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Laufberichte

Kultur auf Schritt für Tritt

27.11.11

Nachdem wir uns die Riviera oder besser gesagt die Côte d`Azur angesehen haben, geht unsere Reise weiter in die Toskana und ganz genau in die Hauptstadt der Toskana. Richtig, wir sind in Firenze (Florenz). Hier findet am 1. Advent und das schon zum 28. Mal der Firenze Marathon statt, an dem ich teilnehme.

Hier ein paar Fakten zur Stadt. Florenz ist die Hauptstadt der Toskana mit rund 375.000 Einwohnern. Sie ist Mittelpunkt einer Metropolregion wo rund 1,5 Mill. Menschen leben. Durch die Stadt fließt der Arno. Von Norden her kommt der Mugnone der in den Arno fließt. Die Stadt grenzt im Norden an die toskanisch-emilianischen Apenninen, im Süden sind die sanften Hügel des Chianti.

Das Zentrum der historischen Altstadt ist die Piazza della Signoria mit der Kopie von Michelangelos Statue David und dem Neptunbrunnen. Auch der Palazzo Vecchio und die Loggia die Lanzi liegen am Platz. Außergewöhnlich ist auch die von den Etruskern gebaute Ponte Veccio, die die Uffizien mit dem Palast der Medici verbindet. Die wohl schönste Kirche ist die Santa Maria del Fiore mit ihrer eindrucksvollen Kuppel. Wer den Arno überschreitet, sollte in den Palazzo Pitti gehen, in dem die ehemalige private Sammlung der Medici ist. Am Palast befindet sich der eindrucksvoll gestaltete Boboli-Garten mit vielen Skulpturen von dem man einen herrlichen Blick über die Altstadt hat. Förderer der damaligen Bauten waren reiche Bankiers und Kaufleute. Bei der Aufnahme der historischen Altstadt von Florenz in das UNSECO-Welterbe hieß es im Antrag: „Jede Rechtfertigung wäre lächerlich und unverfroren", da sich hier die „weltgrößte Anhäufung universell bekannter Kunstwerke“ befinde. Da ich nicht unverfroren sein will gehe ich nun weiter zum Ereignis dieses Wochenendes, dem Marathon.

 
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Zuerst zur Marathonmesse und die Startunterlagen holen. Achtung, wir sind in Italien und da ist auch ein Gesundheitszeugnis notwendig. Immer darauf achten, das es nicht älter als 1 Jahr ist. Und damit nicht ins die Hose geht, ist es besser dies nochmal im Original zur Startunterlagenausgabe mitbringen.

Sonntag – Marathontag: - Der Start (Partenza) ist an der Lungarno Pecori Giraldi direkt neben dem Arno. Von meinem Hotel aus sind das 40 Minuten zu Fuß, denn die Busse fahren heute nicht in Startrichtung.

Es ist kurz vor 9 Uhr und das große Feld sammelt sich. Die Schlangen an den Toilettenhäuschen werden kleiner. Die roten LKW-Aufleger sind voll mit Kleiderbeuteln und jetzt heißt es einreihen in die Startblöcke. Ich stelle mich heute ganz hinten an, denn mein Magen hat in der Nacht rebelliert. Die Temperatur heute Morgen ist so um die 6 Grad mit Sonnenschein, aber es sollen noch um die 15 Grad werden.

Hier ganz hinten steht eine lustige Gruppe von verkleideten Japanern, die eine Superstimmung haben. Neben mir steht einer im Eintracht Frankfurt Trikot. Die Zeit läuft und es ist 9:15 Uhr. Wir warten auf den Startschuss der sich aber wie jedes Jahr ein wenig verzögert. Der Grund ist, dass der Marathonlauf 3 Stunden Live im Fernsehen übertragen wird und man auf das Signal vom Sender wartet. Dann geht es los.

 
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Das Feld setzt sich langsam in Bewegung. Das Startbanner ist um die Kurve vor dem Torre della Zecca Vecchia. Wir folgen der langen geraden Straße, zur rechten liegt der Giardino della Gherardesca. Da der Garten in Privatbesitz ist kann er leider nicht besichtig werden. Er ist berühmt für seine botanischen Raritäten. Hier sind die ersten Mandarinen in Florenz gewachsen. Es geht weiter über die Viale Giacomo Matteotti vorbei am Piazza della Liberta. Wir laufen am historischen Porta San Gallo vorbei. Auf der anderen Seite des Platzes gibt es einen herrlichen Triumphbogen von 1738. Bei km 4 sind wir am Porta al Prato. Dies ist eines der ältesten noch erhaltenen Stadttore von 1285.

 
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Wir erreichen den Parco delle Cascine und kommen bei Km 8 an den Arno dem wir folgen bis ca. km 11. Dann sind wir am Ippodromo Le Cascine. Diese zwei Pferderennbahnen sind für den Galopp- und den Trabreitsport.

Über die Ponte alla Vittoria laufen wir über den Arno. Hier haben wir einen herrlichen Blick zur Altstadt. Die Strecke führt uns in einer Südschleife vorbei am Giradino Torrigiani, einem Garten der noch sehr gut erhalten ist im romanischen Stil. Wir kommen durch ganz alte und enge Gassen,  in denen es heute Morgen sehr kühl ist.

Nun geht es zu einem der ganz besonderen Bauwerk, dem Palazzo Pitti, der 1458 für den Kaufmann Luca Pitti erbaut wurde. Er diente auch mal als Wohnsitz für den König von Italien als Florentiner Residenz. Heute sind in dem zur Straßenseite festungsartigen, ziemlich schmucklosen Palast mehrere Museen mit Werken unter anderem von Tizian, Raffael und Rubens. Zur Gartenseite zum Giardino di Boboli wirkt er dann doch etwas freundlicher. Der Garten gehört zu den bekanntesten italienischen Gärten des 16. Jahrhunderts. Vom oberen Teil des Gartens hat man eine herrliche Aussicht auf die Altstadt von Florenz.

 
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Kurz danach laufen wir direkt auf die Ponte Vecchio zu. Auf der 1333 erbauten Brücke siedelten sich 1345 viele kleine Läden an, die ursprünglich von Metzgern und Gerbern betrieben wurden. Der Gestank der Schlachtabfälle und Gerbmittel wurde den edlen Herrschaften zu viel und so wurde lt. Dekret von 1593 nur noch Goldschmiede für diese Läden zugelassen. Für die edlen Herren war die Brücke die Verbindung zwischen dem Palazzo Vecchio und dem Palazzo Pitti.

Vor der Brücke biegen wir rechts ab und laufen direkt am Arnoufer entlang. Hierbei haben wir wieder einen herrlichen Blick zur Altstadt. Kurz vor km 21 überqueren wir den Arno über die Ponto San Niccolo auf die andere Flussseite. Es geht auf dieser Seite weiter über die Lungarno del Tempio bis zum Halbmarathon.

Hier kommen mir vereinzelt Läufer entgegen. Mir ist schon oft in Italien aufgefallen, dass bei der Halbdistanz immer wieder Läufer aussteigen. Die Differenz zwischen Melde- und Finisherzahlen ist dann auch ziemlich groß. Die wahren Marathonis laufen aber weiter bis zum Ziel.

Wir folgen der Straße linksseitig der Arno bis zur Obihall, auf die Überreste des alten und glorreichen Teatro Tendas 2002 neu erbaut. Hier biegen wir ab gen Norden. Nun geht es lange Teile neben der Bahn entlang bis zur Viale Malta. Hier ist auch die Marathon-Expo mit der Startnummernausgabe.

Nun drehen wir eine Ehrenrunde um das „Stadio Comunale Artemio Franchi“, wo der AC Florenz seine Heimspiele austrägt. Nach Umrunden des Stadions geht es lange geradeaus runter Richtung Arno. Nun geht es über eine Eisenbahnbrücke, die einem hohen Berg gleicht. Alle um mich rum gehen weil der Anstieg so heftig ist, ich auch.

Noch 10km bis zum Ziel. Wir sind wieder in engen, dunklen und kühlen Gassen und laufen direkt auf den Dom zu. Noch einmal geht es um die Ecke und dann sind wir am Dom, dessen Anblick bestimmt so manchen der Atem verschlägt, so gewaltig ist dieses Bauwerk. Der Dom Santa Maria del Fiore ist die drittgrößte Kirche in Italien nach dem Petersdom und der Mailänder Kathedrale.

 
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Wenigspäter sind wir wieder am Arnoufer. Über die Ponte Santa Trinita laufen wir über den Arno und schauen zur Ponte Veccio, die wir kurz darauf erreichen, um zur Piazza della Signoria mit dem Palazzo Vecchio zu laufen. Links davor ist der weiße Neptunbrunnen. Neben dem Eingang steht die Statue von Michelangelos „David“. Rechts davon ist die Loggia Lanzi. Dazwischen sind die Uffizien mit den berühmtesten Gemäldegalerien Italiens. Dann geht es weiter durch die Fußgängerzone Richtung Dom.

Dann nochmal taucht der imposante Dom auf, den wir zum Teil umrunden. Es geht neben dem Dom in eine endlos erscheinende Gasse. Noch 1,2km. Wir sind auf der Lungarno della Zecca Vecchia. Neben uns die LKW`s mit den Starter-Beuteln. Es geht zurück in Richtung Altstadt. An der National Bibliothek biegen wir ab - jetzt muss doch gleich das 42km-Schild und das Zielbanner kommen. Es geht nochmal um die Ecke und tatsächlich steht hier das ersehnte Schild. Aber das Ziel ist nicht zu sehen. Am Ende der Straße kurz vor der Piazza Santa Groce sehe ich einen blauen Teppich. Dann öffnet sich der Platz und der Zielbogen ist vor, die imposante Kirche Santa Croce hinter mir.

Im  Ziel gibt eine Wärmefolie und die heute hart erarbeitet Medaille. Dann geht der Weg zur Chip-Abgabe und weiter durch die Gasse zur Zielverpflegung. Nach 100m ist man am Fluss und dann auch gleich bei den LKW’s mit den Kleiderbeuteln.

Mein Fazit: Eine gut organisierte Veranstaltung in einer wunderschönen Stadt. In der Altstadt kommt man an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei. Ich bin froh hier gelaufen zu sein, denn so eine interessante Stadt gehört in jede Marathon-Sammlung. Man sollte aber 3-4 Tage einplanen, denn die Stadt hat viel mehr zu bieten als „nur“ den Marathon.

 

Siegerliste

 

Männer

1 BEKELE BERGA B. ETH 02:09:52
2 SEIFU GELA HAILU ETH 02:10:17
3SAJI ABDELKABIR MAR 02:12:11

Frauen

1 GIGI ASHA ETH 02:31:36
2 HANANE JANAT MAR 02:34:20
3 MARCONI GLORIA ITA 02:34:57

 


 

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