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Laufberichte

Alles neu am Gardasee

 

Wenn man bei vielen Läufen unterwegs ist, wird man wählerisch. Schöne Erinnerungen nehme ich eigentlich von allen mit. Einen so nachhaltigen Eindruck, dass ich unbedingt wieder hin möchte, hinterlassen letztlich aber nur wenige. Auch ist der Reiz des Neuen angesichts der riesigen Auswahl an Laufevents für mich meist größer als der Wunsch nach einem läuferischen Deja Vu. Aber es gibt Ausnahmen: Der luftige Uferkurs von Limone via Riva, Arco, Torbole nach Malcesine am Gardasee war für mich anno 2010 so ein besonderes Erlebnis, bei dem ich mir sagte: Das möchte ich nochmals erleben.

Und 2013 ist es wieder so weit. Nur: Aus dem Nochmalerleben wird nichts. Denn der Veranstalter überrascht just 2013 mit einem neu konzipierten Kurs. Malcesine - Brenzone - Malcesine - Torbole - Arco - Torbole lauten die Eckpunkte der neuen Streckenführung. Damit entfällt insbesondere das wundervolle Teilstück auf der Gardesana Occidentale von Limone nach Riva. Ersetzt wird es durch eine Schleife zwischen Malcesine und Brenzone auf der gegenüber liegenden Gardesana Orientale. Ob das neue Streckenkonzept dem alten das Wasser reichen kann?

 

Start in Malcesine

 

Einst Ziel-, nun Startort ist Malcesine, der vielleicht malerischste Ort am See. Ein Labyrinth winkeliger, mittelalterlicher Gassen und lauschiger kleiner Plätze drängt sich um die auf einem Kalkfelsen im Ortszentrum thronende Scaliger-Burg. Vom See aus betrachtet wirkt die zinnengekrönte Festung wie der romantischen Fantasie eines  Landschaftsmalers entsprungen. Famos ist der Blick vom 70 Meter hoch den See überragenden Burgturm über die Dächer Malcesines. Die Kehrseite: Touristenhorden, die den Ort vor allem tagsüber in Beschlag nehmen.   

Am Laufsonntag sind es allerdings Läuferhorden, die schon früh morgens die Bewohner aus ihrer Ruhe reißen. Zu Hunderten strömen sie herbei, von den Parkplätzen am Ortsrand oder auch vom Fähranleger, wo eine bereits nächtens vom Zielort Torbole gestartete Sonderfähre anlegt.

 
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Für alle Ankömmlinge gibt es nur ein Ziel: Die weitläufige Piazza Statuto am Rande der Altstadt und das dahinter pompös aufragende Municipio, das Rathaus. Auf der Piazza ist schon alles für den Start gerichtet: Startbogen, Fahnen, Absperrungen. In den Amtsräumen des Rathauses bekomme ich Startunterlagen, Startershirt und Kleiderbeutel. Lautstarkes Gewusel, „grande emozione“, herrscht auf dem erhöht liegenden Vorplatz. Wir sind eben in Italien. Dass der Lauf auch international gut besetzt ist, merkt man nur an den Namen und Nationenfähnlein auf den Startnummern. Immer mehr drängen sich in der Eingangshalle des Rathauses, kein Wunder, ist die Morgenluft trotz aller „emozione“ auf Dauer doch etwas frisch. Aufwärmen kann man sich allerdings auch bei kollektiver Aufwärmgymnastik mit heißem Partysound, zu der auf die Piazza gerufen wird. 

Der Uhrzeiger rückt auf 9:30. Die 15 km-Läufer, die von Malcesine aus auf direktem Weg Torbole ansteuern, werden in den Startbereich gerufen. Kaum sind sie mit großem Getöse verabschiedet, darf auch der Haupttross nachrücken: Marathonis und 30 km-Läufer. Sie teilen sich auf dem Laufkurs alles. Bis auf die letzten 12 km. Die Spannung steigt und es passiert … nichts. Aber da die dauerparlierende Startmoderatorin ihre gute Laune nicht verliert, denke ich mir nichts dabei. Verstehen kann ich ohnehin nichts. Dann bekommt sie auf einmal ein Handzeichen. Tutto a posto. Und schon ertönt der Countdown. Los geht’s.    

  

Einmal nach Brenzone und retour

 

Unser erster Streckenabschnitt führt gen Süden bis nach Brenzone und auf abweichendem Weg nach Malcesine zurück. Wie das gehen soll, lässt die etwas kryptische Darstellung der Strecke im Internet nicht erahnen. Aber ich bin schon gespannt, denn die Berge lassen wenig Raum. Müssen wir etwa durch die Bergdörfer?

 
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Vorbei an von hohen Bäumen umrahmten alten Gemäuern führt uns der Laufkurs aus Malcesine zunächst einmal hinaus auf die Hauptstraße, die Gardesana Orientale, die das Ostufer des Sees auf seiner kompletten Länge erschließt. Extra für uns ist sie während des Laufs bis Brenzone und dann in der Gegenrichtung bis Torbole komplett für den Autoverkehr gesperrt.

So haben wir viel Auslauf auf dem breiten Asphalt. Gleich die ersten Kilometer bieten Einiges fürs Auge, vor allem Natur: in Parklandschaften eingebettete Villen, Zypressen, die sich wie gigantische Kerzenketten aufreihen, Olivenhaine, soweit das Auge reicht. Mächtig steigt zur Linken der Hang des Monte Baldo-Massivs empor. Oben, auf 2.200 m Höhe, blitzt schon der Schnee. Dass das Massiv deutlich imposanter ist als es die Höhe vermuten lässt, wird deutlich, wenn man sich bewusst macht, dass der Wasserspiegel des Gardasee gerade einmal 65 m üNN liegt. Der See selbst macht sich – zumindest optisch – auf den ersten beiden Kilometern eher rar. Aber wenn, dann ist die Aussicht über das Wasser, hinüber zu den aus den Fluten am gegenüber liegenden Ufer empor steigenden Felswänden, herrlich.

Fast schon kitschig schön wird die Landschaft bei Val di Sogno. Wie von Künstlerhand arrangiert wirkt das Parkensemble, das sich um eine fast halbkreisförmige Bucht mit zwei schmucken Hotels windet. Postkartenmotiv nennt man so etwas. Aber live ist der Eindruck noch wesentlich intensiver als auf einem Foto.  

 
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Erst jenseits des Val di Sogno führt die Straße nahe am Seeufer entlang. Frischer Seewind umweht unsere Nase. Schnurgeradeaus geht es auf der Straße dahin. Wie ein Film in extremer slow motion zieht die Berglandschaft am jenseitigen Seeufer vorbei. Vereinzelte Häuser signalisieren die Rückkehr zu dörflicher Zivilisation. „Cassone“ heißt es auf dem zugehörigen Ortsschild. Doch weiterhin dominiert die Natur.   

Ein weiteres Ortsschild bei km 4,5 zeigt uns das Erreichen des Gemeindeterritoriums von Brenzone an, einem Verbund aus sechzehn kleinen Ortschaften, die zu Füßen des Monte Baldo am Seeufer und in den Hängen zwischen Olivenhainen und Gärten verstreut liegen. Assenza ist für uns die erste Brenzone-Station. Von hier blickt man auf die ufernahe winzige Insel Trimelone, auf der Reste mittelalterlicher Befestigungen den Zeiten trotzen. Von den Dörfern bekommen wir entlang der Straße nicht allzu viel mit. Vereinzelte Hotels, auch mal ein kleiner Yachthafen, nur in Porto di Brenzone dürfen wir einen kurzen Blick auf das beschauliche Hafen werfen. Ansonsten: Viel Grün, viel Ruhe. Aber auch wenig Bemerkenswertes.  

Ein großer schlichter Kirchenbau am Horiziont kündet Magugnano, sozusagen das Hauptdorf Brenzones, an. Nach knapp 8 km erreichen wir hier den südlichsten Punkt unserer Strecke. Die spannende Frage lautet für mich: Was nun? Nach links, Richtung Berge? Nein, da geht es nicht hin. Abgeleitet werden wir vielmehr nach rechts, direkt hin zum beschaulichen, von pastellfarbenen Häusern umrahmten Hafenbecken, in dem friedlich ein paar Boote dümpeln. Über die Hafenpromenade werden wir weiter auf einen schmalen Uferfußweg dirigiert. Und auf diesem Weg dürfen wir die nächsten Kilometer, retour nach Malcesine, verbringen.

Es sind herrliche Kilometer, ja mehr noch: ein läuferischer Traum. Von der Straße aus war dieser Weg gar nicht zu sehen. Er führt uns, mal auf Platten, mal auf Asphalt, dann wieder auf Kies oder auch Sand und ab und an über ein Brücklein direkt am Seeufer entlang, jede Biegung und jeden Winkel der Uferlinie mitnehmend. Und hinter jeder Windung eröffnen sich neue wundervolle Perspektiven auf Ufer, See und Berge. Stets haben wir das Rauschen der Wellen im Ohr. Auch die Orte, die wir auf dem Hinweg schon  passiert haben, Porto, Assenza und Cassone, dürfen wir nun aus einem ganz anderen, sehr viel attraktiveren Blickwinkel erleben. Denn der Weg führt uns mitten durch die am Seeufer gelegenen historischen Dorfkerne hindurch. Ein Highlight ist jedes Mal der kleine Rundlauf auf holprigem Pflaster um die pittoresken alten Hafenbecken herum.

Erst das Val di Sogno beendet den Ufertrail. Der Kurs setzt sich auf einem schmalen, von reichlich Vegetation gerahmten Nebensträßlein fort. Erst kurz hinter km 14, schon wieder im Ortsbereich von Malcesine, stoßen wir erneut auf die große Durchgangsstraße und sind kurz darauf fast wieder dort, wo wir gestartet sind. 

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Informationen: Gardasee Marathon
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