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Laufberichte

Freiburger Umschau

29.03.09

„Musik liegt in der Luft“

Heute wird’s musikalisch. Ich gehe nicht in ein Konzert, sondern wieder auf die Piste. Von Genussläufern, die gewinnen, von Motivatoren, ein wenig Geschichte von der Stadt und meine Geschichte vom Marathon. Was für Erlebnisse meine Freiburger Umschau brachte, das erfahrt Ihr in meinem Bericht.

Eine schöne Veranstaltung, so motiviert mich Klaus Anfang des Jahres, und ich solle mal in seine Heimat ins Badische kommen. Nur, es ist halt ein bisschen weit zu fahren. Rund 400 Kilometer und gut vier Stunden, so sagt ein Routenplaner.

Dieses Mal kommt wieder ein Vereinskollege mit, der Stefan Heckl, der schon mal hier am Start war. So wie ich ihn kenne, wird er etwa meine Geschwindigkeit laufen. Zwar ist seine Bestzeit, knapp unter 3.20 Stunden, nicht in Gefahr, da der Winter so lange gedauert hat. Aber ich nehme mal an, dass er sich schon was ausrechnet. Vielleicht 3.30 Stunden?

Apropos Wetter: Von Frühling keine Spur. Bei der Anfahrt haben wir in meiner Heimat noch Föhn und entsprechend hohe Temperaturen, aber das dauert nicht lange an, denn bereits vor Ulm wird’s schwarz am Himmel. Weiter brauch ich es nicht beschreiben, denn der April steht schon in den Startlöchern.

Die gleiche Feststellung höre ich dann in der Messe, als ich meine Startunterlagen abhole. „Heute war es ein grausliger Vormittag, Regen ohne Ende“, so die Helferin. „Aber morgen wird’s besser.“ Na ja, wenigstens haben wir unsere Ausrüstung für alle Wetterunbilden mitgenommen.

Wir schauen uns auf der Marathonmesse um. Zahlreiche Aussteller in der Messehalle 3 wollen ihr Geschäft machen und für Kaufschnäppchen haben wir auch noch Zeit. Nebenan findet die Pastaparty statt, da hauen wir uns dann den Bauch mit Nudeln voll. Morgen können wir dann im rechten Teil uns Umkleiden. Die Kleiderabgabe ist am Wettkampftag in Halle 1.

Als wir gehen, läuft uns Dieter Baumann entgegen. Ich spreche ihn an, er kennt mich von seinem Laufprojekt „Jugend bewegt sich über Grenzen“. Da sollen Inhaftierte gemeinsam als Staffel einen Halbmarathon laufen können. Und mein Verein, der TSV Neuburg, ist eine Patenschaft mit der JVA Neuburg-Herrenwörth eingegangen.

Was er denn laufen will, diese Frage kann ich mir nicht verkneifen. „Ich bin ja jetzt Genussläufer. Und morgen den Halben, zügig, so in 1.17 Stunden, “ vernehme ich. Stefan schaut und schüttelt den Kopf.

Später verziehen wir uns dann in die hiesige Jugendherberge. Im kleinen Zimmer hat sich schon ein wortkarger Genosse niedergelassen. Ja, und ordnungsliebend ist der auch nicht, denn seine Siebensachen liegen kreuz und quer am Boden herum.

Am Abend schauen wir uns das Länderspiel gegen Liechtenstein an, das uns auch nicht vom Hocker reißt. Ein Berliner Lauffreund hockt schon vor seinem Bierchen. „Mit Weizen kannste heizen!“ so motiviert er uns, es ihm gleichzutun. Ich muss etwas vorsichtig sein, denn eine Woche vorher haben mir drei Starkbiere ein wenig zugesetzt - der Salvator als Motivator ist mit Vorsicht zu genießen. Ergebnis, Haarspitzenkatarrh der übelsten Sorte. Ich bin nichts mehr gewöhnt. Und die Halbwertszeit für die Erholung wird auch immer länger, je älter man wird.

Informationen: Mein Freiburg Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Die Nacht kann ich gut schlafen. Nicht so Stefan, der aufgrund seiner Nachtschichtarbeitszeit noch ein Bier und einen Wein als Einschlafmittel braucht. Der wortkarge Zimmerfreund, oben im Stockbett von Stefan, müffelt dahin und gibt einmal in der Nacht kräftig Gas. „Des kann heute was werden, ich hab vielleicht zwei Stunden geschlafen, “ meldet sich Stefan in der Frühe.

Aber das Frühstücksbuffett und die Aussicht auf das Badenova Stadion muntert ihn wieder auf. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stadien der Fussballverrückte schon gesehen hat, er hat’s genannt, wohl an die 150.

Nach dem Frühstück fahren wir zur Messe. Parkplätze gibt es genug. Kurze Wege für die knapp 2000 Marathonis. Gut, dass die Halben erst um 14.00 Uhr starten, da wird es sicher etwas eng werden. Aber die Anbindung mit öffentlichen Verkehrmitteln ist ebenfalls gut. Am Wettkampftag kann man unter Vorlage der Startnummer oder Anmeldebestätigung im Regio-Verkehrsverbund Freiburg kostenlos zur Messe hin- und auch heimfahren.

Was kostet die Teilnahme? Nun, für die zwei Marathonrunden durch die Stadt wird ein Fuffi bis zum Anmeldeschluss zwei Wochen vorher fällig. Der Halbe ist einen Zehner billiger. Dafür erhalten die Teilnehmer eine große Portion Nudeln, Medaille und Urkunde aus dem Internet. Daneben gibt es die übliche Marathoninfrastruktur, also Duschgelegenheit, Kleideraufbewahrung, Massagen und einen guten Pacemakerservice. Die Zeitmessung ist an Mika-Timing vergeben.

 
© marathon4you.de 10 Bilder

Dann stellen wir uns die Frage, was anziehen. Draußen hat es fünf bis sechs Grad, mehr als zehn sollen es nicht werden, so der Wetterbericht. Und die Sonne lässt sich jetzt bei Beginn der Sommerzeit auch nicht blicken. Zu sehen sind bei den Läufern allerlei Ausrüstungsgegenstände, von Shorts und Achselhemden bis hin zur Wintertight und Handschuhen. Zwei, drei dünne Sachen für den Oberkörper, Zwiebelschalenmethode, das erscheint mir zweckmäßig.

So rund 15 Minuten vor dem Start verlasse ich die Halle und laufe in den Startbereich, wo für uns die breite Madisonallee gesperrt wurde. Das reicht dicke. Ich sehe schon einige Pacemaker mit ihren Schildern auf dem Rücken und den gelben Luftballons.

So ein Zwei-Runden-Kurs ist dankbar für meine Reporterarbeit. Da kann ich die erste Runde gelassen laufen, viel beobachten und Bilder schießen. Und dann, wenn mich der Hafer juckt, auf der zweiten Runde Gas geben.

 
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Pünktlich um 11.05 Uhr starten wir mit einem Sirenenton. Gedränge herrscht kaum, die Madison Allee und die anschließende Berliner Allee sind heute verkehrsberuhigt und werden von uns voll in Beschlag genommen. Auffallend viele Zuschauer haben sich im Startbereich versammelt.

Später wird es etwas ruhiger. Gelegenheit, die Natur zu beobachten. Die Narzissen, wir nennen sie ja auch Osterglocken, sind heuer spät dran und jetzt in voller Blüte. Ich bücke mich, um ein Stil-Leben, Läufer und Blumen, auf den Chip zu bekommen. Es macht Spaß.

Dann schaue ich mir den Pacemaker näher an. Ja, was ist denn das? Der hat einen Luftballon, beschriftet mit 5 Stunden. Das passt überhaupt nicht. Das Rätsel löst sich an einer Versorgungsstelle. Ein anderer Pacemaker hat den falschen Ballon genommen. 3.30 Stunden, ja, da habe ich mich schon oft drangehängt, und heute soll es wieder so geschehen. Aber Routine schaut bei mir anders aus. Ich bin mir unsicher, habe in den letzten Wochen nicht so viel gemacht wie üblich.

Kilometer 2, wir überqueren die Dreisam, die auffallend viel Schmelzwasser mitführt. Kein Wunder, denn die Berge im Schwarzwald sind noch weiß. Die Haslacher Straße bringt uns der Altstadt näher. Hier alleine sind drei, vier Musikgruppen am Werkeln. Ja, ein Wort dazu. Insgesamt 42 Bands konnten engagiert werden, für jeden Musikgeschmack ist da etwas dabei. Von Rock, Jazz, Samba bis hin zum Bigband-Sound ist alles vertreten. Und das Schöne: Wir Marathonis dürfen zwei Mal das ganze genießen.

Kurz nach Kilometer 6 kommen wir an der im Jahr 1497gegründeten Albert-Ludwigs-Universität vorbei, eine der renommiertesten Hochschulen in Deutschland mit rund 20.000 Studenten. 13.000 Arbeitsplätze sind alleine hier zu finden. In der Stadt mit 220.000 Einwohner wohl ein wirtschaftlicher Faktor.

 
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Wir sind jetzt im Herzen Freiburgs angekommen, der Altstadt. Es geht zwei Mal rechts rum und wir sind in der Kaiser-Joseph-Straße. Ich bewundere die typischen schmalen und flachen Bächle, die es in vielen Gassen gibt. Einzig alleine zur Brandbekämpfung wurden sie im 13. Jahrhundert geschaffen. Und Bächleputzer gibt es noch heute, die für Sauberkeit sorgen. Eine Ratsverordnung aus dem 16. Jahrhundert beschreibt: „Und soll nymandt dhein mist, strow, stain in die bäch schütten.“ Und aufpassen müssen wir auch, denn nach einer badischen Sage soll jeder, der versehentlich in ein Bächle tritt, einen Freiburger oder eine Freiburgerin heiraten.

Es geht aufs Martinstor zu. Zuvor sehe ich noch zwei Musikanten, die sich auf das Dach eines Lastwagens geschwungen haben und dort singen. Das Martinstor wurde 1238 erstmals urkundlich erwähnt. 1901 wurde es um fast das dreifache auf nun 60 Meter erhöht. Hier müssen wir uns auf den unebenen Untergrund konzentrieren, Kopfsteinpflaster.

Nur wenige Augenblicke später sehen wir das Schwabentor, das zweite noch bestehende aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung. An der Außenseite sehen wir das Bild des Freiburger Stadtpatrons Sankt Georg als Drachentöter.

„Sieben Fässer Wein“, das spielen uns die Kolibris auf. Es geht auf den Schlossbergring. Rechts oberhalb ist der 456 Meter hohe Schlossberg zu sehen. Und noch einmal bekommen wir die tolle Stimmung am Schwabentor zu sehen und zu hören.

 
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Kilometer 10. Es wird jetzt etwas ruhiger. Wir laufen entlang der Dreisam auf der Hindenburgstraße, immer leicht ansteigend, aber gut zu belaufen. Auf der anderen Seite kommt uns der führende Marathoni entgegen. Der hat einen Speed drauf, das stelle nicht nur ich fest.

Ich komme mit Manfred Ahrendts aus Herbrechtingen ins Ratschen. Auf der Sandfangbrücke trommelt uns Pulsando mit schmissigem Samba weiter. Ich bin schon im Endorphinwahn und sehe die zweite Zeitmessmatte erst im letzten Augenblick.

Es geht nun leicht gefällig durch den Stadtteil Oberau. Ja und jetzt gibt es wieder einen Beziehungspunkt zu meiner Heimat. Neuburg an der Donau, wo ich herkomme, grüßt den Ortsteil Neuburg. Da laufen wir gerade durch. Hier und auch in Herdern feiern die Leute ihre Marathonis trotz der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Ja, was soll denn der kleine Mann dagegen machen, wenn es die Wirtschaftsoberen verbockt haben.

Zähringerstraße, Kilometer 18. Hier ist ein kleiner Wendepunkt eingebaut. Damit auch die Marathonlänge stimmt. Verpflegung. Auch hierzu kann ich nur positives berichten. Wasser, Elektrolyt, Bananen und Riegel, das reicht. Und warmen Tee habe ich auch gesehen. So alle vier Kilometer das volle Programm, dazwischen Wasserstellen, verdursten und verhungern braucht da keiner.

Die Laufstrecke ist nochmals ein wenig wellig, bevor nach Kilometerschild 20 die Messe sichtbar wird. Die Streckentrennung wird angekündigt und bereits vor dem Zielkanal halten wir uns links und gehen dann in die zweite Runde. Da ich wieder mal zu viel Zeit mit Beobachten und Fotografieren verplempert habe, ist mir mein Pacer auf und davon und schon rund 300 Meter voraus.

So, jetzt stecke ich die Kamera in die Tasche und gebe Gas. Wahrscheinlich Vollgas, denn nach 10 Minuten laufe ich zum Pacer auf. Ich wechsele ein paar Worte mit ihm. Ja er ist gut in der Zeit.

 
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Am Hinweg zur Altstadt sehe ich dann eine bekannte Statur. Der Stefan, der ist jetzt die ganze Zeit vor mir gewesen. Der ist stark drauf. Und einen Bekannten aus meiner Heimat sehe ich auch. Dr. Johann Lang aus Kasing. Beide haben sich gleich nach dem Start getroffen und sind bis jetzt zusammen gelaufen.

Nachdem ich beide auf mein Fotografiergerät gebannt habe, mache ich mich weiter nach vorne. Ich fühle mich gut und will die 3.30 Stunden unterbieten. Den einen oder anderen Läufer spreche ich an. Die Stimmung ist weiterhin blendend an der Strecke, auch wenn die eine oder andere Musikgruppe erste Ermüdungserscheinungen zeigt.

In der Altstadt kniet dann ein Fotograf mit dem Rücken zu uns mitten in der Laufstrecke. Ja, herrschaft, den kennste auch. Der Klaus. Da könnte ich jetzt einen Bocksprung drüber machen. Ja, und dann steht der auf und uns haut’s beide auf die Schnauze. Die Zuschauer hätten was zu Lachen. Also lass ich’s bleiben. Kurz darauf steht er an der Seite. Wir klatschen ab.

Oberau, Kilometer 32. Die Sambaband ist noch fleißig, ich merke schon ein wenig die Kilometer und nehme das Tempo im Bereich der Hügel ein wenig weg.

Später kommt dann noch Stefan von hinten heran. „Jetzt müssen wir das durchziehen“, sagt er und motiviert mich dadurch. Ich kann mich wieder lösen. Noch sieben Kilometer.

Dann taucht er bei Kilometer 40 noch mal auf. Nochmals leicht ansteigend. Wer nicht mehr kann, der kann jetzt links abbiegen. Auf den Friedhof!

Ach ist der Stefan stark, ich muss ihn fast laufen lassen, kann mich dann aber auf den letzten Metern abwärts zum Ziel noch mal zusammenreißen. Auch wenn mir der Zwischenspurt zu Beginn der zweiten Runde am Ende fast noch das Genick gebrochen hätten. Wir laufen zu zweit durch den Zielbogen.

Ja, zeitmäßig eine 3.28 Stunden, das passt wunderbar, zumal die zweite Hälfte drei Minuten schneller ist. Auf dem geräumigen Verpflegungsplatz finden wir alles, was der Marathonmagen verdrücken kann. Halt, eines fehlt: Ein isotonisches Erfrischungsgetränk einer hiesigen Brauerei. Das ist mein einziger Verbesserungsvorschlag.

Ja, und wie ist es den Genussläufer Dieter Baumann ergangen? Was mit Genießen war, das werde ich ihn demnächst bei uns in der JVA im Mai fragen. Zügiges Tempo, das war auch ein wenig untertrieben, denn er machte Halt in Herdern, ließ sich ein Glas Sekt reichen und sprintete dann den Führenden hinterher, überholte diesen erst zum Ende und siegte dann in 1.09 Stunden. Wahnsinn, der Dieter..

Die Ergebnisse der jeweiligen Wettbewerbe (Nettozeiten):

Marathon Männer
1. Platz: Steffen Häntzschel (Esslingen)     2:31:21 Stunden 
2. Platz: Josef Vogt (Liechtenstein)     2:40:19 Stunden 
3. Platz: Oliver Neumann (München)     2:41:22 Stunden 

 
Annette Götz (1936, verdeckt) gewinnt den Marathon der Frauen, Christin Kulgemeyer (1267) wird Zweite
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Marathon Frauen
1. Platz: Annette Götz (Freiburg)     3:00:12 Stunden 
2. Platz: Christin Kulgemeyer (TV Georgsmarienhütte)   3:02:29 Stunden 
3. Platz: Nicole Benning (Ek Schwaikheim)    3:08:36 Stunden

Halbmarathon  Männer
1. Platz: Dieter Baumann (LAV Tübingen)    1:09:26 Stunden 
2. Platz: Fabien Brunner (Frankreich, Pays de Colmar Athletisme) 1:09:33 
3. Platz: Michael Schramm (TuS Lörrach-Stetten)   1:10:35 Stunden

 
Dieter Baumann gewinnt den den Halben ...
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Halbmarathon Frauen
1. Platz: Anja Schnabel (LAZ Salamander Kornwestheim-LB)  1:14:03 Stunden 
2. Platz: Sonja von Opel (München)     1:23:37 Stunden 
3. Platz: Bettina Maurer (LC Basel)     1:23:42 Stunden

 

Informationen: Mein Freiburg Marathon
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