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Laufberichte

Auf nach Florenz

25.11.12

Florenz - die Paläste der Medici, der gewaltige Dom, die weltberühmten Uffizien und natürlich die Brücke aller Brücken: die Ponte Vecchio über den Arno. Das sind die Bilder, die wir vor Augen haben, wenn wir an diese Stadt denken. Firenze - das ist für uns auch ein Inbegriff italienischer Lebensart im Herzen jener Region, der gerade wir Deutsche in besonderer Weise emotional verfallen sind: der Toskana. 

Nähert man sich Florenz über die Autobahn, ist von dieser besonderen Aura allerdings zunächst einmal wenig zu erahnen. Gewerbeflächen und neuzeitliches Vorstadteinerlei verschonen auch eine Stadt wie Florenz nicht, umzingeln das kulturhistorische Erbe. Hat man sich aber erst einmal in Richtung Zentrum vorgekämpft, offenbart sich schon bald jene Kulisse und Atmosphäre, die einen erahnen lässt, was die Touristenströme aus aller Welt in diese Stadt treibt. Es sei denn, man setzt sich als Ortsunkundiger ohne Navi blauäugig dem Verkehrschaos im innerstädtischen Einbahnstraßengewirr aus. Dann bewegt einen emotional noch etwas ganz anderes: Verzweiflung.  

 
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Traditionell am letzten Wochenende im November ist es eine besondere Spezies Kulturbeflissener, die zu Tausenden die Stadt erobert und das Kultur- mit dem Lauferlebnis verbinden will. Und es sind immerhin so viele, dass sich die Veranstaltung als zweitgrößter italienischer Marathon (nach Rom und vor Venedig) rühmen kann. Zum 29. Mal steht 2012 das große City-Sightseeing im Laufschritt an, was zeigt: Marathonlaufen hat in Florenz Tradition. Und diese Tradition merkt man auch schon am Samstag vor dem Lauf. Wohin man auch schaut: Schnittige Gestalten in bunten Laufschuhen bevölkern die historische Altstadt. Dabei erfreut sich rudelhaftes Schaulaufen im sportiven Einheitslook gerade bei den italienischen Läufern besonderer Beliebtheit.  

 

Start am Arno


Lungarno Pecori Giraldi heißt der Straßenzug am Arnoufer am Rande der Altstadt, wo die Florenz-Läufer zum Start zusammen getrommelt werden. Bis vor zwei Jahren traf man sich noch auf der erhöht jenseits des Arno-Ufers gelegenen Piazzale Michelangelo, sozusagen der "Balkon" der Stadt  mit dem wohl perfektesten Blick über die Altstadt. Von diesem entrückten Startthron ist man aber hinab gestiegen und, wohl aus logistischen Gründen, näher an das Stadtzentrum heran gerückt. 

 
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Auch wenn der neue Startplatz nicht die Einmaligkeit des alten hat, so ist die Lage direkt am Fluss durchaus attraktiv. Ein bunt wuselnder Haufen - 9.600 Anmeldungen werden verkündet - machen der Beschaulichkeit eines Sonntagmorgens den Garaus. Ein polyglotter Startmoderator lässt im Stakkato Meldungen auf uns prasseln, dazwischen wummert Musik. Wer klaustrophobisch veranlagt ist, wird am Zugang zu den Startblocks auf eine harte Probe gestellt, zumal so manch falsch Eingereihter von den gestrengen Posten zurückgewiesen den Rückzug antreten muss. Entspannter wird es erst, wenn man es in den Läufer(tiger)käfig geschafft hat. Aber nur bis kurz vor dem Start. "We are the champions" dröhnt aus den Boxen und man merkt förmlich, wie sich dieses Gefühl auf die Meute überträgt und sie zur Startlinie drängt. Wie eine Erlösung erscheint der Startschuss, zunächst für die Handbiker, drei Minuten später um 9.15 Uhr für die Läufer.

 

Entlang der Viali um die Altstadt

 

Am Rande der Altstadt starten wir, am Rande der Altstadt bleiben wir, zumindest auf den ersten Kilometern. Die die Innenstadt in einem Halbkreis umschließenden Viali, die Ringalleestraßen, sind unser Laufrevier. Piazza Beccharia - Piazza Donatello - Piazza della Liberta heißen die Plätze, die wir dabei queren, schöne Beispiele dafür, dass Straßen und Plätze in Italien ausschauen können, wie sie wollen: Ihre Namen haben in unserem Ohren einfach immer einen guten Klang. Womit ich den ersten Streckenabschnitt keineswegs diskreditieren will. Die Straßenzüge sind abwechslungsreich gesäumt von Bürgerhausfassaden aus vielen Jahrhunderten, von der Straße abgeschirmt durch noch dichtes Grün tragenden Alleebäumen.

 
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Interessant sind vor allem die Plätze, die wir queren, etwa die Piazza Donatello, auf der der Straßenkreisel einen höher gelegten alten Friedhof umschließt. Ein "Klassiker" auf den übrigen Piazzi sind massige mittelalterliche Wehrtürme. Sie bezeugen, dass unsere Route dem Verlauf einer historischen Stadtmauer folgt, übrigens nur einer von sechs Ringwällen, mit denen die expandierende Stadt im Laufe der Jahrhunderte befestigt wurde. Von den Festungsmauern sind heute allerdings nur noch rudimentär Reste erhalten, dafür lassen sich noch Dutzende der alten Festungstore und -türme über die ganze Innenstadt verteilt entdecken. Und erfreulicherweise liegen eine ganze Reihe davon an unserer Strecke. 

Nach etwa 3 km zieht die aus Ziegeln errichtete mächtige Festungsmauer der Fortezza da Basso den Blick auf sich. Fast ein halbes Jahrtausend wurde die auf fünfeckigem Grundriss errichtete mittelalterliche Zwingburg militärisch genutzt, zuletzt als Kaserne. Heute ist die Nutzung ganz friedlich auf Konzerte und Ausstellungen beschränkt.

Zwei kräftige Bodenwellen lassen uns gleich zwei Mal hintereinander in einen Tunnel abtauchen. In den Tunnels schlägt mir eine durch die Wände schallverstärkte La Ola Welle entgegen, wie man sie in einem Fußballstadion kaum intensiver erleben würde. Apropos Stimmung: Dafür sorgen die vornehmlich italienischen und vornehmlich männlichen Läufer auch sonst in überaus herzerfrischender Weise. Da wird gelacht, gescherzt, der Emotion lautstark freien Lauf gelassen und trotzdem auf die Tube gedrückt. Allein das ist schon ein besonderes Erlebnis.

Die trutzige Porta al Prato inmitten der gleichnamigen Piazzale beendet nach vier Kilometern die Eingangs(halb)runde. "Sweet home Alabama" schallt uns live von dem davor parkenden offenen  Doppeldeckerbus entgegen. An mehreren Stellen entlang der Strecke sind diese roten Ungetüme postiert. Im zivilen Leben kutschieren sie Touristen im "Hop on - hop off"-Modus zu den Sighseeing-Spots der Stadt, heute dienen sie als Plattform für Live Music-Acts. Und mit den Klängen des genannten Klassikers der Altrocker Lynyrd Skynyrd werden wir in den nächsten, sehr viel ruhigeren Streckenabschnitt verabschiedet: In den Parco delle Cascine. 

 
 

 

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