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Laufberichte

Runner's Heaven

23.09.12
Autor: Klaus Duwe

30 Jahre Baden Marathon! Liegt es am Jubiläum, dass die Teilnehmerzahlen sich gegen den Trend entwickeln und steigen? 9.949, das sind 10 % Anmeldungen mehr aus im Vorjahr. Beim Marathon alleine fällt die Steigerung noch deutlicher aus, denn insgesamt haben sich  1.782 angemeldet und das sind 17 % mehr als im Vorjahr.  Marathonis würde man gerne noch mehr willkommen heißen, insgesamt ist jedoch bei 10.000 Teilnehmern eine kritische Grenze erreicht.

Also alles richtig gemacht? Ich weiß es nicht. Aber um so erfolgreich zu sein, muss schon vieles stimmen. Dabei begann vor 30 Jahren alles mit einer Katastrophe, mit der Übung einer solchen, um genau zu sein. Das Rote Kreuz wollte den Ernstfall proben, suchte und fand aber nicht das passende Umfeld. Kurzerhand organisierte der DRK Kreisverband den ersten Rotkreuz Marathon. Naheliegend war das nicht, denn bis dahin gab es nur drei Citymarathons in Deutschland (die es auch noch heute gibt): Leipzig, Frankfurt und Berlin.

Alles andere als eine Katastrophe muss 1983 die Premiere gewesen sein, denn der Lauf wird seither ununterbrochen durchgeführt, bis 1997 als Rotkreuz Marathon, danach als Baden-Marathon. Sechs Läufer, die bei allen 30 Veranstaltungen aktiv als Finisher dabei waren, können geehrt werden:  Theodor Scheurer, Paul Albert Brakhage,  Wilfried Huber, Dieter Sanitz, Norbert Gründling, Dieter Bury. Letzterer spricht aus, was man von älteren Herrschaften selten hört: „Heute ist alles besser und schöner!“ 

 
Die Jubilare
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Seit 1998 hat Fried-Jürgen Bachl das Sagen und seither wird viel probiert, um dem Lauf den Status eines Unikats zu verpassen. Denn wer dem Läufervolk bei einem Marathon-Überangebot nicht klarmachen kann, warum man gerade hier und nicht da und dort laufen soll, kommt nicht zum Zug.  So ist man vor ein paar Jahren auf die Idee mit dem Tanzmarathon gekommen. Heute sind an der Strecke über 1500 Tänzerinnen und Tänzer aus mehr als 100 Karlsruher  Tanzgruppen auf den Beinen, um für Musik, Stimmung und Motivation für die Läuferinnen und Läufer zu sorgen. Wie es ankommt, will der Veranstalter aus einer Umfrage erfahren, die auf der Website freigeschaltet ist. Dann wird man sehen, wie es weiter geht.

 
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Eine Spitzensportveranstaltung vom Kaliber eines Berlin- oder Frankfurt Marathon war der Baden-Marathon nie. Weltrekordambitionen hat man  alleine schon wegen der Strecke nicht, die einige Tempokiller in Form von Brücken und Naturwegen aufweist. Scheitern würde ein solches Unterfangen aber auch am Budget, denn eine Weltklassezeit oder gar ein Weltrekord gibt es nicht zum Nulltarif. 8.000 Euro zahlt man in Karlsruhe für einen neuen Streckenrekord. Das ist viel Geld für einen mittelklassigen Ostafrikanischen Läufer. Einen Sub-2:10-Läufer oder eine Sub-2:30-Läuferin geht dafür aber nicht an den Start.

Also bleibt man was man ist: Ein breitensportliches nationales und regionales Spektakel mit  durchaus ansehnlichen Leistungen in der Spitze, erlaufen von Sportlerinnen und Sportlern meist aus Kenia.  Um die Aufgabe, eine solche Veranstaltung im Gespräch zu halten, immer wieder aufzumotzen und als etwas Besonderes zu verkaufen, beneide ich Fried-Jürgen Bachl so wenig wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen in anderen Städten mit ähnlicher  Problematik.

 
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Uns Hobbyläufern und Breitensportlern kann diese Konstellation nur recht sein. Die Chancen, dass man uns den roten Teppich auslegt, sind gut.

Bleiben wir in Karlsruhe. Mit der Europahalle, dem  Beiertheimer Stadion und der Heinrich-Hertz-Schule (Gepäckaufbewahrung) gibt es eine perfekte Infrastruktur mit kurzen Wegen und mit idealer Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.  Für 39 bis 49 Euro bekommt man einen Startplatz, meist inklusive einem attraktivem Geschenk. Die Rucksäcke in den Badischen Farben zum Beispiel sind fast schon Kult und man sieht sie überall.

Die Strecke besteht aus zwei unterschiedlichen Halbmarathon-Runden und führt zunächst nach Durlach, in den Oberwald, nach Rüppurr und Bulach. Die zweite Runde, die wie die erste als Halbmarathon gelaufen werden kann, geht entlang der Alb in die Weststadt und hat als Höhepunkt das Schloss und den Schlossgarten. Zurück geht es durch den Süden der Stadt.

Weil zurzeit die gesamte Innenstadt vom Durlacher bis zum Mühlburger Tor untertunnelt wird, ist ein weiteres Karlsruher Vorzeigeobjekt, der Marktplatz mit der Pyramide, nicht in die Laufstrecke zu integrieren.

 
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Aber das 1715 erbaute Schloss reißt alles raus. Und dieses Jahr sowieso. Das Portal ziert nämlich eine riesige, pinkfarbene poppige Kuckucksuhr, der Eingang ist der bekanntesten Zunge der Welt nachempfunden, dem Markenzeichen meiner Lieblings-Boygroup namens Rolling Stones. Verzeiht mir, wenn ich das Kunstwerk von Stefan Strumbel, das auf seine „Holy Heimat“-Ausstellung aufmerksam machen  soll, zigfach ablichte.

Viel mehr sehe ich von der Strecke nicht, denn ich bin dieses Wochenende (ihr habt es schon vermutet) nicht läuferisch unterwegs und verweise diesbezüglich auf Joes Laufbericht.  

 
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Beim Eintreffen meiner Leistungsklasse im Ziel im Beiertheimer Stadion bin ich aber selbstverständlich vor Ort. Manchem graust es, wenn es in der Ausschreibung heißt:  „Stimmungsvoller Zieleinlauf im Stadion XY“. In der Praxis sind das nämlich mehr oder weniger große Sportarenen, die am Lauftag nach 4 ½  Stunden eines gemeinsam haben: Sie sind menschenleer, die Atmosphäre eher steril. Außer Deiner Frau ( „Da bist Du endlich“) kriegt Deinen Zieleinlauf niemand mit. Vom letzten Jahr weiß ich noch, dass das in Karlsruhe ganz anders ist.

Aber dieses Jahr? Ich glaube, ich träume. Schon vor dem Stadion sind viele Zuschauer. Und drinnen? Die Tribüne ist proppenvoll, die Stimmung super. Ein Geniestreich der Veranstalter macht es möglich. Im fliegenden Wechsel treten Tanzgruppen auf und Georg Schweitzer läuft sich auf der Aschenbahn  im weißen Anzug, rotem Hemd und Krawatte einen Wolf. Seine „Bebber“ steht nicht still. Zu jedem Finisher fällt ihm was ein.  Eine echte Granate, der Schorsch.

Zusammen mit den Marathonis laufen die um 11.30 Uhr gestarteten Halbmarathonläufer ein, die sich für die zweite Runde entschieden haben. 

Auch nach über 5 Stunden geht es im Stadion noch so hoch her, dass Fried-Jürgen  bedauernd meint: „Schade, dass kaum noch Läufer eintreffen!“ Vielleicht wird das im nächsten Jahr anders. Man hat den m4y-Kommentar bezüglich der Zeitlimits interessiert und aufgeschlossen zur Kenntnis genommen. Da kommt was.

Nicht nur auf der Tribünenseite des Stadions geht die Post ab, auch auf der „Gegengeraden“  ist der Teufel los. Glaubt  nicht, dass die Bezeichnung „Runner’s Heaven“ eine der üblichen Übertreibungen ist. Es gibt einfach alles:  Bier und Cola, Wasser in allen möglichen Farben und Geschmäckern, Obst, Suppe, Wurst und Käse, verschiedene Wecken (Brötchen) usw.  Und alles in rauen Mengen und das auch noch nach 5 Stunden. Hier geht keiner so schnell weg.

Jetzt wollt Ihr bestimmt wissen, wann es den 31. Baden Marathon gibt. Am 22. September 2013. 

Marathonsieger

Männer

1 Maswai, Samwel (KEN) 02:11:46
2 Toek, Silas (KEN) 02:12:36
3 Kimaiyo, Nashashon (KEN) 02:12:53

 
Samwel Maswai und Silas Toek (KEN)
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Frauen

1 Kandie, Joyce (KEN) 02:34:39
2 Jerotich, Lydia Rutto (KEN) 02:39:10
3 Shiferaw, Rahel Kebede (ETH) 02:41:20


1459 Finisher

 

Informationen: FIDUCIA & GAD Baden-Marathon
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