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Laufberichte

Herberts Plan B: ''Supr Leischtig''

20.11.11

Für 2011 habe ich 12 Marathonläufe geplant und zwar möglichst gleichmäßig übers Jahr verteilt einen pro Monat. Sollte einer ausfallen, würde Plan B in Kraft treten: Teilnahme am Frauenfelder Marathon. Da ich aus gesundheitlich Gründen am 4. September in Forchheim nicht starten konnte, war es so weit: Plan B!  Somit laufe ich im elften Monat meinen elften Marathon 2011.

Bereits am Mittwoch war meine Startnummer samt Programmheft in der Post. Also wird das Anstellen dafür am Vortag entfallen. Da es sich um eine Bruttozeitnehmung handeln wird, gibt es auch keinen Chip für die Zeitnehmung.

Am Vorabend bin ich mit Evi in Frauenfeld. Um 17h ist es schon finster, die letzten km sind wir im Nebel gefahren. Das Hotel liegt unmittelbar am Marktplatz, wo der Start erfolgen wird. Damit ist es auch nur ein paar hundert Meter von der Kaserne, dem Ziel, entfernt. Wieder ein Marathon der kurzen Wege also. Über beide Bewerbe sind 365 Teilnehmer angemeldet, beim Halbmarathon – der Start wird in Wil sein – mehr als doppelt so viele.

Sonntag 07:00h  Da der Marathonstart erst um 10h30 erfolgen wird, Zeit genug fürs Frühstück. Es hat Hochnebel und einige wenige Plusgrade als wir kurz vor halb 10 zur Kaserne gehen, um beim Aufmarsch der Waffenläufer und Waffenläuferinnen dabei zu sein.

 
© marathon4you.de 11 Bilder

Auch die Blasmusik fehlt nicht. An der Kasernenmauer lehnen Packungen mit Gewehr, das Gepäck der Waffenläufer. Passen gut zu den Tarnanzügen der Teilnehmer. Nachdem eine gewisse Ordnung in der Aufstellung eingetreten ist, werden die Jubiläumsteilnehmer aufgerufen und zum Gratulieren nach vorne gebeten. Anna beispielsweise nimmt ihren 100sten Waffenlauf in Angriff (nicht alles sind Marathons). Es wird auch ein Teilnehmer geehrt, der zum 40. Mal den Frauenfelder Waffenlauf in Angriff nehmen wird. Also 40 x die Marathondistanz. Das setzt zur Ausdauerleistung über die Jahrzehnte auch ein gewisses Mindestalter voraus.

Abmarsch zum Start. Voran die Blasmusik, hinterher in loser Formation die Waffenläufer, teilweise mit geschmückten Gewehrläufen: Blumen, Fahnen, Maskottchen . . .

Am Marktplatz ist ein Startbanner aufgezogen. Die Startlinie selber ist ein langer Kreisbogen, mit Sägespänen markiert, sodass jeder von ganz vorne starten kann und gleich weit zum Ausgang des Platzes hat. Wir gesellen uns zu einigen Teilnehmern des österreichischen Bundesheers und erfahren, dass auch zwei US-Amerikaner in Uniform am Start sein sollen. Kraftfahrer Gfr. Fink ist für die Versorgung unterwegs zuständig.

Eine Kanone wird herangefahren und in Stellung gebracht. Countdown . . .

10:00h BUMM! Der Kanonenschuss signalisiert den Start des 77. Frauenfelder Waffenlaufes.

Alle strömen mehr oder weniger eilig dem Ausgang zu, wo vorsorglich Verkehrsschilder abmontiert worden waren, um den Durchlass etwas breiter zu machen.

Ich habe noch eine halbe Stunde Zeit. So wärme ich mich mit Evi im Hotel auf. Sehr praktisch! Ich werde lang/lang laufen mit Stirnband, erstmals. Ich bin aber auch noch nie einen Marathon gelaufen im November.

Am Marktplatz treffe ich bald die Moni aus Lommis. Auch sie ist guter Dinge. D’Moni wird heute wohl einmal mehr aufs Stockerl laufen. Sie muss sich noch umsehen, wer von der  Konkurrenz am Start ist. In der Startaufstellung lerne ich Ernst aus der Steiermark kennen. Im Gespräch kommen wir drauf, dass wir beide unseren letzten Marathon 2011 für Pisa geplant haben. Bei ihm wird es der 18. heuer sein. So sieht also der heutige Sieger der Nationenwertung Ö aus! Wir wünschen uns Alles Gute und Auf Wiedersehen in Pisa!

 
© marathon4you.de 41 Bilder

10:30h BUMM! Auch die Zivis werden per Kanonenschuss auf die Strecke geschickt. Raus aus dem Platz, die Straße rauf, eine Rechtskurve und weiter bergauf, noch steiler.

Nach 2km ist man oben und schon gut aufgewärmt. Wir werden angefeuert. Bald geht es in den herbstlichen Wald und über die Kamelbuggel, also steil bergab und noch steiler bergauf. Wurden wir vorhin auch schon fotografiert, liegt nun der Fotograf sogar mittig auf der Straße und knipst eifrig.

Wir verlassen den Wald auf der asphaltierten Straße nach etwa 4km. Es geht leicht bergab nach Matzingen. Am Ortsanfang eine Baustelle. Ob das einmal ein Haus im Stil von Friedensreich Hundertwasser werden soll?

10:56h Schon 5km, und das bei diesen Höhenmetern! Das ging ja gut soweit. Runter in den Ort und auf der gegenüber liegenden Seite wieder rauf. Gut, dass ich nur mehr 95kg habe, das macht es leichter. Bei km7 gibt es die erste Labestelle: warmes Wasser, Tee und Suppe. Es ist hier oben aber unangenehm windig, sodass ich mich nicht allzu lange aufhalte. Nun geht es leicht bergab nach Sunehof, hier haben sich einige Zuseher versammelt. „Hopp!“ höre ich immer wieder. An einem Altersheim vorbei, durch eine Siedlung und erstmals Kiesbelag, kein Asphalt. Aber nicht für lange. Es geht steil runter, an Gänsen vorbei auf die Wiler Strasse, die hier von der Eisenbahn begleitet wird. Für uns LäuferInnen ist der Gehweg reserviert.

11:27h Bei km10, Mönschwang. Und es geht wieder rauf. Nach 64min passiere ich den 40-fachen Waffenläufer mit Rose am Gewehrlauf, er wird von zwei Herren, auch im Tarnanzug, auf Fahrrädern begleitet. Irgendwie sind die Höhenmeter gar nicht so schlecht, so wird mir nicht kalt. Bei Bommershüüsli überqueren wir die Autobahn, es geht rauf Richtung Eschlikon. An Feldern, Kuh- und Schafweiden vorbei über einen Höhenrücken und nun runter. An der Schule gibt es die zweite Versorgungsstelle. Wir überqueren die von den  Verkehrskadetten abgesperrte Strasse nach Sirnach, wieder an Kühen, Feldern und einem GaLaBau-Betrieb vorbei. Unten warnen einige Zuschauer ein paar Waffenläufer, die es gerade nicht sehr eilig haben, vor Öl in der Kurve und müssen furchtbar lachen. Die Waffenläufer lachen mit.

11:57h Km15, wir laufen an einem Königreichsaal vorbei, wo soeben die Leute rausströmen und schauen.

Jetzt heißt es Kopf einziehen, es geht unter der Eisenbahn durch und gleich steil bergauf. Ein Pärchen überholt mich. Wieder runter auf Eisenbahnniveau und rauf in die Siedlung. Ein zweijähriger mit Opa läuft kurz mit und alle haben Spaß. Rein in den Wald am Hang entlang. Hier findet ein Zuseher, ich schaue entspannt aus, „Sisch guat!“ Ich fühle mich auch gut. Bei km17 ist mein PowerGel fällig, das hat sich bewährt.

Aus dem Wald raus erreichen wir Wil. Bei km19 auf Höhe von Senn Schwimmbadbau lässt sich endlich kurz die Sonne blicken. Durch den Nebel aber sieht sie aus wie der Vollmond. Auch Gefreiter Fink aus Vorarlberg ist da mit seinem Bundesheer-Kombi und wartet darauf, seine waffenlaufenden Kameraden zu versorgen.

Eine lange Gerade und dann geht es unterm Bahnhof durch, alles gut ausgeschildert. Von Helfern in Signaljacken wird man auch sehr gut gelotst.

Die Fuzo von Wil ist in der Mitte mit Hütchen getrennt. Man läuft auf die Altstadt zu. Dann habe ich Schwierigkeiten mit der Orientierung. Viele Leute sind hier. Viele stehen einfach nur da und verstellen Markierungen, viele laufen aber auch kreuz und quer in der Gegend rum. Es sind die HalbmarathonläuferInnen die sich aufwärmen. Ich hätte gedacht, ich würde erst nach dem Halbmarathonstart in Wil sein. Aber nein, der war wohl noch nicht. Ich suche mir den Weg und frage einen sich dehnenden Läufer, wann denn der Halbmarathon gestartet würde.  „Um Viertel vor, in 10 Minuten“, sagt er mir. Wir wünschen uns alles Gute. Durchs Holdertor erreiche ich die Halbmarathondistanz.

12:36h Für 21,1km und 370 Höhenmetern habe ich 2Std 6min, benötigt. Ich bin angenehm überrascht.  Trinken und ein paar Bananenstückchen. Hier ist richtig viel los, ich genieße das Getümmel. Alle warten, dass der Start erfolgt. Ich habe die Strecke und die Aufmerksamkeit fast für mich alleine. Auch die anerkennenden Zurufe. „Supr Leischtig!“

Vorbei am Rathaus und anderen schönen Fachwerkhäusern führt die Strecke runter in die FuZo und im rechten Winkel rechts weg. Der Rückweg verläuft anders, etwas flacher. Bei km22 weist mir ein Streckenposten lächelnd den Weg: „Hier geht es Richtung Zieleinlauf.“ Stimmt ja irgendwie. An Schrebergärten vorbei raus aus der Stadt und über die Eisenbahn. Und für vielleicht 200m über eine holprige Kuhweide. Wie es aussieht kann es noch nicht lange her sein, dass hier zuletzt Kühe geweidet haben. Deren Hinterlassenschaften sehen noch recht frisch aus.

Am Schotterweg geht es nun leicht bergab nach Bronschhofen. Ich bemerke, dass der erste Streckenabschnitt Substanz gekostet hat. Ich kann aus dem leichten Gefälle keinen Vorteil ziehen.

Hinter mir höre ich Radfahrer kommen. Die fahren vor den schnellsten Halbmarathonis, also Sprinter aus meiner Sicht, her. Diese überholen mich bei km3 = km24 in großen Schritten. Nun habe ich etwa 700 Läufer im Nacken. Ich gewöhne mich schnell daran, laufend überholt zu werden, kann meinerseits aber Waffenläufer überholen. Die kann man auch von hinten als solche gut erkennen.

Bei der nächsten Labestelle gibt es erstmals Getränke und leere Becher, der Ansturm war zu heftig. Ich muss immer wieder Gehpausen einlegen. Bei km28 kommen wir an einer Weihnachtsbaumplantage vorbei und es gibt Tee von den Sanitätern. Kurz vor Lommis stehen einige Applaudierer am Straßenrand, einer davon mit einer großen Kuhglocke, wie man sie von Schi-TV-Übertragungen kennt. Scheint schwer zu sein, die Glocke. Vor allem aber ist sie sehr laut, Tinnitusgefahr! Ich bin froh, dass ich weiterlaufen kann. In einer großen Schlinge bergab laufen wir bei km30 nach Lommis runter.

13:29h km30 Viele Interessierte hier, tolle Stimmung. Was wir soeben runter gelaufen sind, müssen wir aber wieder rauf. Das zieht sich, km31. Rauf zum OT Weingarten auf Schotterstraßen. Andauernd werde ich überholt. Wobei, nicht mehr so schnell wie noch vor einer halben Stunde. Evi rechnet um etwa 15h mit mir, das werde ich wohl hinbekommen. Momentan machen mir die vorderen Oberschenkelmuskel zu schaffen. Die Sonne setzt sich auch nicht durch, wir haben sicher nach wie vor niedrige einstellige Plusgrade.

14:04h Km35. In Stettfurt ist es höchste Zeit für mein zweites PowerGel. Hier hat einer gleich zwei riesige Glocken an einer Stange über den Schultern und läutet rhythmisch. Ein guter Klang, der kann das. Es geht nun am Hang entlang, kaum Höhenmeter vorerst und ich habe mich wohl erholt. Denn nun bin ich am Überholen und zwar Halbmarathonis. Das macht zuversichtlich. Die walnussgroßen Steine der Schotterstraße stören mich nicht mehr. Wohl aber das Steinchen, das sich in meinen rechten Schuh verirrt hat. Am wenigsten spüre ich es beim Laufen, also nicht mehr gehen jetzt! 

Hier hat einer ein Lagerfeuer eingerichtet, mit einem Ghettoblaster macht er Stimmung. Es geht wieder bergauf und bei Matzingen schließen wir den Kreis. Gefreiter Fink mit dem Bundesheer-Kombi ist auch schon da. Und Leute, deren Gesichter ich unterwegs schon mal gesehen habe.  Die nächsten km sind mir bekannt, der Fotograf knipst nun in die andere Richtung und die Kamelbuggel schrecken mich auch nicht mehr.

Km38. Nun gibt es sogar würfelig geschnittene Schokoriegel. Die sind beinhart, kein Wunder. Beim letzen Anstieg treffe ich auf Anna, ich gratuliere ihr zum 100. Waffenlauf, sie nickt.

Aus dem Wald raus sehe ich: Endlich ist die Sonne rausgekommen! Ich habe wieder Kraft. Und wissend, dass es praktisch nur mehr bergab geht, drücke ich nun aufs Tempo. Ich habe eine richtige Gaudi mit mir. Am Ortsbeginn von Frauenfeld sind viele Zuschauer, vor der Kebap-Bude herrscht viel Betrieb. Uns wird zugejubelt. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Fans in der Schweiz habe! Ich bin ständig am Überholen und könnte ewig so weitermachen. Ein kurzer Haken in eine Siedlung rein, ab hier wieder mir unbekanntes Terrain, aber es kann nicht mehr weit ein.

Km40 schon, wunderbar. Durch ein kurzes Waldstück über ein Brücklein, kurz bergauf und links runter. Vor mir sehe ich etwa 6-8 Fußballer in roten Shirts in Formation. Ich habe es eilig und laufe an ihnen vorbei. Weiter geht es, herrlich.

Km41. Ab jetzt kenne ich den Weg, vom vorabendlichen Abendspaziergang mit meiner Frau. Und da steht Evi und winkt mir zu. Ich muss aber noch zwei Waffenläufer überholen. Und das gelingt mir . . . nicht. Nur einen davon, für den nächsten war die Strecke etwas zu kurz.

14:51h  ich bin im Ziel. Schade, grad war es noch so schön! 4Std 21min 31sec, in Anbetracht der Strecke mit 520 Höhenmetern bin ich hochzufrieden.

Bei der Ziellabe kann ich nur Tee finden. Evi hat für mich trockene Laufbekleidung, denn es ist ziemlich kalt, trotz der Sonne.

Beim „Gabentisch“ wird mir Honig angeboten, ich wähle aber die Erinnerungsmedaille, die mehr wie ein ORDEN aussieht. Als wir den Zielbereich verlassen, kommt uns noch in der Kaserne d’Moni entgegen. Sie ist fast exakt 1 Stunde schneller gewesen als ich. Mit Blumenstrauß ist sie mit einer weiteren schnellen Läuferin am Weg zu Ihrer nächsten  Siegerehrung. Siegerin in ihrer AK und 2. im Gesamtklassement! Respekt!

In der Kaserne kann man duschen und sich massieren lassen. Ein Dank an die Küche: Der Schweinsbraten (um CHF 9,50) mit Erbsli und Rüebli war ganz ausgezeichnet!

Im Startgeld von umgerechnet 37,- EURO waren inklusive:

Eine recht hügelige Strecke, schöne Landschaft. Tolles Publikum, das mit Eifer bei der Sache war.

Brutto-Zeitnehmung (wegen der langen Startlinie kaum ein Nachteil). Einen FinisherORDEN.

Nur 6 Labestellen unterwegs, aber ausreichend (Wasser, Rivella-Iso, Bananen, Tee, Bouillon)

 

Einen weiteren Laufbericht vom Frauenfelder 2011 mit vielen Bildern gibt es von Anton Lautner (d.Red.)

 

Siegerliste

 

Waffenlauf 42 km
Männer

1. von Allmen Konrad, Olten 2:53.30,6
2. Wolf Etienne, Gundetswil 2:55.57,6
3. Sdt Brennwald Adrian, Aeugst a.A 2:57.38,9

Frauen

1. Cina Barbara, Wölflinswil 3:30.35,0
2. Siegenthaler Jeanette, Ettenhausen TG 3:43.49,2
3. Balmer Marianne, Davos Platz 3:52.36,0

223 Finsher

Marathon
Männer

1. Hermann Dani, Münchwilen TG 2:43.19,5
2. Feremutsch Christoph, Kleinandelfingen 2:43.21,7
3. Schenk Felix, Wigoltingen 2:44.21,5

Frauen

1. Schild-Leuthold Juliette,Bern 3:14.09,8
2. Farner Monika, Lommis 3:21.05,0
3. Altenbeck Melanie, -Ditzingen 3:26.50,6

222 Finisher

 

 

Informationen: Frauenfelder Marathon
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