Unistadt Deutschlands mit rund 150.000 Einwohnern verteilen sich über 40.000 Studierende auf zehn Hochschulen. Zehn Nobelpreise gingen bisher an Heidelberger Professoren und erst im Juni 2012 wurde die älteste Uni Deutschlands, die Ruprecht-Karls-Universität, zum wiederholten Mal mit dem Elite-Prädikat ausgezeichnet. Ein beeindruckendes Fünftel aller Heidelberger/innen hat einen akademischen Bildungsabschluss.

Da verwundert es nicht, dass sich die Planer und Organisatoren der neuen Marathonveranstaltung auch was Besonderes haben einfallen lassen. So wurden die urbanen Trails um die Altstadt von Heidelberg in die bergige Landschaft der Rhein-Neckar-Region integriert. Trail Marathon Heidelberg nennt sich das Premieren-Event. Das Motto der Veranstaltung lautet ganz aussagekräftig: Herrlich – Höher – Härter. Wobei ich „höher“ und „härter“ vorab einmal nicht unbedingt überbewerten will, jeder muss natürlich etwas Werbung für seinen Lauf betreiben. Mit alpinen Bergmarathons will man sich hier aber auch nicht vergleichen. Mit „Härte“ werden wohl die ca. 1.500 Höhenmeter Zugabe zu gewöhnlich flachen Citymarathons gemeint sein. Daher auch die zusätzliche Bezeichnung „Härtester Stadtmarathon Deutschlands“.

Ich bin zum ersten Mal in Heidelberg und auf Anhieb von der Altstadt und seiner exponierten Lage zwischen den hügeligen Ausläufern des Odenwalds begeistert. Das „Herrlich“ kann ich hiermit sofort vorbehaltlos unterstreichen, ohne auch nur einen Meter gelaufen zu sein. Heidelberg gilt auch als eine der schönsten Städte Deutschlands. Das harmonische Ensemble von Schloss, Altstadt und Fluss inmitten der Berge fasziniert nicht nur meinen Begleiter Greppi und mich, sondern jährlich auch rund drei Millionen Besucher aus aller Welt.

Ein gefühlt riesiger Anteil davon verteilt sich heute, bei herrlichem, sonnigem Spätsommerwetter mit Temperaturen von über 20 Grad, um die historischen Gemäuer. Darunter zahlreiche Besucher aus dem fernen Asien, bewaffnet mit schweren Teleobjektiven. Der Touristen- und Besucheransturm bringt natürlich auch Nachteile mit sich. Wer mit dem PKW anreist ist gut beraten, sich einen Platz für das Wochenende in einem der vielen Parkhäuser zu suchen, falls man in einem der zahlreichen Hotels im Altstadtbereich einquartiert ist. Alle Attraktionen der Stadt und auch die komplette Infrastruktur des Marathons sind bequem und in kürzester Zeit fußläufig zu erreichen. Die Karre kann damit das komplette Wochenende unbenutzt stehen bleiben.

Als zentraler Mittelpunkt der gesamten Veranstaltung dient der Universitätsplatz im Herzen der historischen Altstadt, hier sind der Start- und Zielbereich und ein großes Veranstaltungszelt aufgebaut. Im angrenzenden Gebäude der neuen Uni stehen zusätzlich einige Räume zur Verfügung, u.a, zur Aufgabe der Wechselbekleidung vor dem morgigen Rennen. Besonders groß ist der Ansturm am Samstag noch nicht, in kürzester Zeit können wir unsere Startunterlagen in Empfang nehmen, obwohl bereits über 2.100 Läufer/innen vorangemeldet sind.

 
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Knapp die Hälfte davon entfällt an die Einzelstarter des Marathons. Kürzere Distanzen werden nicht angeboten. Man kann sich allerdings den Marathon mit Partnern teilen. Für Zweier- und Fünfer-Teams gibt es diese Möglichkeit und sie wird auch von der anderen Hälfte beansprucht. Als Teilnehmerlimit sind 3.000 Läufer/innen vorgesehen, die Hälfte davon für Einzelstarter. 2.100 Voranmeldungen auf Anhieb, ausschließlich auf einer Marathonstrecke, sind eine Zahl, auf die der Veranstalter zu Recht stolz sein kann.

Ob nur die außergewöhnlich warmen Temperaturen daran Schuld sind, dass die Fußgängerzone mit ihren vielen Kneipen und Restaurants bis spät in die Nacht von Studenten und Jugendlichen in Feierlaune belegt wird, kann ich natürlich nicht beurteilen. Heute ist es definitiv so, müssen sich Greppi und ich mit einem Platz beim „Fast-Food-Italiener“ begnügen. Für Sparfüchse gibt es noch die Alternative, im großen Zelt an der Pasta-Party teilzunehmen. Für 5 Euro bekommt man einen Teller Nudeln inklusive Getränk. Bis 20 Uhr kann man diese Möglichkeit wahrnehmen.

Mitten in der Nacht werde ich von Blitz und Donner kurz aus meinem Tiefschlaf gerissen. Damit würde sich die düstere Wetterprognose für den Sonntag, an dem wir mit viel Regen und Wind rechnen müssen, bewahrheiten. Am Morgen bläst der Wind noch immer kräftig, hat aber auch dafür gesorgt, dass sich die meisten der Wolken wieder verzogen haben und bereits wieder stellenweise blauer Himmel zum Vorschein kommt.

Das große Zelt auf dem Universitätsplatz erweist sich kurz vor dem Start als geselliger Treffpunkt. Obwohl wir bereits wieder auf Temperaturen um die 15 Grad kommen, versammeln sich die meisten der bereits Anwesenden im angenehm warmen Zelt. Vielleicht sind ja auch schon einige etwas länger da. Wer heute Nacht vergessen hat seine Uhr zurückzustellen, der wird eventuell schon ein Stündchen länger hier verweilen. Startunterlagenabholung, Nachmeldung und Kleiderabgabe können noch ohne großen Stress erledigt werden.

 
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Um 9 Uhr wird gestartet, ein Sprecher und fetzige Musik sorgen vorher noch für etwas Unterhaltung. Von großen Ansprachen, Reden oder Ähnlichem bleiben wir verschont. Nach dem der Startgeraden geht es unmittelbar in die 1,6 km lange Fußgängerzone, welche sich durch die gesamte Altstadt zieht und eine der längsten und schönsten in Europa ist. Nach Zerstörungen um 1700 wurden die Gebäude auf ihrem mittelalterlichen Grundriss im Barockstil errichtet und sind meist noch gut erhalten. Als eine der wenigen deutschen Großstädte wurde Heidelberg auch im zweiten Weltkrieg nicht bombardiert.

Das Pflaster durch die Fußgängerzone weißt keine großen Lücken und Erhebungen auf und ist gut zu belaufen. Nach einem Kilometer führt uns ein 180-Grad-Turn ans andere Ende der Altstadt. Eine erneute Wende lässt uns die Altstadtrunde nahezu komplettieren. Am Marktplatz biegen wir am Ende der eindrucksvollen Heiliggeistkirche nach rechts ab, Richtung Neckar.

Durch ein mittelalterliches Brückentor mit zwei imponierenden Doppeltürmen aus dem 17. Jahrhundert gelangen wir auf die Alte Brücke. Am Tor mussten Auswärtige seinerzeit Brückenzoll entrichten, im Verteidigungsfall konnte es durch ein Falltor verschlossen werden. Über die Brücke aus Neckartäler Sandstein überqueren wir den Fluss. Sie gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Heidelbergs. An einem der letzten Kriegstage sprengten deutsche Soldaten alle Heidelberger Neckarbrücken, so auch die Alte Brücke. Dank einer Spendenaktion konnte bereits 1946 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Drei flache Kilometer sind jetzt absolviert.

 
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Die erste kräftige Steigung erwartet uns in der Hirschgasse, sie führt hinauf auf den Philosophenweg, wo sich uns erste wunderbare Ausblicke über Neckar, Altstadt und Schloss eröffnen. Der Philosophenweg zählt im Übrigen zu einer der wärmsten Stellen Deutschlands. Der Hang hat wegen seiner Süd- und 45 Grad-Steillage sowie wegen des Erwärmungseffektes durch Fallwinde sehr spezielle klimatische Verhältnisse. Die Durchschnittstemperatur liegt hier 1,5°C höher als die des Stadtgebietes. Seinen Namen bekam er von den Gelehrten, die hier einst in steifen Gehröcken wandelten und ihre Gedanken beim Spaziergang lockerten. Einen knappen Kilometer dürfen auch wir auf ihren Spuren wandeln und unsere Beine vom ersten Anstieg lockern, dann geht’s weiter auf die Höhe.

Passend dazu sind jetzt auch die letzten Wolken abgezogen, die Sonne hat wieder die Vorherrschaft übernommen. Mich freut’s ganz besonders, dass den computerberechneten Wettermodellen in die Suppe gespuckt wurde, die uns einen kompletten Tag unter Wolken mit viel Regen versprochen haben und so vielleicht auch einige davon abgehalten haben, hier zu starten.

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Informationen: Gelita Trail Marathon Heidelberg
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

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